Ausgabe 
25.2.1909
 
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Auf Liebespfaden.

Roman von H., Ehr Hardt.

'Nachdruck verboten.

lFortsetzmtg.f

Bald faßen die Bier heiter plaudernd beisammen, der Artiilerist Werbot sich selbst -in treffenden, drolligen Aeusternngen über seine Mitmenschen nnd Mer seine eigene Person, in feiner gewagten Art zuweilen die Grenze des Erlaubten 'streifend, bei' welcher Gelegenheit die junge Frau jedesmal «nbefangeu "herzlich/ aber gedämpft lachte, während die Kleine mir verschämt $« kichern Wagte.

Sie fülitte sich jedenfalls nicht ganz behaglich ihrer nws- kierten Mitschwester gegenüber, außerdem prickelte ihr die Tanz-- lüft in den zierlichen. Füßchen, so huschte sie bald wieder mit ihrem Begleiter davon.

Vorher hatte man noch in übermütiger Laune verabredet, sich am Rosenmontag ,ln Mainz zu treffen, iveil die junge Fran das erstemal in ihrem Leben einen rheinischen Karneval mitmachte nnd gern das echte Treiben eines solchen kennen lernen wollte.

Wirst du Wort halten, Lena, und komme»?" fragte Hans Hassingen, als sic allein waren.

. Sie nippte an ihrem Weinglase nnd dachte einen Moment nach.

Ich glaube, es wäre besser für mich, ich würde wortbrüchig ich ihre Angen blickteit wie hilfesuchend durch den Spalt der- Maske zu ihm hin,ich habe Angst vor mir selber - ich empfinde zu- impulsiv, zu leidenschaftlich ich kann sv schwer eine Reihe «von schönen Tagen ertragen, weil ich immer zwischen- durch von einer heißen Angst befallen werde,.wie grau und trübe 'mein. Leben wieder wird, wenn sie zerronnen ist."

Der blonde Offizier fühlte sich abermals wie von einer Flut­welle gleichen Empfindens überströmt. Auch er kannte ja fein sorgloses Genießen. Nebcrall in den Ecken lauerte das Gespenst der Armut uno mahnte, an die grauen Tage, die unweigerlich den heitersten Stunden folgten.

Ob sie etwa auch mit peknniärett Sorgen zu kämpfen hatte!

Ihr Anzug war sehr einfach, außer einer kleiner Brillant - spange am- Taillenausschnitt trug sie keinen Schmuck, aber das war schließlich nicht maßgebend. Hassingen hatte noch so wenig Ge- legenhejt gehabt, bei Frauen Toilettenluxus zu sehen, daß ihm ;edes richtig abschätzende Urteil fehlte.

Aber was konnte sie sonst bedrücken? Sie Verriet es ihm nicht, sie hatte die sentimentale Anwandlung schnell Werwundear und ihr festes Versprechen gegeben, den Rostmmoutag mit ihm in Mainz zu verleben. .

, W.»1' sw herum begannen uuierdes die. Balchs der Ordnung W? ?u lösen, die Stimmen 'ivnrden lauter und erregter, die Pärchen küßten sich ungenierter, und rin Herr hielt in einer Ecke «inc ^H^e, die von wieherndem. Gelächter -unterbrochen ward.

trat eine Mine ins Zimmer. die der stmgen Fräst, wn im Saale unten durch ihre tiefe Dekolletage unangenehm aust gefallen war, wie sie gehört, eine waggeiagte - Schan.spiele.rin,

mit einem graufarbenen, ordinären Gesicht und gelb gefärbtem? Haar. Sie schien jemanden zu suchen -und wollte rasch an de» Tischen vorbeifchreiten, als ein Herr sich mit ausgebreiteten Armest in ihren Weg stellte. Ob er ihr zu nabe gekommen -oder ob sie bloß zornig war, daß er sie. aufhielt, blieb unaufgeklärt, jeden­falls versetzte, sie ihm einen Stoß gegen die Brust, daß er, schon nicht mehr ganz sicher auf den Füßen, taumelte und zurückfiel, im Fallen eilt Tischtuch ergreifend und mit sich reißend. In daS Klirren zerbrechender Gläser und Flaschen mischte sich das Ge­kreisch erschreckter Damen und-zornige Ausrufe ihrer 'Kavalier«. Die Urheberin dieses..Spektakels aber rauschte weiter, und Hassingen sah, daß. es Meisenberg war, an dessen Arm sie sich im Ncben-- znnmer Hing. ,

Die junge Frau neben ihm batte einen Zug von Hochmut: und Ekel um den Mund.

Ich möchte gehen," sagte sie halblaut.

Er verstand ihr Empfinden, ihm selbst war es entsetzlich peinlich gewesen, daß sie Zengin dieser hier sonst selten vor-» kommenden Szene, geworden war.

Sie gestatten mir doch. Sie nach Hanse zu bringen, gnädige Frau!" sagte er. ;

Daun wurde er glühend rot, da er fick der Förmlichkeit seines' Tons bewußt geworden.

Aber sie. schien es ganz in der Ordnung zu finden, der heiteren-, harmlosen Fastnachtsstimmung hatte die häßliche Szene die. Un­befangenheit geraubt.

Sie gingen schweigend dir Treppe hinunter. Im Saal war es schon fast ganz leer. Die Kapelle hatte ihr Spiel beendet, ein Teil der Lichter war .schon gelöscht, und in dem trüben Dämmer sahen die wenigen umherwundeliiden Gestaltest grau und schatten­haft aus.

Welke Blumen, Kleiderfetzett, geknickte Federn bedeckten den Parkettboden, ein FlttterpMtchcn glitzerte da und dort ans wie ein letztes Anfflackern entschwundenen Glanzes.

~Der schale Rest!" sagte die schlanke Frau au HaslingcnÄ Seite,, indem sie mit dem Fächer über den verlassenen Saal wies.Wie. immer nach allem Schönen, und mit ihm kommt der Ekel und das Entsetzen, daß in der Welt nichts in Schönheit enden kann, daß alles Ende traurig und häßlich ist."

Jur Heranstreten löste sie die Samtmaske von ihrem Gesicht.

Das volle Licht siel auf ihre Züge, und der junge Offizier, der sie bis jetzt nur unter dem Schleier und im Hut gesehen, fand, daß sie weniger hübsch sei, als er vorher gemeint hattej aber 'von eigenartigem Reiz. Der Ekel, von dem sie gesprochen, Hand wie. ein leises Granen in ihren goldbraunen Äugen, dich er vorher hatte in Schelmerei und Uebermnt sprühen sehen, und um die sich nun bläuliche Schatten der Abspannung zogen.

Als er vonvurfsvoll sagte:Aber, gnädige Fran, wir haben doch noch nicht Aschermittwoch, nm schon so trübe Betrachtungen anzu steilen!" und sie in sein junges, sympathisches Gesicht blickte, lächelte sie, und dieses Lächeln veränderte sie. mit einem Schlage. Der müde Liebreiz der Weltdame, sonst das Privilegium der vornehmen Französin, umgab sie verMrerrfch.

Eine verstärkte Neugier, wer sie. sei, erwachte in dem jungen