Ausgabe 
25.1.1909
 
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1.909

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Maria Hendrina von Coch,

diovellc vo» Luise Schulze-Brück.

(Nachdruck verboten.) (öurtieUungj

Der Doktor kam jetzt. Der kleine, dicke, alte Herr war sehr gemütsruhig. Prüfend sah er durch seine runden Brillengläser mif Hendrina:

Die natLcckche Reaktion nach der starken Erregung." Er verschrieb ein niederschlagendes Mittel, ein Schlafpulver. Und im Übrigen solle man sie ruhig liegen lassen, der Schlaf und damit die Ausgleichung würde bald kommen. Rur Ruhe, Ruhe..

Hildegard schickte sie dann alle hinaus. Der alte van Eudert ging eilig davon. Zu seinemSchwiegersohn", wie Beert dachte. Um sich zu überzeugen, daß die Verlobung nicht aufgeschoben wer- den mußte.

Er ging in der Dunkelheit langsam hinaus nach der Maria Hendrina. Auf halbem Wege kam ihm jemand stolpernd entgegen. Es Ivar der Mathes. Er hatte es schon gehört, auf den Schiffen litten sie sechs schon erzählt. Und er packte Beert ängstlich am |9tnn:Uns Kind, is usem Kind auch nix passiert?"

Beert beruhigte ihn. Da atmete er tief auf.

Und wo is dann gottverfluchten Erumstreichec gewesen?" Beert sah ihn erstaunt an. Was wußte er denn?

Ru ja, ich kann mir datt doch zusammenklawieren, datt dän in der Rah g«ves is. Dän is ja Tag uit Nacht hinner unsejm Kind her. War dän nich derbei?"

Beert gab Wir# Antwort. Aber der Alte ließ nicht locker. Und Beert in seinem Zorn und seiner Rot ließ sich von ihm aus­fragen.

Ich schlagen cm die Knochen kaputt, ich machen cm jeso klein wie Salz," murmelte ingrimmig der alte Knecht.

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Nein, Mathes! Das dürft Ihr nicht!" Er hatte Mühe, dem Alten klar zu machen, daß er schweigen müsse. Schließlich schien es dem einzuleuchten:

M ja, na ja! Ich lassen en in Ruhl Aivwer ä soll Hier nur noch emal hier erumstreichen,"

Es kitt Beert nicht auf der Maria Hendrina. Er mußte zurück nach Bingen, hören, wie es Henrina ging.

Hildegard kam ihm schon int Flur entgegen.

Sie schlaft," flüsterte sie.Ganz ruhig. Ru -erd es ja wohl morge wieder gut sein."

Beert van Endert ging. Aber er mochte noch nicht auf das Schiff zurück. Die Enge dort, die Stille, die Einsamkeit, alles hatte ihn bedrückt, er fürchtete sich davor. Unruhig ging er gnt Ufer auf und ab, möglichst entfernt von den noch tinnrer neu­gierig umherwimmelnden WsnschLtw Er kam hinunter bis an die Nahe, stgnd aus der Eisenbahnbrücke und sah mit einer Art Hvaueit hinauf nach der Stelle, wo sie vor ein paar Stunden in so gmusiger Todesgefahr gewesen war. Das Naheeis hatte sich nicht durcharbeiten können. Es hatte sich teils auf das Rheineis getürmt, teils im engen Flußbett Mwiimndergekeilt oder auf die

Uferstraße geschoben. Dort lagen die wohl meterdicken schwere« Blöcke übereinander wie Bauklötzchen, mit denen ein Kind gespielt hatte. Ihn schauderte. Da hätten sie nun auch liegen können, verstümmelt, zermalmt. Und was sollte nun werden? Er mußte es nicht, er sah keinen Ausweg. Er ging auf dec Brücke auf und ab, aber zermarterte sich seinen Kopf.

Das Knistern und Knattern des Eises wurde ihm unerträglich. Er schlug wieder den Weg nach der Stadt ein, aber er nwchte nickst am Rheinufer bleiben. So fand er sich tu der stillen Mainzer Straße mit einem treibenden Gedanken, der ihm doch nicht klar zum Bewußtsein kam. Denn als er vor einem Hause stillstand, vor den erhellten Fenstern, da ertappte er sich darauf, daß et ingrimmig zu diesen Fenstern hinaufstarrte. Da wohnte der Georg Wenter, und der Schatten, der sich deutlich auf dem Herabgelasse- neu Rouleau abzeichnete, war der seines Oehms van Endert. Einen Augenblick lang kam ihm der Gedanke, himrufzugehen, den Georg Wenter zur Rede zu stellen, ihm seine Feigheit ins Gesicht zu schlendern in Gegenwart des Alten. Aber dann gab er's wieder auf. Das führte ja zu nichts, das gab ja Unglück, der Schatten verschwand, nun wurden auch die Fenster dunkel.

Veert van Endert druckte sich in den tiefen Schatten eines Torweges. Und jetzt öffnete sich drüber die Tür zwei Gestaltest kanten heraus, der Oehm und Georg Werner. Also war ihm doch nichts geschehen, er war ganz heil geblieben. Und hörte er seine Stimme, die freilich ein wenig nnsickier war:

Einer mußte hinüber und Hilfe holen, sonst gingen wir alle drei zugrunde."

Ter alte van Endert stimmte eifrig bei:Ja, ja! En Entschluß miß wer da schnell fassen, datt lange Uewerlegeit dancht da nix. Eit is nur gut, datt alles eso glatt abgegangen is. Ett hält auch anuers kommen können. Die paar Schrammen sind schnell wieder heil."

Sie waren vorüber. Aber Beert van Endert behielt sie im Auge. Er wollte sehen, wohin sie gingen. Also so legte der Georg Werner jetzt seine Feigheit aus. Und der Alte glaubte ihm natürlich. Und Hendrina?

Vor einer Weinstube machten die beiden Halt. Der alte van Endert zögerte einen Augenblick, aber dann ging er doch mit hinein. Jetzt feierten sic die glückliche Errettung und Georg Werner, der bestrickte den Allen ganz und gar. Der nahm ihn bei seiner Habsucht, bei seinen Plänen mit dem Schiff. Ach, mochte doch der Alte seinen Veerts Anteil ruhig nehmen, er würde ihn nicht hindern. Er würde ja ohnehin nicht bei ihm bleiben, wen« die Hendrina wirklich den Georg Werner heiratete.

Beert van Endert stöhnte laut auf. Vor seinen Augen waren plötzlich blaue und rote Funken, er fühlte, wie der Boden unter ihm schwankte. Herrgott, was war das nur. Ganz schwach wurde ihm ja. Freilich, er hatte noch nichts genossen seit heut' mittag, und et fühlte plötzlich, wie seine Kehle ganz verlechzt war. Er mußte einen Schluck trinken, etwas essen. Und er wollte auch unter Mensche» sein, wollte seine Gedanken los werden. So ging er ein Stück weiter, die Gasse hinunter, wo eine kleine Wirtschaft war, in der man einen guten Schoppen bekam.

Als er herein trat, wurde er mit Hallo empfangen. Aussicht«