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Trotz
üblich sprach
er:
„Hue, Ijite Hang, Geben Jong fang, Enen Duaden no dobei.
Rod, er Hsren, alle drei.
Wenn ihr es nicht könnt roden on lütt denken, Tann damit mi Nnn Lewen schenken."
. alles Nachdenkens vermochten die Richter das Rätsel nicht iM lösen und schenkten ihm darum das Leben.
Einst sollten am Galgen zu Roth bei. Eitorf an der Sieg Ovei Minner gehengt werden. Der eine der Männer hatte sich im Kerker bekehrt, der andere war hartnäckig geblieben. Als nun der, welcher hartnäckig geblieben war, in den Strang springen mußte, hielt er an die versammelte Menge eine Ansprache mit den Worten: „Wer keinen Hund halten kann, der halte sich ein Hündchen." Inr nächsten Augenblick baumelte er.
In einer rheinischen Stadt sollte ein Missetäter, der ein leidenschaftlicher Kegelspieler war, hingerichtet werden. Bei der Verlesung des Urteils wagte er eine Bitte, daß er nämlich auf dem Rabenstein noch etwas Kegel spielen dürfe, dann wollte er gern sterben. Als die letzte Bitte eines Sterbenden wurde ihm dieses bewilligt. Er sand Kegel nebst Kvgel schon bereit, als er auf dem Richtplatz aukam. Er spielte mit unglaublicher Geschwiiidig- keit. Dem RickMr ward die Sache zu lang; daher befahl er dem Scharfrichter, ihm, sowie er sich wieder nach der Kugel bücken werde, den Kopf abzuschlagen. Ter Scharfrichter war auch so glücklich, einen günstigen Augenblick zu finden: der Kvpf siel dem Kegelspieler, indem er sich aufrichten wollte, in die Hände. Er warf diesen Kopf unter die Kegel, indem er in der Betäubung glauben mochte, es sei die Kugel. Alles fiel und der Kopf rief noch Mit voller Stimme: „Hol' mich der Teufel — alle neun!"
Halten wir nunmehr im Süden unseres Vaterlandes Umschau. Zur 'Schwedenzeit war in Augsburg (und anderwärts) die Sitte üblich, daß Jungfrauen unter der Bedingung einen zum Galgen Verurteilten losbitten dursten, daß sie ihn heirateten. Ern armer Sünder, für den eine spitznasige alte Jungfer diesen Versuch Unternahm, schaute vorsichtig um sich und erwiderte:
„91, spitzig Nasen, Spitzig Kinn, Ta sitzt doch der Teufel drinn. Mach lieber Giugerl, Gängers!" Er ließ sich lieber hängen.
Aehnlich muß es einem Reiter zu Augsburg zumute gewesen fem, der in der ersten Halste des 17. Jahrhunderts zum Galgen verurteilt wurde. Trotzdem ihn „ein junges Mensch zu erlösen begehrt , „soff er noch unter der Leiter 3 Maß Wein und wurde alsdann aufgehangen."
Mehr Glück hatte die gefürchtete Aebtissin zu Lindau am Vodenfee mit der Erlösung vom Galgen kraft alter Privilegien, Nacp denen es ihr zustand, während ihrer Regierung einem vom dortigen Magistrat zum Tode verurteilten Missetäter durch eigenhändiges Abschneiden des Strickes aus der Hand des Scharfrichters zu befreien.
Galgenhumor eigener Art beliebte Herzog Friedrich von Württemberg int Jahre 1596 gegen Geldmacher. Einer, der ihn Mit der Goldmacherkunst genarrt hatte, tmirde zum Galgen ver- Herzog aus dem Eisen verfertigen, aus Verhaftete Gold machen sollte. Der Galgen wurde ivuderbar hergerichtet, rot angestrichen und mit Gold versiert. Folgendes Poem schilderte den Frevel:
„Hier hängt der Böswicht weit bekannt
Irmg Honauer ist er genannt,
•guS Mahrenland kam er hierher Betrug und Hochmut übet er. Aus Eisen wollt er machen Gold, Welches doch niemand ihm glauben wollt. Er hat verleugnet seineil Stand Wollt sem ein großer Herr genannt. Hoffertiges Gemüt, leichtfertiges Herz Fand sich bei ihm nur wie ein Scherz. Archen und Herrn hat er betrogen. Motz Büverei hat er begangen.
wo am Rhein das Siebengebirge blaut, liegt das hochgelegene Kirchdorf Aegidienberg. Hier stand ehemals ein Galgen. Einst sollte ein Verbrecher hingerichtet werden. Schon stand der arme Sünder aus der Leiter, und der Henker war int Begriff, seines schauerlichen Amtes zu walten, als ersterer über sich int Baume ein Vogelnest mit sieben Jungen bemerkte. Als er nun, wie es war, gefragt wurde, ob er noch etwas zu sagen habe.
Galgenhumor wird zu einem Merkmal des Volkscharakters. Der Galgenhumor ist nicht jedem Volke und Volksstamme in gleichem Maße eigen; das deutsche Volk scheint aber eine besondere Vorliebe für ihn zu hegen, wie zahllose Sagen und anekdotenhafte Züge der verschiedensten deutschen Landschaften beweisen. Teilweise reichen diese in das Altertum unseres Volkes zurück. Freilich sinkt der Galgenhumor mitunter auch zum Volkswitz herab, der mehr dem psychologischen, scharfblickenden Beobachtungsvermügen des Volkes als schmerzdurchhauchten Scherz feinen Ursprung verdankt. Außerdem gilt es, eine scharfe Grenzlinie zwischen beabsichtigtem Humor und unfreiwilliger Komik zu ziehen.
Greifen wir einige Beispiele vom Galgenhumor heraus. Tort,
Also hat er sein'n Lohn empfangen. Er war nicht wert, daß er aus Erd Sollt haben fein Begräbnis wert. Sondern da hangen in der Lust Zwischen Himmel und Erdenkluft. Zur wohlverdienten Straf und Lohn Andern zu einem Exempel schon." Aber nicht nur das deutsche Volk hat am Galgenhumor feine Freude, sondern auch andern Völkern ist dieser eigen. Ganz besonders viele Beispiele werden von den Zigeunern erzählt. Krauß hat in seinem Werke über den Zigeunerhumor ein reiches Material hierfür zusammengebracht, aus dem wir in Folgendem einige Geschichten wiedergeben.
Einst führte man einett Zigeuner zum Galgen. Der Geistliche, der ihm aus dem Wege Trost spendete, verwies ihn darauf, daß er noch heute in den Himmel eingehe und mit den Engeln und Heiligen zu Tisch sitzen werde. Da entgegnete der Zigeuner: »Pape! Ich fühlte mich in meinem Zelte am wohlsten und behaglichsten, und im übrigen bin ich gänzlich unwürdig, mit so bedeutsamen Persönlichkeiten gemeinsam zu Nacht zu essen, vielmehr gebührt eine solche Ehrung Dir, o Vater, und wenn es Dir recht ist, trete ich sie Dir von Herzen gern ab!"
Ein anderer zum Tode verurteilter Zigeuner bat, als er auf den Stufen zum Galgen stand, um ein Glas Wein. Man entsprach seinem Wunsche; er trank es aus, doch vor Schrecken ließ er es fallen und es zerschellte. Ta sprach der Zigeuner zu den Umstehenden: „Tas ist ein ungünstiges Vorzeichen, — höchst wahrscheinlich erlebe ich noch heute irgend eine Unannehmlichll-it!"
Diese Geschichte ist übrigens alt und nicht spezifisch zigeunerisch. Im Anekdotenfrennd (Berlin 1804) findet sie sich bereits.
Einst nasführte der Gottseibeiuns seinen Wahlbruder, den Zigeuner, und verleitete ihn so lange zu bösen Taten, bis er ihn an den Galgen gebracht hatte. Als man den armen Sünder emporziehen wollte, fragte ihn der Teufel: „Siehst du was?" Ter Zigeuner antwortete: „Ich sehe nur einen Esel, der mit einer Last zerrissener Schuhe beladen ist." Ta antwortete der Teufel: „Die habe ich alle zerrissen, ehe ich dich hier erschauen konnte!"
Ein zum Tode am Galgen verurteilter Zigeuner-Soldat bat den Henker, er möge ihn beim Hängen ja nur nicht martern. „Mein Lieber", antwortete ihm der Henker, „ich werde mich bemühen, so gut ich es verstehe; doch muß ich dir im voraus gestehen, daß ich bisher noch niemand aufgehängt habe!" Ta sprach der Zigeuner: „Auch ich muß dir gestehen, daß ich noch nie aufgehängt worden bin und daß mir jede Uebung fehlt!" — Sobald ihm der Henker den Strick um den Hals legte, begann der Zigeuner zu! zappeln und sich loszureißen. Dadurch geriet der Henker, unkundig seines Geschäftes, in arge Verwirrung; er zog an, der Strick riß und der bereits halberwürgte Zigeuner fiel vom Galgen auf den Boden. Man betrachtete das Vorkommnis als ein Gottesurteil und ließ ihn laufen.
,, Wegen seiner Verbrechen wurde ein Zigeuner zum Tode am Galgen verurteilt. Als er auf dem Gerüst stand, bat er den Richter, doch einen Barbier für ihn zu bestellen, der ihm zur Ader lassen möchte, denn, wie er vernommen habe, wäre ein Aderlaß das sicherste Mittel gegen den Tod. Ein anderer Zigeuner bat den Henker : „O Herr, häng' mich nicht am Halse auf, denn am Halse bin ich sehr kitzlich; wenn du mich aber durchaus hängen wulst, so lege mir den Strick um den Leib, denn da bin ich nicht UN geringsten kitzlich!" Eine ähnliche Bitte richtete ein anderer Zigeuner, der zunt Galgen verurteilt war, als letzte an seinen Richter: „Ihr. Herren, wenn Ihr mich durchaus wider meinen Willen aufhängen wollt, so reißt mir wenigstens den Schafpelz nicht vom Leibe herab; denn schaut, jetzt sind die Nächte schon so ziemlich kühl, und ich fürchte, ich könnte mir am Ende eme Erkältung zuziehen!"
AeSer Simulanten
berichtet der Nervenarzt Dr. Fr. Leppmann in Nr. 14 des Daheim und stellt an einigen Fällen dar, wie die Sachverständigen vorgehen, um den Täuschungen zu entgehen. Die Herren Simulanten, schreibt er, ahnen nicht, wie mannigfach unser Rüstzeug ist. Da besitzen z. B. die Augenärzte fein konstruierte Apparate, durch die sie Personen entlarven können, die halbseitige Blindheit simulieren: der Untersuchte sieht durch eine Brille bestimmter Konstruktion, ohne unterscheiden zu können, mit welchem Auge er in Wirklichkeit sieht. Er glaiibt, einen Gegenstand mit dem einen, notorisch gesunden Auge gesehen zu haben und hat in Wirklichkeit mit dem angeblich blinden Auge gesehen. Die Ohrenärzte können in entsprechender Weise die Simulation einseitiger Taubheit ermitteln. Dann haben wir die Röntgenapparate, mit denen wir in das Innere des Körpers hüieinleuchten können und mit denen schon mancher Betrug anfgedeckt worden ist — beispielsweise bei jenem Soldaten, der nach einem Sturz beständig einen geschwollenen und eitrigen Finger hatte, bis man im Röntgenbild« eine Anzahl Stecknadelspitzen fand, die er sich selbst nach und nach unter die Haut praktiziert hatte.
Manchmal glückt es, durch eine erlaubte Kriegslist ben Simulanten in großer Geschwindigkeit ad absurdum zu führen. Folgend«


