Ausgabe 
27.3.1909
 
Einzelbild herunterladen

satoren Amerikas Asiaten gewesen sind. Allmählich ver­schwindet dann dieser asiatische Einfluß, und es erscheinen original einheimische Elemente der Kunstubüng. Eine be­sondere Zierde der Ausstellung sind eine Anzahl aus .Holz geschnitzter Götterbilder von Pachvcamao, die mit Muschel­in krnstationen bedeckt sind. Die ersten spanischen Eroberer hatten diese Götterbilder gesehen, als sie die Heiligtümer zerstörten, aber dann hatten die Gläubigen ihre Götter vergraben. Berthon hat sie nun wieder ans Licht gebracht und in ihrer hierarchischen Feierlichkeit und starren Größe für die Forschung gerettet.

vermischtes.

* Kinderideale. DasNiederländische Medizinische! Wochenblatt" lieferte in der letzten Nummer einen interessanten Beitrag zur Psychologie des. Kindes'. Ein belgischer Arzt hatte an etwa 800 Schulkinder tmi Aller Äon 7 bis 16 Jähren unter Vermeidung jedweder Art von Suggestion die Frage gerichtet, welcher Person auS ihrer Umgebung oder! aus ihren Lesebiichern! sie am- liebsten ähnlich sein Möchten. Ans den Antworten, ergab sich, daß das Kind int Alter von 7 Jahren gewöhnlich in Batet oder Mutter sein Ideal sieht. Aber bald tritt eine Aendeichmg jein, der Horizont des Kindes erweitert sich, es sängt an, guch seine Eltern mit kritischem! Auge zu betrachten, und wenn von siebenjährigen etwa 60 v. H. in einem ihrer Eltern das Ideal! finden, dann ist bei neunjährigen der Prozentsatz bereits auf 20 gesunken rind unter den dreizehnjährigen iuar nut noch ein Kind, das an seinem alten Ideal festhielt. Ans ,dien Unterschieds -in der Entwickelung von Knaben und Mädchen wirft diese Unter­suchung ein ganz besonders 'interessantes Licht. IM Älter von acht Jahren wählen von den Kindern, deren Ideale nicht mehr die Eltern sind, 10 v. H. der Knaben imb: 8 v'. H. der Mädchen, ihre Helden aus ihrer nächsten Umgebung (Lehrer, Kametadew htM); Helden aus der Geschichte oder den Legenden treten inj diesem Alter noch! nicht als Kinderideal« auf, bei deu Mädchen steigt die Zahl der von ihnen verehrten Personen ihster Umgebung allmählich auf 48 v. H. im 13. Jähr, während bei den Knabeiis stach dem elften Jahr eine rasche Abnahme dieser'Ideale stattfind et, an deren, Stelle die Verehrung von Gestalten aus der Geschichte oder berühmter Zeitgenossen tritt. Uebcpraschend ist die Tatsache, daß die Mädchen von 7 bis 13 Jahren ihr Ideal bei dein! anderen Geschlecht suchen, während bei den Knaben die Anzahl Verehrer des weiblichen Geschlechts int Alter von 8 und! 9 Jahvenj Imti- Noch 10 v. H. beträgt, um! voM 12. Jahre an auf Null! zu sinken. Körperliche Eigenschaften spielen bei den Idealen der Mädchen eine hervorragende Rolle, bei den Knaben aberj Überhaupt nicht. CharaktcreigenschafteN werden von Mädchen viel höher geschätzt, als von Knaben; 46 di H. der ersteren Emen die Gute, Freundlichkeit oder Barmherzigkeit ihrer Ideale, aber Nur 15 v. H. der Knaben wissen von dieser Art dest Charakter­eigenschaften zu rühmen. Bemerkenswert ist es ebenfalls, daß die Wertschätzung von Besitz und Reichtum bei den Knaben von 12 oder 13 Jähren prozentualiter beinahe verschwindet, bei den Mädchen vom 9. Fahre an sich dauernd! auf derselben Höhe erhält. Was die Zahlen anlangt, so wird sie wohl niemand beschwören können; aber die allgemeine Richtung der Neigungen dürfte wohl getroffen sein und gibt zu denken.

* Wenn d er Junge kommt . . . Mit außerordentlicher Spannung sieht man im Haag, wie voir dort geschrieben wird, der schweren Stunde der Königin Wilhelminä entgegen. Man jerwartct dieses frohe Ereignis, das dem Königreiche einen Thron­erben schenken soll, in ungefähr zwei Monaten. Inzwischen lebt die junge Königin äußerst zurückgezogen. Sie halt sich von den meisten offiziellen Feiern rind Festen zurück, an denen sie im (übrigen niemals ein besonderes Gefallen gefunden hat. Täglich aber unternimmt sie, von einer ihrer Hofdamen begleitet, lang­same -Spaziergänge in dem düsteren Parke des königlichen Schlosses, find sie begibt sich auch wie sonst; fast täglich zn Fuß nach deins näße gelegenen Palaste ihrer Mutter, der Königin Emma. Ein. aller Volksbrauch will es, daß die Holländerinnen im Zustande gesegneter Hoffnung ihr Bild anfertigen lassen, und die Königin Wilhelminä hat sich wie man sagt, nach einigem Zögern diesem Brauche gefügt. Man sieht jetzt eilt kürzlich von ihr auf- genommenes photographisches Porträt fast in allen Schaufenstern und Auslagen. Und- int Lande rüstet man sich, das Kind, das einst, mag es nun ein Junge oder ein Mädchen fein, die Krone der Niederlande tragen soll, bei seiner Ankunft in dieser Welt würdig zu begrüßen. Die Stadt Amsterdam hat der Königin bereits die Wiege geschenkt, die aus Rosenholz geschnitzt und mit Mattgrüner Seide bezogen ist; die Königin wählte diese Farbe selbst und wollte weder von blau noch von rosa etwas wissen. Tie Provinz Seeland wird den Kinderwagen stiften, für den, als

kostbarster Schniuck, eilte Decke bestimmt ist, (die in Sluis gearbeitet wird; die Spitzen von Sluis nehmen es von altersher mit denen von Brügge an Pracht und Schönheit auf. Die Stadt Leewarden stiftet eilte goldene Kind er klapp er, die Provinz Drenthe ein sil­bernes, mit alten Münzen der Oranierfürsten eingelegtes Tablett, die Stadt Zaardam einen Schaukelstuhl usw. Außerdem haben sich in beit größeren -Städten des Königreiches Tomcnkomitees gebildet, die zu Geschenken für die Königin sammeln, aber Noch nicht verraten, welcher (Art die von ihnen gewählte Sache seinj wird. Ihnen allen hat Königin Wilhelminä den Wunsch mit« geteilt, nur eilt Drittel der gesammelten Summen für ihren Zweck zu verwenden, die übrigen zwei Drittel aber an die Armen zu schenken. Und wenn der Junge ein Mädchen ist? Nun, dann hcißts vielleicht: ein andermal, und es wird von neuem: gesammelt und geschenkt. So sind die Niederländer.

E.K. Der neueste C lj escheid u n g s grün d. Aus New- York wird berichtet: Die bunte Chronik der amerikanischen Ehe­scheidungsprozesse wird jetzt durch Mrs. Edward Strong mit einen neuen Scheidungsgrund bereichert: nach vierjähriger Ehe hat sie am Gericht die Auflösung ihrer Ehe beantragt mit der Be­gründung, daß die Ehe einen Zustand "Unfreiwilliger Dienst­barkeit darstelle und somit mit der Verfassung der Union nicht in Einklang stehe. Sie beruft sich dabei auf den 13. Zusatz zur Konstitutionsakte, in dem es heißt:Weder Sklaverei noch im- freiwillige Dienstbarkeit, ausgenommen bei der Bestrafung von rechtsmäßig Verurteilten Verbrechern, soll in den Bereinigten Staaten Vorkommen." Mrs'. Strong steht mit ihrem Gatten im. besten Einvernehmen, aber sie erklärt, daß ihr Einkommen nur für zwei Menschen sijUsreiche. So lange sie aber gezwungen sei, zu­gleich als Köchin, Wäscherin, Scheuerfrau, Näherin und Pack­esel zn dienen, ohne daran denken zn können, wirklich eine Familie zn begründen, die sie mit ihrem Manne ernähren könne, so lange bedenke die Ehe eben nur eilte unfreiwillige Dienstbarkeit. Eine bekannte Advokatin, Mrs. Johnston Wood, hat die juristische Führung der Klage übernommen und wird den Fall bis vor das Bundesgericht bringen; sie erklärt, wenn der Staat nicht die Auflösung der Ehe zulasse, werde er den Unterhalt der Kinder, die eventuell aus der Heirat hervorgehen, übernehmen müssen. Matt weist dabei darauf hin, daß erst kürzlich eine Ehescheidnng wegen gesellschaftlicher Sklaverei rechtlich anerkannt wurde, in einem Fülle, wo die Fran den Mann zur Erfüllung so vieler Gescll- schaftspflichteu ztvang, daß er feilten Beruf vernachlässigen mußte.

* Am Stammtisch.Wird Meiers zweiter Sohn noch Schuster?"Nee, mit dem nwllen fe hoch hinaus."So, da wird er wohl Luftschiffer?"Nee, Dachdecker l"

Zeitschriften.

Das literarische E ch o. Halbmonatsschrift (Her- ausgeb.: Dr. Josef Ettlinger, Verlag: Egon Fteischel u. Co., Berlin). Das 2. Märzheft enthält: Knrt Walter Goldschmidt: Das Genie-Problem. Ernst Heilbronn: Die leere Vase (Suder­manns hohes Lied). Theodor Heust: Schwäbische Kunde.- Carry Brachvogel: BörsenroMane. Bruno Frank: Schweizerische. Frauenlyrik. Fritz Mauthner: Friedrich Spielhagen. Echd der Zeitungen und Zeitschriften. Echo des Auslands (Englischer, belgischer, westschweizerischer, amerikanischer, spanischer Briest. Kurze Anzeigen. Nachrichten. Zuschriften. Z).ex BüchW markt, ____________

Logogriph.

Dem Menschen nütze ich seit alter Zeit Als schneller Bote, und auch heute noch Werd' ich geschätzt von allen weit und breit; Ich trage deshalb gern der Arbeit Joch. Verwandelst du das erste Zeichen mit, Bin ich sogleich bet Hansirau lieb und wert Im trauten Heim; doch werd' ich nicht als Zier Beim Ball, Theater oder sonst begehrt.

Und änderst du nochmals ein Zeichen nur, Rui ich in dein Gedächtnis frohe Stunden; Als dir dein Liebchen eiuge Treue schwur, Da hört ich, wie zwei Herzen sich geiunben.

Auflösung in nächster Nummer:

Auflösung des magischen Zahleuquadüats in voriger Nummer;

3

11

22

15

15

22

11

3

11

3

15

22

22

15

3

11

Redaktion: 5k. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.