Ausgabe 
26.6.1909
 
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Der arme Lukas.

Eine Geschichte in der DäinmerUng von Wilhelm Holz am er.

(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)

In solchen Träunien war ich zwanzig Jahre alt ge- tvoroen uno mehr. Ich war nun mit den Poesien der leben­den Dichter gesättigt, und wenn ich ihre Verse auf das Leden bezog, schien es mir lauter Lust und Wonne, darin btc unglückliche Liebe einmal klagt, ivie Lieben Leiden ist, seit nlwrs her, aber sonst nichts schwer und bedrückend, nichts nah und ernüchternd. Und ich hatte nun aus, allem dem nichts, das so stark gewesen wäre, mich über diese Ernüchte­rung zu erheben.

Ich war losgerissen von all den Fäden, die mich seither mit dem Leben, auch mit dein Schönen im Leben, verbunden hatten. Ich wußte nicht, wo aus, wo ein. Ich mußte alles nur in mir tragen und austragen. Ich verglühte fast. Es war ivie Stacheln und Flammen in mir. Plötzlich diese starke und klare Bewußtheit meiner Liebe. Und bas Gefühl, sie hergeben zu müssen, da ich sie erst gewonnen hatte.

Eines hatte ich freilich: ich malte. Aber auch da, merkte ich, hielt der Traum der Jugend nicht mehr lauge an. Ich sah nüchterner, wirklicher. Ich brachte zunächst teilt Bild zustande. Meine Blätter waren nur nüchterne Wiedergaben des Realen. Nur daun und wann einmal packte mich eine Stimmung. Denn es war noch Stimmung in mir. Sie war freilich anders geworden. Sie hatte mehr mich, als ich sie. Sie war schwerer, ernster. Und ich suchte nach schwereren, ernsteren Tönen. Ich fand sie noch nicht ganz. Ich hatte außerdem noch dieselben Mo­tive, aber es wirkte anders atts ihnen.

Ich halte nun Zeit genug, der Entwickelung in mir nach­zugehen. Ich hielt Rückschau. Ich sand, es war bis jetzt alles gut, so ivie's geworden war. Freilich zweifelte ich auch manchmal daran. Und ich ziveifelte an der Zukunft. Ich war ja ärmer geworden, und ich fühlte mich ärmer. Ich wußte nicht, daß ich darin gerade reicher geworden war.

Ich hatte nun ganz ivieder meine Mutter. Ich flüchtete zu ihr. Und ich verstand nun auch ihr Leben und ihre Furcht. Die Abwesenheit mußte mir ja auch die Augen aufgetan haben, ivie es mit ihr geworden war. Sie war zerfallen. Der Tod stand ihr nahe.

Sie klagte ivieder, wie alles vergehen müsse. Ich fand ein Wort für sie. Ich sagte, daß alles Leben nur Wieder­kehr sei, nur Wiederholen. Mit Eifer redete ich. Vom Sterben sagte ich, daß eS kein Ende sei, denn kein Leben ver­gehe. Es sei vielleicht ein Traum, vielleicht sei es ein liebergang zu einer Verklärung. Ich redete aus Büchern, gewiß, aber ich gab darin mein Eigenes, aus meinem Träumen und Schauen.

Die Mutter sah mich lange an.

Guter Lukas," sagte sie,ick hatte nichts rm Leben als Leiden und Dulden. Ich hatte ani dich eine schone Hoff­nung. Der Vater nahm sie iveg. Du seist verloren, meint er. Ich fühle jetzt so etwas, das, mir meine alte Hofs-, uuug auf dich wiedergibt. Ich Weiß nicht, wo es hinaus, will. Aber ich hoffe."

Sie war von nun an mein stiller, tapferer Bundes-, genösse. t

Eines Tages kam das Lutschen iind tuende. ete gab mir scheu die Hand. Ob ich auch einmal wieder un Lande sei, fragte sie. Mir schlug der Puls hoch in den Schläfen. Meine Finger zitterten. . .

Es war schon Dämmerungszeit wie eben. Nur im Fenster noch ein heller Schein. Ec siel auf das Lurschen. Ich betrachtete sie. Ihren Kopf, ihr .Haar, den schnitt ihres Gesichtes, das ich im Profil hatte, die Linie ihrer Ge­stalt. Jede ihrer Bewegungen verfolgte ich. Mit Maler­augen nicht nur, mit den Augen des Liebenden. Mein Herz schlug rasch. Sie war kein Kind mehr. Sie. wareme schöne Jungfrau geworden, groß gewachsen, wohlgebildet. Da hörte alles Spiel auf. Da trat der Ernst, des. Lebens an seine Stelle.

Das Wort des Vaters siel mir wieder e-in.

O nein! sie hatte ein Recht ans mich. Ich wollte mein Leben vorsehen, wollte seinen Bedenken Eingang in mir schaffe,r. Was half es mir! Daß sie doch meine Frau wer­den müsse, müsse, schrie's in mir, überschrie alles Wägen und Bedenken. ~

Rote Glut schwamm vor meinen Augen. Ich konnte mich nicht mehr beherrschen. Keinen Atom ent mehr. Ich sprang auf und raunte hinaus. Durch die Felder, durch die Wiesen rannte ich, ivie besessen von dem einen Gedanken, von dem schreienden Verlangen, daß sie mein werden mit)je, mein, mein! r ., v

Es war schon später, dunkler Abend, als ich heamkam. Mochte kommen, was wollte, meine Frau müßte sie ein­mal werden. Das war mein Vorsatz geworden. Meine Frau ! So ernst mir das klang, so sehr brachte es mich außer mir ! So beglückend! lind kämpfen wollte ich, kämpfen und schaffen, harren und dulden für sie. Nur für sie! Ich hatte das Weib in ihr gesehen. Und ich war Manu dabei, geworden. ,

Als ich nach .Hause kam, brannte dre Lampe. Der Vater saß dabei. Ich wollte gleich ivieder ans der Stube gehen. Ich ging ihm immer aus dem Wege.

Er rief mich zurück. . t '

's ist all so gekommen, lute ich dir gejagt hab, Lukas, 's ist aus mit denen da unten. Jetzt ist ein großes Lamento. Ich brauche mich wohl nicht mehr zu bemühen, das Ee- häugsel wird jetzt von selbst aufhören. Mehr Schulden als Vermögen. Jetzt kann der gute Mann reisen in Essig oder Seife. Du wirst einsehen, daß es keine Partie für dich ist,"

Er wartete auf meine Antwort, aber starr und trotzig schwieg ich.