Ausgabe 
28.6.1909
 
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das absichtliche Mitspielenlassen von Requisiten.Zwei miteiw- Mder spielende Darsteller setzen sich innerhalb einer Biertel- stunde auf zehn Fauteuils", meinte er spöttisch. Als einmal! Siegwart Friedmann, der den Hamlet spielte, in der Szene Mit seiner Mutter außer zwei auf der Bühne befindlichen Stühle Noch einen dritten verlangte, ries Laube ganz entrüstet:Das ist mir noch nicht vorgekomuteu ein Hamlet mit drei Stühlen!" Der Regiekunst des Herzogs von Meiningen ließ er volle Gerechtig­keit widerfahren, äußerte aber doch im Gespräch:Wenn ich schon 4000 Gulden für echte Bärenfelle ausgebe, so möchte ich inir für dieses 'Geld doch lieber einen echten Schauspieler kaufen." Bei den Proben war ihm eine Störung Pas 'Widerwärtigste, weil er sich mit ganzer Hingebung dem Spiel zugewandt hatte. Als er Direktor des Wiener Stadttheaters war, bereitete es ihm deshalb viel Aerger, daß der Präsident des Direktionsrates, Freiherr von Schey, häufig zu ihm auf die Bühne kam, um geschäftliche Mit­teilungen zu machen. Einst geht der Präsident mit knarrendes Schuhen hinter dem Prospekt über die Bühne. Laube springt wütend ans und läuft dem Ruhestörer mit den Worten entgegen: ,,Welcher Elefant trabt 'denn da hinten herum?" Da erscheint der Freiherr in der matten Probenbeleuchtung.Ah, Sie sind's schon wieder, Baron!", ruft der Direktor, dreht sich um und geht zum Regietisch zurück. Er war ein Feind von allem Heraus­treten in die Oesfeutlichkeitl als bei der Erstaufführung von Sulamith", der über seinen Erfolg hochbeglückte Dichter Keim bei dem häufigen Hervorrufen auch den neben ihm stehenden! Laube auf die Bühne mit hinausziehen wollte, rief dieser ihm Nur barsch zu:Lassen.Sie mich in Ruhe Sie sind besoffen!, junger Dichter!" Die erste Rolle, die Tyrolt am Wiener Stadt­theater spielte, war die des Krongroßmarschalls imDemetrius", die nur aus den zwei anmeldenden Worten:Der König" bestand. Mach Jahren wurdeDemetrius" wieder aufs Repertoire gesetzt, Und Laube vergaß, Tyrolt die Rolle abzunehmen, obgleich dieser damals schon ein sehr angesehener und auch teuer bezahlter Schau­spieler war. Bei einer Probe kommt Laube gerade auf die Bühne, !als 'Tyrolt mit Stentorstimme seinDer König" ausruft. Der Direktor stürzt auf ihn zu:Was heißt das. Sie spielen noch immer den Krongroßmarschall?"Jawohl, Herr Direktor!" Wieviel Spielhonorar haben Sic denn jetzt?" Zwanzig Gulden." >,Da kommt ja das Wort auf zehn Gulden? Nee, lieber Freund! Das ist.mir zu teuer! Augenblicklich die Rolle abgeben!" Mit dem Schauspieler Otter, der ein Riesenorgan hatte nud von Hjm gegen Laubes Willen allzustarken Gebrauch machte, studierte der Direktor denLear" ein. Aus der letzten Probe zeigen sich bef Otter plötzlich Anzeichen einer beginnenden Indisposition, und er ruft mit Entsetzen:Herr Direktor, ich fürchte, ich werde heiser!"Gott sei Dank," antwortete Laube ruhig. Bei einer Audienz, die Laube beini König von Sachsen hatte, sieht der Herrscher den 'Besucher genau an .und sagt plötzlich:Lieber Laube- ich irre mich doch nicht? haben Sie denn von Mir nicht eine Auszeichnung erhalten?"Gewiß Majestät," erwiderte Laube und zeigt mit energischer Handbewegung auf seinen Frack, all den er tu der Zerstreuung einen fremden Orden geheftet hatte. In zwei anschaulichen uni) bezeichnenden Episoden schildert Tyrolt die glänzende Fähigkeit Laubes, beim Einstndieren von Rollen seinen Schauspielern eilten vorzüglichen Anschauungsunter­richt zu erteilen. Ein Schauspieler soll einen Betrunkenen dar­stellen und torkelt recht heftig auf der Bühne herum. Laube kratzt sich mit dein Lorgnon auf dem Kopf, der stereotypen Geste seines! Mißfallens, Und ruft den jungen Mann heran:Haben Sie schon mal einen ,Betrunkenen genau angesehen? Waren Sie schon einmal selbst betrunken?" fragt er und fährt nach einer zögernden Bejahung fort:So! und wenn ich Ihnen da nun zufällig begegnet wäre, was hätten Sie da getan?" Nachdenklich erwidert der Schauspieler:Dann . . . dann hätte ich mich bemüht - weniger zu torkeln!"Sehen Sie!", sagt nun Laube,jetzt sind Sie auf deut richtigen Wege. Jeder Betrunkene bemüht sich tu Gegenwart Nüchterner gerade zu stehen. Also weniger torkeln, junger Freund', und in Zukunft mit offenen Augen die Menschen nach links Und rechts genauer ansehen!" Drastisch veranschaulichte Laube auch, wie jeder Schritt und jede Bewegung äbschwächend wirken können. Er stellte sich vor einen Schaik- spieler hin und sagte etwa:Wenn ich Ihnen zurufen wollte: Sie sind' ein Esel! Und während dieser Rede auf Sie zuginge, so ist .die Wirkung eine weitaus schwächere, als wenn ich zuerst dn Sie heranschreite, dann vor Ihnen stehen bleibe Laube tat beides Und erst jetzt säge: Sie sind ein Esel!"

Vermischtes.

* König Eduard im Theater. Hat sich König Eduard zum Besuch irgend eines Stückes in einem Londoner Theater entschlossen, bann läßt er, wie jeder andere Privatmann, eine Loge für sich belegen. Kein Mensch, außer dem Besitzer des Theaters, erfährt von seiner Absicht, und nur die Schutzleute, die in den Straßen Dienst haben, die der König am Abend durch­fährt, werden davon benachrichtigt. Selten wird der Beginn des Theaters wegen des.königlichen Besuches verschoben. Der König stellt sich vielmehr mit seiner Gemahlin pünktlich nm 8% oder

8V2 Uhr in seiner Loge ein. Besondere Borbereitungen für seines Empfang, -oder eine Besetzung der Rollen mit besonders guten Kräften werden nicht vorgenommen. Besitzt das Theater für die besseren Logenplätze einen besonderen Empfangsraum, dann werden in diesem wohl ein paar Rosen und Lilien, die Liebliugsbluinm der Königin Alexandra, ausgestellt und einige kleine Borbereitungen für den Empfang des Königs getroffen: doch ist dies nur selten der Fall. Ist der Theaterbesuch des Königs bereits einen Tagj vorher bekannt gewesen, dann wird wohl noch schnell ein besinn deres künstlerisches Programm gedruckt und vor die königlichen Plätze gelegt. Während der Pausen nimmt der König nebst seinen Begleitern wie jeder andere Theaterbesuch Erfrischungen zu sich. Doch werden diese nicht von dein Wirt des Theater-, Restaurants geliefert, sondern eigens für den König gebracht. Zeitungen liegen im Borraum der Loge stets für den König bereit, da er es liebt, während der Pausen sich über die Ereignisse des Tages zu unterrichten.

* D i e kritischen Tage des Menschen. Von großem Interesse nicht nur für die Wissenschaft, sondern auch für die Laienwelt ist eine Beobachtung, deren Wesen und Bedeutung der Wiener Arzt Dr. Hermann Swoboda in seiner jüngst erschienenen SchriftDie kritischen Tage des Menschen" (Wien und Leipzig, Franz Deuticke) beleuchtet. Das in der ganzen organischen Welt bestehende Gesetz der Periodizität 'beherrscht auch 'den Menschen, und zwar den Mann so gut Ivie das Weib, in viel höherem Maße, als das früher geahnt wurde. Gewisse Zustände des Organismus treten nicht zu beliebiger Zeit oder aus äußeren Anlässen, sondern nach einem dem Körper innewohnenden Gesetz mit nratheniatischer Genauigkeit auf. Biele Erscheinungen, die man für Krankheiten! hält, sind nur regelmäßig wiederkehrende, schmerzhafte Aeuße- rangen des Lebensprozesses. Die Symptoine der kritischen Tage sind manchmal ganz harmlos, manchmal bedenklich, nehmen aber stets einen gutartigen Verlauf. Sie können in Blutungen aller Art, Schnupfen, Entzündungen, Hautausschlägen, Herzbeschwerden, Berdauungsstörungen, Reizbarkeit, Nervenschmerzen, Schwindel- anfallen, Müdigkeit bestehen. Die Kraft des 'Geistes und des Willens ist geschwächt, man ist zerstreut, unschlüssig und unge­schickt. Manchmal sinkt die Lebenslust so herab, daß mau sich Unfällen aussetzt, um das Leben Preiszugeben, ohne direkten! Selbstmord zu verüben. Die häufigsten Perioden, in denen kri­tische Tage wiederkehren, sind 23 und 28 Tage. Doch ist die Mathematik des menschlichen Organismus viel komplizierter, als es nach 'Auffindung dieses Schlüssels scheinen könnte. So treten z. B. 'gewisse Beschwerden nicht nach jeder Periode auf, sonders in Abständen, die ein Vielfaches oder einen Bruchteil von 23 oder 28 sind. Ueberdies gibt es sog. außertourliche kritisch« Tage, die durch unsere eigene Schuld entstehen. Jede Übermäßig« Ausgabe von Lebenscnergie zieht nach einer bestimmten Zeit eine Lebensvcrminderuug mit den Symptomen der kritischen Tage nach sich. Häufig erfolgt der Ausgleich der Stimmungen nicht auf einmal, sondern in immer kleiner werdenden Raten. So treten kritische Symptome aller Art 23, 46 und 69 -läge nach einer UeberanstrengUng -oder Ausschweifung auf. Ebenso die Wir­kung erschütternder Ereignisse. Der Schmerz nach dem Tode eines teuren Anverwandten bricht manchmal erst nach 23 Tagen mit voller Heftigkeit los, dauert 23 Tage und verschwindet dann. Andererseits wiederholen sich gewisse Erscheinungen je paar Tage, die regelmäßige Bruchteile der Perioden darstellen. Die Pe­riodenlehre wälzt manche medizinische Anschauung um. Es läßt sich 'beobachten, daß der Mensch nicht zu jeder Zeit Krankheiten! zugänglich ist, sondern nur während der kritischen Tage, wo sein Organismus die Widerstandsfähigkeit verloren hat. Diese Tage be­zeichnen einerseits das Werden des Organismus, anderseits seinen langsamen Abbau. Der Tod ist fein vereinzeltes plötzliches Er­eignis. Er ist nur der letzte kritische Tag.

Arithmogriph.

1 2 7 6 deutscher Strom.

2 6 6 2 weiblicher Vorname.

3 2 5 2 6 Stadt in Schlesien,

4 2 1 2 6 2 südamerikanische Stadt.

2 5 2 6 Voltsstamm in Ostafrika.

5 2 6 3 nützlicher Vogel.

6 2 7 6 Ort in Palästina.

7 3 7 3 ägyptische Gottheit.

Die Anfangsbuchstaben der gefundenen Wörter sotten der Reche nach von oben nach unten gelesen den Namen eines italienischen Komponisten ergeben.

Auslösung in nächster Nummer.

Auslösung des magischen Zahlenqnadrats in voriger Nummerr 34 j220|443|302 3021443|2201 34 22O] 34 1302i443 443j302j 34 [220

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, N. Lange, Gießern