Bilder ast bte Tafel hing uW> alles Mögliche erzählte. Das war sehr lustig, vom Hundertsten kam er ins Tausendste.
„Herr Lehrer!" fragte Franz Plötzlich und hob den Finger. >,^ch möcht gern wissen, warum die Aepsel kurze und die Birnen lange Stiele haben?"
„Komische Frage!" sagte der Lehrer Md kraute sich hinter .dem Ohre. „Sie sind halt so gewachsen."
. Franz setzte sich Und machte ein verblüfftes Gesicht. So lercht hatte M sich das Ding nicht vorgestellt. Aber die Antwort leuchtet« ihm eilt. „Herr Lehrer!" fragte er fünf Minuten spater. „Ich möcht gern wissen, warum unser Kater die Ohren tzmknickt, wenn ich ihm aus di« Schnauze blase?"
„Warum?" lachte der Lehrer. „Frag ihn doch selbst!"
„Aber er kann doch nicht sprechen!" warf Franz unerschrocken ein.
„Deshalb knickt fr di« Ohren ein!" meinte der Lehrer lächelnd. „Wenn er sprechen konnte, wurde er sagen: Dummer Jung, laß Mich zufrichen!"
__ Mihdieser ErWrnng war für Franz di« Katerangelegenheit erledigt. Aufatmend setzte er sich und überlegte sich die dritte Frage. 1
„Herr Lehrer!" rief «V Uach einer Wiertelstunde mit gehobener stimme. „Warum wachsen die BäuMe nicht Mit den Wurzeln nach oben?"
.. Das schien ihm Ungefähr das Schwerste zu sein, was' Man klnem Menschen antun konnte. Und der Lehrer Mußte wirklich em wenig nachdenken.
„Das ist ganz einfach!" erklärte er lächelnd. „Wurzel oder Aeste, das ist ganz gleich. Wachsen die Wurzeln nach oben, so sind es eben Aeste, wachsen die Aeste nach unten, so sinds eben Wurzeln."
Wie schlaU! dachte Fraiiz und war befriedigt.
Als «r zu Hause beim Essen saß, legte er plötzlich die Gabel hm und sagte, ohne mit der Wimper zu zucken: „Unser Lehrer! weiß alles!"
Sein Vater brummte diesmal so bedenklich, daß ihm' ein Bissen im Halse stecken blieb, die Mutter dagegen schlug dankbar Und bewundernd die Hände zusammen.
NUN kam Franz Lüdeckes fünfter Schultag. Vor der Schul-- tür traf er seinen Freund Paul Brumke, der sich nicht hinein-- traute. Es gab zwischen beit beiden eilte längere Verhandlung, die der Lehrer vom Fenster des Konferenzzimmers belauschte, Mine bemerkt zu werden. Da Paul Brumke nicht von seinem Wahn ließ, daß er sicher heute gefrühstückt werden würde, griff thn Franz bei der Hand und versuchte, ihn iit die rote Backstein- Höhle des Menschenfressers zU ziehen. Trotz der geringen Kräfte sträubte sich Paul Brnm'ke erheblich. Endlich aber siegte Franz Und zerrte seinen Freund iM Triumph in die Klasse. Der Lehrer «rwartete sie schon.
„Was war denn da draußen los?" herrschte er die beiden! Nu Und versuchte, ein furchtbar böses Gesicht auszustecken. „Paßt sich das wohl, vor der Schultür so ein Geprügel anzustellen?"
„Ja!" . sagte Franz, schlug die Augen gläubig zu ihm auf UNd ließ seinen Freund los', der sich sofort hinter die schützenden Rücken der anderen flüchtete, denn sie hatten! ihre Plätze auf der vorletzten Bank.
„Na, was ists?" fragte! der Lehrer milder.
„Ja!" meinte Franz und seufzte tief auf. „Herr Lehrer, Sie! wissen' alles!"
„Das will iÄ Meinen!" lachte der Lehrer, UM nicht los- prUsten zu müssen, und streichelt« sanft über Franzens blonden Scheitel.
Wieder holte er die bunten Bilder und begann zu fragen. Die anderen wunderten sich bös', daß der Lehrer plötzlich alles vergessen hatte, was er gestern noch gewußt hatte. Aber Franz wüßte genau, daß sich der Lehrer nur verstellte. Er wußte wirklich Ulkes, nur tat er so, als wenn ers nicht mehr wüßte.
Hinter Paul BruMke saß Cäsar Schröder, einer von den Sitzengebliebeuen, ein dünner, schlackriger Junge, der stets auf Allotria bedacht war. Er hatte! por sich einen sehr spitzen Schiefer-- griffel liegen, mit dem er Nach Paul Brumkes Nacken zielte: Dem tat das sehr weh: Wenn es auch nicht gllich durch die Haut ging, so Machte es ihM doch heftige Schmerzen. Aber er hätte um keinen Preis des Gesicht zu verziehen gewagt, aus Angst, dem schrecklichen Lehrer auszufallen'. Da aber Cäsar Schröder, der böse Bube, keinen rechten Erfolg seiner fortgesetzten Bemühungen spürte, verstärkt« er sie allmählich. Doch Paul Brumkes Angst war noch immer größer als sein Schmerzgefühl, er rutschte wohl NM dem, Sitzbrett hin und her, .baumelte mit den Beinen Nach MteW Seiten, doch den Kopf hielt er steif. Und in seinem mageren .Gesichtchen zuckte keine Muskel.
Franz sah seines Freundes Qualen Und ballte die Faust. Doch Cäsar Schröder, im Gefühl seiner einjährigen Ueberlegen- heit, streckte ihm nur die Zunge heraus. Da drehte sich Franz Lübeck« um und gab ihm eine schallende Ohrfeige.
Der Lehrer, sprang entrüstet auf, schalt laut auf die Ruhestörer Und zog sie vor di« Klasse. Cäsar Schröder duckte sich, denn ler kannte sein Schicksal, versuchte sich aber herauszulügen. Das war UM so leichter, als Franz Lüdpcke nicht den Mund aujtun wollte.
Der Lehrer weiß ja' alles! dachte er bei sich. Wozu soll
tch ihm erzählen, was «r schon weiß? Der aber nahm das für grenzenlose Verstocktheit Und bekam einen, roten Kopf. Mit langen Schritten strebt« er zUm Schrank und nahm einem gelben Stock vr die Hand. Paul Brumke dachte, das sei das lange Menschen-- fressermesser, imd kroch vor Verzweigung unter die Bank. Ter sewe Stock fuchtelte mehrmals vor Franz Lüdeckes Nase hin
6_er. Doch er schwieg wie das Grab. Plötzlich nämlich waren! chm Zweifel gekommen, daß, der Lehrer vielleicht doch nicht alles! wisse. Fetzt mußte es sich zeigen! Und Klatschen war schon gar Nicht seine Sache. '
1 ikmmpiekst!" einer von der hintersten Bank.
,,Jch hab ,hn nicht gepiekst!" verteidigt« sich Cäsar, d«r Gassmiunge. i(
^Doch hat er ihn gepiekst!" schrie es iM Chor.
Nun begann der Lehrer die Zeugenvernehmung'. Dadurch wurde die, Sache noch verwickelter. Die Hälfte war für das Preksen, die Hälfte dagegen. Sogar die, die auf den vorderen Banken saßen und die das Ereignis Nur mit dem Rücken gesehen! haben konnten, gaben mit voller NeberzeugUNg ihr Urteil ab. Das wurde dem Lehrer endlich zu bunt. Und da er seinen lieben Casar Schröder genau kannte, legte er ihn übers linke Kni« und stäubte ihm die Jacke aus. Ter Delinquent suchte seinen Platz auf, quetschte sich einige Tränen heraus und war bald wieder mit seinem Schicksal ausgesöhnt.
Der Fall Franz Lüdecke aber lag schwieriger. Noch einmal bemühte sich der Lehrer in Güte mit ihm. Der JUnge preßt« die Lippen zusammen. Vor Prügel fürchtete er sich nicht. ES gab zu Hause leicht etwas, besonders, wenn der Vater aufgeregt! war. Doch das letzte Mittel mochte der Lehrer nicht anwenden.
„Wenn du das nächstemal wieder so trotzig bist," sprach er, packte ihn bei der Bufenkrause und schüttelte ihn fünfmal hin Und her, „dann kriegst du das Doppelte!"
Franz saß wieder auf seinem Platze und glaubte nicht mehr ün die Mwissenheit des Lehrers. Es kant ihm auch jetzt so vor, als wenn die Antworten auf feine drei Fragern nicht so ganz ausgereicht hätten. Als Paul Brumke den tapferen Freund an seiner Seite fühlte, kroch er wieder Unter der Bank hervor.,
In der Panse gabs auf dem Hose eine Prügelei zwischen Franz Lüdecke und Cäsar Schröder, wobei sich jeder den Sieg zuschrieb. , !
In der nächsten Stund« malte der Herr Lehrer einen Hampelmann an die Wandtafel. Er stand ganz steif da, feinen rechten! Arm hielt er schräg nach unten gestreckt, seinen linken schrägl Nach oben. Doch dieser linke Arm kam ans deut linken Fuß heraus. Keiner nahm an diesem Monstrum von Hampelmann Anstoß- Nur Franz Lüdecke sah den Fehler. Aber er fragte nicht: Warum? Seine Liebe zn dem Lehrer war erloschen. Er freute sich vielmehr heimlich über die Dummheit. Während dessen hatte der Lehrer noch eine Mütze gemalt, die aber in der Luft schwebte., „Das ist ein Junge," erklärte.er bann, „der feine Mütze! in die Lust wirft und vor Freud« „i" schreit!"
Und dann schrien alle wie ein ManU: „i", nNr FraNz! Lüdecke nicht. Nun malte der Lehrer dicht neben den Hampelmann eilt richtiges „i".
„Aus, ab, auf, Punkt draus!" machten ihm all« nach, bis sie müde waren. Es' trat eine Panse ein, denn nun waren sie in das Tor der 38iffenfchatten eingelassen worden. Franz Lübecks wollt« seinen Glauben an den Lehrer zurückgeWinnen und hob den Finger.
„Herr Lehrer!" fragte er ernsthaft. „Ich möchte gern wissen,- warum man den Punkt brauf macht und nicht drunter!"
„Setz dich, Esel!" rief der Lehrer ärgerlich und ließ di« Tafeln heraufnehmen.
Franz Lüdecke wußte genug. Selber Esel! dachte er bei' sich Und ließ den Griffel über den Schiefer gleiten. Auf, ab, auf! Hier aber zögerte er plötzlich. Punkt drunter! murinelts er vor sich hin Und setzt« den Punkt unter die Linie. Paul Brumke sahs und stieß ihn an.
„Das ist falsch!" flüsterte er furchtsam, uM den Freund' vor der Gefahr zu warnen. „Punkt brauf!"
„Laß mich!" gab Franz unmutig zurück und malte weiter seine Punkte drunter. Als er die Tafel vollgeschrieben hatte, ging er zum Lehrer, um ihm seine Arbeit zu zeigen. Der sah auf, prüfte sie flüchtig und- nickt« kurz.
Ra also! Ist das nicht auch ein „i"? dachte Franz Lüdecke triumphierend, wischte aus und begann die Arbeit 'von neuem1. Kurz vor Schluß der Schule wies' er dem Lehrer diese neue Seit«. Auch da standen die Buchstaben verkehrt. Wieder merkt« der Lehrer nichts.
Franz hatte genug von ihm. Als es läutete, packte er seist Schreibwerk vorsichtig ein und trug es' nach Hause.
Hier erklärte er beim Essen, indem' er die Gabel hinlegte!: „Unser Lehrer ist aber dumm!"
Sein Vater verschluckte sich diesmal noch vor dem Brummest Und gab ihm ein ziemlich gut gezieltes Kopfstück. Tie Mntteü verwies ihm solch« Lästerung und verlangte dringend Aufklärung.
Franz holte schweigend seine Tafel. Wozu sollte er Worte machen? Hier mußte die Tat sprechen! Ms er sich aber feist Schreibwerk besah, stutzte er und wurde rot bis über beide Ohren.
' „Rasagte er, auss höchst« überrascht. „Ich hab doch bifl


