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Spätinghof.
Roman von K. V. d- Eider.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Im Winter gab es in Hellingstedt eine Hochzeit. Eine echt dithmarsische Kaffeehochzeit. Der Briefträger Holm Heinrichs heiratete die Tochter von Schneider Fips.. Da nun das junge Paar nicht reichlich mit irdischen Gütern gesegnet war, beschloß man, nur den großen Bekanntenkreis des Paares auszunutzen, eine Kaffee Hochzeit zu feiern.
Hans Frie Detlefs, der Kirchendiener, Totengräber, Leichen- und Hochzeitsbitter, setzte seinen rostbraunen Zy- linderhut auf, zog den Leichenrock an und ging von Haus zu Haus, um jeden, der in Schneider Fipsens Hosen daherschritt, jeden und jede, die jemals einen Brief aus Holm Heinrichs Hand erhalten hatten, zur Hochzeit einznladen.
Die Einladung war dem Wortlaute nach überall dieselbe, nur daß sie bet den feinen Leuten hochdeutsch und bei den Bauern plattdeutsch vorgetragen wurde, und daß bei den sogenannten kleinen Leuten ein gemütlicher Nachsatz folgte, wie zum Beispiel: „Aber bar bezahlen, Jochen Sötch!"
„Mehr als sechs Tassen Kaffee lohnt es nicht, Mutter Heesch!" — „Bleib lieber zu Hause, Stammer Dose, der Schnaps macht wild!"
Es war kein teures Vergnügen, an dieser Hochzeit teilzunehmen. Für fünfzig Pfennig Entree erhielt jeder so viel Kaffee und Kuchen wie er mochte. Das Entree war für das Hochzeitspaar. Die Schwiegereltern lieferten Kaffee und selbstgebackenen Kuchen. Der Wirt, Peter Blohm, stellte feine Räume und vor allein den großen Saal unentgeltlich zur Verfügung, da er nach dem Kaffee auf den Konsum von Schnaps und Punsch rechnete. Die Bedienung rekrutierte sich aus den Freundinnen- und Freundeskreisen des jungen Paares. Sie trugen große, weiße Schürzen und wurden Schaffer und Schafferinnen genannt. Ihnen gehörte der erste Tanz sowie eine Vor-, und Nachfeier. So kam jeder auf seine Rechnung. Die Musikanten machten sich selbst bezahlt; sie sammelten bei jedem Tanze die Groschen ein.
Auch die Gäste kamen auf ihre Rechnung, was das Amüsement /inbetraf. Es war eine etwas bunte Gesellschaft, die bei einer solchen Gelegenheit zusammenkam. Da tanzten der Bauernsohn und der Knecht, die Bauerntochter und die Dieustmagd auf einer Diele.
Ueberall herrschte die fröhlichste Stimmung. Die Herrschaften ließen nichts von Hochmut merken, und die Dienstboten blieben bescheiden; so vertrugen sich alle aufs beste.
Als es später zum Punschen ging, setzten sich die Bauernsöhne mit ihren Tänzerinnen in eine Stube für sich; beim Punschen wollten sie unter sich sein.
Nur eine einzige, die nicht zu dieser Gesellschaft ge
hörte, war in den Kreis um den runden Tisch gekommen: Janne Thomsen, die junge Näherin.
Anfangs war es wohl den reichen Bauerntöchtern nicht ganz recht, daß sie mit der Hamburger Nähdeern an einem Tisch sitzen und mit ihr anstoßen sollten, aber neben ihr, als ihr Tischherr, saß Mars Harbek, der reichste und äuge- seheuste Bauernsohn der Gegend. Dazu kam, daß alle mehr oder weniger von Jannes Schneiderkunst abhängig waren, weil sie so nett nähte. So drückte man ein Auge zu und war so vertraulich und freundlich zu ihr, als wäre sie ihresgleichen.
Janne glühte vor Lebenslust und Freude. Schon am Nachmittage, als sie neben Liese hinter einem Kuchenberg saß, war ihr der schmucke junge Mann mit den funkelnden, dunkelblauen Augen und dem schönen dunkelblonden Schnurrbart ausgefallen. Er war der Hübscheste, der Feinste von allen.
Dann hatte sie mit ihm getanzt, ein-, zwei-, drei-, unzähligemal. Die Tänze waren viel zu kurz.
Jetzt saß sie neben ihm, und er flüsterte ihr zärtlich ins Ohr und nötigte sie zum Trinken. Sie trank zum ersten Male dies süße, feurige Getränk. Wie leicht und froh es das Herz machte. Aas Mars Harbek für leuchtend« Augen hatte; wie er sie ansah!
Spät am Abend begleitete der junge Mann sie nach Hause, wie es Sitte war. Liese war schon am Nachmittag«, gleich nach dem Kaffee, gegangen.
Als sie vor der Haustür ankamen, drückte Mars Harbek Janne an sich und küßte sie auf die frischen, warmen Lippen. „Aojüs, meine kleine süße Deern, ich mag dich zu gern leiden."
Tine lag schon int Bett, als Janne eintrat; ihre Augen suchten die der Tochter. Da kniete Janne an der Mutter Bett nieder, legte ihr heißes Köpfchen auf die kühle Bettdecke und flüsterte: „Ach, Mutting, es war zu schön."
„Du bliebst ja so lange?" Selbst ihrem Kinde gegenüber wagte Tine nur eine schüchterne Frage.
„Ich war mit Mars Harbek zu Punsch," sagte Zaune. „Weißt du, Mutting, mit dem reichen Harbek von Harbeks- hof in Dörpeln."
Tine blickte in ihrer Tochter Antlitz; es war von heißem Glück überflutet.
„O, Mutting, er ist zu nett!"
„Kind, mein Kind, hänge dein Herz nicht an ihn; es tut nicht gut. Ein reicher Bauernsohn und eine arme Nähdeern passen nicht zusammen."
„Ach, Mutting, was frag' ich nach dem Reichtum; er ist ja zu nett."
Harbekshof in Dörpeln lag eine Stunde von Helling- stedt "entfernt. Es war ein stattliches Gehöft mit einem großen, von einer hohen Buchenhecke umzäunten Garten und ein paar schönen, alten Ähorstbäumen vor der Tür.
Die Besitzerin des Hofes, die Witwe Harbek, saß stattlich


