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Es ist nicht so sehr wegen des Geldes, sägte sie, über so etwas bringt Unglück!"

Während sie sich umkleidete, hielt die Familie Kriegsrat. Mir kam ein Gedanke.Täuschen wir sie! Ich werde ein gleiches Portemonnaie kaufen und wir werden ihr sagen, daß es das ihrige sei, das man gefunden und zurückgebracht habe."

Aber", bemerkte meine Frau,dann müßte man aber auch wissen, was drin war."

Wir werden es ihr beim Mittagstisch entlocken . . ."

In der Tat, da sie fast nichts ast, fragte jedes sie um die Wette aus. . . recht schlau und pfiffig . . . denn sie war auch nicht auf den Kopf gefallen!

Schließlich, Großmama, war es doch kein Vermögen, das du da verloren ..."

Je nun! Es waren drei 20 Fr.-Stücke, etwas Scheide­münze ... ich weiß nicht mehr genau. . . Ach, ich erinnere mich wieder: drei 20 Centimes-Stücke! Tann ein dickes Sou- Stück, das ich für meinen armen Alten da unten bestimmt hatte . ." . Wir wechselten verständnisvoll einige Blicke. Nachdem sie ihr Täßchen Kaffee getrunken hatte, wurde Großmutter von meiner Frau in ihr Zimmer geführt.

Kaum hatte sich die Türe hinter ihr geschlossen, als wir uns einander näherten.

Ich erklärte ganz leise :Ich werde das Gold liefern."

Ich die Scheidemünzen!" sagte meine Schwester.

. Zugegen waren noch die zwei Benjamine des Stammes, mein jüngster Sohn und meine kleine Nichte.

Ich habe nur ein kleines Stück von 4 Sous", sagte diese, -,ich gebe es."

Ich gebe die zwei anderen!" beeilte sich jener, sie zu überbieten.

Tann wagte sogar unsere alte Madeleine, die eben den Tisch abräumte, zu bemerken:

Ich würde mich sehr freuen, wenn der Herr mir erlaubte, 10 Centimes . .

Bravo", rief ich,nun ist die Subskription geschlossen."

Noch nicht!" . .. . sagte meine Frau beim Eintreten,Grost- mntier ist eben noch etwas eingefallen, das sich nicht so leicht ersetzen lassen wird."

Was beim?"

Ter Lilienorden von Großpapa!"

Tiefe Auszeichnung, welche man heute nicht mehr kennt, war im Jahre 1815 die bourbonische Belohnung und unsere Großmutter, allen Erinnerungen treu, bewahrte sie wie ein Reliquie.

Mau kann eine solche bei irgend einem Kaufmann haben, der Nippsachen seil hat", rief ich aus.

Still! Man würde uns hören können."

Alle gingen in den Salon zur Großmutter. Ich verabschiedete Mich bald unter dem Vorgeben, bei der Polizei die Anzeige, machen zu wollen. >

Ach", sagte Großmutter,ich rechne viel mehr auf den heil. Antonius von Padua. Dieser Selige, Ihr wißt es vielleicht nicht, hat seine Spezialität: Großer, heiliger Antonius von Pa­dua, der du alles wiederfindeu läßt, erweise auch mir die Gnade, das wiederzufiuden, was ich suche."

9hm lief ich von einem Laden zum ändern, leider ohne Resultat. Da fiel mir plötzlich eine letzte Möglichkeit ein. Es wär in Nizza. An einem Tage war Großmutter auf einer Bank der Promenade des Anglais während iveniger Minuten allein geblieben. Ta nahte sich lächelnd ein Greis und setzte sich au ihre Seite,. Er schien dasselbe Alter zu haben, eine ebenso vorzügliche Gesundheit und den entsprechenden Charakter. Die beiden Jahrhunderte wenig­stens waren sie es beinahe betrachteten sich mit einer sympathi­schen gegenseitigen Bewunderung. Tann kam die Unterhaltung bald in Fluß.

Ich bin 91!" sagte der Alte.

Ich 93!" erwiderte stolz die Allel

Und Ihr seid aus diesem Lände, gnädige Frau?" Entschuldigen Sie, ich bin aus Quimper-Corenttn." Ei was? Ich auch! Indessen erinnere ich mich nicht ., . . Allerdings bin ich in meiner Jugend fortgezogen und zwar äus einem besonderen Grunde."

Darf ich so indiskret sein, Euch darnach zu fragen", bemerkte Großmutter, indem sie über die Brille schäuend, ihrem Nachbar näher rückte.

Er antwortete mit einem Seufzer.

^öeskummer! . . . liebe Frau . . . eine Kusine von mir, bildschön, bie sich mit meinem besten Freunde verheiratete, . . Ach, er war in ber Tat bieses Vorzugs würbig."

Tann seid Ihr also ber Kusin Friedrich!"

«Was! Ihr erkennt mich toieber! Wer seid Ihr benn?" Mau nannte mich damals bie Rose von Valcroissant."' Wie? Tu bist es, Rosette?" !

*

Urteilt selbst, ob ber Kusin Friebrich unser Freund geworden tst. Altersgenosse des Großvaters und ebenfalls Royalist vom reinsten Wasser, mußte auch er Ritter des Lilienordens ge­worben sein.

Ich lief eileubs zu ihm. Er hatte seine Auszeichnung gut auf­bewahrt unb gab sie mir mit der größten Bereitwilligkeit. Hulbigte er nicht Rosette bamit?

Jetzt war nur noch dasselbe Portemonnaie zu beschaffen. Ich

eile zum Laden. Er wär schon geschlossen. Ich kehre am Vor­mittage des folgenden Tages dorthin zurück.Ach, mein Herr", erwidert der Kaufmann,ich hatte nur zwei gleiche und das zweite habe ich gestern verkauft."

An wen?"

An den Polizeikommissar."

Im Nu war ich in dessen Bureau und brachte mein Ackl liegen vor.

Mein Herr, überlassen Sie mit das Portemonnaie!"

Von Herzen gern! aber unter hier Bedingung, daß ich es, Ihrer Großmutter selbst überbringen darf."

Ich akzeptiere und eile voraus. Die Großmutter war schock aufgestanden, vollständig angekleidet unb weit weniger bekümmert, als ich vermutete.

Nun", sagte sie mir,unb bie Polizei?"

Noch nichts! Aber ber heil. Antonius von Pabiia hat noch nicht sein letztes Wort gesprochen."

Ich rechne barauf!" erwiberte sie.

Sie hatte eine ausfallend geheimnisvolle, muntere Miene, was mich eigentlich hätte aufmerksam machen müssen. Ihre Kinder kamen, sie zu begrüßen und zu umarmen. Bald war die ganze Familie versammelt, sogar bie alte Madelon.

Es läutete. Das war der Polizei-Kommissar.

Gnädige Frau, sagte er ernst, ist dies Portemonnaie nicht dasjenige, das Sie verloren haben?"

Ja, mein Herr, ganz ähnlich!"

Was enthielt es, bitte, gnädige Frau?"

Tie 20 Fr.-Stücke, das Silber- unb Kupsergelb kämen zum Vorschein. Als aber auch das Kreuz b'er Lilie auftauchte, rief sie ganz verblüfft ans:

Tas geht aber über meine Begriffe!"

Aber warum benn, Großmutter. . . Ihr betrachtet uns über Eure Brille?"

Denkt Euch", bemerkte sie,biefe Nacht habe ich mich erinnert,- baß ich mein Portemonnaie gar nicht mitgenommen habe, als ich spazieren ging. Es lag in einer Schjublabe, wo ich es heute morgen wiebergefuuden habe. Sehet nur her, die beiben bilbeck ein richtiges Paar!"

Ich überlasse es bem Leser, sich unsere bummen Gesichter auszumalen.

Es blieb mir nur noch übrig, für mtibernbe Umstände zck plaidieren.

Großmutter, es ist in guter Absicht geschehen unb jeher vock uns hat seinerseits bazu beigetragen. Ter Vetter Friedrichiein Lilienkreuz, Madelon, ihr dickes Sou-Stück, die Kinder, ihre kleineck Silbermünzen. . .

Und es kam aus gutem Herzen, Großmama!" riefen sie, yibein sie auf sie zneilten.

Sie nahm sie in ihre Arme auf und sagte zu uns allen mit einem Lächeln auf den Lippen, den Blick feucht von süßen, Tränen:

Ist der heil. Antonius von Padua nicht wirklich ein großer Heiliger? Durch den neuen Beweis von Zärtlichkeit und Siebe, meiner ganzen Umgebung hat er mich hundertmal mehr toieber» finden lassen, als was ich verloren zu haben glaubte . .

CkmeneeKu-Mtze.

Aus der unerschöpflichen Wille des ClemenceauscheN Witzes pflückt der Gaulois einige bezeichnende Bonmots, in denen der frühere Ministerpräsident seinen geistreichen Sarkasmus während seiner Amtszeit hat spielen lassen. Vor allem waren seine Ministerkollegen eine willkommene Zielscheibe fiir die scharfen Pfeile seines Spottes. Sie alle haben von Clemenceau ihre Spitznamen empfangen. Caillaux und Barthöu z. B. nannte er nie anders alsdie beiden Pikkolos", den Marineminister Thomsonden kleinen Seebären", den vielgeschäftigen Unterstaatssekretär der schönen Künste Dujardin-Beaumetz taufte erFollette", wo­mit man gemeinhin ein etwas kindisches und kokettes kleines Mädchen bezeichnet. Cheron warder Cid der Normandie" und Picquart, der Kriegsminister, hätte den Beinamen Polin" empfangen, nach dem berühmten Soldaten-Komiker der Pariser Varietes, der den kleinen Piou-Piou, den fran­zösischen Rekruten, mit so hinreißender Komik darstellt. Millies-Lacroix hieß nie anders alsDer Neger". Mit be­sonderer Vorliebe vergnügte sich der Ministerpräsident über den unerschöpflichen EiferFollettes", der sich keine Ge­legenheit entgehen ließ, bei allen möglichen Einweihungen die Regierung zu vertreten. Eines Tages liegt dem Miuister- rate das Gesuch einer Gemeinde vor, die bittet, doch einen Regierungsvertreter zu dem feierlichen Akte der Einweihung einer kleinen Gemeindeschule zu entsenden. Clemenceau. beugt sich zu Caillaux und flüstert ihm ins Ohr:100 Sous, daß Dujardin-Beaumetz sich bereit erklärt."10 Frank, daß er ablehnt." Das Gesuch wird verlesen. Alle Minister beugen schleunigst das Haupt vor dem fragenden Blicke des Ministerpräsidenten nnd blättern eifrig in ihren Akten.