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MS ;er alles besichtigt hatte, wollte er MH, iwch ine Mühlsteins sehen; manj antwortete, daß das ein Geheimnis wäre, und ein Spaßvogel unter den Passagieren fügte hinzu, er solle nur eine tüchtige Ladung Getreide an Bord bringen, dann würde er schon das Mehl hercms'stieben sehen. Die Garnison von West-Point toter begeistert, ebenso die Bevölkerung der Städte, an denen man vorbeikam. Endlich langte der Clermont in Albany NN, vier Stunden vor der festgesetzten Zeit.
* Die g elesensten Bücher in früher er Zeit. Den bekannten statistischen Angaben über die gelesensten Bücher der Saison können wir ähnliche aus alter Zeit an die Seite sehen. Zur Frankfurter Archiv befindet sich das MeßMeMorial be# Frankfurter Buchhändlers Michael Harder über die Fastenmesse 1569. Jin ganzen verkaufte er 5918 Bücher, und am besten gingen das „Buch von den sieben, weisen Meistern" und Paulis „Schimpf NNd Ernst". Bon jenem würde er 233 Exemplare zu je 11 Schilling, von diesem 202 los. Ein Hausarzneibuch, das „Haird- büchlein Apollinaris" setzte er, obgleich es 26pz Schilling kostete, 227 mal ab. Volksbücher wurden flott verkauft, merkwürdigerweise aber solche französischen Ursprungs bevorzugt. Fortunatus ging in 196, Magelone in 176, Melusine in 158, Ritter Pontus in 147, Ritter Gelony in 144, Octavianus in 135, die Schwanksammlung „WenduNmuth" — die „unsterbliche Kiste" jener Zeiten — in 118, Wickrams Erzählung „Der Goldfaden" in 116 Exemplaren ab. Hug Schapler wurde 97, Eulenspiegel 77, „Esop" 69- mal verkauft. Die heimatliche Heldensage hatte an Beliebtheit verloren. Die Folioausgabe Siegmund, Feyerabends voM „Heldenbuch" brachte es trotz ihrer Billigkeit nur auf vier Exemplare. Das Volksbuch von Barbarossa wurde 39 mal abgesetzt und vom hürnenen Siegfried verkaufte Harder nur 34 Exenrplare, Port denen 25 nach Worms gingen, also wohl aus Lokalpatrivtismus erstanden wurden. Er hatte poch.religiöse, Recheip- und Formularbücher auf Lager und natürlich Kochbücher und Kalender. Von Kochbüchern verkaufte er 141. Noch besser gingen „Wallerbüchle", „Planeten" Und ähnliche Literatur. — Es scheint sich gegen jene Zett im deutschen Volke wenig geändert zu haben.
* Kostbare Zimmereinrichtungen. Die fürstlichen Launen in vergangenen Jahrhunderten trieben sonderbare Blüten. In der Entfaltung von Prunk kannten manche Potentaten, wie klein auch ihr Gebiet sein mochte, keine Grenzen. Ein sehr prachtliebender Herr war der Fürst Johann Moritz von Nassau- Siegen. Unter den Prunkstücken, die er für sein Residenzschloß anfertigen ließ, befand sich ein Mobiliar aus Elfenbein. Und dieses Mobiliar hat sich noch bis auf den heutigen Tag ausgezeichnet erhalten. Es besteht aus einem Sofa und zwei Lehnstühlen mit rotem Sammetbezug, einem auf vier Säulen ruhenden Tisch, zwei kleineren Sesseln ohne Lehne, zwei Leuchtertischen pnd zwei Spiegelrahmen mit Kristallgläsern. Alle diese Mobilien sind mit dem Nassau-Oranischen Wappen geschmückt und vorzüglich gearbeitet. Ihr Wert dürfte ein recht erheblicher sein, zumal sie stattliche Dimensionen besitzen und dabei recht solid und massiv sind. Durch die Oranische Erbschaft gelangten diese Möbel in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in den Besitz Kurfürst Friedrichs des Dritten von Brandenburg. Seitdem sind sie wohl kaum noch benutzt worden, denn bereits im Jahre 1689 wurden sie der Kunstkammer übergeben, aus der sie dann in unseren Tagen ins Hohenzollern-Museum gelangten. Uebrigens leisteten sich die fürstlichen Herrschaften sogar Möbel aus getriebenem und sorglich ziseliertem Silber. Schon im 16. Jahrhundert finden sich solche Prunkmöbel, insbesondere Tische, int Besitze der Medizi in Florenz. König Friedrich Wilhelm der Erste ließ sich durch den Berliner Silberschmied Christian Lieber- kühn jun. für den Rittersaal des Schlosses sogar einen silbernen Chor unfertigen. Sein Nachfolger, Friedrich der Große, sah sich im Jahre 1744 gezwungen, diesen Chor, der 94 812 Taler gekostet hatte, einschmelzen und durch einen versilberten hölzernen in Nachahmung des Originals ersetzen zu lassen. Das schloß aber nicht aus, daß der große König, wenn er bei Kasse war, ebenfalls eine starke Neigung für gewisse Pruukobjekte entwickelte. Besonders liebte er kostbare Tische aus buntem Marmor, Alabaster, Achat, schlesischem Chrysopras und anderen Halbedelsteinen. Einige sollen antiker Herkunft sein und aus den Villen und Palästen römischer Kaiser, so des Hadrian, stammen, andere find in Rom, Florenz, den Niederlanden und auch von dem talentvollen Kambly in Potsdam gefertigt worden. Die musivische Kunst ist bei ihnen zur schönsten Entfaltung gelangt. Der Wert mancher Exemplare geht in die Zehntausende. Auch einer Zimmereinrichtung in Bernstein, die sich ehemals im Berliner Schloß befand, mag gedacht tofcrbem Friedrich Wilhelm der Erste verschenkte sie gegen achtzig länge Kerls au Peter den Großen, oder, wie andere Berichte lauten, an die Kaiserin Anna Iwanowna. Der Berliner Johann Bernoulli sah sie 1778 in Zarskoje-Sselv. „Aus der Weilten Galerie des Schlosses tritt man," so schreibt er, „in ein großes Zimmer, das prächtigste in seiner Art, welches ich je gesehen habe; denn die Wände sind ganz mit Bernstein eingelegt, itnb haben Felder, deren Einfassungen Mit sehr künstlichen Bild- schnitzereiett von gleicher Materie geziert sind. Ueberdies sind in Vier dieser Felder eben so viel große Gemälde von florentinischev
vollkommen schöner Mosaik eingelassen." Noch heute bildet dicht Berliner Bernstein-Zimmer einen der merkwürdigsten uüd kostbarsten Räume im Schloß zu Zarskoje-Sselo. Besser wäre es gewesen, wenn man die achtzig fangen1 Russen in ihrer Heimat und das Bernstein-Zimmer in Berlin gelassen hätte.
* Polarfahrt einer Tonne. Bor neNn Jahren würde von der Geographischen Gesellschaft zu Philadelphia eine gauM Flotte großer fest verdichteter Donnen1 nördlich der Beringssiraße ausgesetzt, damit man dadurch womöglich interessante Aufklärungen über die Strömungen in den Polarmeeren erlange. W waren int ganzen 35 Tonnen, von denen jede numeriert war und in vier Sprachen die Bitte an bett Finder enthielt, sie mit genauer Angabe des Ortes und der Zeit der Auffindung an bett nächsten amerikanischen Konsul zu senden. Eine dieser 35 Tvnttett ist ttun tatsächlich wiedergefunden worden unb zwar an der Küste der Insel Sirö in Norwegen von einigen Fischern. Diese übergaben sie dem bekannten Polarforscher Am undsen, durch den sie an die Gesellschaft in Philadelphia zurückgelangte. Diese Tonne hat neun Jahre lang dem Druck des arktischen Eises widerstanden und der Luftlinie ttach 3860 Kilometer zurück- gelegt. Der eigentliche Weg war aber noch langer, da sie den verschiedenen Strömungen folgend Umwege zu machen hatte. Durch das Experiment hat sich ein wertvoller Aufschluß ergeben, der bisher nur Vermutung wär: die Fahrt der Tonne, die dem Nordpol sehr nahe gekommen sein muß, hat bewiesen, daß die Gesamtbewegung der Polarströmungen von Westen nach Osten geht. Kapitän Amundsen hält diese Tatsache für so .wichtig, daß er aus ihr seinen neuen Plan einer Expedition ins Polargebiet chisgebaut hat.
* Wandernde Fledermaus e. Die Wanderungen der Tiere beruhen auf verschiedenen Ursachen. Viele Fische, wie der Lachs, die Meerforelle, der Maifisch, die Maränen, der Stint wandern aus dem Salzwasser in1 das Süßwasser, um dort su laichen, wahrend der Aal zu demselben Zwecke die See aufsucht. Manche Großsäugetiere, wie der Wapiti, mehrere afrikanische Antilopen und früher ausch der Bison, wandern regelmäßig, weil sie beim Verweilen in derselben Gegend an Futtermangel zugrunde gehen würden. Plötzlicher Nahrungsmangel oder sehr früher Schneefall veranlaßt in unregelmäßigen Zwischenräumen nordische Vögel, wie den Seidenschwanz und Tannenhäher, südliche Gegenden aufzusuchen. Ganz regelmäßig wandern, weil sie im Winter nicht genug Nahrung zu Haufe finden, zahlreiche Vogelarten und kehren im Frühling wieder zurück. Weniger bekannt ist es, daß auch einige Fledermäuse regelmäßig wandern; so hat man mehrfach am hellen Tage im Früh herbste eine unserer größten Fledermäuse, die frühfliegende Fledermaus, ein verbreitetes deutsches Waidtier, in größeren Flügen südwärts ziehen sehen, Mrd eine Zwergfledermaus, die sogenannte nordische. Dieses Tierchen, das in Skandinavien, Nordrußland und Sibirien lebt, rückt erst im August in die nördlichsten Teile seines Verbreitungsgebietes ein, wahrscheinlich, weil ihm die hellen Juni- unb Julinächte in den höheren Breiten nicht zusagen. Im Herbste kehrt es wieder zurück und durchmißt dabei eine Strecke von zehn Breitengraden. Außer beim Renntier ist fein landbewohnendes Saugetier bekannt, das so weite Wanderungen unternimmt.
Humoristisches.
* Druckfehler. Strahlend warf Susanna bei der Partie Sechsundsechzig ihren zweiten Strumpf auf den Tisch.
* Auskunft. Fremder: „Welches Hotel ist zu empfehlen? Ich will mich nur ganz kurze Zeit hier aufhalten." — Dienst- mann: „Gehen Sie in die „Goldene Gans" ... da sind S' froh, wenn Sie wieder draußen sind!"
* Am Stammtisch. „Herr Pfeifer, Sie kommen ja jetzt erst immer nach 9 Uhr?" — „Ja wissen Sie, eher kann ich nicht fort; meine Frau ist verreist und telephoniert jeden Abend, ob ich schon zu Hans bin!"
* Das neue Dien st m ädchen. „Ah! Das muß ich sagen, einen guten Geschmack hat meine Frau!" -— „Mit JhnM hat sie ihn aber nicht bewiesen!"
* Feines Gehör. „Deine Alte merkt nicht, daß dir so spät nach Hanse kommst, wenn du dir die Stiefel ausziehst und ganz leise in den Strümpfen gehst." — „Ach du lieber Gott, die wacht schon auf, Wenns Thermometer fällt!"
Magisches Quadrat.
In die Felder nebenstehenden Quadrats sind die Buchstaben BDDEEFFGILLOO 0 0 R derart einzutragen, daß die wagrechten u. senkrecht.Reihen gleichlautend folgendes bedeuten: 1. Teil des Meeres.
2. Ein Musikinstrument.
3. Titel.
4. Italienischen Bildhauer.
Auflösung in nächster Nummer.
Auslösung des Rätsels in voriger Nummert
M e d e a, Mete r?
Redaktion: I V.: E. Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch, und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


