Ausgabe 
25.3.1909
 
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sinniges Liebesparadies mit verborgenen Lauben und Grot­ten, mit vor neugierigen Augen schützenden Hecken, ein Zauberreich der Armida, in dem des großen Napoleon liebenswürdig schwacher Bruder koste und scherzte. Doch der Faschingsscherz dieses Maskenkönigtums verrauschte; der luftige leichte, verliebte Spuk zerfloß mit dem Untergang des Korsen; der greise alte Kurfürst fuhr, wieder ein in den Hof seiner Löwenburg, wie wenn er tags zuvor fort­gefahren wäre, und der alte Unteroffizier meldete ihm wie iiümer in steifer militärischer Haltung:Nichts Neues passiert!" Die Wasserkünste sprudelten und rauschten wie ehedem, geleitet und instand erhalten von dem wackern alten Steinhöfer, dem Beherrscher der springenden Wasser, demNeptun der Wilhelmshöhe". Wie immer jubelten die Studenten den steigenden, fallenden grandiosen Fon­tänen zu und die Romantik kam wieder herein mit dem Besuch König Friedrich Wilhelms IV., der von der Löwen­burg aus über die Gärten hinträumend, scherzend zu seinem Vetter, dem Kurfürst Friedrich Wilhelm L, sagte:Wenn einmal die Türkei geteilt wird, sollst du ein großes Stück davon haben und ich nehme mir dann dieses hier."

Damals ahnte niemand, daß 13 Jähre später der kur- hessische Löwe den Klauen des preußischen Aars erliegen würde. Der Kurfürst, der sich 1866 zu Oesterreich gehalten hatte, mußte nach Böhmen in die Verbannung ziehen, wo er traurig sinnend nnt Tränen in den Augen vor dem Bilde seiner früheren schönen Residenz stand; Wilhelmshöhe wurde ein preußisches Königsschloß. Und vier Jahre, nachdem. Hessens letzter Kursürst zum letzten Male die Freitreppe seines Schlosses h erab gestiegen ivar, stieg sie ein anderer entthronter Herrscher als Gefangener hinauf: Napo­leon III.Als Gast" sollte er behandelt werden, und Königin Augusta gab ihm ihren besten Kammerdiener und ihren ersten französischen Küchenmeister, damit es ihm an nichts fehle. Mit militärischen Ehren ward er empfangen Und unter klingendem Spiel fuhr er in das Schloß ein, in voller Generalsünisorm, aber ohne Degen, auf dem Kopf das goldgestickte Generalskäppi, aus dem langen dunklen Mantel gespenstisch dreinschauend mit dem matten flackern­den Blick seiner Augen, der gebückten Haltung, der fahlen Gesichtsfarbe, dem ergrauten Haar. Als er dann an das geöffnete Fenster seines Schlafzimmers trat und in den vom Mondlicht überfluteten Park hinabschaute, schollen durch die Stille der Nacht die Klänge der abziehenden Wache an sein Ohr: es wardie Wacht am Rhein". . . . Dem Be­siegten, der hier in von mannigfachen Besuchen unter­brochener Ruhe erste Sammlung der Seele suchte und sand, folgten die Sieger. Am 25. September 1871 hielt der deutsche Kronprinz, der mit seiner Familie auf Wilhelms­höhe sich von den Strapazen des Krieges erholte, an der Spitze der hessischen Regimenter seinen feierlichen Einzug in Kassel.Es ivar ein wahrhaft herzerhebender Anblick, die männlich schöne, kraftvolle Heldengestalt unseres Kaiser­sohnes an der Spitze des Zuges einherschreiten zu sehen, neben sich, auf einem Doppel-Pony, seinen zwölfjährigen Sohu, den Prinzen Wilhelm, unseren jetzigen Kaiser." Drei Jähre darauf nahmen Prinz Wilhelm und Prinz Heinrich auf längere Zeit ihren Wohnsitz in Wilhelmshöhe, als sie das Kasseler Gymnasium besuchten. Unser Kaiser hat hier einige der schönsten Jahre seiner Jugend verbracht. An einem wundervollen Septembermorgen des Jahres 1878, acht Jahre nachdem der Franzosenkaiser nach Wilhelmshöhe überführt worden ivar, fuhr Kaiser Wilhelm I. den Schloßberg hinauf, den rechten Arm noch in der Binde, eine letzte Erinnerung an die schmachvollen Attentate, von denen er hier in reiner Waldesluft Erholung suchte und fand. Seitdem umschwebt der Geist unseres Kaiserhauses das Schloß und den Garten, die so viel gesehen und erlebt, und da das Kaiserpaar noch jetzt fast regelmäßig ein paar Sommerwochen dort verbringt, wird er weiter walten und gedeihen auf Wilhelmshöhe!

Dr. P. L.

Vermrsehtes.

C-k. Ludwig Uh land als Universitätsprofessor- Wohl selten ist einem Dichter eine Durchdringung seiner beruft lichen Tätigkeit mit dem Geiste seiner poetischen Anschauung so rein gelungen wie Ludwig Uhland. Sein wissenschaftliches Forschest in den Mythen, Sagen und Dichtungen unserer Vorzeit war ein künstlerisches Nachschaffen; seine Darstellung, sein Vortrag der gefundenen Resultate war eine schönheitsvolle Neugestaltung. Sy .Haben in ihm! der! Poet und der Professor eine einzigartige? Harmonische Personalunion gefunden, ivie sie in keinem anderen Dichter auf dem Katheder, weder in Schiller noch Rückert noch all den späteren, sich offenbart hat, die alle aus der Wissenschaft höch­stens Stoff, für die Dichtung zogen oder in beiden Geistesgebieten völlig getrennt tätig waren. Ein neues und wichtiges Zeugnis für Ludwig Uhlands Universitätswirksamkeit in Tübingen ist uns eben in Eduard ZellersErinnerungen eines Neunzigjährigen" erschlossen worden. Leider sind sie nicht im Buchhandel erschienen! und deshalb nur einem kleinen Kreise zugänglich. Es ist. darum dankenswert, daß Erich Schmidt in derInternationalen Wochen­schrift für Wissenschaft, Kunst und Technik" interessante Stellen aus ihnen mitgeteilt hat. Ta heißt es von Uhlands Vorlesungen? über Sagengeschichte und von seinen Stilübungen:Uhlands Kolleg war eine wirkliche Vorlesung, die sich, soweit ich bemerken konnte, genau an des Heft hielt, aber sie hatte doch nicht allein! durch ihren belehrenden Inhalt und ihre klare vollendete Dar­stellung eine starke Anziehungskraft für zahlreiche, einen der größten Säle füllenden Zuhörer, sondern der Dichter legte auch ungesucht so viel von seiner Persönlichkeit in den Vortrag, daß. man unwill­kürlich in das ihn erfüllende Interesse an seinen Gegenstand hineingezogen und für deutsche Sage und Sagenforschnng be­geistert wurde. In den Stilü'bUngen ließ Uhland die ihm jiber- gebenen Aufsätze und Gedichte von den Verfassern vorlesen oder verlas sie auch selbst, wenn jemand ungenannt bleiben wollte, tote das bei den Dichtern meist der Fall war, und knüpfte daran, kurze und treffende Urteile, die auch schwächere Leistungen immer so behandelten, daß ihre Verfasser dadurch nicht von der Teil­nahme zurückgeschreckt werden konnten." Zeller erklärt, durch diese Stilübungen in der Ausbildung seines Stils sehr gefördert worden zu sein, und geht dann zur Schilderung Uhlands in deni per­sönlichen Verkehr mit den Studenten über:Uhland lud die eifrigereren und begabteren Schüler in sein Hans und erlaubte ihnen, ihn zu besuchen; wir lernten ihn bei diesen Besuchen von einer so liebenswürdigen Seite kennen, wie wir es dem sonst so wortkargen und trutzig dreinschanenden Manne kaum zugetraut hätten. Er hatte Freude an jungen Leuten, gab sich uns gegenüber ganz schlicht und ungezwungen und ließ uns auch an mancherlei heiteren kleinen Vorfällen tcilnehmen, die ihm da und dort be­gegnet, und die er mit jenem herzlichen Lachen zu erzählen pfle'gte, das ihm so wohl anstand und besonders von Aeußerungen des Volkshumors und von der aus volkstümlicher Naivität ent­sprungenen Komik erregt wurde." Und seine Beurteilungen Uhlands schließt Zeller mit den Sätzen:Wir verehrten aber in Uhland nicht nur den Dichter und geistvollen Lehrer, sondern vor allein auch den gediegenen, in seiner Gewissenhaftigkeit, Anspruchslosig­keit und Menschenfreundlichkeit vorbildlichen Charakter, den Mann, der seine Würde und die Unabhängigkeit seines Urteils und Ver­haltens Mit echtem Bürgerstolz wahrte, der sich aber auch keiner. Menschen- und Bürgerpflicht entzog, überall, wo man seiner be­durfte, .hilfreich z!ur Seite lvar und z. Ä. noch in reiferen Jahren bei jeder Feuersbrunst herbcicilte, um bei den Löscharbeiten mitzuhelfen." Zuletzt kommt Zeller auf Uhland, den liberalen Abgeordneten, auf die Verweigerung des Urlaubs zur Ausübung des Abgeordnetenmandats und aus Uhlands Beantwortung dieses unwürdigen und kleinlichen Versahrens" durch die Nicderlegung der Professur zu sprechen.In Tübingen empfand man die ge­hässige Behandlung des Dichters als persönliche Kränkung feiltet Verehrer, und in der Studentenschaft tauchte sofort der Plan auf, dem scheidenden Lehrer zum Andenken, wie es damals eine be­liebte Form politischer Ovation?war, einen Ehrenbecher zu widmen. Zeller berichtet von der Ueberreichung durchweine Deputation, bereit Sprecher er war. So schied damals, 1833, Uhland von der Uni­versität Tübingen, zum schweren Schaden der Hochschule, an der &. einer der beliebtesten Lehrer gewesen wär.,

Magisches Zahlen-Dnadrat.

beträgt.

Auflösung in nächster Nummer.

In die Felder nebenstehenden Quadrats sollen die Ziffern

3 11 15 22

viermal derart eingetragen werden, daß oie Summe der Zahlen in jeder der senkrechtm, wagerechten und Diagonalreihen stets «i

Auslösung des Versteckrätsels in voriger Nummerr An Gottes Segenist Alles gelegen.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.