Ausgabe 
25.8.1909
 
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Punkte drunter gemacht, und jetzt sitzen sie alle wieder drüber. Warum stehen sie nicht da, wo ich sie hingemacht habe?"

Warum?" lachte der Vater laut.Mir scheint, der Dumme sitzt ganz wo anders!. Wenn du eineU Strumpf zweimal um- drehsk, kommt immer wieder die rechte Seite nach außen!" ,

Franz ließ den Kopf hängen und schämte sich nicht wenig. Aber bald gewann er seine alte Sicherheit wieder.

Na, denn will ichs noch einmal mit ihm versuchen!" meinte dr, stand auf und wischte sich den Mund.Den Cäsar Schröder aber verhau ich!"

Wer ist denn das?" fragte der Vater.

Das ist mein Feind!" sagte Franz und schnitt eilte Fratze.

Der hat den Paul Brumke gcpiekst!"

Wer ist denn das?" fragte die Mutter.

Tas ist mein Freund!" erklärte er stolz.

Na, das freut mich!" schloß der Vater.Nun Mach noch die Punkte drauf und nicht drunter, dann hat das mit dir seine Richtigkeit!"

Gustav Narpeler und eine Nichte Heinrich Heines.

Anläßlich des Todes von Gustav Kar Peles wird es, wie derInf." geschrieben wird, allgemein interessieren, zu erfahren, daß in Berlin eine Nichte Heinrich Heines lebt, mit der der verstorbene Heine-Forscher viel zu arbeiten pflegte und der er zahlreiche wertvolle Aufklärungen ver­dankt. Frau Helene Hirsch-Embden, so heißt die alte Dame, ist eine Tochter der Baronin Embden, der Schwester Heinrich Heines. Wenn man Frau Hirsch und ihr Leben kennt, so weiß man, daß sie viel zu erzählen hat, denn selten hat ein Mensch so viel erlebt und gesehen wie sie. Gustav Karpeles äußerte sich einmal über sie folgendermaßen:

Mit den Verwandten großer Männer hat es so seine eigene Bewandtnis. Man 'ist meist so erpicht daraus, sie feinten zu lernen, und schließlich ganz enttäuscht, denn man hätte im stillen doch! gehofft, neues von demGroßen" zu hören und wurde dann schließlich mit Phrasen abgespeist, in denen die Schlagworte der letzten Zeitungsfeuilletons nachklangen, und die sich meist nur durch den häufigen Gebrauch der Ausdrückemein großer Bruder" odermein genialer Onkel" unterscheiden. Frau Hirsch ist eine seltene Ausnahme. Sie weiß fesselnd zu erzählen, ohne dabei phan­tastisch zu werden und ohne den Boden der reellen Wahrheit zu verlassen. Falsche Sentimentalität ist ihr völlig fremd, ebenso wie jedes Phrasentum. Sie unterscheidet scharf zwischen eigenen Erinnerungen und dem, was sie gehört oder gelesen hat."

Nach dieser Schilderung ist es begreiflich, daß Karpeles die Zusammenarbeit mit dieser geistreichen Dame sehr liebte, da sie seinen Arbeiten sehr förderlich war. Namentlich über die Frau Heinrich Heines, mit der sie zeitweilig sehr be­freundet war, weiß die Nichte des großen Dichters viel interessantes zu erzählen. Frau Mathilde Heine, so be­richtet sie uns, war zwar herzlich dumm, liebte aber ihren Mann treu und pflegte ihn unermüdlich, Ihre Dummheit ist Heine, nie lästig gefallen, ganz im Gegenteil, er brauchte sie. Seine Schwester, Frau Baronin Embden, befragte ihn einmal darüber.Nein," erwiderte er,ich sehe den ganzen Tag so viele geistreiche Menschen, die mich aussuchen und im Gespräch ihr bestes geben wollen, daß ich mich abends an der Naivität meiner Frau direkt erquicke." Trotz ihrer Einfachheit besaß sie die Eleganz der Pariserin und das Be­nehmen der Grande Dame", daneben jedoch war sie miß­trauisch, besonders in Geldangelegenheiten. Frau Hirsch schloß in den sechziger Jahren für sie einen Vertrag mit einem Verleger ab, der Schriften aus dem Nachlaß Heines zu Uebersetzungszwecken kaufte und 21000 Frank dafür be­zahlte. Als man das Geld der Witwe Heines einhändigte, meinte sie geringschätzig zu Frau Hirsch:Mais ce n'est Pas beaueoup, ma petite Helene!" Auch an Andeutungen ließ sie es nicht fehlen, bis sie die Quittung des Verlegers selbst erhielt. Nötig hatte sie solche Geschäfte nicht, denn Campes Pension und manche andere Einnahmen verschafften ihr eine genügende Rente, um luxuriös leben zu können.

Frau Hirsch-Embden war in ihrer. Jugend eine sehr gesellige Frau. In den sechziger Jahren genoß ihr Cercle in Paris den Ruf, der eleganteste und interessanteste der Metropole zu fein, da sich unter ihren Gästen alle Namen von Bedeutung vereinten. Staatsmänner und Fürsten, Ge­lehrte und Dichter besuchten ihr gastfreies Haus. Frau Hirsch wurde während des im Jahre 1870 beginnenden

Wiener Aufenthalts eine Freundin der verstorbenen Kai-< {ernt Elisabeth. ______

Die Erweskrätzer.

In unserer raschlebigen, inoberneit Zeit stirbt so manche Volkstype aus, die ihrer Eigenart wegen doch nicht ganz in das Meer der Vergessenheit versenkt werden sollte. Eine solche alte Volkstype aus dem Vogelsberg sind die so­genannten Erweskrätzer. Noch vor 20 Jahren tauchte hier und da einmal eine solche Gruppe auf, die im Vogelsberg und den angrenzenden Gebietsteilen von Dorf zu Dorf, von Haus zu Haus zogen, um auf ihren von den Vätern er­erbten Musikinstrumenten ihre lustigen Weisen vorzutragen.

Wenn im Herbste die Ernte eingetan war, dann hörte für die geringen Leute, die tagsüber bei den Bauern als Taglöhner beschäftigt waren, meistens der Verdienst auf, Man wollte doch nicht ganz feiern, und für den kommenden, langen Winter mußten Vorräte gesammelt werden, zu denen man greifen konnte, wenn die Not an den Mann kam.

Was war dann bequemer und einträglicher, als einzeln, oder in Gruppen von zwei, drei und vier Mann vor den Haustüren der reichen Bauern auf der Baßgeige, der Violine und der Triangel eins aufzuspielen. Notenkenutnis besaßen diese Musikanten nicht, ihre Kunst hatten sie auch bei keinem Meister gelernt, aber lustige Melodien waren es, die sie auf der Geigekratzten", und wenn gar zu der heiteren Melodie ein launiger Text gesungen wurde, dann galt der Vortrag für eine Glanznummer, die besonders honoriert werden mußte. Bares Geld, das damals auch bei den Bauern noch sehr rar war, empfingen die Musikanten nicht, aber ein Stück Speck, ein paar Eier und in den meisten Fällen ein Mäßchen Erbsen war ihr Lohn. Für ihrGekrätz" auf der Geige erhielten die Musikanten ein Mäßchen Erbsen und daher der NameErweskrätzer".

Noch heute bezeichnet man auch in der Umgegend von Gießen schlechte Kirmesmusikanten mit dem Namen Erwes­krätzer. ss.

vermischtes.

* Der Tiermagen als Kochtopf. Professor S. Torjanovic weist auf eine interessante Sitte gewisser Balkan­bewohner hin, die schon bei den Skythen geübt wurde und bis heute in Uebung geblieben ist, nämlich auf die Ver­wendung von Tiermägen als Kochtöpfe. Die Speisen, die zubereitet werden sollen, werden mit Gewürz und Wasser in einen gut gereinigten Hammel- oder Ziegenmagen getan, der dann mit einem Bindfaden geschlossen wird. Unter! diesem eigentümlichen Geschirr wird dann das Feuer ent­zündet und solange unterhalten, bis das Essen gar ist. Aus dem Magen sickert nichts durch und er verbrennt auch nicht, solange sich im Innern noch Flüssigkeit befindet. Serben, Montenegriner und Macedonier kochen im Felde noch heutzutage auf diese Weise und können zuletzt oben­drein ihr Geschirr noch aufessen.

* Am Stammtisch.Was Sie da erzählen, daß Sie vor 25 Jahren mit zerrissenen Stiefeln nach Berlin kamen, setzt Mich nicht in Erstaunen. Ich z. B. bin ganz nackt nach Berlin gekommen!"Reden Sie keinen Unsinn!"Ich gebe Ihnen mein Wort, es ist so: ich bin nämlich in Berit»! geboren."

Logogriph.

Mitb" als Handwerksmann bekannt, Mitf" als Strom im deutschen Land.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Gitterrätsels in voriger Nummerst H A P

Handschuh n t 1

des Ast erabad c a d

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Puls adern h d n

Redaktion: I V.: E. Heß. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lauge, Gießen,