Ausgabe 
25.10.1909
 
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Vermischtes

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steiudruckerei, N. Lange, Gießen.

E

I Gerücht, daß drei Kostbarkeiten iir bett Mauern der langst bet» I lassenen alten Moschee von Mhoti Jheel, desPerlensees , oct» t I borgen sein sollen. Schon mehrfach haben kühne Abenteurer den

1 Versuch unternommen, die Reichtümer zu retten, aber fast immer sind die Unternehmungen fehlgeschlagen, unerklärliche gehermnis» volle Todesfälle imb seltsame Phänomene überfielen bte Gold­sucher und trugen nicht wenig dazu bei, bte mystische Scheu der Eingeborenen vor der Ruinenstätte der einst so prunkreichen benga­lischen Hauptstadt zu vertiefen und zu verstärken. Wo etnft reiche Paläste sich erhoben und eilte blühende Handelsstadt sich tuet Meilen toeit am Nußufer hinzog, ragen heute nur noch dürre Steinhaufen aus Gebüsch und Dornenwerk hervor Der Dschungek hat seine Arme ausgestreckt und die alte Hauptstadt völlig nmp schlungen Nur die geheimnisvolle Moschee steht noch ausrecht, das Mauerwerk von den Jahrhunderten gebleicht; Scharen von Affen, die von den Eingeborenen als geheiligt respektiert werden, hockeir auf den Manern genau wie damals, wo von dieser Moschee aus die Gebete der Gläubigen zu Allah entporgesandt wurden. An das turmartige Moscheegebäude ist eiN außerordentlich fester Bau angegliedert, der etwa 20 Meter lang und 7 Achter breit ist, bei einer Höhe von etwa 4 Meter. Mächtig sind diese Mauern aufgetürmt und haben den Zeiten getrotzt: tn diesem großen steinernenKassenschrank" sollen die Schätze des Begums ver­borgen liegen. Zu Anfang des 18. Jahrhunderts unternahm es Sir Henry Walton Nus Warlvickshire, zusantmen mit zehn Landsleuten, die Rettung des sagenhaften Schatzes zu versuchen: was mit der Expedition geschah, ist twch bis heute nicht vMlg auf- geklärt: nach der ersten Nacht fand inan alle tot und gräßlich verstümmelt vor der Adoschee liegen. Spätere Schatzsucher kehrten irrsinnig zurück, andere starben an einer schrecklichen Krankheit, die sie jählings an der Stätte der. alten Stadt befallen hatte, und die kein Arzt zu erklären wußte. Ter letzte Versuch, so wird im American Magazine berichtet, wurde vor etwa 10 Zähren unteruoinmen; die Nachkommen des Begums selbst hatten eine

DiamKttträtsel.

In die Felder nebenstehender Figur sind die Biichstaben aaabeefhi iiiilmmnnrssttttz derart einjntragen, daß die wagerechten Reihen folgendes bedeuten:

1. Einen Buchstaben.

2. Stadt in Belgien.

3. Teil eines Baumes.

4. Ein Land.

5. Männlichen Vornamen.

6. Aegypnsche Gottheit.

7, Einen Buchstaben.

Die senkrechte niid wagerechte Mittelreihe ergeben das Gleiche.

Auflösung tu nächster Nummer-.

Auflösung des Ergänzungsrärsels in voriger Nummevt Im Leben gehts nicht ohne Kampf, Denk' nicht, ihn zu vermeiden;

Nmg mit der Welt um deinen Plast, Doch lerne, dich bescheiden.

* Bon! gewissenhaften Schauspielern wird im Gaubois" eine Reihe interessanter Dinge und Einzelheiten er- zählt. Noch immer haftet am Schauspieler etwas von dem alten Borurteil aus fernen Tagen, da der Komödiant sorglos durchs Land zog und Äs ein lustiger, aber auch ein wenig flatterhaften Geselle überall gern gesehen und überall leicht beargwöhnt war. Uber die Zahl der Künstler, denen Gewissenhaftigkeit tn der Ausübung ihrer Kunst tief im Bluts liegt, ist großer, als bte fernstehenden Skeptiker gemeinhin glauben Möchten. Em Typus trengster Gewissenhaftigkeit war z. B. der französische Schau- | 'vieler MÄingue, der schon lange vor den Proben mit dem stollenstudiurn begann; wenn er dann eine neue Rolle ausarbeitete, isolierte er sich völlig von der Welt; niemand wurde empfangen, tzr ging fast nie aus, älleusalls, um im Theater seinen Pflichten nachzukommen; im übrigen aber waren Bildlverke lerne einzige Erbauung und Quellen seiner Inspiration. Schon um ö Uhr betrat er am Abend der Vorstellung seine Garderobe, um mit aller Ruhe und Sorgfalt seine Maske zu vollenden, em kleines Butterbrot zu essen und ein Glas Wasser zu trtnfeu. Auch Santfon, der zu Mitte des vergangenen Jahrhunderts so berühmte Doyen der Comsdie-Franyaise, empfing an den Borsteklungstagen Kitten Menschen bei sich. Auf einem Ruhebett ausgestreckt las er schwei­gend, ohne die Lippen zu bewegen, die Rolle. Als er eines Tages doch einen Advokaten auf einige Minuten empfangen mußte, sprach 'er nur ganz leise: die Stimme sollte geschont werden. Mounet-Sully ist mit unfehlbarer Pünktlichkeit eine Stunde vor Beginn der Vorstellung in seiner Garderobe, wo er sich sofort umkleidet, um jederzeit zum Auftreten bereit zu sein. Der »abttue, ter bisweilen in den größeren Theatern hinter den Kulissen die Künstler beobachten darf, wird mit Interesse Zeuge, wie bte Verschiedenartigkeit der Temperamente sich gerade in ,enen Augen- blickeu am deutlichsten offenbart, die dem Vorstellungsbegutn vor- , umvuivmiin.», v«. »»»»«»»» »7» ausgehen Ta sind die einen, die in gelassener Ruhe, aber völlig I Schar indischer Arbeiter ausgerüstet, die sich m^Werk machen, bereit des Klingelzeichens harren; hier andere, die leise noch I die mächtige Mauer des geheimnisvollen Hauses- zu erbrechen, einmal gewisse Stellen der Rolle vor sich hinmurmeln; dort | Sie arbeiteten einen Tag läng; plötzlich aber über fiel alle em andere, die sogar bestimmte Gesten im letzten Augenblick noch I rätselhaftes Unwohlsein imd sie starben auf der Stelle. Settdcm einmal durchprobieren Tie Theatergeschichte kennt sogar Fälle, I hat niemand mehr die Verderben bringende Statte zu betreten Mo eine nervös überreizte künstlerische Gewissenhaftigkeit erfolg- j gewagt. Ten englischen Kapitalisten ist es fetzt gcMngen, die reife auf Sen Höhen ihres Ruhmes zum Wahnsinn fünf Urenkelinnen des' Fürsten, der. damals seme Schatze vor

trieb Ter rühmlich bekannte Montrose, der zu Mitte des ver- I den Briten rettete, zur Einwilligung m den Plan zu 6"ejhmmeit, gangenen Jahrhunderts als erster Komiker am TlMtre-Franyais I die Vorbereitungen sind bereits tm Gange, aber in fvelcher Weise so popMr war war von einer geradezu krankhaften Gewissen- der alte Bau geöffnet Werden soll, wird noch nicht verraten Hastigkeit Eine ZeitlaNg hatte er in einer Nervenheilanstalt I Bei dem tiefen Aberglauben der angrenzenden Bevölkerung, wird Erholung gesucht, war daun aber als geheilt ziir Bühne zurück- I es jedenfalls schwer seM, Arbeiter zu bekommen, bte an der vcr- aefebrt InFigaros Hochzeit" sollte er mitspielen. Er stand I rufenen Stelle es wagen würden, Spltzhask und Schaust! an bint-n- den Kulissen die Kollegen sahen, wie seine Aufregung/ I die geheiligten Mauern zn setzen. Borauspchtlich wird mau ge-

Wuchs und wuchs ^trotzdem spiele er seine Rolle Mit glänzendem nötigt sein, Dynamit oder ein anderes SprengMUWl zu Mr-

Erfolge Tiber auch der reiche Applaus dämpfte nicht bte Er- I wenden, falls man nicht europäische Arbeiter mit zur Nun.em

reaung; als endlich der Vorhang fiel, schien Montrose sehr er- I stabt nehmen will Wenn die ''euenNachsorchu^

mattet; fünf Sekmlden später, hinter der Kulisse, überwältigte sicheres Ergebnis haben als die fruheren d

ihn ein Wahnsinnsanfall. Alles war zu Ende; er starb tm I enkelrnnen des Begums dte Hälfte des anfgemnbenen Swa^, Irrenhaus Ein ähnlicher Fall ereignete sich um 1868 im Pariser I halten. Einen Teil des Fundes beansprucht die indlfch Rcgie- Odson JntTestament von Cäsar Girodat" sollte Rotnanoille I rung; der RB fällt dann ^^rkat mferm!, dte n^e die Rolle des Isidore spielen. Romanville war stets peinlich I Expedition nach dem Kronschatz des Bengalenfürsten auSgert.ftet yat. pünktlich eine Stunde vor Beginn der Borstellntig im Theater. 1 -----

Weihung sogar schon abgestreift. Zwei Minuten spater betritt IGanz tm, Gegenteil, Herr Doktor, seit vier Tagen habe tcm er die Bühne, als ob nichts geschehen wäre. Tie Kollegen wuw- I keinen Bis,en gegessen!

derten sich über die Verspätuilg und über fein schweigsames Be- | nehmen; auch in ben Pansen blieb er stumm und nur mit feiner Rolle beschäftigt. Als das Stück zu Ende ist, wird er noch in der Kulisse das Opfer eines Wahnsinnsanfalles. Man mußte ihn fesseln und fortschleppen; er gesundete nie mehr Ter Fall zeigt, wie außerordentliche Gewissenhaftigkeit selbst die Macht einer zweifellos schon ausgebrochenen Krankheit überwindet. Sowohl Romanville als auch Montrose waren sicherlich bereits geisteS- umnachtet, als sie das Theater betraten; aber so lauge sie ihre Rolle spielten, überwand der Wille den Wahnwitz; erst mit dem Fallen des Vorhanges überwältigte sie der Jrsinn . . .

* Aus der Suche nach einem'indischeii Königs- schatz. Mit Hilfs einer Anzahl reicher britischer Edelleute und Kapitalisten wird jetzt mit Genehmigung der indischen Regierung eine große Expedition ausgerüstet, die die so oft begonnene und stets tragisch gescheiterte Suche nach dem Kronschatz Schahantat Jungs, des Begums von Murfchedabad, wieder aufnehmen wird. Der Schatz, der in den halbverfallenen Ruinen der einstigen! Hauptstadt Bengalens verborgen liegen soll, wird auf einen Wert von rund 20 0 Million en Mark geschätzt. Kostbare Ju­welen, alte Schmuckgegenstänbe, seltene Hölzer und Elfenbein-, gerate hat der Fürst damals beiseite geschafft, ehe die vorbriugett- den britischen Eroberer auf all die Herrlichkeiten Beschlag legest konnten. Noch heute geht bei den inbiffen Eingeborenen das

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