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nestflb-n, nicht mehr geforscht, aber auch van dem Bau von Baracken ist nichts zu sehen. Inzwischen strömt der Regen nieder und die Tausenden von Ueberlebenden auf dem Lande sind gegen Wmd und Wetter nicht geschützt. Wer Tag um Tag verrinnt in dergleichen Weise. Man hat sich schon daran gewöhnt. Wir sind in anpassungssähig, und man könnte ewig so weiterleben, wenn die Verhältnisse so bleiben." Die Militärbehörden können den Ausgaben nicht genügen. Sie behandeln den Notstand, tote man eine Revolution bekämpft, das ist nötig und heilsam, aber tonnt ist tos wichtigste noch nicht getan. Was fehlt, ist eine einheitliche Leitung, ein Mann, der der gewaltigen Organisationsaufgabe mit Tatkraft gegenübertritt. „Man karm nicht alles von Rom aus ntachen. Ein Mann mutz kommen, der die Wiedercrstehung schafft; er must gesucht werden, nicht nach Rang oder Verbindungen, sondern nach Fähigkeit, Talent und Energie. Wenn wir einen solchen Mann nicht finden, so müssen wir an der Zukunft unserer Rosse verzweifeln." Gewaltige und ungewohnte Probleme harren der Lösung. Man tvill eine Kommission ernennen, um die Ausgrabungen zu überwachen, jeder Besitzer soll am eigenen Hause unter dieser Aussicht arbeiten lassen. Dabei übersieht man die Größe der Verwüstung. Graben und Schutt beiseiteräumen heißt so nichts anderes, als die Schuttmassen auf die Rachbargrund- stücke zu iverfen. Schienen müssen gelegt werden, Bahnen und Wagen herbeigeschasst, Tausende müssen arbeiten, um so die Trüm- merinassen aus der Stadt zu fahren und ins Meer zu versenken, dantit Platz etrtstehe für eine neue Stadt. Aber itiemand ist da, der eine solche Aufräumung großen Stils orgartisierte., Und ebenso ist es mit den Baracken, bereit Einrichtung doch viel einfacher ist. Während an der kalabrischen Küste die Energie und die Tat- Kast der Kommissäre bereits überall Unterkunftsstätten für die Ueberlebenden geschaffen haben, schmachten hier Tausende unter improvisierten Zelten, deren der Regen und der Sturm spotten.
— Eine neue Erfindung So ie Fullers. Die bekannte Erfinderin des Serpentintanzes Loie Fuller hat wiederum eine neue Erfindung gemacht, die sich „Lichtorchestration in Farben" nennt und auf der Tatsache beruht, tost die Töne der verschiedenen Orchesterinstrumente gleichzeitig gewisse Farbentöne Vertreten. ES gibt auch besonders veranlagte Personen, die diese Farben beim Auhören von Orchestermusik empfinden. Loie Fuller hat nun Apparate konstruiert, die imstande sind, diese Farben sichtbar zu machen und die Verschlingung der bei der Orchestermusik entstehende» Farbentöne dem Publikum durch Moleküle, die in verschiedenen Farben leuchten, vor Augen zu führen. Die Erfindung soll demnächst in Berlin zum erstenmal öffentlich vorgefllhrt werden.
* Der arme Künstler. Wir lesen im „Renen Poster Journal" das folgende Geschichtchen: Der berühmte Sohn war nach Hanie gekommen, um der Mutier einen Besuch abzustatteu. Er ivar Pianist geworden, Kunstfreunde hatten ibn ausbilden lassen, dann war er ein Jahr hin- durch auf einer Tournee von Triumph zu Triumph ge- schritten und kehrte nun mit Ruhm bedeckt in die Heimat zurück. Ms der Zug auf dem Bahnhose hielt, fuhr der Kiinstler sich noch einmal in das vo'te Lockenhaar und verließ dann das Wteil. Gleichzeitig machten die vielen Kunstbegeisterten, die sich zu seinem Empfange eingefunden hatten, der Mutter Platz, damit sie als Erste den berühmten Sohn begrüßen konnte. Sie hatte ihn jetzt erreicht, stand jedoch plötzlich wie erschrocken still und starrte ihn an. Im nächsten Augenblick begann sie zu schluchzen und fiel ihm dann um den Hals. „Heinrich, mein armer Heinrich," weinte die gute Frau. „Sie erzählen alle, es ginge dir so gut, und du verdientest so viel Geld. Mein armer, armer Junge!" — „Was ist denn nur los, Mutter?" fragte der bestürzte Sohn. „Weshalb zweifelst du denn an dem, was dir gesagt worden ist?" — „Ach, Heinrich, ich sehe ja, was du gelitten haben mußt. Du hast ja nicht mal Geld genug gehabt, um dir die Haare schneiden lassen zu können!" ■— Die Geschichte mag nur erfunden sein, doch — es gibt solche gute Mütter!
* V oi! d e m Schirm- oder S t r e i t h u n b. In den letzten Tagen lvurde die Aufmerksamkeit mehr als sonst auf die Polizeihunde gelenkt. Es ist wohl für viele Leser interessant, zu hören, daß man schon früher sich einer Art Hunde bediente, die zur Verfolgung der Mörder benutzt wur- den. In Geßners (Geßnernm Conradum lebte 1516 bis 1565 in der Schweiz, zuerst als Professor der griech. Sprache in Lausanne, später als Arzt in Zürich. Seine zoologischen. Schriften stehen bedeutend höher als die seiner Zeitgenossen.) Tierbnch lesen wir darüber: „Es werden etliche Hund zu der Mensclwn Hut, und zum Streit erzogen, dürr, und schuß- lich, darbey aber stark und verwegen seyn, daß sie auch ivtder bewasfneie Leuth zu kämpfsenn itnd zu strerteu an
geleitet werben: Sie sollen keine anbere Mensche« erkennen, und keinen andern liebkosen, als allein ihre« Herren, sich auch von keinem antasten lassen, und allem aufs ihren Herrn sehen und seiner hüten. Zu dem Streit werden sie mit Kunst erzogen und abgerichtet. Alexander Pheraeus, ein großer Tyrann tn Thessalia, soll einen überaus großen und scheußlichen Hund erzogen haben, de« jedermanns Feind gewesen, ausgenommen derjenigen nichts so ihm Speyfe dargeworffen: Solchen Hund hat er M einem Thürhüier oder Wächter seiner Schlaffkammer gehalten, dieweil er sich für den Leuten, von wegen seine« Tyrannei;, nicht sicher wüste."
* Die Behandlung des Schnupfens. Di« ersten Anzeichen eines sich entwickelnden Schnupfens: uit* angenehmes Kitzeln in der Nase, Niesen, meist rasch ein- setzende übermäßige Sekretion oder manchmal das Gegen- teil: Trockenheit und Verstopfung der Nase, bei manche« Individuen mehr oder weniger große Atembeschwerden, können, wie Prof. Dr. Wilhelm Winteruitz (Wien) in de« Blättern für klinische Hydrotherapie schreibt, in der Mehrzahl der Fälle durch äußerliche Mittel beseitigt Werdern Er verwendet zu diesem Zweck eine zehuprozentige Menthol- Chloroformlösung. Einige Tropfen davon werden auf die hoble.Hand geträufelt, rasch leicht verrieben und als Riechmittel au die Nase gehalten, bis die Flüssigkeit völlig verdampft ist. Die Einatmung dieses Mittels durch die Sias« verursacht ein angenehmes erfrischendes Gefühl in der Nase. Es scheint eine lebhafte aktive Hyperämie der Schleimhaut: zu bewirken und diese zu desinfizieren. Ein zweites derartiges lokales Mittel ist der dunkel rubinfarbige Aufguß der getrockneten Heidelbeeren auf eine laue Tem- peratur^von etwa 30 Grad Celsius gebracht. Die Durchspülung der Nasenhöhle mit diesem durchgeseihten Dekokt wird einen großen Teil der Beschwerden des akute« Schnupfens vorübergehend oder auch dauernd beseitigen. Man ist anfangs erstaunt, wie ohne die geringste Reaktion die Durchspülung der Nase mit dieser Flüssigkeit ertragen wird. Das lästige Gefühl von Verstopfung und Undnrch- gängigkeit der Nase und die davon abhängigen Atemüe- schwerden lassen oft unmittelbar nach der DurchsPülunA nach. Die Sekretion verändert sich, die übermäßige wird! spärlicher, aber auch das Gefühl von Trockenheit läßt nach,
* Der Schnee. Das Laboratorium der großen ärztlichen Zeitschrift „Lancet" hat in der letzten Dezemberwochs eine Londoner Schneeprobe einer chemischen Untersuchung unterworfen. Der Schnee, der eigentlich durch die chemische Formel H2 0, d. h. gemeines Wasser, ausgedrückt wird, wurde gleich nach dem Fall von Dächern gesammelt, geschmolzen und aus seinen Gehalt au verschiedenen chemische« Stossen geprüft. Von der geschmolzenen Schneemenge wurden 5 Kilogramm analysiert, und es fanden sich darin 1,8 Gramm Ruß, Kohlenteilchen und teerartige Stoffe, 0,7 Gramm andere feste Stoffe, davon 1/2 Gramm organische Stoffe, außerdem wurde Ammouiak und andere Stickstoff- Verbindungen 'in geringen Mengen festgestellt, endlich 89 Milligramm gewöhnlicl)es Kochsalz und 200 Milligramm Schwefelsäure. Da die meisten Menschen vor Grammen und Milligrammen wenig Respekt haben, Iverden ihnen diese Mengen winzig erscheinen. Wenn man aber bedenkt, welch ungeheure Scyneemassen sich über die Flächen einev Großstadt verteilen, so wird man einsehen, daß dies« Gramme und Milligramme durch Multiplikation bei einem einzigen Schneefall zu viele» Zentnern werden. Die Fabrikschornsteine sind selbstverständlich die Hauptschuldigen an dieser Verunreinigung der Luft.
Lsgogriph.
Reißend bin icb als Tier nut einem T in dem Haupte;
Setzest statt T du ein N, werd' ich em mächtiger Strom, Auslösung in nächster Nummer.
Auflösung des magischen Quadrats in voriger Nummert
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Redaktion; E. An der jo n. — Rotauonsdruck rind Vertag der Brützl'jchen Unwersttäts-Buch» und Steuidrncteret, R. Lange, Gießen«


