Ausgabe 
27.1.1909
 
Einzelbild herunterladen

59

Nein, mein Junge", erwiderte der Mte.Ich kann mich nicht davon trennen. Genügt dir das Mädel nicht?"

Verkaufe doch das alte Möbel, Großvater", bat Jenny. Tas Geld wird dir gut zu statten kommen. Das mußt dn bedenken."

Was wollten Sie doch dafür geben?" fragte Gaffer.

Fünstindsiebzig Pfund", erwiderte Frank.

'Es ist mächtig viel Geld", sagte der Alte,aber ich kann mich nicht davon trennen."

Ich werde was zulegen", erklärte Frank.Sagen wir rund hundert Pfund."

Ta Sie ^abrcisen, werden Sie wohl gern Ihre Rechnung haben wollen. Ich habe hier alles genau ausgeschrieben."

Frank bezahlte die Rechnung, ohne sie genau zu prüfen. Der Alte quittierte; als er das Geld eingesteckt hatte, sagte er:

Und Sie werden also wiederkommen, um uns unser Mädel wegzuholen?"

In drei Monaten", antwortete der junge Mann.Aber Sie wissen ja, sie geht Ihnen nicht ganz verloren."

Ja, ja, das weiß ich. Sie wird immer unser Mädel bleiben."

Das werde ich", bemerkte Jenny mit Wärme.

.Und deshalb habe ich gedacht", fuhr Frank fort,daß Sie nur das alte Buffet verkaufen würden."

Sehen Sie", erwiderte Gaffer,wenn Sie warten, wird Jenny es nach unserem Tode umsonst bekommen. Und wir sind schon sehr alt.

Ich möchte Ihnen nur noch sagen, daß ich es in unserem Londoner Seim aufstellen wollte, damit sie es dort vorsände. Dann , wird sie Sie nicht so vermiffen und vielleicht weniger verernsamt fein, wenn ich den Tag über nicht da bin."

Tas läßt sich hören."

Und daun, hundert Pfund sind nicht zu verachten", fügte Frank hinzu.Kommen Sie Mister Short, Sie wissen ganz gut, daß. «ie das Geld brauchen Kinnen. Seien Sie vernünftig- verkaufen Sie , mir das Möbel. Ich werde es jetzt mitnehmen. Wenn ^-enny in drei Monaten in ihr neues Heim zieht, wird sie entzückt sein, es dort zu haben."

Da haben wir ja noch genügend Zeit zum Ueberlegen", wandte der Alte cm.

Nein, nein wir wollen jetzt zu Ende kommen", drängte MaukVielleicht konnten Sie wieder anderen Sinnes werden "

Sie auch."

Ich nicht, das ist ,ausgeschlossen", sagte Frank, einige Bank- . Noten aus der Tasche ziehend.

,,Ich muß wohl nachgcben", seufzte der Alte.ES tut mir web davon ^trennen zu müssen. Als wenn es ein Stück von mir selbst wäre ^.abei streckte er die dünne Hand aus, um das Geld zu nehmen und zu zählen.

Ich will gehen und für den Transport sorgen", sagte Frank mit einem glnalic^n Lächeln.Ich ivill es gleich mitnehmen."

Tas wird recht teuer fein."

s«.Mr - - **""'*' -* » -

Tie beiden verließen das Haus.

Gaffer zog die Banknoten hervor und prüfte sie sorgfältig.

^Sib find alle gut , sagte er endlich befriedigt.

B1.n ®<?n.n uickten die beiden Alten am Herde ein.' Sie erwachten erst wieder, als y-ranf imd Jenny zurückkehrten. Das Buffet nou?b.^üfaltig vor die Tür geschafft und auf einen Wagen ge» sE, der zum Transport nach dem Bahnhof gemietet war

* tei WM M«HM

_ «ul Ehrenwort", erwiderte Frank.Ich habe es ihr versprochen, und sie gartet auf mich. Nicht wahr Jenny?" °

jjaiuoM, FranK sagte sie glückstrahlend.

ich fort" toHb vergehen, mein Lieb; aber jetzt muß

merr. lunge, Mann verabschiedete sich; Jenny begleitete ibn UV Zahn, sw sprachen nur wenig auf dem Wege'. Als der Zug sich m Bewegung setzte, rief Jenny:

Gib nur gut auf das alte Buffet acht."

. ,,-.^as werde ich. Deinetwegen", rief er noch aus dem Fenster ^nruck und winkte mit dem Taschentuche

toiffen ünSeSi.1 S°nb°n rilt(ief' IU1H Frank mit feinem Ge- , c, Machte er,das Mädchen ist ja hübsch und nett genug um mit ihr die Zeit totzufthlagen. Aber sie heiraten' So

weroe ich nicht sein. Und roie sie mich liebt! Und ihr Erröten. So etwas, das können die Londoner Mädchen nicht LA.'iLL "8Er6*t

Lebauwen bricht Nicht so leicht, wie die Dichter

fieffeu^Mien 9^on?te um sind, wird sie mich ver-

Er zuckte d'e gJrMe^i.nS kU,ci? langen Landmann flirten."

°aate d.e Achseln und stand auf, um den Mantel cmzuleaen In zehn Mmuien mußte der Zug in London einlaufen Dann

£«%. fci ®-l* «ii« =". ifS*T

r k icl). tociitt ich nicht bent

h^nd^rt .gemacht hätte, ich hätte es nie erreicht' Nur

schlage ich heraus billig ist es. Mehr als das Doppelte

Und in seiner Miene spiegelte sich lautere Zufriedenheit. . , |

Zur gleichen Zeit ging Jenny vergnügt nach Hause. Man merkte ihr nicht an, daß sie eben Abschied von ihrem Geliebten genommen hatte.

Sie sang, als sie das Hänschen betrat.

Tie alten Leute saßen noch immer am Herd.

Ist er weg, Mädel?" fragte Gasser.

Ja, Großvater", war die Antwort.

Hat er das Möbel mitgenommen?"

Ja, Großvater."

Grämst du dich nm deinen Liebhaber?"

Nicht mehr, als nötig", meinte Jenny philosophisch'.

Tn wirst ihn nie Wiedersehen", bemerkte der Alte kichernd.

Tas weiß ich", antwortete sie und begann, den Tisch zum Tee zu decken.

Tas Mahl verlief schweigend. Dann sagte der Alte: Tas Zimmer sieht doch recht leer ans ohne das Buffet." Tas ist wahr", nickte seine Frau.

f^te er schließlich und musterte dabei den kahlen Platz an der Wand, wo vor kurzem noch das Buffet gestanden,nimm Feber und Tinte, Mutter, und schreibe an die Fabrik, daß sie uns ein anderes schicken. Aber vergiß nicht zu schreiben: ,,ge- nan, wie das letzte." Tie Adresse steht im Kalender. Irgendwo tn Old Street ist es; in London. . ."

Letzte Wsrte.

C. K. Bon dem englischen Dichter Charles Wolfe, der dieser Tage gestorben ist, wird berichtet, daß seine letzten Worte gewesen seien:Schließ mir dies Ange auch noch; das andere ist schon zu, und dann leb wohl". Dieser Ans« spruch läßt an verschiedenartige AnZspruche in der Sterbestunde berühinter Männer denken. Nirgends wohl ist die Legende so geschäftig gewesen, als in dem Streben, den Größen ttoch bedeutsame Bekenntnisse in den Mund zu legen, bevor fie. ihr Leben ausgehaucht. So hat man Schiller und Friedrich den Großen tiefsinnige Ausrufe tun lassen, wäh­rend sie doch ganz stumm ins Jenseits hinüberschlummerten. Bei Goethe ist das vielbesprocheneMehr Licht" ins Sym­bolische gedeutet tvorden, während es nur eine letzte Bitte war, die Fensterladen zu öffnen. Wahrscheinlich aber hat er die Lippen das letztemal zu einem freundlichen Wort an seine Schwiegertochter Ottilie geöffnet, wie denn auch Lessing mit der begütigenden Bitte an seine weinende Stieftoch­ter:Sei ruhig, Molchen" verschieden ist. Immerhin gibt es eine Reihe gut beglaubigter letzter Aussprüche von be- rühmten Sterbenden; andere solcher letzten Worte sind in die Geschichte eingegangen und beleuchten mit einem Schlag­licht noch einmal ein ganzes Leben, ja eine ganze Zeit. So ist es mit den Sterbeworten römischer Kai er, wie sie uns Sueton ~ überliefert. Als der Soldatenkaiser Ves- pasian das Ende herannahen fühlte, ließ er sich auf die Füße helfen und sagte:Ein Kaiser soll stehend sterben" und dann mit grimmiger Sarkastik:Wahrlich, ich fühle schon, wie ich ein Gott werde". Hohnvolle Verspottung jener Apotheose, die die Römer ihren Herrschern zuteil werden ließen. Berühmt sind die Todesworte Neros, der die Rosse seiner Verfolger durch die Nacht sich nähern hörte, den Vers eines, griechischen Tragikers über den sanften Klang der Hufe zitierte und sterbend in die Worte ausbrach: Welch ein Künstler sinkt mit mir dahin". Der Stoik-r Caio von Utica sprach, als er den Freitod wählte:9hm erft bin ich Herr meiner selbst". Unter den geschichtlich denkwürdigen Todesworten neuerer Zeit sei der tragische Ausruf des auf dem Schaffott sterbenden Karl I. von Eng­land erwähnt:Remember" (gedenke!); als Kontrast stehen diesem Wort der letzte Ausspruch seines Sohnes Karl II. ge­genüber:Laßt die arme Nelly nicht verhungern"; dann bat er mit einem Scherz die Anwesenden um Verzeihung, daß er sie so lange mit seinem'Sterben aufgehalten hätte. Als der Beichtvater an Richelieu auf seinem Totenbette die rtvage richtete, ob er seinen Feinden vergeben, antwortete der Kardinal:Ich hatte keine Feinde, außer denen des Staates"^ mit dieser feinen Distinktion hauchte er seine Seele aus. Sein Nachfolger Mazarin bewies seinen auf das irdische gerichteten Sinn, indem er wehmütig auf die um ihn aufgehäuften Kostbarkeiten blickte und mit dem Seufzer verschied:Das alles muß ich zurücklassen". Skep«