Ausgabe 
25.2.1909
 
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bii- JntrMlktioü zur»Jäger aus Kurpfaltz" irr vollen, reinen Tönen und hieran anschließend das Lied selbst Von Ansang bis zu Ende ohne jegliche» Anstoß und Fehler.

Mit verhaltenem Atem hatte Herr Stöppel gelauscht.

Wunderbar, ganz! ausgezeichnet," rief er ein und das cmd'ere- nicd aus,akkurat wie ein Mensch ?"

Demi iS »och goarnaut," prahlte Henner,he kanns noch vill schienet."

Run sollte Häuschen auck einmal ooram publico singen!, er ließ sich aber aus nichts mehr ein.

Diese Tatsache," erklärte der Akzessist,überrascht mich keineswegs, gehört der Domvfaffe doch zu den eigensinnigsten un­ter allen Vögeln. Apropos, ist er wirklich nicht feil? Ich biete

Ihnen zwanzig Gulden."

Et iS e bische wink," entgegnete der Vui'tshenner, für dreißig (Pille wollt ich'» Euch ze^Gefalle hcrgewe, fu leed mer's töt."

Aber, lieber Mann, zwanzig Gulden ist doch ein sehr an­nehmbarer Preis. Sie können sich ja nächstes Jahr wieder einen, neuen Finken ausbilden."

Darauf erzählte Henner ein langes und breites von- einem Herrn aus Biedenkopf, namens Heinzerlin-g, der in allernächster Zeit bei ihm vorsprechen und die geforderte Summe mit Freu­den bezahlen würde, denn so wie dieser Bogel gerieten sie nicht immer, höchstens alle drei bis vier Jahre.

Der Akzessist überlegte. Das fehlte noch, daß ihm ein An­derer dieses Kleinod vor der Nase wegschnappte! Kurz- ent­schlossen bot er dreiundzwanzig Gulden. Auch fügte er hinzu, daß, wenn Henner einmal t in ArbeitMot käme, er sich jederzeit an ihn wenden könne.

Heimer blickte fragend zu Koalrei hinüber, die soeben mit einem Korb voll Gemüse aus dem Garten kam.

Aich hunn mich besunnc." sprach diese, unn »in Buhlche kräit joä en givure Herrn, loh'em in Gottsnoame, Henner?"

Füninndzwanzig!?, hielt Henner die ausgestreckte Hand hin.

Eine Weile noch zögerte der Käufer, dann schlug er ein.

Do bett Ihr on gioure. Kaas gemoicht" fegte Henner und >,wollens hoffen" der Akzessist.

. Mit viel Geklapper zählte er sodann die Maufsumme auf den Tisck. Hierauf wurde Hänschen samt dem Käfig in die Kutsche getragen.

No daun, vill Glick dermit, Herr Akzepist," wünschte Henner.

En schiene Ermiß oau Auer Fraa, Herr Akezist." schloß sich ihm Koalrei an:nun atschie HänS'che!"

Quiek!"

Herr Akzessist nickte noch einmal gnädig und fuhr davon.

Das umrdige Ehepaar schaute dem Wagen nach, bis er unter der johlenden Begleitung Jnng-Lixfelds nm die Ecke verschwunden war. Hierauf begab sich Koalrei in die .Klicke, nm sich einen dicken Kaffee zu brauen und Henner in die WirtschaftZum fröh­lichen Bergmann," wo er sich in Gemeinschaft mit Besenkoarl, dem Wiedergewonnencn Freunde, einen Mordsrausch antrank. Ob ans Freude über das gute Geschäft oder aus Gewissensbissen wegen des begangenen Betruges, wer kann's wissen?

Koalrei," sagte er in den nächsten Tagen manchmal,tvoas' werd dann »in Hänsche mache? Aich gläwe, de Herr Akzepist is varg biese, e mißet doch schunir gemerkt hunn, doaß Buhl nant kann."

Mach dir mol fee Gedanke im uugelehte Aier," versetzte scs gleichmütig,Diou hast dei Geld, eich humr mei SchoaltiM And doamil basta!"

(Schluß folgt.)

Vermischtes.

* Die neue fiten Schirmgrifse. Die neueste Pariser Mode beschenkt die Welt mit einem neuen Einfall ihrer unerschöpflichen Laune: diesmal sind es die Griffe der Schirme und der Stöcke, die die schöpferische Phantasie der Modekünstler beschäftigt haben. In den Läden der Rue de la Paix tauchen jetzt bereits die ersten Früchte dieser stillen Arbeit auf. Die seidenen Regenschirme oder die lichten spitzenbesetzten Sonnenschirme, der eleganten Parise­rinnen schicken sich an, dem Ridikule einen Teil seiner Last abzunehmen: die aus getriebenem Silber oder aus Gold gefertigten Griffe sind hohl gearbeitet, ein zarter Druck mit dem Finger genügt, um die Griffe zu öffnen und in der Höhlung findet die Dame dann eine Reihe von kleinen Unentbehrlichkeiten, eine reizende kleine Puderbüchse, einen kleinen Spiegel, eine kleine» Tube, die das Rot enthalt, das die Lippen der Pariserin so pikant und so verführerisch macht, in anderen findet man ein Riechfläschchen und was dergleichen notwendige Requisiten der eleganten Damen noch mehr sind. Aber die Mode beschenkt diesmal nicht nur die

Frauen, auch die Männer sind nicht übergangen, Ist den Griffen dieser neuen Spazierstöcke findet man einen Füll-, federhalter oder einen Bleistift, vielleicht ein Federmesser und ein Bergrößorungsglas; andere enthalten kleine Scheren, einen kleinen Kamm, Spiegel, eine schmale Bartbürste, ja ein Modell faßt sogar alle Einzelheiten zusammen und birgt in der Höhlung des Griffes Bleistift, Federmesser, Kamm, Spiegel und eine Rolle Notizpapier, ohne im geringsten unförmig zu sein und gegen die Anforderungen der Eleganz zu verstoßen.

ixo»Hankee-Galanterie. Auf dem DampferPro­vence" langte in New-Dark eine junge Dame an, die sich in die Passagierliste als Frau Nosett eingetragen hatte, Sie hatte für die Uebcrfahrt eine der Luxuskabinen dcö Dampfers belegt, besaß sehr kostbare Garderobe und führte IG OOO Mark in bar sowie zahlreiche Juwelen mit sich. Bei dem Verhör, dem sie auf Ellis Island über ihre Persöiiiichkeit unterzogen wurde, räumte sie ein, daß sie in Wirklichkeit nicht Frau Rosell, sondern Fräulein Engenie Matlfonnet heiße, 22 Jahre alt und aus Belgien gebürtig sei. Sie habe ihren wahren Namen aus Gründen der Diskretion gegen ihren Geliebicn Jacques Maltet, den Sohn des bekannten Pariser Bankiers, verschwiegen. Herr Mattet, der vorgeladen wurde, bestäugte die Angabe der Dame, die auf seine Einladung gekommen sei, ihn zu besuchen, verneinte aber die ihm behördlicherseits vorgelegte Frage, ob er Fräulein Maihoimet zu heiraten be­absichtige. Darauf wurde der Dame die LandunaserlaubuiS verweigert. Die Bundesbehörden in Washington, die Mattet telegraphisch anrief, lehnten ein Eingreifen ab, Fräulein Eugenik muß daher auf Ellis Island warten, bis die Pro­vence wieder nach Europa in See geht.

I t al icnische Sprichwörter, Sich gegenseitig wohlzuwotten hat »och niemals etwas gekostet. Alles Hirn ist nicht in einem Kopfe Geld ist das zweite Blut. Eine entschossene Seele hat keine Ohren (hört auf niemand). Men Poeten fehlt ein Vers. Wer nach jeder Wolke scharrt, geht niemals auf die Reise. Die schönen Dinge gefallen allen, Wohin der Wille zieht, gehen die Beine leicht. : Jeder ist zu etwas gut. Es schließt sich niemals eine Tür, daß sich nicht eine andere öffnete, Wer sich schämt git arbeiten, sollte sich auch schämen za essen. Wenn du gefallen willst, so tue danach. Mer mit Höflichkeit gibt, gibt sogleich die Freude mit, Die Worte find weiblich, die Taten männlich. Der gute Geizige ist der, der mit der Zeit geizt. Wer sich nicht mißt, wird gemessen. Wenn c8 Zeit ist, ist eS eben Zeit. Wer immer ausbewahrt, tut eS für die Kaste. Besser ein ganz kleiner -Kerzchest, als im Dunkel» gehest.

* Kindlich.Nun sage mir einmal, Maxel, was wünschst brr dir noch: ein kleines Brüderchen oder Schwesterchen?" Maxel:Liebes Mamachen, so'» ganz, ganz klein--: Meer­schweinchen !"

* Nicht verlegen. Sie:Du mußt recht zerstreut fein, wenn du Liebesbriefe schreibst: gestern bast du ein leeres Blatt ins Kuvert gesteckt!" -- Er:Das geschah absichtlich, denn meine Liebe zu dir ist eben unbeschreibljich?"

Rvffeispruug-Relms.

Auflösung in nächster Nummer:

H

Arrfstisurrg des Be-OeckMsels - irr voriger RMmdk : Al o r fl e n st u rr d har Gold t m M u n d.

Redaktion: K, Neurath. Rotationsdruck und Verlag der B vfi hl'scher; .Uylpersträts »Buch» und Skeindrzrckerei, R, Lauge, Gteßerr.