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W diesem Zweckö Mer die Hirzenhainer Höhe an Nanzenbach vorbei nach Dillenburg. Dort hatte er bald das. Geschäft er- ledigt, gedachte sich ein Glas Bier zunr mitgebrachten Frühstück zu genehmigen und wiederum gemächlich die Schelde herauf M wandern. Leider wurde dieser gute Vorsatz durch die gemütliche Tafelrunde im Wirtshause zunichte gemacht. Aus dem einen Schoppen gab cs mehrere und immer noch einen, bis der Henner schließlich in eine so fröhliche Stimmung geriet, daß er die ganze - gSa£ Witz an. feilt BOcheMrz drücken mögen. Endlich aber raffte er sich, nicht zum wenigsten in Geoattkeck"M Die schelt ende Koatrei, auf und lenkte eiligst feine Schritte nach der Heimat fürbaß, als er sich auf einmal angerufen hörte.
„He, Sie da, warten Sie mal einen Augenblick!"
Wie er sich verwundert .umdrehte, sah er zu seiner gar nicht besonderen Freude, den Akzessist Stöppel auf sich zusteuern.
„Ei, guun Tag, Herr Akzepist!" nahm Henner, schnell gefaßt, den Hut ab, „wäi giehts, wäi stiehts, woas mächt doas Känsche?"
„Gerade deswegen ist es mir lieb, Sie einmal sprechen zu können," antwortete Herr Stöppel, „appropos, die Sache scheint Wir denn doch nicht ganz klar zu sein mit dem Vogel."
„Su, fit, naut ganz kloar? Derheem woar er immer kloar hei Verstand, iS e dann verrückt geworre, oawer will e naut snieh gefresse?"
„Nein, das Nicht," packte ihn der Akzessist am Arni, „kommest Sie nur einmal mit, es ist etwas anderes. Guter Freunds ich fürchte, Sie haben mich bei dem Kauf bös hineingelegt."
Henner sträubte sich. „Nee, nee, alleweil hunn aich kee Zeit, aich muß heem, fünft werd mirs dunkel, die anner Wuch Will aich emol uogucke."
Damit wollte er weitergehen.
Ta wurde jedoch der Akzessist energisch: „Auf der Stelle tzehen Sie jetzt mit mir, oder ich nehme an. Sie haben mich mit Vorbedacht betrogen!"
Die volle Wahrheit wußte er allerdings nicht, allein es War ihm in der Zwischenzeit von einem seiner Steiger so allerlei Mgetragen worden, daß er schon längst eine Unterredung mit dem Vuilshenner beabsichtigt hatte. Dessen Sträuben konnte den Verdacht nur noch verstärken. Nun kam er ihm gerade recht. Um keinen Preis hätte er ihn unbefragt ziehen lassen.
„No, Wenns dann goar naut ansters is, dann giehn aich Mit," gab Henner nach. Unbehaglich genug Ivar ihm zu Mute. Na, jedenfalls würde er sich schon herauszuhelfen wissen. Freilich, wenn die Koatrei jetzt an seiner Stelle wäre — und das wünschte er sich und ihr von ganzem Herzen — die würde es noch viel leichter und besser deichseln.
Nun stand er vor Hänschens Käfig und neben. ihm. mit 'argwöhnischen Blicken der Akzessist. Henner wünschte sich tausend Meilen weg, die Situation gefiel ihm ganz und gar nicht. Nichtsdestoweniger ermannte er sich und wünschte Hänschen einen „guten .Tag!"
„Quiek," sagte der Vogel, „quiek, ätsch!"
Als ob er seinen ehemaligen Brotgeber verspotten wolle.
„He, Sie!", befahl. Herr Stöppel höhnisch, „nun lassen Sie ihren berühmten Schüler mal den „Jäger aus Kurpfalz." vortragen, Sie sind ihm ja kein Fremder, vor dem er sich zu genieren braucht
„Quiek, ätsch!" lachte Häuschen.
Henner erging sich in allerlei Ausflüchten.
Da wurde der Herr Akzessist wütend.
„Na, wirds bald?" drängte er, „vorwärts, Sie — Sie Schwindler!
. "Auormmer langsam mit de oarme Leut," brummte Henner, '„der Viihl hett villaicht sei Stimm verlorn bei der Hundskalt/
„Machen Sie ja keine faulen Witze!" entrüstete sich der Betrogene, „sagen Sie mir. augenblicklich die Wahrheit: Haben sie mich mit Absicht augeschmiert oder nicht? Schnell! Wirds bald, oder ich hole die Polizei und sorge Ihnen für ein warmes Unterkommen diese Nacht!"
Henner warf einest flüchtigen Blick nach der Tur.
das möchten Sie wohl!" höhnte.der Akzessist, der die Absicht feines unfreiwilligen Gastes erraten hatte und sich nun .vor den Ausgang stellte.
. Wie ein gehetztes Wild, ist die Enge getrieben, die Kette seiner Verfolger mit verzweifeltem Sprunge durchbricht, so suchte der Vuilshenner nun Rettung ist einer Unverfrorenheit ersten manges, und mit jenem Galgenhumor, den die Geister des Alkö- stols stets bei ihm auszulösen pflegten, fragte er: „Gelle, Herr Akzepist, ^hr. seid häi im Nassauische doch aach preißisch worn?" la, aber was hat das mit unserer Angelegenheit zu 11t-ii r
. hu," grinste der Henner unverschämt, „nu weeß aich nach, worim der Buhk naut mich richtig peife will, doat woas he.letzt maicht, doat is kee Wunner — doat is de Pr e i ß i s che Prft, meent Ihr net aach?"
Krebsrot wurde da der Akzessist.
^/^ußischer Wff?-Sie^ alter Gauner, sagest Sie doch lieber -„hessischer ^lststs"! Aus der.Stelle machen Six, daß Sie raus- rommen, L-ie ^Betrüger! So 'ne- FreMeit- ist .mir in meinem- -Leben stoch nicht vorgekommen!"
Und init einer Mast, die Wan btitt Keinen Männchen gar nicht zugeschätzt hätte, packte er den Vuilshenner und stieß dest Taumelnden, der sich des blitzschnellen Angriffs kaum versah, die Treppe hinunter auf die Straße.
Dann rannte er wieder zurück, ergriff den Käfig samt dem' ängstlich auf und ab fla'tteriiden Hänschen und warf ihil dem Vuilshenner dermaßen an den dickest Schädel, daß die hölzcrnest .Stäbchen krachend entzwei barsten.
„Apropos," schrie er, „nehmest Sie sich Ihren Galgenvogel wieder mit, ihr beide paßt zusginuren, und grüßest Sie sj, bitrr, auch Ihre verehrte Frau Gemahlin!"
Wie'ein begossener Pudel und ohne Widerrede machte sich Henner aus dem Staube.
Hänschen aber saß noch immer, frei und ledig, wie betäubt auf der Straße.
„Piep," sagte er endlich, „piep!"
Ein vorübergehender Junge stürzte erfreut über den seltenen! Vogel her. Hänschen, nichts Gutes ahnend, versuchte seine Schwingen, und siehe, es gelang ihm, sich in die Aeste eines Apfelbaumes zu retten. Doch da war seines Bleibens nicht lange. Eine Rottö frecher Stadtspatzen hatte ihn bald aufgespürt und jagte ihn mit großem Geschrei von Baum zu Baum bis hinaus aufs freie Feld, wo er in einer dichten Hecke übernachtete. Als er am andern Morgen erwachte, dauerte es geraume Zeit, bis er sich in seine neue Lage gefunden hatte. Vergebens suchte er nach dem gefüllten Futternapf, und dem frischen Trinkwasser. Er war froh, daß er zufällig einige Rübsenkörner fand, die er heißhungrig verschluckte. Seinen Durst löschte, er in einer trübest Pfütze am Wege.
Eine dunkle Ahnung sagte ihm, daß dort hintest auf dest hohen Wäldbergen seine Heimat sei. Auf seiner Weiterreise unzählige Ruhestationen-machend, strebte er ihnen zu. Viele Vögel sah er unterwegs, aber keinen, der ihm glich-, keinen, der eist freundliches Wort für ihn übrig hatte. Gegen Mittag war er bis in die Nähe des Angelberges gelangt und schickte sich an, ermüdet wie er war, ein kleines Schläfchen zu. halten.. Eben hatte er den Uöpf unter die Flügel gesteckt, da fuhr er freudig erschrocken empor. /
„Piu, piu," tönte es zu feinen Füßen. Und wie er hinab- schaute, erblickte er zu seinem größten Entzücken eine Schar Vogelsleute, akkurat gekleidet wie er. Dasselbe Sammetkäppehen, dasselbe dunkelblaue Mäntelchen, nur die Galaweste erstrahlte in viel leuchtenderem Rot. Jetzt entdeckte er auch weniger prächtig gekleidete Geuosien unter der Schar, die jedoch offenbar auch seiner Art waren, lind, o Wunder, zu ihnen fühlte er sich am meistest hingezogeu! Ein nie gekanntes Gefühl wallte aus in seiner kleinen Brust. Mit einem .Jubellaut schwang er sich nieder. Aber niemand nahm Notiz von ihm. Alle fuhren eifrig fort, sich aus ihren schwanken Brenuesieln wiegend, den süßen Samen des Unkrautes auszuklauben und zu verzehren.
Selbst ein eindringliches „Piu, piu, Pips!" vermochte ihre Aufmerksamkeit nicht aus ihn zu lenken.
Da plagte ihn M feinem Unglück der Hochmutsteufel, den gebildeten jungen Mann hervorzukehrest. Selbstgefällig erkletterte er einen erhöhten Sitz, spreizte sich und legte los:
„1 — 3 — 5 — 5 — 1! Der Jäger aus Kurpfalz, 5—1 — ja — ju, ja — ju, und bricht 1 — 3 den Hals, ja, ju, quitsch —; quätsch, piu, piep?"
Tie Wirkung dieses Vortrags war außerordentlich.
Zunächst stob die ganze Gesellschaft erschrocken auseinander.- Sodann, als inan sich überzeugt hatte, daß keine besondere Gefahr drohe, nahmen allesamt um Hänschen im Kreise herum Platz, worüber sich der Künstler ungeheuer geschmeichelt fühlte. Mit seitwärts geneigten Köpfen, abwechselnd mit dem linkest und rechten Auge wurde er betrachtet.
Hänschen, nicht faul, wollte sich dankbar für die Bewunderung! erweisen und begann von neuem:
„1 — 3 — 5 — 5 — 1! Ter Jäger aus Kürpfalz, ja, —--
Weiter kam er nicht.
Ein vielstimmiges zorniges Gekreische unterbrach seinen dacapo- Gesang.
Es dauerte lange, bis die Mißfallsäußerungen der Versamm- lung einer tiefen, bedrohlichen Stille Platz machten.
Hierauf trat ein altes Männchen mit krumm verwachsenem! Schnabel und pechschwarzen Füßen vor und fragte den Fremdling ernst und gemessen: „Piu?" „Quiek, puack, ätsch!" antwortete Hänschen patzig.
Darauf fielen sie alle einmütig über ihn her und zerzausten ihm den Balg, daß die Federn im Winde flogen.
Der Untergang einer Welt.
Eine sterbende Rasse in einer verödeten Welt — dös' iff das Bild, das der bekannte Astronom Professor Percival Lowell von dem Schicksal des Mars in seinem soeben erscheinenden neuesten Buch über diesen Planeten „Mars as the Abode of Life" entwirft. Ties-wissenschaftlich bedeutsame Werk, das eine befriedigende Erklärung der soviel gc-


