Ausgabe 
25.11.1909
 
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Dritten bis M fc'e'itii schroffen Wfall, um die herrliche Fernsicht zu genießen. Dann ein paar kühne, prächtige Abfahrten auf dem kahlen Hang, uni später ans demselben Weg zurückzuwandern, oder sich einen mühseligen Weg ins Tal zu suchen.

Der Wege find so viele, und der einigermaßen geübte und nicht allzu ängstliche Läufer wird sich sehr rasch selbst seine Fahrten aussuchen, sofern er nur mit Karte und Kompaß, nmzugehen weiß, ohne die ein richtiger Wan­derer niemals aus dtzm Hause geht. Und . . . man sehe nicht erst auf die Karte wenn man sich verlaufen hat, son­dern verfolge seinen Weg von allem Anfang an, um stets zu wissen, wo man ist/ und so im ungünstigsten Falle wenigstens wieder rückwärts kann.

Da ist eine schöne, anfangs etwas beschwerliche Rund­fahrt, die entzückende Fernsichten bietet. Man verfolgt von Rudingshain, zu dem man von Schotten aus quer über die Berge gekommen ist (man kann auch die Landstraße benutzen), die Straße, um dicht hinter der ersten Biegung den nach rechts ahzweigcnden Weg einzuschlagen, klettert oder springt über den Bach und geht dann scharf halb­rechts über eine weite, mäßig ansteigende Halde, quert den Wald, indem man dem links abzweigenden Weg folgt und gelangt dann nach nochmaligem bequemen Anstieg, den Wegweisern folgend, in dauernder Abfahrt von Nordosten zum Hoherodskopf, von wo aus man am besten auf den ge­schilderten Wegen nach Schotten zurückkehrt.

Diese Fahrt zählt zu den schönsten, die ich je gemacht habe, obschon wir zeitweise vollständig im Nebel liefen und fast das Klubhaus verfehlt -hätten, wenn nicht ein jäher Windstoß den Nebel für Sekunden geteilt hätte und uns den dunkelroten Bau des ersehnten Zieles gezeigt hätte.

Auch für längere Wanderfahrten bietet der Vogelsberg reichlich Gelegenheit, und in fast jedem Orte kann man zu bescheidenem Preise gut übernachten, wenn man nicht englische Ansprüche stellt. Aber das verlernt der Schiläufer sehr bald, denn im friedlichen Wettstreit mit der winter- licheu Natur vergißt er die scheinbar unentbehrlichen Reize des städtischen Lebens und freut sich, endlich einmal nur Mensch unter Menschen zu sein, um sein Leben lachend zu genießen, indem er es lachend aufs Spiel setzt.

Nun noch einige Winke für den Anfänger.

Es ist eine läugstbekanute Tatsache, daß der Mensch immer gleich das höchst erreichbare will, und ich habe Leute gesehen, die zum erstenmal aus den Brettern standen und Telemark- und Ehristianiaschwung üben wollten, oder sich gar im Springen versuchten. Das sind Torheiten, die zu nichts anderem führen, als zu elender Stümperei. Erst lerne man auf den Schiern stehen, dann gleiten, versuche eine leichte Abfahrt alles ohne Stock, damit man den Körper gebrauchen lerne und wenn mau das alles sehr gut kann, wage man sich hin und wieder an Schwünge, von denen der gerissene Christiania der leichteste ist. .

Bei Kurven lege man sich immer nach einwärts; besser mau stürzt zehnmal in den Bogen, als einmal aus ihm heraus. Sprünge versucht man, aber man macht sie erst im dritten Jahre, vielleicht auch nie, denn das ist Talent. Mancher zieht einen vorzüglichen Telemark, aber er springt kaum 2 Meter weit ohne zu stürzen. Das muß man schon am eigenen Leib versuchen, manchmal auch an den Schiern, aber das merkt man gewöhnlich erst, wenn die Spitze ab­gebrochen ist.

Um zerbrochene Schier rasch ausbessern zu tonnen, versehe man sich immer mit gutem Werkzeug. Em sehr handliches Fabrikat, WerkzeugbüchseMoment" von Hans Mayer in Kempten im Allgäu ist jetzt aus den Markt ge­kommen, das überall zu haben ist. Im Notfälle geimgen Bohrer, Hammer und Zange oder auch nur em Bohrer und dann ein Stein. Draht und Nägel sollte mau stets bei sich haben, auch Riemen und Kordel, denn im Not­fälle kann man die Spitze unter das abgebrochene Ende des Schi binden und so wenigstens die nächste Siedelung er­reichen. ,c

Sehr wählerisch sei man. auch in der Kleidung, die vor allen Dingen nicht zu warm sein darf, denn der Körper ent­wickelt beim Schilauf sehr viel Wärme. Man wählt am besten einen Touristenanzug, unter dem man einen Wams trägt. Den Rock trage man beim Laufen im Rucksack. Um Erkältungen vorzubeugen, wickele man bei längerem Auf­enthalt ein wollenes Umschlagtuch um den Hals und ziehe einen Rock an; keinesfalls setze man sich, ohne sich ge­

nügend vorgesehen zu haben. Langhaarige Stoffe sind sehr unpraktisch, weil sich die Feuchtigkeit leichter daran absetzt und gefriert. Sehr empfehlenswert sind auch bie glatten norwegischen Anzüge, die aus einer Litewke und langen Hofen bestehen, die über den Knöcheln zusammen­gebunden werden. Der Preis ist nicht erheblich und doch ist diese Kleidung bei uns nicht sehr verbreitet, da sie besonders an geschafft lverden muß, während fast jeder über einen Wanderanzug verfügt.

Unbrauchbar sind die im Handel befindlichen Mützen aus Wolle, weil sie schon nach kurzer Zeit unerträglich warm! machen. Mau wähle entweder eine gewöhnliche Sport- inütze mit Ohrklappen oder die praktische norwegische Mütze.

Am vorsichtigsten sei man mit der Fußbekleidung und führe immer ein paar trockene Strümpfe ine Rucksack mit sich, um gegebenenfalls wechseln zu können. Die Stiefel müssen weit und bequem sein, vorn breit mit durchgehender, überstehender Sohle. Daß sie wasserdicht sein müssen ver­steht sich von selbst. Sehr praktisch sind die beim Heere eingeführten Schnürstiefel, die auch den Vorzug der Billig­keit haben. Am besten sind die Lauparschuhe, die aller­dings etwas teuer sind (2224 Mk.) und nur zum Schilauf verwendet werden können, lieber den Strümpfen kann man ein Paar Ziegenhaarsocken tragen, die sehr warm halten und auch gegen Nässe schützen.

Die größte Bedeutung ist aber naturgemäß den Schnee- schühen selbst beizumessen, denn von ihrer Güte und Be­schaffenheit hängt in erster Linie das Heil des Schiläufers! ab. Die Auswahl ist für den Unkundigen sehr, sehr schwer, doch liefern alle großen Sportgeschäfte recht gute Ware. Bor allen Dingen hüte man sich, zu billig zu kaufen. .Fe nach der Größe lege mau 2530 Mk. an, denn nur die bestenHölzer" find eben gerade dauerhaft genug. Sie werden gewöhnlich aus dem harten und geschmeidigen Holz der Esche hergestellt und aus dem noch stärkeren, aber etwas schwereren Hickoryholz, dem ich persönlich den Vorzug gebe. Das Holz muß astfrei sein und von möglichst gleichmäßiger, längs laufender Faserung. Alle anderen Maserungen weise man unbedingt zurück. Die Länge des Schi richtet sich nach der Mrperlänge; sie soll derart sein, daß man mit ausgestreckter Hand den aufrecht stehenden Schi noch erreichen kann. Die richtige Biegung des Schi ersehe man aus den Lehrbüchern, ehe man zum Kauf schreitet, da sehr viel falsch gebogene Schneeschuhe im Handel sind. Die Spannung bewahre man durch eine für geringes Geld erhältliche Spannvorrichtnng.

Sehr wichtig ist die Bindung, d. h. die Art der Fu;> befestigüng. Am vräktischsten, weil ungefährlichsten ist die sogenannte lose Bindung, bei der der Fuß nur durch Meinen gehalten wird. Die festen Bindungen geben bei einem! Sturze nicht nach und verursachen deshalb leicht Knöchel­brüche. Am empfehlenswertesten ist die Huitfeldbmdung,. die dem Fuß. vollkommene Bewegungsfreiheit läßt. Sehr zweckmäßig sind dabei die sogenanntenStrammer", die ein sehr rasches Au- und Ablegen ermöglichen. Tie Lei- tuuq der Schier erfolgt in der Hauptsache durch die zwischen zwei eisernen Backen fitzenden Fußspitzen, denen die Esten durch ein paar leichte Hammerschläge genau augepaßt werden. Die Bindung muß. so angepaßt sein, daß man sich bequem auf den Schi niederknien kann.

Der geübtere Läufer benutzt zur Erhöhung seiner Schnelligkeit und zum müheloseren Anstieg einen oder auch zwei Stöcke. Der Anfänger aber entrate, wie schon ge­sagt jeder Hilfe des Stockes. Er verdirbt nur die schöne Form und verhilft zu schiver abzulegeuden Fehlern. Der Schnee ist ja auch sehr weich und sehr gnädig, und wer sich hinzufallen scheut, der fange lieber gar nicht an. Wer aber nicht auf den Stock verzichten will, der fahre wenig­stens nicht wie die Heren auf dem Besenstiel ans ihm tal­wärts, es sieht scheußlich aus und wird von jedem echten Schiläufer mit Recht verpönt. Ob man einen stock aus Holz oder aus Bambusrohr wählt, das ist ziemlich gleiche gültig, beide Arten sind sehr brauchbar und erfüllen ihren Zweck vollkommen. Man hüte sich aber, mit ihm die Schi von dem anhaftenden Schnee durch Anschlägen zu befreien, denn meistens rächt er diesen Mißbrauch dadurch, daß er ^^^Vonde^ notwendigsten Stücken der Ausrüstung habe ich schon geschrieben, jetzt soll nur noch das erwähnt werken, was inan wi Rucksack nachzuführen hat. Das richtet sich