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vsrdrmgend', iMerteU wir! uns- nun einer hohen! K'ette von neuen Bergen, die sich nach Südostcn hin erstreckte. Ain 2. Dezembers fanden wir unseren Weg versperrt durch Schnee- und EiMipprn und entdeckten einen 120 Meilen langen und -etwa 40 Meilen breiten Gletscher, den ivir mit 5. Dezember in einer Breite von 83° 33' und einer Länge von 172° überschritten. Ain 6. Dezember war die Oberfläche so sehr zerklüftet, daß wir einen ganzen Tag brauchten, um| wenig mehr als 500 Meter zurückzulegcn. Am 7. Dezember verschwand der Honst „Sacks" in einem. Spalt von unbekannter Tiefe; dadurch, bet6, wir das Ortscheit zerbrachen, retteten wir Wild und den Schlitten, der beschädigt war. Bon jetzt ab mußte jeder Mann ein Gewicht von 250 Pfund- schleppen. Als mit 8. Dezember die Wolken verschwanden, entdeckten wir neue, nach Süden und Südwesten sich hin ziehend« Bergzüge. Langsam bewegten wir uns auf dem Gletsch-er über vcvrAertsche, Dont Schnee bedeckte Spalten fort und fielen oft hinein, so daß wir uns mit unseren Alpcnfeilen hinaufziehen mußten. Der zweite Schlitten wurde durch messerscharfe Spaltenränder schwer beschädigt. Unter ähnlichen Bedingungen ging unser Weg über den Gletscher fort vom 6. bis zum 18. Dezember, wo wir eins Höhe von 6800 Fuß erreichten. In- einer Breite von 85° 10’ 3" ließen wir in einem Depot alles außer .unserem Proviant, den Instrumenten und der Lageransrüstung zurück und verringerten unsere Rationen ans zwanzig Unzen für den Mann täglich. Am 26. Dezember erreichten wir, nachdem wir Eisfälle in einer Höhe von 9000 Fuß gekreuzt hatten, ein Plateau und stiegen von da allmählich ans langen Bergrücken bis zu 10 500 Fuß empor. Hier ließen wir unseren zweiten Schlitten zurück, denn wir wölltett hier zum letztenmal ein Depot anlegen. Es herrschte ein beständiger südlicher Blizzard und starkes Schneetreiben, wobei die Temperatur zwischen —38 und —57 Grad C. schwankte.
9(111' 27. Dezember verloren ivir die neuen Berge aus den Augen. Da unsere Gesellschaft durch die Verringerung der Nahrung, durch die stark verdünnte Luft und-Mite sehr geschwächt Ivar, beschloß, ich, das Wagnis noch eines Depots auf deich Plateau zch unternehmen. Am 4. Januar gingen wir mit einem -Zelt weiter, während wir die Stangen des zweiten Zelts als Wegweiser für unsere Rückkehr benutzten. Die Oberfläche wurde weich und der Blizzard dauerte ununterbrochen GO Stunden an; aut 7., 8. und 9. Januar wütete er bei einem Frost von — 58" C., und da der Wind Mit einer Stärke von 70 Meilen in der Stunde blies, war es unmöglich, vorwärts zu kommen. Die Mitglieder der Expedition -hatten oft erfrorene Glieder in ihren Schlafsäcken. Am 9. Januar verließen wir unser Lager und erreichten eine Breite von 88° 23’ Minuten bei 162" östlicher Länge. Das ist der südlichste Punkt, der je erreicht worden ist. Wir pflanzten die englische Fahne auf, die uns die Königin mitgegeben hatte!. Keine- Berge iunren sichtbar, wir sahen nur eine Ebene, die sich nach de'm! Süden erstreckte. Wir kehrten zu unserem Depot auf dem Plateau zurück, unseren Wegspuren folgend, denn die Fahnen an den Zeltstangen waren wcggeweht worden. Weniger starke Blizzards, die uns im Rücken wehten, halsen uns 20 -29 Meilen täglich zurück- legen. Wir erreichten das obere Gletschcrdcpot am 19. Januar. Der Abstieg war sehr schwierig; der Schnee war zwei Fuß.tief und verbarg die Spalten; in. einem' 22 stündigen Marsch legten wir nur 16 Meilen zurück. Am 26. Januar war unsere Nahrung zu Ende, doch erhielten wir am 27. Januar wieder Proviant aus dem unteren Gletscherdepot. In dem nächsten Depot fanden wir keinen Proviant; mir 4. Februar litten alle Mitglieder der Expedition an Dysenterie, die durch- den Genuß von Pferdefleisch -hervorgerufen war, und konnten nicht weitergehen. Die Krankheit dauerte acht Tage; aber von starken südlichen Blizzards unterstützt, gelaugten wir zum. nächsten Depot.. Am 13. Februar war wieder unser Proviant zu (Silbe, Blizzards erhoben sich bei einer Kälte von — 460 C. - Wir ließen-nun alles zurück außer unserer Lagerausrüstung und den geologischen Funden. Am 20. Februar erreichten wir unser nächstes Depot, und vorwärts getrieben von südlichen Blizzards bei — 56" C., kämen wir zu ' dem Depot bei Minna Bluff, wo wir Nachrichten vom Schiff sanden. Marshall erlitt einen neuen Anfall von Dysenterie und konnte am 27. Februar nicht weiter marschieren. Ich ließ, ihn im Lager unter der Obhut von Adams zurück,- während Wild und ich in einem' angestrengten Marsch zum Schiff um Hilfe eilten. Am 1. März kehrte ich mit einer Ersatzabteilnng zurück und wir erreichten alle das Schiff am 4. März bei Hut Point in einem Blizzard. Die ganze Entferiinug,. die wir. ans der Reise, zurnck- gelegt hatten, betrug 1708 englische Meilen: die- Zeit belief sich auf 126 Tage. Die Hauptresnltate sind eine gute geologische Sammlung; ivir fanden Kohlenlager in Kalkstein und sammelten reiche meteorologische Berichte. Wir entdeckten acht verschiedene Bergzüge und'über hundert Berge. Wir beobachteten und Photo-' grapl.ierteu viele Gletscher und- sanden Merkmale früherer -größerer Vergletscherung. Der geographische Südpol liegt, zweifellos auf einein- Plateau von etwa 10—12 000,Fuß über dem Meeresspiegel. Die.,Höhe der neuen Berge schwankt zwischen.3000 bis etwa 12 000 Fuß. Tie heftigen Blizzards in einer Breite von 88" beweisen, daß die Polarstille, wenn sie existiert, auf eilten kleinen Umfang beschränkt sein muß oder nicht mit dem geographischen Pol zu- sammenfällt," /
Neue zun-e zur amerikanischen Urgeschichte.
Eine sehr bedeutsame Sammlung peruanischer Altertümer hat . der französische Kapitän Berthon zusammenf- gebracht und veranstaltet jetzt, wie aus Paris berichtet wird, int Ethnographischen Museum des Trocadere eine Ausstellung seiner Funde, die ein neues Licht auf die Urgeschichte Perus und die früheste Kultur Amerikas werfen. Berthon lvar 1903 im Auftrage des Kriegsministeriums nach Peru gegangen und . hatte doch! -in seiner Stellung als Instrukteur die Armee besonders im topographischen Dienst' unterrichtet. Daneben unternahm er ethnographische Forschungen und erhielt 1907 vom französischen Unterrichtsministerium den Auftrag, systematische Grabungen vorzu- nehmeu. Bon dieser archäologischen Mission nun hat er seltene und- wertvolle Schätze nach Europa gebracht. Die. Geschichte Perus, so wie sie nach mündlicher Ueberlieferung den ersten Eroberern mitgeteilt wurde, beginnt mit der Gründung des JUkareichs durch Manco Capak int zehnten Jahrhundert. Durch irgend welche Inschriften oder Ans- zeichnungen an Monumenten vermochte man diese Kenntnis nicht zu erweitern oder zu bestätigen, die zahlreichen Gräber, die Berthon methodisch durchforschte, weisen ebenfalls keine. Inschriften auf. Aber ans ihrer Form und den in ihnen aufbewahrten Kunstgegenständen läßt sich eine Datierung gewiuneu. Besonders sind es die Tongefäße, die eine Feststellung uud Einordnung der verschiedenen Kulturepochen ermöglichen. In dem trockenen Sand des Bodens haben sich alle Inhalte der Gräber ausgezeichnet erhalten und die Körper sind von selbst zu Mumien geworden. Die Gräber- stätteu, in denen die Hauptgrabungen stattsanden, liegen nicht weit von den Stellen der verschwundenen einstigen Hauptstädte Nazca und Jca int Süden, Pachocamac int Zentrum, Trujillo und Lambaye'eque int Norden. Die sehr große Anzahl der gefundenen Kunstgegenstände erlaubt besonders die klassische Periode des Tiahuanaco nach den Formen ihres rechteckigen Stils genau festzustellen und dann eine Periode vorher und eine Periode nachher genau ab- znsondern. Im ersten Saal der Ausstellung sind die Denkmäler der frühesten peruanischen Kultur der Zeit vor Tia-- huanaco zusammcngebracht. Sie stammen zum größten Teil aus den Totenstätten von Nazca und Trujillo. Die schönsten Tongefäße von Nazca sind glatt und reich mit stilisierten Malereien geschmückt, in denen sich menschliche Formen, phantastische Tiere und Symbole des-Kultes vermischen; die Gefäße von Trujillo haben bereits eine künstlerisch reifere Form und einen zeichnerischen Stil, in dem menschliche, tierische und pflanzliche Formen sehr exakt wiedergegeben sind. Diese Denkmäler reichen ziemlich weit in jene für uns in Dunkel gehüllte Urzeit Perus zurück, die vor den Beginn der I nka Herrschaft liegt. Tie Ruinen riesenhafter Paläste, die Berthon entdeckte, diese Gefäße, Kalebassen und großen Muscheln, diese Körbchen, Amulette, Opfergaben und sonstigen Geräte, die in den Gräbern ein schwaches Abbild des Lebens schufen — sie sind die einzigen Ueberreste dieser verklungenen Kultur, die die Urbevölkerung Perus schon aus einer ziemlich hohen Stufe handwerklicher Geschicklichkeit zeigen. Diese Leute verstanden es, Stoffe zu weben und ans vielfarbigen Federn schillernde Kleider herzustellen, die eisten prächtigen Schmuck gaben. Im Ornament kehren beständig die Figuren des Pumas und des Lamas wieder, der beiden Lieblingstiere peruanischer Phantasie. An 'Schmucksachen sind schöne goldene Halsbänder, prächtige Perlengehänge und interessante Masken zn sehen. Unter den Krietzsgerätcn interessiert besonders eine Art Schlcuder- werkzeug, mit dem an Stelle des Bogens Pfeile abge- schossen wurden und das die Inkas neben dem Bogen gebrauchten. In der zeichnerischen Ausschmückung der Gefäße ist ein stilisierendes lineares Schema, das sich mit dem geo- metrischen Stil primitiver griechischer Basen vergleichen läßt, im ganzen konsequent bewahrt. An dein Ornament einiger der frühesten Gefäße hat Professor Capitan vom College de Franceasiatischen Ei n flu ß festgestellt. Er findet darin eine Bestätigung seiner Theorie, nach der die ersten Zivils-


