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ttitn ganz nach Neigung und Geschmack, doch packe man ja nicht zu viel und gar nichts überflüssiges. Zuerst versehe man sich, je nach der Dauer der Fahrt, mit einem ober mehreren Paaren von Strümpfen, damit man nicht mit feuchten Füßen zu laufen oder gar zu rasten braucht. Ein Paar Fausthandschuhe zum Wechseln, wenn man es nicht vorgezogen hat, sich ein Paar wasserdichte aus Segeltuch 31t kaufen, die warm gefüttert sind. Bet mehrtägigen Fahrten vergesse man die Schneebrille nicht, und auch eine Tuschenlaterne kann unter Umständen von großem Nutzen sein. Ein wichtiger Bestandteil ist das Werkzeug zum etwaigen Ausbessern der zerbrochenen Schier und das Schiwachs, denn die Bretter müssen nach dem Lauf gut gepflegt, d. h. sorgfältig von Eis und Schnee gereinigt, trocken gerieben und dann auf ihrer Gleitfläche mit Hilfe des Schiwachses geglättet werden. Sehr gute Dienste leistet dabei ein heißes Bügeleisen, mit dem man das schmelzende WacW in die Poren des Holzes treibt. Die Riemen fette man ebenfalls tüchtig ein, damit sie nicht so leicht gefrieren können. .Das Laufen lasse man sich, wenn irgend möglich, von einem tüchtigen Läufer lehren, vor allem merke man aber, daß die Füße genau parallel zueinander stehen müßen und höchstens handbreit voneinander entfernt sein dürfen, da sonst sehr leicht gefährliche Verletzungen Vorkommen könneri. Späterhin lernt man leicht, ab und zu zu geben.
Das schönstei am Schilauf sind natürlich die Abfahrten, bei denen man es mit einiger Uebung zu einer bedeutenden Schnelligkeit bringen kann, und unsere besseren Läufer erreichen auch in der Ebene eine außerordentliche Geschwindigkeit. Bei einiger Geschicklichkeit kann aber auch der Anfänger nach dem ersten Winter 10—15 Km. in der Stunde laufen.
Da die ungewohnten Schlürfbewegungen sehr anstrengen, hüte man sich anfangs vor allzugroßen Wagnissen und übe lieber bescheiden am Abhang, wenn man auch die anderen auf herrlicher Fahrt langsam entschwinden sieht. Es macht sich später reichlich bezahlt, wenn man sicher und gewandt auch die schwierigsten Hindernisse des Weges spielend und voll Freude überwindet. Es ist ein eigen Ding um dieses Schiläufen, es läßt einen nicht mehr los, und der draußen Drehende mag lächelnd den Kopf schütteln über „die romantische Schwärmerei", aber er weiß ja nicht, wie herrlich das ist, wenn man so beschwingt durch die Winterwunder dahingleitet und voll trunkener Freude ist. Und wenn man auch manchmal zerschunden nach Hause konrmt, lieber Gott, dann tröstet man sich lachend und voll seliger Erinnerung mit dem alten Spruch deö alten Herrn von Goethe über den Eislauf: „Fallen ist der Sterblichen Los. So fällt hier der Schüler wie der Meister!"
Auf den Gletschern d§§ Himalaja.
Die bekannte eifrige Erforscherin des Himalaja, Fanny Bul- lock Workmann, hat auch in diesem Jahre zusammen mit ihrem Gatten eine Reihe von kühnen Gletschertouren in der gram diosen Welt dieses höchsten Gebirges der Erde unternommen, auf denen es ihr gelang, einige bisher noch nicht eroberte Spitzen zu besteigen und neue Studien über die Eisverhältnisse zu machen. Sie berichtet über die Resultate ihrer Sommerkampagne, während der sie 50 Tage in ewigem Schnee und Eis verbrachte und 40 Tage in Höhen von 15 000 bis 20 000 Fuß schwierige Anstiege unternahm, in einem längeren Aufsatz von Harpers Ma- gazme. Das Gebiet, das sie sich diesmal zu ihrer Tätigkeit erwählt hatte, waren die eisgepanzerten Gipfel des riesigen Hispar- Gletschers, der seit der großen Expedition Sir Martin Conways 1892 nicht mehr erforscht worden war. Der eingeborene Herrscher von Nagar, in dessen Reich der Hispar liegt, stellte ihnen liebenswürdig 60 bis 70 Kulis zur Verfügung, die als Lastträger der Expedition folgen sollten, und unterstützte sie während des ganzen Sommers durch die Nachsendung neuer Mannschaften. Freilich sollten sie mit den Kulis, denen das Bergklettern in Kälte und Schnee wenig Freude machte, mancherlei schlimme Erfahrungen erleben. Nur wenige Spitzen des Hispar-Gebietes sind überhaupt besteigbar, denn die nlcisten Gipfel erheben sich so senkrecht empor und sind so zerfurcht von weiten Schneespalten, von Lawinen und überhängenden Cismassen bedroht, daß kein menschlicher Fuß sre erklimmen kann. Den Ehrgeiz der Bergsteiger erregte zuerst eine schlanke steile Schneespitze, die sich östlich von dem Hispar- Paß erhob. Um 1 Uhr nachts brach man vom Lager auf und stieg zunächst in tiefer Dunkelheit empor. Als das Morgenrot dre Eisfelder in einen lichten Schimmer tauchte, sahen sie eine rn einem Winkel von über 70 Grad aufsteigende Wand vor sich, die mit misäglicher Mühe erklommen werden mußte. Allerlei
Hindernisse stellten sich ihnen in den Weg,- dazu mußten sitz gegen Mittag ein möglichst rasches Tempo einschlagen, denn sie fürchteten, beim Abstieg ans diesem gefährlichen „Schlachtfeld der Lammen" von der Nacht überrascht zu werden, lieber scharfe Grate und durch schmelzenden Schnee kani man mit Mühe ant Abend wieder herunter. Die Höhe des genommenen Gipfels betrug 19 000 Fuß; er erhielt den Namen Triple Cornice Peak. Nach diesem ersten geglückten Vorstoß ivurben zahlreiche andere von verschiedenen Lagern aus unternommen, die die Expedition in möglichster Höhe aufschlng. In diesen Lagern ließ Mrs. Workman alle Vorräte und Kulis zurück; sie selbst brach mit ihrem Gatten, dem erprobten Führer Savoye und ivenigen Trägern zur Eroberung noch nicht bestiegener Spitzen auf. Es war schwierig, auf den Höhen des Hispar Stellen zu finden, die zum A'-sschlagen eines Lagers frei genug von Schnee waren. Doch das angenehme Sommerwetter mit seinen warmen Tagen ließ in einer Höhe von mehr als 15 000 Meter Gebirgsblumen emporsprießen und badete! die Zelte viele Stunden lang im hellsten Sonnenschein. Gegen Ende Juli wurde das höchste Lager in einer Höhe von 16 000 Fuß aufgeschlagen. Große Schwierigkeiten bot die Besteigung des Kanibasar-Gletschers, zu dem zwei fast vollständige Auf- und Abstiege gemacht werden mußten, bevor sich die ganze Schönheit und Größe dieser langen Gebirgskette erschloß. Beim ersten Versuch wurde das Wetter nach zwei Stunden so neblig,, der Weg ^war durch große Schnsespalte, dile unsichtbar unter der Schneedecke lagen, so gefährdet, daß die Bergsteiger umkehren mußten. Zudem war im Lager unter den Kulis eine Empörung ausgöbrochen, die sich nur mühsam! unterdrücken ließ. Beim zweiten Male gelang der Aufstieg nach vielen Schwierigkeiten und zähen Anstrengungen. Besonders verlockend zu kühnen Taten war das schöne Juliwetter. Der Hispar, dessen Abhänge zu schmelzen ansingen, war mit schönen kleinen Seen besät, die tut Sonnenlicht in ihrer glitzernden Eis-Einfassung wie Saphire leuchteten und funkelten. Ein großer Gletscher, der den Namen NsvZ-Gletsck-er erhielt, wurde erforscht; der Weg führte über zerrissene Firn- Partien, an eisigen Martern entlang, zum Schluß über ein rveites ansteigendes Feld von verschmelzendem Jnngschnee, immer durch die eintönig weiße Landschaft, zehn englische Meilen lang, ohne daß sich ein Felsen auf dem glatten Berghang gezeigt hätte. Die letzte; Tat, die Mrs. WorkmaN ausführte, war die Besteigung einer hohen Spitze, die sich in einer schlanken dreieckiger Pyramide einig« englische Mailen nördlich vom Hispar-Paß erhebt und von der aus man einen weiten Ueberblick über die Eisfelder des Biafe- Gletschers haben mußte. Die mitgenommenen Kulis weigerten sich beim ersten Lager in einer Höhe von über 1800 Fuß weiter zu gehen und griffen sogar den Führer Savoye tätlich an. Schließlich kamen sie aber doch bis zum nächsten Lager in einer Höhe von 19 100 Fuß mit. Der nächste Tag war dem Endaufstieg Vorbehalten. Bei der außerordentlichen Steilheit des Gipfels und den Anzeichen schlechter Witterung fühlte die kühne Bergsteigerin ein« gervisfe Angst in sich und konnte die ganze Nacht nicht schlafen, Schritt für Schritt ging es dann beim Morgengrauen den eiA- .beideckteN Felsgrat empor, der an vielen Stellen nur 18 .Zoll breit war, auf der rechten Seite von einer Schneemarier flankiert, während auf der linken Seite ein tiefer, ins Unendliche abfallender Abgrund gähnte. Tie Sonne schmolz das Eis und machte jeden Tritt rrnsicher und gleitend. Dazu lag in der Luft eine starke Tendenz zur Nebelbildung, ein drohendes Vorzeichen von schlechieiir Wetter. Mit Aufbietung aller Energie erklommen die Bergsteiger die blaue Eismauer, die zum Gipfel führte, um noch die Aussicht zu haben, ohne die die ganze Anstrengung nutzlos' gewesen! wäre.. Mrs. Workman litt unter dem sogenannten „Schneeschrecken", bei dem sie beständig des Herniedersausen von Lawinen fürchtete. Endlich war die Höhe von 21350 Fuß erreicht; ein wundervoller Ueberblick bot sich über die Gletscherwelt des großen Kunjit Peak, die nur noch wie eine Vision von Schnee und Felsen austauchte, denn bald verhüllte sie'ein dichter Nebelvorhang. Aber auch, in diesem kurzen Aufleuchten hatte sich ein unbeschreiblich grandioses Schauspiel ausgetan, wie es in solcher Mhe noch kern Menschcnauge vorher über die drei größten Gletscher Asiens gehabt, rrnd befriedigt trat Mrs. Workman den Abstieg an, der zugleich das Ende ihrer diesjährigen Gletscherwanderungen bedeutet«.
Magisches Quadrat»
In die Felder nebenstehenden Quadrats sind die Buchstaben AAAAD IILLLMNN N 0 0 derart einzutragen, daß die wagrechken u» senkrecht.Relhen gleichlautend iolgeudes bedeuten;
1. Figur aus einer Wagner'schen Oper.
2. Nordische Gottheit.
3. Weiblichen Vornamen.
4. Französischen Schuhstaat in Asten»
Auflösung in nächster Nummer. s
Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummer'k Aargau — Riga — Nansen — Degenspitze — Tirol;
Arndt, Lenau.
Redaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckeret, N. Lange, Gießen.


