Ausgabe 
26.7.1909
 
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in dem heiligste Rechte verletzt waren, u!nd ein unbesieglicher Widerstand sich erhoben. Obgleich die Verhandlungen noch lange hin und her dauerten, war doch von der Ausführung der Statuten keine Rede mehr. Die Universität hatte einen vollen Sieg über die Staatsgewalt davongetragen, und stolz wie die antiken Selben , vor Troja konnten die Professoren in den Straßen Leipzigs daherschreiten.

* Aus Kenexal Galliffets Leben. Ter General . Gaston-Alexandre-August Marquis von Gallifset, der kürzlich : gestorben ist, galt mit Recht im französischen Heer und Volk für die Verkörperung jenes heldischen Geistes unerschrockener Kühnheit . und ritterlicher Schueidigkeit, dem dieGrande Nation" stets eine so begeisterte Verehrung entgegengebracht hat. Unter den Männern, die sich in den letzten Jahrzehnten um die Nachfolge des französi­schen Lieblingshelden Bayard, desRitters ohne Furcht und Tadel", beworben haben, gebührte ihm zweifellos die erste Stelle. Ein.Haudegen war er und ein Ehrenmann, im Lieven nicht minder . stark wie im Hassen, sein Witz so scharf und schneidend wie fein Schwert. In Krieg und Frieden hat er seinem Vaterlande Treue und große Dienste geleistet und der entschlossene Wagemut, der ihn früh auf dein Schlachtfeld reichen Lorbeer pflücken liest, half ihm auch im politischen Leben, sich mannhaft durchzuschlagen. Mit achtzehn Jahren tritt er als Freiwilliger bei beit Husaren ein, kämpft als Leutnant im Krimkrieg mit und zeichnet sich vor Sebastopol aus. Er wird Ordonnanzoffizier beim Kaiser Napoleon, aber das ruhige Hosleben ist ihm unerträglich und auf seine eigene Bitte erhält er die Erlaubnis, 1862 in Mexiko zu kämpfen. Hier setzt er sich tollkühn der Gefahr aus, bis ihm eine Granate beit Bauch aufreißt. Es ist eine schreckliche Verwunbung und die Äerzte gestehen, daß. die Heilung hauptsächlich der außerordeittlicheit Energie und Widerstandskraft des Verwunbeten selbst zuzuschreiben sei. Nach einer schwierigen Operation werden die ausgeschuittenen Teile. seines Unterleibs durch eine silberne Platte ersetzt. An diese Verwundung knüpfte sich später eine amüsante Bemerkung des Generals. Er wurde von einer englischen Zeitung aufge­fordert, einen Artikel über seine Kriegsabenteuer in Mexiko zu. schreiben und antwortete nurArtikel überflüssig: Der Bauch ist Silber, Schweigen ist Gold." Ihm wurde nach seiner Heilung die Ehre zuteil, die in Mexiko eroberten Fahnen dem Kaiser über­reichen zu dürfen. Als Husarenoberst kämpft er dann in Afrika, bis ihn der Krieg von 1870 nach Frankreich zurückruft und er als General den Befehl über eine Brigade erhält. Bei der be­rühmten Reiterattacke von Sedan befand er sich an der Spitze der Schwadronen, obwohl er die Nutzlosigkeit dieses Todesrittes vorausgesehen hatte. Er hatte der Attacke widersprochen! als sie trotzdem angeordnet wurde, stellte er sich mit einem kaltblütigen: Ganz wie Sie wollen" in die vorberste Reihe. Tödlich ver­wundet wurde er vom Schlachtfeld getragen; bei seinem Anblick soll König Wilhelm den mitleidigen Ausruf getan haben:Ach, diese braven Leute!" Aus der preußischen Kriegsgefangenschaft kehrte er im März 1871 nach Versailles zurück und unterdrückte mit .eiserner Faust den Aufruhr der Kommune. Tann ging er wieder nach Afrika hinüber und drang mit einer kleinen Truppe nach dem äußersten, bis dahin noch ganz unbekannten Süden der algerischen Provinzen vor, bis El-Golsa, wo damals noch keine französischen Truppen hingekommen waren. Nach Frankreich zn- rückgekehrt, befestigte er seinen Ruf als glänzender Kavallerie- general Und hob die Ausbildung der französischen Reiterei durch glückliche Reformen, durch schneidig geleitete Manöver ans eine auch in Deutschland bewunderte Höhe. Auch als Kriegsmiitister int Ministerium Waldeck-Rousseau erwarb er sich außerordentliche Verdienste um die Stärkung bet Wehrkraft Frankreichs. Zur Charakterisierung seiner -Persönlichkeit seien hier aus der Fülle von Anekdoten, die von ihm erzählt werden, zwei Geschichten heraus­gegriffen, die ihn als ritterlichen Verteidiger weiblicher Ehre und strengen Vorgesetzten zeigen. Der verwegene Offizier war stets ein vergötterter Liebling der Tamenwelt und diese Bevorzugung hat ihm auch ^manches Abenteuer eingetragen. Als Guy de Charnais sein BuchTie Frauen von heute" herausgab, fühlten sich eine Anzahl Pariser Damen der Gesellschaft mit Recht beleidigt, denn sie Händen in dem Buche recht durchsichtige Konterfeis ihrer selbst, die nicht immer schmeichelhaft waren. Besonders die Fürstin Metternich, die Gemahlin des österreichischen Botschafters, mürbe etwas bitter behandelt. Tie Damen suchten einen Verteidiger ihrer Kollektivehre und wählten: Galliffet. Galliffet war damals Oberst und nahm sofort den ehrenvollen Antrag an:Mein Degen und mein Glauben gehören Ihnen." Tas Duell bildete das allgemeine Gespräch. Da am Abend vorher noch ein großer Ball stattfand, ließen am Morgen die Damen es sich nicht nehmen, in der Äall- toilette nach den Wohnungen der Kombattanten zu eilen und sich nach dem Schicksal der Gegner zu erkundigen. Tas Duell endete, nach scharfem Kampfe schließlich mit einer leichten Verwundung des Marquis de Charnaiö. Im Dienste war Galliffet von ge­rechter Strenge und von allen gefürchtet, die ihre Pflicht nicht erfüllten. Als Kriegsminister pflegte er oft in Zivil auszugehen. So tritt er eines Abends an einen Wachtposten vor einer Kaserkte heran und ladet den Posten ein, mit ihm in dem benachbarten Lokal 'eine Lage Wein zu nehmen. Ter Soldat schüttelt den Kopf:

Nein, nein, wenn der Galliffet das erführe, ich wäre verloren." Aber schließlich läßt der Posten sich doch überreden. In der nächsten Wirtsstube wird ein Glas Wein getrunken; aber-nun besteht der Soldat darauf, anch seinerseits eine Lage zu zahlen Um 'einen Auftritt zu vermeiden, muß Galliffet nachgeben. Eine halbe Stunde später ließ Galliffet den Soldaten zu sich in die Kaserne rufen.Kennen Sie mich wieder?"Jawohl, Herr General."Sie haben Ihren Posten tiertaffen, um Wein zu trinken."Jawohl, Herr General."Sie haben für mich eine Lage Wein bezahlt, darum will ich nicht allzustreng fein. Diesmal kommen Sie mit 14 Tagen davon. . ."

* D a s Geheimnis des langen Lebens. Auf Grund zahlreicher Experimente und sorgfältiger Krattkenbeobachtungeu trägt jetzt Dr. Distaso, ein bekannter Pariser Arzt, interessantes Material zusammen, um die berühmte Theorie von Metschuikosf zu stützen, die als dasGeheimnis der Langlebigkeit" so lebhaftes Aufsehen erregt hat. Metschnikoffs Theorie gipfelt in der Be­hauptung, daß der Tickdarm die gefährlichste Brutstätte verderblicher Bazillen sei, die die meisten Krankheiten und chronischen Leiden hervorbringt. Während eines längeren Studienbesuches in London hat Tr. Distaso im St. Mary-Hospital die Darmbazillen einer Anzahl Patienten untersucht, denen der Tickdann auf operativem Wege entfernt worden war; seine Feststellungen gipfeln in der Ansicht:Jedem Kinde sollten der Tickdann und der Blinddarm im Alter von zwei oder drei Jahren herausgenommen werden." Tie Patienten, die sich dieser Operation unterzogen haben, sind heute von ausgezeichneter Gesundheit: zwei von ihnen,. die vor der vor etwa vier Jahren erfolgten Operation ständig bettlägerig waren, erfreuen sich nun einer robusten Gesundheit und haben an Gewicht zugenommen. Man hat auch bei den Operierten wiederum neugebildete Bazillen gefunden, aber sie erwiesen sich als völlig harmlos und zum Teil sogar dem Organismus wohltätig. Einem Londoner Journalisten gegenüber äußerte sich der französische Gelehrte:Meine Experimente beweisen, daß wir uns alle ohne diesen gefährlichen Darm viel wohler befinden würden, berat er ist nur ein idealer Brutplatz für verderbliche Krankheitskeime. Fast alle chronischen Leiden sind auf die Wirkungen dieser Bazillen zurückzuführen." Als ein außerordentlich gefährliches Nahrungs­mittel werden die Eier bezeichnet:Das Ei durchläuft in unseren Eingeweiden dieselben Zersetzungsprozesse wie außerhalb unseres Körpers und bildet in unserem Innern die güitstigste Entwicklungs- gelegenheit für die Bazillen."

Literatur.

Nord u n b 6 ü d. Eine deutsche Monatsschrist. 33. Ja heg Julihest 1909. Verlag Nord und Süd, G. m. b. £>., Berlin W. 36 Stus dem Inhalt des Juliheftes: Sigurd Ibsen: Natur und Mensch Hans Rosenhagen: JcuneS TlcQieitl Whistler. Hermann Kienzl Kettenkleid, Gedichte. Kurt Aram: Die Hagestolze, Roman (Schluß). - Ludwig Gurlilt: Neber den Kampf der Erziehungs- rctornter. Otto Braun: Ans Schellings Nachlaß. Leopolö Schmidt: Parstial. Erich Felder: Franz von Stuck. August Strindberq: Mittsommer, Drama (Fortsetzung). Julius Hart: Der Ursprung ber Aesthetik. Paul Schüler: Ter Alaun int Spiegel. Religiöse Grundgedanken und moderne WtsiensttM. Eine Umtrage (Fortsetzung). Antwort von Geb. Regierungsrat Prof. Dr. Paul Sorauer. Rundschau: Arthur Eloeßen. Goelhetage in Weimar unb Lauchstädt. M. O.:Zur Weinprobe van der Meers. Richard M. Meyer: Italienische und engltzche Liebesbrieie. Wilhelm Hüttemann: Heinrich Fürchtegott Dippelmann: Nachgelassene Schriften eines Alpinisten. Illustrierte Bibliographie. Kunstbeigaben: Otto Böhler: Richard Wagner, dirigierend. Whistler:. Vierfarbendrucke. Van der Meer: Wemprobe. Franz von Stuck: Aktstudie, Phantastische, Jagd, Aktstudie, Mädchenbildnis, Aktstudie, Sphinx. Musikbeigaben: Kart Goldmark: Der wilbe Jäger (Text von Pros. Dr. Wilhelm Altmann). Lessinggefellschait für Kunst unb Wissenfcha't.

Bilderrätsel.

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Auflösung des Zitatenrätsels in voriger Nummer: D a macht iv jeder jemand einmal einen dummen Streich.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gieße»-