—324
mm als Geruch oder als Geschmack bezeichnen, die Trete sind jedenfalls imstande, chemische Reize zu empfinden, viele mit der ganzen Hautoberfläche, wie die Schnecken, andere, Ivie die Krebse, iniit besonderen Fühlern oder Härchen oder andersartiger chemischen Sinnesorganen. Die Fische besitzen bereits ebenso wie der Mensch am vordersten Teile des Gehirnes einen Abschnitt, der diesem Sinne besonders dienend der Riechlappen genannt wirb, und wie beim Menschen steht dieser Hirnteil mit der eigentlich! für die chemischen Reize empfänglichen Schleinchant durch den Riechnerven in Verbindung. Die Riechorgane der au der Luft lebenden Wirbeltiere haben sich freilich viel höher entwickelt: bei den in das Wasserleben zuruckgekehrten, wie die Walfische es sind, haben sie sich dagegen wieder rtivas zuruckgebildet, und so scheint es, das; die für das Luftleben tauglichen Geruchsorgane doch nicht für die Aufnahme chemischer Reize int Wasser besonders geeignet sind.
Es knüpft sich hieran die Frage, ob der Mensch wohl imstande sei, unter Wasser oder überhaupt flüssige Substanzen zu riechen. Wenngleich die daraufhin gerichteten Versuche es nicht wahrscheinlich machen, so ist doch die Frage noch nicht endgültig entschieden.
Die für unsere Riechorgane.adäquaten Reize bilden die Riechstoffe, die durch Verflüchtigung oder Verdampfung von der Oberfläche der riechenden Substanzen frei werden. Es gibt zahlreiche feste Riechstoffe, die sich allmählich verflüchtigen und dabei, wie es beispielsweise für den Kampher nachgewiesen wurde, eine Gewichtsabnahme erfahren. Andere, flüssige, verteilen sich noch viel schneller in der Atmosphäre, und bei diesen kommt es für die Schnelligkeit der Verdampfung auf die Natur des Lösnngs- »nittels an. Aus dem Wasser oder Alkohol verflüchtigen sich die Riechstoffe viel schneller "als aus Oel, wie sich denn auch die künstlichen Haargerüche durch ihre Bindung an Oele und Fette lauge wirksam erhalten. Es besteht überhaupt ein großer Unterschied in der Schnelligkeit der Verflüchtigung zwischen den verschiedenen Riechstoffen, der auch für die Deutlichkeit der Riechempfindungen von wesentlichent Einflüsse ist: denn die Gerüche verteilen sich in der Luft wie eine Flüssigkeit in der anderen, und wenn ein Stoff Momentan verfliegt, so wird er natürlich keine so intensive und anhaltende Geruchsempfindung bewirken können als einer, der sich nur langsam in der umgebenden Luft verteilt. Daher sind die Riechstoffe vorwiegend solche Substanzen, die ein verhältnismäßig hohes spezifisches Gewicht besitzen und nur langsam diffundieren, d. h. sich verteilen und zerstreuen. Es kennt ja jeder die dichten Dustwolken, die an sonnigen und windstillen Sommertagen über den Blumenbeeten im Garten schweben. Dir. Luftströmung kann indessen die Gerüche weithin zerstreuen oder auch ganze Duftwolken davontragen, wie es schon von alten Seefahrern erzählt wird, die weit draußen auf dem Meere bereits auf Meilemveite die Nähe der Gewü-rzinselu mit dem Gerüche wahrnahmen.
Was die Entstehung der riechenden Stoffe angeht, so kann diese auf verschiedenartigen chemischen Prozessen beruhe»» und durch Oxydationen an der Luft oder durch Spaltungen, durch bakterielle oder andere Gärungsprozesse erfolgen, wie beispielsweise bei der Gärung des Schnupftabaks ein besonderer Geruchsstoff gebildet wird. Stets aber beruht der Geruch auf einer Verteilung des Stoffes selbst in der Lust, er ist von der Materie selbst untrennbar, und dieser Vorgang hat keine Aehnlichkeit Mit der Fortpflanzung der Lichtstrahlen oder Schallwellen durch den Aether.
Vermischtes.
* Anstand und Zy»»isinus. Als der bekannte schwäbische Aesthetiker und Philosoph Bischer seine Abhandlung über „Mode und Zynismus" veröffentlichte, wurde er seiner derbe»» Sprache wegen nicht wenig angegriffen. Nun veröffentlichten die „Süddeutschen Monatshefte" einen Brief Vischers an eine Dame, die dem Philosophen ihren Beifall über jene Abhandlung aussprach. Der Brief enthält zur Frage von „Anstand und Zynismus" einige sehr beherzigenswerte Aetißerungen, die nachdenkliche Leser vielleicht zu Vischers späterer Schrift „lieber Zynismus und sei»» bedingtes Recht" führen, die rnehr Beachtung verdient, als sie gefunden hat. Die Stelle in dein Brief ar» die Dame lautet: „Sie haberr mir durch Ihren gütigen Brief eine wahre Freude bereitet; was kann wohltuender sei»» als em freundliches Zeichen der Zustimmung von einer denkenden Frai» in einem Augenblick, wo man von so viele»» Seiten beschuldigt wird, auf unverzeihliche Weise das Weib und den Anstand verletzt zu haben. Das Gesetz des Anstandes ist ja höchst berechtigt, aber nicht absolut. Die Komik, der H»»»nor können ohne dm Zynismus gar nicht auskommen, wenn »»icht die Kontraste, deren die komische Wirkung bedarf, oft ganz salzlos und matt ausfallen sollen. Man denke doch an I. Paul, der» niemand für einet»
unedle»» Geist halten wird, und der sich um der Kontrastwirkung willen die gröbsten Dinge erlaubt, weit gröbere als ich. Noch weniger kanr» die sittliche Entrüstung dieses Motivs entbehren. Mai» kann sagen, es sei doch bedauerlich, daß Hamlet in der furchtbaren Rede, worii» er seiner Mutter den sittlichen Ekel an sich selber weckt, doch gar so sehr den Anstand verletze, aber kein Mensch von richtigem Gefühle wird es sagen. Ein solcher könnte eher das Paradoxon aussprechet», gerade das Schmutzige sei hier das Ideale. Wird der Anstand zum Freibrief für das Unanständige, so wird es Zeit sein, dieses beim rechten Namen zu nennen. Man soll stets dezent sein in Worten? Das ermutigt ja förmlich zum indezenten Tnn, denn es hat ja nie das strafende Wort zu besorgen. Der Dezenzbegriff, wie er jetzt gesteigert ist, ist ein Teil der Verdorbenheit der Zeit.
* Warum Kinder die Tierebeneiden. Die englische „Königliche Gesellschaft zur Beförderung des Tierschutzes" hat vor einiger Zeit ein interessantes Preisausschreiben erlassen. Um in der englischen Kinderwelt Interesse für ihre Bestrebungen z»» erregen, hat sie einer Anzahl von Schulkindern die Frage vorgelegt: „In welcher Hinsicht führen Pferde, Kühe und Katzen ein glückliches Leben und inwiefern sind sie zu bedauern?" Die Antworten der Kinder haben ein einigermaßen überraschendes Ergebnis gehabt. Die große Mehrzahl der Kinder finbet überhaupt nicht, daß die Pferde, Kühe und Katzen zu bedauern seien, sondert» vielmehr, daß sie ein beneidenswertes Leben führen. Die Begründungen dieser Ansicht werfen ganz interessante Lichter auf das kindliche Geistes- und Seelenleben. „Katzen sind glücklich, »veil man ihnen Fntter gibt, das gut für sie ist, während unseres uns manchmal nicht bekommt", schrieb ein Kind. Ein anderes: „Katze»» brauche»» sich ihr Haar nicht zu machen und sehen doch immer hübsch aus, gewöhnlich auch reinlich. Sie brauchen kein kaltes Wasser zum Waschen, sondern lecken sich nur ab. Aber ich bin doch froh, daß ich keine Katze bin." Ei»» kleiner Junge beneidet das Leben des Pferdes, „weil es keine Aufgaben zu mache»» braucht und nicht gescholten wird, wenn es seine Kleider und seine Stiefel zerreißt. Es tvird nicht getadelt, wen»» es zu spät kommt oder wenn es ungezogen ist, und bekommt nichts mit dem Rohrstock." Ein anderes Kind meint: „Daß die Pferde sich nicht um Kleider zu sorgen brauchen, denn sobald eines Abgetragen ist, wächst ihm wieder ein anderes. Ein Kind von elf Jahren schrieb: „Pferde sind glücklich, wenn sie zusammen auf der Wiese spielen. Sie spiele»» eil» Spiel, das man Pferdchenspiel nennt, manchmal sind sie auch wild. Sie sind zu bedauern, weil sie keinen Sinn für Musik haben, und »veil sie ihrem Lehrer nicht sagen können, daß sie nicht mehr arbeiten wollen, wenn mat» sie schlägt." Ein kleiner zehnjähriger Philosoph meint: „Ich glaube nicht, daß die Kühe ihr Glück genügend schätzen. Kühe scheinen immer faul zu sein. Sie habet» nichts zu tun, als umherzulaufen, ihr Futter zu suchen, z»t essen, zu trinken und zu kauen. Das ist genug Glück für die Kühe, meine ich." ------------
Diamanträtsel.
In die Felder- nebenstehender Figur sind die Buchstaben a a a bbeed eee hhhhh i » m n o r t tu derart einzutragen, das; die wagerechten Reihen folgendes bedeuten:
i. Einen Buchstaben.
2. Biblischen Rainen.
3. Franzos. Opernkomponisten.
4. Falkenartigen Raubvogel.
5. Stattlichen Baum.
6. Altes Flüssigkeitsniaß.
7. Einen Buchstaben.
Die senkrechte und wagerechte Mittelreihe ergeben da? Gleiche, ichster Nummer.
Auflösung des Arithmogriphs in voriger Nummer: Perci, Ente, Tara, Erbse, Rubel, Paul, Auster, Unter, Lena, Ratte, Upsala, Butter, Erle, Natal, Sulla: Peter Paul Rubens.
in
Redaktion: I V.: E. Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'ichen UniversitätZ-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


