Samstag den 27. November

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Rheinlandstöchter.

Roman von Clara Kiebig.

(Fvrtfetzmtg.) (Nachdruck verboten.)

dlgnes hatte tute eine melke Blume den Kopf geneigt; ie iah ans ime ein Pensionsmädchen neben bet strahlenden, gebietenden Erscheinung der anderen. Man merkte ihr's an, ie fühlte sich unbehaglich in dem glänzenden Geschwirr, ie wäre gern am Arm ihres Mannes hängen geblieben; nun hob sie schüchtern den Blick.Ich soll dich grüßen Ms Koblenz, Anselma, von"

Frau Arnheim hörte gar nickt, sie griff nach dem Arm des schönen Mannes in der Gardeuniform.

Kommen Sie, Osten, wir wollen anfangen!" Und leiser iund tief atmend:Sie sind ja endlich da!"

Man sagt, arme Seelen brennen im Fegfeuer. Es gibt ein Fegfeuer der Leidenschaft, das ist schon Ho.llen-- brand auf Erden. Blicke, die herüber und hinüber schießen, lodernd toie eine Fackel Blicke, die mit furchtbarer Deut­lichkeit sprechen:Sei mein!"Ich kann nicht!" -,Du mußt mein fein!"Ich bin es schon!"----

Ein unterdrückter Laut der Qual rang sich von Agnes' Lippen, sie setzte den Champagnerkelch so fest auf die blumen- geschmückte Tafel, daß ihr Nachbar verwundert aufsah.

Befehlen gnädige Frau etwas? Sagten gnädige Frau 'etwas? Gnädige Frau sind doch nicht unwohl?" Der Tisch­herr erschrak wahrhaft; die junge Frau war totenblaß ge­worden, ihre Augen irrten mit einem verwirrten Blick hin über die lachenden Gesichter, die Blumen, das Silber, den ganzen Glanz; sie lehnte sich, zurück, als ob ihr schwindle.

Gnädige Frau sind unwohl oh! Darf ich Sie hinaus­führen oder Wasser?"

Rein, nein!" Agnes zwang sich ziu einem nervösen Lachen.Mir ist gar nichts, ich weiß nicht, tote Sie da­rauf kommen, vielleicht die "

Hoch, hoch, hoch!" Allgemeines Stimmengewirr, Rücken der Stühle, Mäsert'lingen. Jetzt ein brausendes Durcheinander. Mau ließ die schöne Frau des Hauses leben. Sie erhob sich, das Glas in der Hand, und grüßte lächelnd nach allen Seiten. Auch zu Agnes schaute sie hinüber; dann wandte sie den Kopf zu Osten, der dicht hinter ihrem Stachle stand. Sein Schnurrbart streifte ihren Scheitel; sie flüsterten zusammen. Und nun nickte Osten seiner Frau zu, nrehrmals, rasch hintereinander, hob das Glas und leerte es auf einen Zug.

Es war schon spät, zwei Uhr, das Fest zu Ende.

Er Hatte viel getrunken, Agnes merkte das wohl. Oder wovon schwammen feine Augen? Seine Sprache war hastig, überstürzt. Mit einem tiefen Seufzer ließ er sich in die Polster des Wagens fallen; nach fünf Minuten riß er das Fenster auf, eine eisige Nachtluft strömte herein. Er

sagte nichtentschuldige", er streckte den Kopf heraus und atmete mit fliegender Brust.

So fuhren sie nebeneinander hin, die junge Frau schauerte in ihrem leichten Kleid, die Külte kroch unten den dicken Pelzmantel und schnitt ihr ins Herz; sie hustete. Schüchtern sagte sie:Willst du das Fenster nicht zwi machen, Carlo? Mich friert so sehr!"

Ah, mit deinen ewigen Erkältungen Pardon!" Er riß klirrend das Fenster herauf und warf sich in die Ecke,

Draußen huschten die beschneiten Bäume des Tier­gartens vorüber; jetzt kam die Bikwria an der Siegesallee, und nun der große Platz. Kalter Mondschein lag darüber und machte ihn iveit und kahl. Alles so öde! Die zarte Frau duckte sich in ihre Ecke wie ein verfloguer Bogel wo war die Brust, an die sie flüchten konnte? Sie fror. Wo konnte sie ertoarmen?!

Jetzt waren sie zu Hause in der Rooiistraße. Der Diener chatte gewartet, er kam ihnen verschlafen entgegen; Agnes ergriff die Lampe und ging hinein zu ihrem Kind/ das tat sie immer. Felieitas schlief sanft, die roten Lippen leicht geöffnet, ruhig ging der Atem aus und ein. Mit gefalteten Händen stand die Mutter am Bett, daun stürzten ihr plötzlich die Tränen aus den Augen, sie wandte sich' ab und trat nebenan ins Schlafzimmer.

Wie traulich! Im Kamin noch glimmende Funken. Die rote Ampel wirft gedämpftes Licht; die spitzenbesetzten Decken der breiten Betten sind zurückgeschlagen, drüber ein Baldachin mit langwallenden, lauschigen Vorhängen.

Agnes preßte die Hände an die Schläfen und sah sich um tote eine Verirrte was tat sie hier, was wollte sie hier bei dem fremden Mann?! Er war ihr fremd/ er gehörte einer andern! Rasch, rasch, ehe er kam! Eins heiße Scham überflog sie; sie riß das Kleid herunter! wie eine umgestülpte weiße Riesenblume lag es auf dem Teppich sie streifte die Röcke ab und zog die goldenen Nadeln mts den Haaren, eilig huschte sie ins Bett und zerrte die Decke bis an's Kimi.

Da sein Tritt! Sie zitterte. Er kam von drüben/ schon im Schlafrock, die seidne Schnur nachschleifend, diö öaare zerwühlt; sein hübsches Gesicht glühte. UnsicherN Schritts schlorrte er durchs Zimmer. Krampfhaft preßte sie die Augen zu und mühte sich den Atem gleichmäßig aus- und einzuziehen wie eine tief Schlafende. Jetzt streifte sein Blick sie sie fühlte das, sie sah's trotz der geschloft feiten Lider ein gleichgültiger, fast widerwilliger Blick, Schläft schon," murmelte er und wendete sich ab. Ev hantierte int Zimmer herum, hastig stieß er att die Möbel!

Ae" und nun ein qualvolles Aufstöhnen! Er warf sich auf's Bett, sie hörte die Decke rascheln; ächzend vergrub er den Kopf in die Kissen.

Regungslos lag sie lange sie hörte ihn unruhig ahnen. Endlich öffnete sie die Lider; er schlief, aber er sprach int Traum und warf sich rastlos hin und her; das rote Licht der Ampel huschte über fein glühendes Gefichk