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UuterTjdtmts spielte sich' eimiml zwischeu Arzt und ii.ttersuch- teUt ®er Untersuchte: „Herr Doktor, ich kann den linken Mm bloß noch so hoch bringen." (Ec hebt, den Arm bis zur Wagerechten.)
Tcc Arzt: „Und wie hoch konnten -Lnc ihn früher bringen .
Ter Untersuchte: „Na, so hoch." (Er hebt den angeblich kranken Arm senkrecht in die Höhe.)
Damit war die Untersuchung beendet. .
Die Geschichte ist zwar wahr, aber so leicht habe,: iw es- natürlich nur selten. Manchmal müssen iw geduldig warten, Lis der Heuchler sich bloßftellt. Bisweilen dauert daS mcht lange : derselbe Mann, der eben noch bei jedem Bückvrrsnch vornüber taumelte, schnürt, sich am Ende der Untersuchung, tief gebückt stehend, gemächlich die Schuhe zu, der int Sprechzimmer Hinkende »erläßt gleichmäßigen Schrittes das Haus des Arztes. Mch iurz- lich sahen wir einen Unfallverletzten, dessen Fuß krampfhaft. nach innen gedreht war. Wir sagten uns: wenn das unecht tK, wird tcr Mann es nicht lange aiishalten; und richtig, nach zehn Minuten fing der Fuß aic zu zittern und zu schwitzen, die -spmuuulg löste sich, und die natürliche StelliiNg trat sachte Widder em.
Schwerer als körperliche Krankheiten sind Geistesstörungen mit einiger Ausdauer vorzutäuschm. Man möge immer wieder daraii denken, welches Studiums, welcher Anstrengung der Schauspieler bedarf, der sich einen Abend lang in die Rolle eines anderen Menschen hineinversetzen must. Wie viel schwieriger muß eS für den Simulanten sein, der meist ohne engere Fachkenntnisie nicht nur eine fremde Persönlichkeit, sondern sogar ein krankes Seelen- leben widerspiegeln' soll und nicht auf stunden, sondern auf ^.age Und Wochen, und dazu unter bett Augen sachkundiger und imß- trauischer Beobachter. Hier und da mag cs wohl sem, daß einem unter Hunderten dergleicheit eine Zeitlang gegluckt ist, zu unter Letzt wird es aber immer scheitern.
Ich meine also, dem gewissenhaften und gut ausgebildeten Arzt wird cs, wenn ihm genügend Zeit unb Mittel zur Verfügung gestellt werden, ttnt sorgsam und geduldig vorzugehetl, bis auf -verschwindende Ausnahmen immer, gelingen, wirkliche Simulation zu erkennen und znrückznweisen. Die Zeiten, iu denen man glaubte, Simulationsverdächtige durch Hunger, Einsperrung, ja durch Foltern zur Aenderung ihres Verhältnis zwingen zu müssen, gehören zum Glück der Vergangenheit an. Im Unrecht freilich sind diejenigen, die vom Arzt eine besondere „Schncidigkeit" im Heraus- finden der Simulation verlangen. Wer die Tendenz hat, überall Betrug zu erschnüffeln', und nröglichst rasch ben vermeintlichen Betrüger abzufertigen, der verkennt die Schwierigkeiten der ärztlichen Diagnostik und verliert die Vorurteilslosigkeit, die ein kostbares Gut des ärztlichen Berufs sein soll. . Vollends übel angebracht ist es, wann Nichtärzte, seien es nun Pvlizeibcamte, Juristen, Geschivvrene, Reporter oder sonstige Laien, die zufällig Zeugen wirklicher oder scheinbarer KrankheitAzustÄtde werten, meinen, daß sie in Simulationsfragen ein selbständiges Urteil abgeben dürften.
In gewissem Sinne muß sogar, wer über Simulation gutachtet, immer ein Stück Psychiater, ein Kenner der gesunden wie der kranken Menschenseele sein. Betrachten wir nämlich die Personen, die Simulationsversuche machen, genauer, so sehen wir, daß sie in der Mehrzahl geistig minderwertig sind. Schrullenhaftigkeit bis zur vollständigen! Verrücktheit, Beschränktheit bis zum hochgradigen Schwachsinn und Hysterie von allen. Graden finden wir da vertreten. Besonders wenn Menschen sich, um Krankheit vorzutäuschen, selbst erheblich beschädigen, sind es sozusagen immer geistig Abnorme. In der Uufallkteratur existiert der Fall eines vorher arbeitsamen Mannes, der ohne ersichtlichen Grund nach einer unbedeutendett Armverletzung aufhörte zu arbeiten, dann, als seine Bemühintgen um Unfallrente vergeblich waren, ton Ärmcnunterstützung lebte, und als ihm oudj die entzogen werden sollte, so weit ging, seinen rechten Arm durch fortgesetzt« Abschnürungen tatsächlich unheilbar zu lähmen.
Wer so haitdclt, der muß vor allen Dingen auf seinen GeisteA- zustatid uittersucht werden.
Verfasser denkt hier besonders an die „U)i(beu, Männer", deren Verhalten vor Gericht und im Strafvollzüge jetzt so viel Staub aufwirbelt. Das Publikum meint natürlich, das wären alles nur Simulanten, die durch verworrenes ober tobsüchtiges Benehmen der gerechten Strafe entgehen wollen. In Wirklichkeit verhält es sich anders: 99 Hundertstel von diesen .gvilden Männer" sind echte Geisteskranke, und mancher ist darunter, der, sobald er sich etwas beruhigt hat, den Arzt flehentlich bittet, nicht auf unbestimmte Zeit in die Irrenanstalt, sondern auf begrenzte Zeit in die Strafanstalt gebracht zu werden. Der Hundertste aber, der
wirklich bewußt Krankheit b-ortäuscht, ist in der Regel eilt geistig Minderwertiger und handelt außerdem nicht mit kühler, betrügerischer Ueberlegung, sondern unter dem schweren seelischen Druck, den die Ang sllvor der Strafe und dic Untersnchnngshaft als solche bewirkt. Seine geistigen Mängel auf das richtige Maß zurück- znführett, ist natürlich die Pflicht des Sachverständigen, aber die moralische Empörung über den Betrngsversuch kann man sich itt den meisten dieser Fälle fbaren.
VermißchLes»
* Dichtcrliebe. Vor einigen Wochen verbreitete sich in Rom plötzlich daS Gerücht, Gabriele D'Annuuzw habe einen Unfall erlitten. Sofort hieß es mich, der Dichter sei schwer verletzt, und Voreilige sprachen sogar schon von dem Lebensende des „Göttlichen", denn in der Bill« in Settignano wurde jede Auskunft verweigert. Die Schleier des Geheimnisvollen, die bis jetzt den Unfall D'Auuuu- zios umgaben, scheinen nunmehr gelüftet. Das Theaterorgan „Nuova Rivista" führt den Unfall Gabriele D'An- nunWvs auf ein pikantes Abenteuer zurück. Ein Florentiner Aristokrat habe durch eine Zeitungsnotiz erfahren- daß seine Frau mit dem Dichter einen Ausflug nach Perugia gemacht und dort unerlaubte Flitterwochen verlebt habe. Der Ehemann jagte daraufhin die Gattin im Eva- kostüm aus dem Haus und lauerte D'Annnnzio in einem Laubgang seiner Billa auf. Er fiel dem Pferde des Dichters in die Zügel, hieß D'Annnnzio in grober Weise absteigen und es kam zu einer ganz und gar nicht ästhetischen! Prügelei, wobei der Dichter zwei, drei Stockhiebe über deu Kopf erhalten haben soll. Also schreibt die „Rivista", der wir natürlich die Verantwortung für das Geschichtchen überlassen müssen, — das freilich bei dem enthusiastisch veranlagten Gemüt des Dichters nicht unwahrscheinlich klingt.
* Ach so! „Was, Sie wischen ben Teller mit dem Taschentuch ab?" — „Das macht nichts, Herr, es ist ohnehin schott schmutzig."
Literarisches.
— Ein großer Teil der neuesten Nummer der Illustriert« Zeitung ist dem 27. Januar, dem 50. Geburtstage des Kaisers gewidmet. Neben einer Anzahl von textlichen Beckmgen, in denen die vielseitige Bedeutung des Herrschers geroibuiet iinrb, finbeit wir ein glänzend gewähltes und meisterlich wiedergegebenes Bilder- material, das in mehr ober minder enger Fühlung nut dem festlichen Tage steht. Auch sonst ist die Nummer mrf) ausgestattet Des Todes Ernst von. Wildenbruchs iutrb tu Wort und Bild eingehend gedacht. Ein interessant geschriebener Außatz unterrichtet mit Unterstützung zahlreicher Abbildungen über dte Ur» Asche Armee. Aus der Reihe der biographischen Aufsätze Mett die Beiträge über Edgar Allan Poe, Alexander Petschmkofs und Edgar Tinel hervorgehoben. Von dem übrigen Inhalt der Nummer (Verlag von I. I. Weber, Leipzig) verdienen noch die „Europäische Regententafel, eine Schilderung des vollendeten Kam-- pauile in Spalato, „Fischmarkt in Chioggia" unb das „WlNtvr- leben itt Norivegen" besondere Erwähnung.
Kryptogramm.
Das Geheimnis von B n r g Scharfeustei tt.
Durch.^-Strahlen zu ergründen."')
Was wird am Burgtor rege? Ist erivaebt Ein süßer Zauberklang aut Sümrienstein? Wer ist die Ahuirau dort in stiller Nacht? Was kann vom Leben ihr verblieben sein.
Habt Ihrs geseh'n? Sticht nicht die Spukgestalt Ten Trauten? Wer blieb sterbend ivohl getreu?
Von wessen Schritt erdröhnt der finst're Wald? Dort ist er! Kerzenschimmer zeigt ihn scheu.
*) In jeder Zeile sind die Lösungen zu finden.
Auslösung in nächster Nummer.
Auflösung des Geographischen Verschiebrätsels in vor. Rr.k Karlsruhe
Mähren Bern Schlesien Detmold Teplil; Donau K ä r n t e n.
Redaktion: E. Anderson. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversttälS-Buch» und Stemdruckerest R. Lange. ®teSes-


