Ausgabe 
25.1.1909
 
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lich sollte er erhielt, wie alles zngeg äugen war. Wer was war da M erMleu. Tas EiS war gefbntmeti, so schnell, daß es sie ein» schloß, daun hatte man sie von der Mauer aus in Sicherheit gebracht.

Awwer der Amerikaner is doch noch üwivers Eis komme," rief jemand.Der Hot doch noch ä Plätzche süniie, wo ä Hot durchschluppe könne."

Beert antwortete unbestimmt. Sie fragten auch nicht weiter. Sie sprachen über die Gefahren des Eisgangs, jeder wußte eine Geschichte zu erzählen.

Beert saß still babei. Er versuchte zu essen, aber jeder Bissen quoll ihm im Munde. Er schmeckte auch nicht den Wein, den er heruntcrstürzte, er trank, weil seine Kehle brannte wie Feuer. Und wie Feuer brannte es auch in seinem Herzen, und die dumpfen schweren Gedanken in seinem Kopfe bohrten und nagten und peinigten ihn. Tann plötzlich hatte er einen Gedanken. Tante Sette mußte kommen. Beert wußte, welch ein goldenes Herz unter ihrem schnurrigen Wesen verborgen war. Er wollte ihr schreiben, gleich heute abend, oder besser noch, er wollte morgen früh selbst nach Mainz fahren und sie holen.

Er saß lange so. Andere Gäste kamen und gingen, er Ivurde gefragt und erzählte mechanisch, was man von ihm wissen wollte. Es war wohl Zeit heimzugehen aufs Schiff. Aber ihm schauderte davor. Er wollte seinen Oehm nicht sehen und sprechen, nichts von ihm hören. Wenn der alte van Endert was getrunken hatte, dann wurde er geschwätzig und fand kein Ende.

Es war schon spät, nur noch ein paar Schiffer saßen in einer Ecke. Beert mußte wohl gehen. Er zahlte feine Zeche nnd stand auf. Ta wurde die Tür aufgerissen und Beert erschrak. Das war feüt Oehm und Georg Werner. Sie kamen Arm in Arm herein, der Alte mit rotem Gesicht, etwas schwankend, der Ameri­kaner blaß mit sehr glänzenden Augen. Sie lachten laut und saßen schwer an einem der sauber gescheuerteil Tische nieder.

. Beert hatte sich wieder gesetzt. Sollte er versuchen, un­bemerkt hmauszukümmen? Aber das wurde schwerlich gehen. Da machte auch schon die Wirtin den alten van Endert auf ihn aufmerksam, und der schaute sich nach ihm um.

Na Beert!"

Er rief es mit schwerer Zunge. Georg Werner sah sich nach ihm um und es schien Beert, als ob er noch blässer werde. Widerstrebend ging Beert naher. Ter Alte war aufgeregt lustig.

Haste mech en Schoppen getrunken? Datt is auch en Dag dazu. Nu setz dich ms bei uns, mer gehen noch nid) heim."

Ich geh heim, Oehm."

;Och watt! Heut mußt du mitfeiern. Da setz dich her." Beert zögerte.

1 Der Alte lachte verschmitzt.

Datt paßt dir wohl nich recht, dich ließen den da ze setzen! Mber datt geht nn nicht anders. Datt wirste och künftig nich anners können. Der gehört jetzt in die Vetterschast"

Er hob unsicher sein Glas aus und tat einen langen Zug.

Ett is doch en wahren Staat, den Binger Wein! Ich bin sons en nüchternen Mann, aber eso en Tag, den muß mer begießen. Wann einem sein Tochter aus'm Eis gezogen wird, pnd wann mer en Schwiegersohn kriegt."

Beert fühlte, wie ihm etwas die Kehle zuschnürte. Er sah Georg Werner an. Ter saß da, hob hastig sein Schoppenglas und trank Gierig.

Ter alte van Endert sah von einem zum andern und lachte sein listiges Lächeln:, ihr müßt gut Freundschaft halten, ihr zwei. Mach kein eso dumm Gesicht, Beert, die Hendrina, die kriegste nn nich, aber darum laß dir fei grau Haar wachsen! Dafür gißt ett en anner! Frauensleut sind nicht rar, so en staatsen Jung wie du kann an jeden Finger eine kriegen."

Beert stand auf und wendete sich nach der Tür. Aber der Mlte hielt ihn fest:

M,! Eso haben mer nich getoett! Eso kommst du nich dervon. Ich will keinen Unfrieden in der Familie wegen Fran» lmtskram. Ich will, datt Ihr zwei gut Freund werd!"

Er bekam einen roten Kopf, feine Zunge wurde schwer, seine Mugen gläsern, er lallte nur noch:

Gebt--Euch--eit---Handchen! Fix

ich will--dat haben. Tu muß dich kuschen Beert,

Watt kaust de machen."

Er schlug schwer auf den Tisch und lachte. Aber Beert hatte sich leicht losgemacht. Er stand in seiner ganzen Größe vor dem Amerikaner. In seinen Fausten zuckte cs, mit einem einzigen Schlag hätte er den andern zu Boden schmettern können.

Er steckte die rechte Hand in die Tasche.

Ich mach mir die Hand nicht schmutzig an einem, der seine Braut im Stich läßt und sich selber salviert," sagte er gedämpft.

Georg Werner wurde kreideweiß, aber er blieb sitzen, wie gebannt unter dem Wesen Beerts.

Gebt euch en Händchen," sagte der alte van Endert. Jetzt schien Georg Werner zu begreifen. Mit einem unartikn» Herten Laut wollte er auffbringen, aber er kam nicht dazu.

Bum! vi

Ein rollendes Knattern hallte nach.

Bum!

Bum bum bum!

Tas waren die Böller vomalten GundlaH", die da knallten..

Und wiederum bum bunt bum!

Kom komm komm" schienen sie zu dröhnen. Und sie! kamen alle. In tollem Durcheinander stürzten die Gaste der kleinen Wirtschaft auf die Straße, wo schon andere liefen, hastig daß sie nur ja zur rechten Zeit kämen.

Auch Beert lief mit. Er atmete schwer und tief während des Laufens. Sich, er hatte dem Schuft gezeigt, was er von! ihm hielt. Und er hatte ihn erwürgt, zerdrückt in seinen Fäusten, wenn er sich gemuckst hätte. Er schüttelte die Fäuste im Laufen. Er hätte ihm gezeigt, was Kraft ist, dem heimtückischen Halunken dem! . . .

Boni Rhein her kam ein Brausen und Krachen, ein Dröhnen und Knattern. Am Rheinkai drängte sich eine dunkle Masse! Still nnd beklommen standen die Menschen, spähten auf den Rhein, dessen Eis nur schwach weißlich durch das Dunkel leuchtete. Jetzt war es unheimlich still, dann wieder das Dröhnen und Krachen. Ein paar Laternen liefen am Ufer auf und ab. Und alt Gundlach hatte die Böller noch einmal geladen und feuerte sie wieder ab.

Bum bum bum!

Beert van Endert stand dicht am Rheinnfer und spähte an­gestrengt in die Dunkelheit hinaus. Ha, wie das krachte, tote; das hohl und dumpf dröhnte und dann wieder grell, knatterte. Ter Rhein sprengte seine Bande, er machte sich frei von beit Fesseln. Wenn der Mensch das auch könnte. Wenn er altes, was ihn band an das tägliche Leben, abwerfen könnte, handeln! nach Lust und Leidenschaft. Tas tat der Georg Werner! Dep nahm, waS er wollte, der scherte sich nicht um Recht nnd Unrecht.

Hildegard Weingärtner stand plötzlich neben ihm. Sie hatte ein Tuch um den Kdpf gewickelt, und ihre braunen Bogelattgeu leuchteten neugierig und vergnügt:

No, das kamt uns nix due! Des is net. so ungemütlich wie heil nachmiddag."

Sie lachte.

Hör nor, wie das baust nn Spektakel macht. Grad wie der Babba, wann er sich ärgert und scheent. Awwer's bauert net lang, do is alles Widder gut,. So is es auch mit'm Rhei."

Er fragte hastig nach Hendrina.

O, die hot gut geschlofe. Sie is aach uff gestaniie! Sie wollt nor net mit ennnnergehe. Awwer so sonnerbar is fe, so ganz anncrsch wie sonst. Sie hat nach keinem gefragt, uii kaum ä Wort gereb."

Ihr hättet.sie nicht allein lassen sollen."

Hildegard lachte sorglos.No aach noch. Was soll er denn bassiern? So em große Mädche. Es kann doch net immer einer hinner er drin laufe!"

(Schluß folgt-)

Galgenhumor.

Eine volkstümliche Plauderei. Bon O. Schell (Elberfeld).

Scherz beim Schmerz das gibt Humor!" So lautet eine bündige Deutung des BegriffsHumor". Zutreffend ist sic noch immer, trotz ihres Alters. Ta nun der Schmerz, der uns auf dieser absonderlichen Welt beschieden ist, eine ungeheure Mannig­faltigkeit aufweist, so hat der Humor recht oft Gelegenheit, in! Blüte zu schießen. Man könnte bett Schmerz darum fein säuber­lich klassifizieren und in eine geordnete Skala bringen. Diesep Skala müßte der Scherz sekundierend und glossierend folgen und als Endresultat den stufenmäßig auffteigenben Humor erzeugen.. Ganz so schematisch läßt sich nun gerabe nicht verfahren, aber eilt Gradunterschied im Humor muß unbedingt angegeben werden, und die höchste Stufe darf billig der Galgenhumor beanspruchen, mag man nun bas Wort buchstäblich oder übertragen auf höchst schwierige Situationen des Lebens im allgemeinen auffassen. Wen angesichts der Vermählung mit Seilers Tochter der echte Scherz nicht ver­läßt, der hat Galgenhumor in des Wortes verwegenster Be­deutung. Allerdings ist der Deiinquent selbst selten zum Scherzen aufgelegt, wenn sein letztes Stündlein schlägt; vielmehr wirb.das Volk in den meiften Fällen einer beliebten humoristischen Figur und Räuber und Schelme sind nicht selten des Volkes er­korene Lieblinge solchen Scherz andichten. Mer gerade da­durch gewinnen solche Erzählungen, an Wert und Bedeutung; bet