spannen, an einem steilen Berghang, der sich zu unserer Rechte!» erhebt, noch jetzt an die vergangene Blüte des Städtew-esens zur Zeit der Reformation. Rasch freilich müssen wir uns nun aller Gedanken an Deutschtum, Renaissance und Handwerk ent- schlagen. Denn indem wir jetzt in das sich verschmälernde Berg­tal vor uns eindringen, ändert sich jählings die umgebende Welt. Wir sind im Bulgarenwinkel, wie der Madjar diese endlos lange, verwilderte Vorstadt nennt, weil sie ausschließlich von romani- sierteu Bulgaren bewohnt wird. In zwei dicht nebeneinander­laufenden Häuserstrangen, die sich Hier kreuzen, um sich dort von Bächen und Stegen an zahllosen Stellen beengt und verschoben, wieder auseinander zu winden, kriecht die Vorstadt in alle Löcher und Schlupfwinkel der unzähligen Schluchten, Tälchen und Win­dungen der Wälder und Höhen, von denen überall steile,ab­schüssig stürzende Wege zwischen Laubwerk über Stock und Stein in die Tiefe führen. Alle die baufälligen, die Unebenheiten des Bodens getreulich nachahmenden Häuschen mtb Hütten, die mit einem Beine in einer tiefer liegenden Kalkgrube, mit dem anderen auf einem kleinen Hügel zu stehen scheinen, sind bunt Mit rohen Farben gestrichen; es blitzt von rosarot, blau, gelb', grün, da und dort von Schmutz und Vergänglichkeit diskret pa- tiniert. Braune, weißhaarige Frauen sitzen auf Schemeln vor den Türen, Pferde und- Kühe jagen in dem Gewirr der Gassen und trampeln aus den morschen, hölzernen Stegen über den rauschenden Bächen. Nackte Buben raufen am Brunnen, wenn NM Sonnenuntergang die Männer in ihren hohen Pelzmützen und den langen, weißen Hemden über den enganliegenden Bein­kleidern mit Aexten und Beilen vom Gebirge herunterkommen, wo sie Holzschläger und Knechte sind. Je weiter wir schreiten, UM so mehr verengt sich das Tal, um in der Nähe jenes Sa- boMonsfelsens durch einen waldigen Querzug des Gebirges gleich­zeitig mit der Stadt ein wildes Ende zu finden.

Hier stehen ioir den Wäldern Auge in Auge gegenüber, den­selben Wäldern, die diese seltsanie Stadt, die teils Bauerndorf, teils Stadt der deutschen Renaissance, teils wieder Ansiedlung eines versprengten orientalischen Stammes zu sein scheint, hei allen ihren Geschäften bewachen, bedrohen und' beschützen. Tie Zinne oder Kapellenberg, der sich nach wenigen vorbereitenden Erhebungen plötzlich gewaltig mit tausenden Bäumen über das Tat empvrschwingt, blickt, man sei, wo man sei, über alle Dächer, Giebel und Türme auf Straßen, Gassen und' Plätze Herab und erfüllt sie mit seinen Schatten. Hier sind die Wälder unaus­weichlich; cs wird kein Handel geschlossen, ohne Paß sie dabei wären, kein Wein getrunken, ohne daß sie dem Zecher ins Glas starrten. Und wenn die sächsischen Knaben bei ihrem Herbstfest die siebenbürgische Hymne singen, umringt die Stadt der Sommer b'er siebenbürgischen Wälder.

Museen und heimatschutz.

Man schreibt uns: Ein neues Vorkommnis gibt Veranlassung, botn Standpunkte des Heimatschutzes den UeBer griffen der Museen entgegenzutreten. Wir gehen dabei von dem Grundsatz aus, den Herr Dr. Brandt, Direktor des Thaulow-Museums in Kiel, in seinem Vortrag überMuseen und Heimatsch!utz" auf der Jahresversammlung des Bundes Heimatschutz in Lübeck aufgestellt hat:Ein Stück, das an Ort und Stelle gewürdigt wird und dessen Erhaltung nicht gefährdet ist, gehört nicht ins Museum. Es muß vielmehr so lange als möglich in der Umgebung, für die es geschaffen wurde, erhalten bleiben. Was bei Anerkennung dieses Satzes gesammelt wird, sind Gegenstände, die ohne das Museum zu Grunde oder dem Lande durch Verkauf nach auswärts verloren gingen." Wir sind also keine radikalen Gegner der Museen über­haupt, sondern wir möchten ihre Schätzung nur dahin berichtigen helfen, daß die Museen nicht Selbstzweck sind, und daß sie erst dann ihre Kulturaufgabe erfüllen werden, Wenns sie sich' auf ihre Grenzen beschränken.

Bon diesem Gesichtspunkt aus sind verschiedene Museums- gnkäilfe, die in letzter Zeit die Oeffentlichkeit beschäftigten, sehr zu bedauern. Wir nennen zunächst den Ankauf des N e u m ü n st er« kreuzgsangs in Würzburg durch das Deutsche Museum in Berlin. Dieser Fall, der in der Presse so viel Staub auf- gewirbelt hat, streift allerdings nur die Interessen des HeiMat- schutzes, ja er ist eigentlich eine reine Museumsfrage: denn der Kreuzgang stand zurzeit des Verkaufes längst nicht mehr an seinem ursprünglichen Platze, er war auch in Würzburg schon Museumsgegenstand geworden. Dagegen ist der kurz daraus er­folgte Ankauf eines Portals des K l o st e r s L a n g h e i m in Franken ebenfalls durch das Deutsche Museum durchaus nicht in Einklang, mit den Heinmtschntzbestrebungen.

Nunmehr wird ein neuer Fall bekannt, bei dem es Noch nicht zu spät ist, das> an Ort und Stelle viel bewunderte'Kunstwerk vor der Verschleppung ins Museum zu retten. Es handelt sich um folgendes: Der an das Deutsche Museum in Berlin berufene Hofrat Dr. Kötschau (früher in Weimar) hat auf ein Altar- werk in Themar (S.-Meiningen) 1820000 Mk. und eine Kopie geboten, um das Kunstwerk für das Deutsche Museum SU erwerben. Der Kircheuvorstgnd lehnte zunächst das Angebot ab, beschloß aber jetzt auf den Druck des Gemeinderats hin mit

7 gegen! 6 Stimmen (4 Mitglieder fehlten bei der Abstimmung) den Verkauf, um dadurch der Gemeinde 2 Proz. der Kirchen-i Umlage zu ersparen, die wegen einer Renovierung von 10 Proz.- auf 18 Proz. erhöht werden Mußten. Glücklicherweise fordert abev das Gesetz in S.-Meiningen zu solchen Verkäufen die Genehmigung des Oberkirchenrates, die, tote man bestimmt hoffen darf, nicht gegeben wird. Herr Dr. Kötschau hat in dieser Angelegenheit nach Themar geschrieben:Es wäre mir nur peinlich gewesen/ wenn ich mir hätte sagen müssen, daß die Zustinimung zu der Erwerbung des Altars erzwungen toorben wäre, denn ich stehe auf dem Standpunkt, daß ein Museum nur barm aus einer Kirche einen Gegenstand erwerben soll, wenn dazu aller Zustimmung gegeben worden ist. Andernfalls mag es sich bescheiden und! feilte Lücken anderswo auszufüllen suchen." Der Heimatschutz kann sich mit solchem Standpunkt nicht zufrieden geben. Es muß endlich allgemein anerkannt werden, daß ein Museum nicht nur dann davon absehen muß, Gegenstände zu erwerben, wenn Ein­spruch dagegen erhoben wird, sondern daß cs überhaupt an Private und Gemeinden keine Angebote auf Gegenstände machen darf, die sich an Ort und Stelle der Benutzung und Wertschätzung erfreuen. Den lockenden hohen Geldangeboteu der Museen zu widerstehen, dazu gehört mehr Willenskraft und mehr ehrfürchtiger Sinn für das von den Vätern ererbte Gut, als ihn heutzutage der Turchschnittsdeutsche hat. Im Interesse unserer Kultur müßten wir alles daran fetzen, dieses Verständnis wiederzuerwecken: cs ist ein merkwürdiger Weg dazu, die Denkmäler vom angestammten Platz wegzureißen und in Museen aufznstapeln! Es muß endlich mit der Anschauung gebrochen werden, daß die Museen Selbst­zweck sind. Sie dürfen nur Bewahrer gefährdeten Gutes fein. Nur dann erfüllen sie eine Kulturaufgabe. Wo sie als Lehrmittel in kirnst- oder kulturgeschichtlichem Sinne dienen wollen, da ge­nügen für ihre Zwecke Kopien; cs ist widerfinnig, in die Kirchen Kopien zu bringen, damit als Anschauungsmaterial int Museum die Originale sich befinden. Wer zu feinen Studien die Kenntnis der Originale nicht entbehren kann, der fall sie aufsuchen, um sie an Ort und Stelle in ihrer Wirkung kennen zu lernen. Wird z. B. eilt Botaniker feine Studien nur im botanischen Garten machen? Botanische, zoologische Gärten, Steinsammlungcu und bergt, sind nur zur Einführung ins Studium geeignet. Warum soll es gerade der Kunsthistoriker so bequem gemacht bekommen, daß man ihm seine Studienobjekte an eine Stelle zusammenträgt? Soll fein Studium ein so oberflächliches sein, daß er auf die Kenntnis ihrer Wirkung int natürlichen Zusammenhang ver­zichten kamt. ---- C. W.

Literarisches.

D i e B l u s e. Soviel die unermüdliche und launische Mode auch aus Neuerungen sinnt, alte Stile im modernen Geschmack zurechtgemacht als Neuheiten bringt, heute das verwirft, was sie gestern noch pries eins bleibt immer bestehen: die Bluse. Man hat ihr schon oft das Todesurteil gefprochen, aber die praktisch veranlagte Frau hält an diesem unentbehrlichen Toilettengegenstand fest und die Industrie unterstützt sie darin in weitgehendster Weise. Um nun alle Hausfrauen, die gern selbst schneidern, von dem Modernsten in der Blusenmode zu unterrichten, hat der Verlag der Modenwelt" undIllustrierten Frauen-Zeitung" in Berlin W. 35 ein Musenalbum herausgegeben, das eine reiche Auswahl von französischen, englischen und deutschen Künstlern entworfenerStufen zum Teil in farbiger Aus­führung bringt. Ausführliche Beschreibungen, ein Schnitt- musterbogeu in drei Größen und ein Anhang mit praktischen Hinweisen für die Anfertigung der Blusen dürfte die Selbst- herstellung wesentlich erleichtern und unterstützen.

humoristisches.

* D i e j n n g e F r a n. Er:Sieh nur, Emilie, da schwimmt ja eine Fliege in der Suppe!" Sie:Ach Gott, toie niedlich!"

* Er freut sich. Frau:Der Doktor hat gesagt, ich müsse stets durch die Nase atmen!" Mann:Sehr vernünftig! Tenn das kann Man nur bei geschlossenem! Munde !"

Arithmogriph. , r f -

1 2 4 4 2 ein Maurerwerkzeug.

2 3 3 2 eilt Ackergerät.

3 2 2 4 belgischer Bildhauer.

2 3 4 2 deutscher Architekt.

4 2 2 7 deutscher Bildhauer.

5 2 4 4 2 Stadt in Hannover.

4 2 2 1 Stadt in England.

6 4 2 eilt Naturforscher.

7 2 5 1 Schauspieler zur Zeit Schillers.

123245467 eine Vereinigung.

Auflösung in nächster Nnmmer.f

Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: Eller (Erle), K e l l e r, r a t h's; R a t h s k e l l e r.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universitäts-Buch- und Steindrnckerei, R. Lange, Gießen.