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ernste und leidenschaftliche Töne anzuschlagen, und er leitet direkt zu Beethoven über. . „ , „ . ......
Persönlich war der Komponist eut bescheidener, sympatht'cher und heiterer Mensch, dabei wohlwollend gegen alle, nut denen er in Berilhrniig kam. Mozarts überragendes Talent erkannte er neidlos an. Er war von kindlicher Frömmigkeit und pflegte ein Gebet zu verrichten, ehe er zu komponieren anfing. Er hatte >ich so an Ordnungsliebe gewöhnt, daß er nicht arbeiten konnte, wenn er nicht salonfähig angezogen war. Solange er als Kapellmeister tätig war, erschien er schon in aller Frühe sorgfältig gekleidet in Perücke und Jabot, in einem Rock aus seinem Tuch und Schnaileu- schuhen mit roten Absätzen, einen Ring, ein Geschenk Friedrichs II., am Finger. Als Tomaschek ihn, 1808 besuchte, fand er ihn in seinem Sorgenstnhl sitzend: -„Eine gepuderte, mit Seidentockeil gezierte Perücke, ein weißes Halsband mit goldener Schnalle, eine iveitze reichgestickte Weste von schwerem Seidenstoff, dazwischen ein statt- "liches Jabot prangte, ein Staatskleid von seinem ktnfeebrannen Tuche, gestickte Manschetten, schwarzseidene Beinkleider, weilgeidene Strümpfe, Schuhe mit großer, über den Rist gebogener siloerncr Schnalle, und ans dem zur Seite stehenden Tischchen neben dem Hut ein Paar weißlederne Handschuhe, waren die Bestandteile seines Anzuges." Das Spießbürgerliche in seiner Erlcheinung hatte schon Lavater erkannt, indem er unter seine Silhouette die Sßctfe fc^tc ’
Etwas mehr als Gemeines erblick ich im Äug' und der Nase, Auch die Stirne ist gut, im Munde was vom Philister Tie letzte musikalische Freude, die dem Meister in Wien bereitet wurde, >var eine Festaufftihrung der „Schöpfung' am 27. März 1808. Altersschwach und kränkelnd wohnte er der Auf-, führnng bei. Bei seinem Erscheinen erhoben sich alle Anivelenden von den Sitzen, und gls er wiäihreud des Konzertes zu friere» Vvgaun, flogen die Hüllen und Schals von den Schultern der Schönen, um die Kuiee des geliebten Meisters zu wärmen. Aach deq Feier trugen ihn die Lakaien in der fürstlichen Livree durch dre huldigende Menge hinaus, die er mit zitternder Hand segnete. Aus aller Welt erhielt er Anerkennungen und Ehrenbezeugungen, aber diese vermochten seine jetzt gelähmte Schaffenskraft nicht mehr zu beleben Mar er doch ein Siebziger geworden, und oa konnte er sich auf seinen Lorbeer» ausruhen. Immerhin komponierte er noch einiges. Dem letzten Quartett, das er nicht mehr vollendete, fügte er als Schluß die ersten Takte seines Bokalquartetts „Hin ist alle meine Kraft" an. , ,
Er lebte zuletzt still seinen Erinnerungen Ijin gegeben und freute sich, seinen Besuchern die zahlreichen Ehrengeschenke zeigen zu können, die ihm zuteil geworden waren. In seinen letzten Jahren vermochte er infolge seiner Gebrechen nur selten niehr sein Zimmer zu verlassen. Er erlebte noch den Einzug der <vrauzo>en in Wien und wurde als aufrichtiger Patriot schmerzlich davon berührt Ter Schrecken über den Kanonendonner loll lern Ende beschleunigt haben. Er starb wenige Tage später, am 31. Mai 1809 gegen 1 Uhr nachts. Seine sterblichen lleberreste wurden in der Bergkirche zu Eisenstadt beigesetzt. . .
Ta seine Ehe kinderlos geblieben war, hmterlietz er jem vermögen seinen armen Verwandten. Außerdem hatte er in seinem Testamente seine Dienstboten imb alle diejenigen Personen oder bereit Nachkommen bedacht, die ihm früher Wohltaten erwieien hatten So hatte er der Enkelin jenes Buchholz, der ihm einst rn äußerster Not 150 Gulden geliehen hatte, die er spater zuruckgezahlt hatte, ein Legat von 100 Gulden nnsgeworsen. .
Schon bei seinen Lebzeiten hatte Graf Harrach ihm ut »einem Geburtsorte Rohrau ein Denkmal mit seiner Büste errichten lassen. In Wien aber wurde am 31. Mai 1887 sein von H. Natter geschaffenes Marmorstandbild enthüllt.
Vermischtes.
*’ Aus Hurets Notizbuch, dessen Veröffentlichung er Hin Figaro fortsetzt, seien noch einige interessante Bemerkungen über die Deutschen wiedergegeben. „Die Deutschen haben int 'allgemeinen keinen Sinn für Ironie und für Humor. Nicht sallein, daß sie einen Scherz nur schwer verstehen — es sei denn, er sei sehr grob — wen!» sie ihn verstehe»', so sind ne ent)«UL Die Ironie bringt sie zur Verzweiflung, itub da sie sie ntchEuach- ahmen können, werden sie grob. Sie beantworten einen -scherz mit einer Beleidigung oder mit langatmigen Rechtfertigungen. Dadurch werden sie pedantisch oder albern, aber niemals geistreich. ' Und dieser summarischen Verurteilung fügt der Franzose ent Beispiel an. In einer mitteldeutschen Stadt führt eine Konditorei den Namen „Zum Reichskanzler".. Ein französischer Konsul ist zum Diner geladen, et findet das Dessert ausgezeichnet mtb erkundigt sich, woher das stamme. „ÄoM _ Reichskanzler", antwortet man ihm. Scherzend sagt der Konsul: „Ach, das wußte ich gar nicht, daß der Reichskanzler auch Zuckerbäcker ist. . ." Niemand lächelt, man bemüht sich, die Aeußerung zu überhörest. Ein Jahr später erzählt die Dame des Hauses einem andern Fran-- zosen von dem Konsul: „Ihr Konsul war ein charmanter Mensch: aber wie naiv: denken Sie, et glaubte, Fürst Bülow betreibe eine Konditorei. ." Huret kritisiert dann die Titelsucht und zitiert einige amüsante Beispiele, wie eine „Rasiermesserhohlschleiferei-
direktotswitwe", die es sich nicht versagen kann, ihren Titel voll in die Zeitung zn setzen, ober eine Fran Z., „Staatsschulden- tilgungsbuteauausgeherswitwe" . . Die Achtung und Sehnsucht nach dem Titel sei so groß, daß mjan den wirklichen Titel stets zn übersteigern liebe. Den Kommerzienrat rede man mit Geheimrat anj den Pikkolo mit Kellner, den Kellner mit Oberkellner und der Oberkellner schließlich verlange, daß man ihn Herr Oberkellner nenne, was auch geschehe. Leider erstreckt sich diese Titelrrhöhuug auch auf die. Waren. „Wenn Sie Zichorienbrühe wollen, so müssen Sie Kaffee verlangen, wollen Sie Kaffee, so müssen Sie Mokka bestellen, und wer Mokka haben will, muß einen Doppelmokka bestellen." In einem Restaurant ein Glas Wasser zu verlangen gilt säst als eine Beleidigung des Kellners. Er hält einen für einen Geizhals. Hütet hat nie „in einem Restaurant gewöhnliches Wasser aus dem Tisch gesehen". Das Kapitel „Gemütlichkeit" entlockt ihm die Erinnerung an unangenehme Erfahrungen. Et nennt Deutschland das Land der Toaste, man beschränke sich nicht ans eine abschließende Tischrede. „Beim ersten Gang erhebt sich jemand und beginnt zu reden. Unmöglich, in Frieden sein Hots-d'oeuvres zn essen. Und bei jedem neuen Gange erhebt sich ein neuer Redner. Es gibt nichts Langweiligeres, als diese Reden, die jedes Gespräch unmöglich machen, jede Fröhlichkeit unterdrücken und die Harmlosigkeit beseitigen gleich einer kalten Donche. . . Wenn der Redner dann trinkt, Müssen alle trinken. Wenn man doch wenigstens dabei sitzen bleiben könnte! Aber nein. Wen» der Tischrednet auf das Wohl eines Anwesenden einen Toast ausbringt, so muß alles anfftehen und dreimal Hoch! Hoch! Hoch! schreien. Dann muß jeder seinen Platz verlassen und mit dem Gefeierten anstoßen." Dadurch sei es unmöglich, in ein Gespräch zu kommen; übrigens erkennt Huret an. baß diese „veralteten Sitten" im Abnehmen sind. „Aber dieser naive wohlwollende Brauch spricht zugunsten der edlen traditionellen germanischen Gastlichkeit. Er verlangt viel Geduld, Zeit und Ruhr. Die Stunde naht, wo er mich in Deutschland schwinde» wird."
* Ein lustiges Testa men t hat der kürzlich in Bromberg verstorbene Rechtsanwalt Geh. Justizrat Süßmannerrichtet, indem er jedem seiner Bromberger Kollegen ohne Unterschied des Alters, der Konfession und des Familienstandes den Betrag von 500 Mark ausgesetzt hat, während ein Legat von 5000 Mark „der reinlichsten Stadt der Provinz Posen" zufallen füll, bereit einzelne Gemeinden jetzt beit Reinlichkeitsnachweis zn führen bestrebt stnd.
humoristisches.
* Kindermund. Der kleine Hans hat einen Aufsatz geschrieben: „lieber meine Familie". Sei» Vater, der das genüge Produkt seines Söhnchens durchlieft, findet darin beit Passus: Ich würbe bei. meinen Großeltern geboren, während meine Eltern in Aegypten waren." „Aber Hans", sagt der Papa, „bas ist doch gar nicht wahr, Mama und ich waren doch hier, tote pit geboren wurdest." „Ich mag es aber nicht mehr ändern, meint der Kleine, „der Lehrer merkt es ja doch nicht."
* Ein feinfühliger Spitzbube. Richter: etc geben also zu, in der Küche dieser Dame einen Braten gestohlen zus haben? — Angeklagter: Jawohl; aber ich habe der jungen Er au damit nur eine Blamage bet ihrem Mann ersparen wollen
* BltnderSch 1 eichhandel. Bettler: „Geben Sie einem armen blinden Manne einen Groschen!" — Herr: „Blind? Sie habe» ja noch ein ganz gesundes Auge!" — Bettler: „Na, dann geben Sie fünf Pfennig!" .. . .... ...
* Banernlogik. Pfarrer: „EL ist niemals zu spat, sich zu bessern, Huberbauer! Merk er sich das!" — H überbauet: „Nn, da kann i jo no a bisserl warten!"
Bilderrätsel
Aiiflösung des Diamanträtsels in voriger Nmmner: II
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Redaktion: I B.: E. Heß. — Rotationsdruck und Verlag der BrÜhl'schen UnlversitStS-Biich- und SteindrnÄerei, R. Lange, Dießen,


