Ausgabe 
24.12.1909
 
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Beten gewaltige Feuerschlünde von Zeit zu Zeit Tod und Verderben mancher der Wackern läßt in dieser heiligen Nacht seine Gedankeir hinüberschweifen zur Heimat, zum Vaterhause, zum eignen Herd, den er sich hoffnuugsfroh gegründet, und zu den Lieben, die in bitterm Harme um ihn bangen rmd sorgen. Auch der Reservemmm, der mit vorgesetztem Gewehr am Stamme eures Wahlen Baumes steht, denkt au sie. Klagend hing ihm sein langes Weib am Halse, als er zur Fahne fortgemußt, und von Kummer und Sorge reden ihre Briefe. Wie mag es ihr ergehen? Leidet sie Not? Not in der Christnacht? Vor wenigen Wochen ist er Vater geworden.Vater", raunt er wehmütig lächelnd vor sich hin,Vater von einer kleinen Jöhre! Gewiß, ein Bloudkop, nut blauen Augen wie die Mutter. Na, toenn sone Kugel mich trifft, werd' ich das Mädel nie zu sehen kriegen daun wird's mit den Vaterfreudeu zu Ende fein." Und der Reservemann fährt sich über die Augen.Dem von der zehnten Kompagnie ist es auch so gegangen. Wie der und ich und das halbe Dutzend Füsiliere die Bediemmqsnraunschaft der Batterie bei St. Privat zusammen­schossen, traf'ihn die Chassepotkugel mitten ins Herz.Emen Gruß an Weib und Kind" und hin war er! Wieder wischt sich der Reservemann über die Augen. . . . Doch was war das! Waren es nicht menschliche Stimmen? Ec lauscht mit ver­haltenem Atem und bohrt die Blicke ins Gelände. Dunkle Ge­stalten tauchen auf. Von dorther pflegen Patrouillen der Deutschen nicht zu kommen. Gleich gespenstigen Schemen rücken die Gestalten lautlos näher und näher. Jetzt huschen sie hin und her. Nun konimen sie gerade auf ihn zu. Hundert Schritte sind sie noch entfernt bald nur noch sechzig. ... Er glaubt was wie Parbleu!" undMille tonnerres!" zu hören. Wahrhaftig, eine franzöfische Patrouille! Der Reservemianu faßt sich in eiserner Ruhe mit gefälltem Gewehr steht er hinter dem Baume fast wie eine Säule von Erz.Halt! Werrrda?" ruft er, gedämpft in die heilige Nacht. Keine Antwort--. Die Drei da vorn

tmfen sich in den Schnee. Und nochmals schallt es gedämpft: Halt! Werrrda?" Da blitzt Feuer mit scharfem Knall aus, und die Kugeln zischen ihm um die Ohren. Auch er drückt los. Kurz und schneidig krachen die Schüsse ins Weite. Hin und her saust das tödliche Blei.Mon Dien!" stöhnt drüben einer, hoch aufspringend und dann zusammeirsiukend.Der ist hin," denkt grimmig der ReservemanuMit den beiden anderen Kerls werd' ich schon fertig!" Krmpfeswut hat ihn gepackt, Weib und Kind treten zurück, kühn bria^ er hervor, um mit Kolben und Seitengewehr sich die beiden Rothosen zu langen. Aus dem Hmter- E eilen gerade die Kameraden vvm Schützenzuge im Laufschritt

Ein Dutzend Sätze nach vorn und wieder pfeifen die . Für einen Augenblick ,steht er wie gelähmt dann S' itet sein Gewehr zu Boden, die Arme fahren wie nach einem lt suchend in die Luft, und kopfüber stürzt er todeswund in den Schnee . . . Wenige Minuten später beugt sich einPflaster- Vasten" zu dem Gefallenen herab:Schuß in die Brust! Dem ist nicht mehr zu helfen!"--

Der Hügel des einsamen Grabes auf der Höhe Les Faucelles, den die Kameraden am ersten Weihnachtstage 1870 über den Toten gehäuft, ist längst dem Erdboden gleichgemacht und an den Reservemann denkt nur noch ein ergrautes, einsames Weib, das trotz der vielen Christnächte mit des Lebens Not bitter zu kämpfen hat..... Gehet hin und sorgt für die betagten Witwen der

Gefallenen und für die erwerbsunfähigen Invaliden, die damals in der Vollkraft ihres Lebens bereit waren, das HorazischeDulce et decorum est pro patria mori" zur Wahrheit zu machen. Es ist, Ehrensache des deutschen Volkes, sie nicht darben zu lasten.

Rh.

Hänschens Weihnachtsgeschenk.

Von Otto P r o m b e r.

Erster Tag: Hänschen erhält eine wunderschöne Dampf- maschine, über die er sich riesig ireut. Zweiter: Hänschen ist des Sehens müde und schreitet zur Tat. Im Beisein von Mama wird in den Kessel der Maschine Wasser und in den da­runter befindlichen Behälter Spiritus gegossen. Obwohl der Spiritus angebrannt wird und Hans nebst Mama eine halbe Stunde deni Verdampfen zuseheii, bewegt sich doch die Maschine nicht einen Zoll von der Stelle. Dritter: Papa, läuft mit der Dainpfmaschine, die mir dampft, zum Spielwarenhändler, den er in der Erregung einenSchwindler" nennt. Der Spielwaren- Händler ivill Papa verfingen! Vierter: Papa probiert an der Dampfniaschine hermn, ivähreiid Hänschen weint, daß die da- tunler wohnenden Mietsleute fortgesetzt an die Decke pochen. Hieraus entsteht zivischen beiden Parteien einschrecklicher Krach". Fünfter: Papa untersucht die Maschine nochmals und findet, daß sich das Spielzeug mir dann selbsttätig bewegt, weiin das Vennl zur Hälfte geschlossen wird. Ganz plötzlich rast die Dampf­maschine durch die Stube, daß Häuschen vor Freude laut auf­schreit, Mama aber so erschrickt, daß sie acht Tage lang schreckliche Kopfschmerzen bekommt. S e ch st e r: Hänschen setzt die Maschine ohne Beisein der Eltern in Bewegung. Siebente/: Hänschen

bricht das rechte Hinterrad und den Schornstein ab. Achter: Häuschen dreht das Veniil ganz zu und heizt ein, neugierig, was daraus lueröen wird. Die Folge ist, daß mit einem fürchterlichen Knall der Kessel explodiert. Hänschen verbrüht sich die Finger, Mama fällt in hysterische Krämpfe, unddie Leute unten" schreiben an den Hauswirt, sie wären ihres Lebens nicht inehr sicher. Neunter: Mama kehrt Teile der Maschine unter dem Schrank hervor. Zehnter: Hänschen verschluckt ein Rad. Zum Doktor! I Elfter: Das Rad geht fort! Zwölfter: Dem Papa wird gekündigt.

Weihnachts-Preisrätsel.

Steine lieben jungen Freunde !

Ihr erinnert Euch wohl noch alle, daß das Preisrätsel vorn Vorigen Fahre durch die angebliche Ungeschicklichkeit eines Setzerlehrlings durcheinandergeraleu war. Ihr wart aber säst alle klug genug, die richtige Ähung trotz der spaß­haften Schwierigkeiten Zu finden. So ein Spatz soll Euch auch diesmal bereitet werden, und das Rätsel soll Euch zu- gleich zeigen wie einZwiebelfisch" ausfieht. Verfischt nennt der Buchdrucker nämlich einen Satz, bei dem verschiedene Schriftarten durcheinander geworfen sind. Mit einem bißchen Scharfsinn werdet Ihr den Satz schon entwirren und aus den richtig gestellten Versen auch rasch die Lösung finden. Das wird eine schöne, Beschäftigung während der Feiertage sein. Zugleich könnt Ihr aus demZwiebelfisch" ersehen, mit welcher Sorgsamkeit die kleinen Bwibuchsvaben behandelt iverben müssen, damit solche Verwirrungen nicht Vorkommen.

Als Preise haben wir wieder eine Anzahl hübscher Ge­schenke ausgewahlt, die Euch sicher viel Freude bereiten werden.

Die Lösungen sind bis Kmn 30. Dezember, abendsV Uhr, an die Schriftleitung der Gießener Familienblätter einzu- senden und müssen auch die deutliche Wohnungsangabe enthalten.

So sieht der zusammengewürfelte Satz aus.

SwiebelfiscZz-JRätjeL

Das schon und in Erste bei- mancher

Not lebt nahe starb und. auf seit als in der zwei- ein Drang ganzen tausend Glaubens- und Weit Jahren Held Gefahren.

Tas und bas mit Zweite bleib Ganze Kerzen- ist es kommt glanz ein im aus und jedes Herzen dem m>t von auch Märchen- leuchtendem Euch immer reich Schimmer.

K. N.

Rätsel.

Ein Fahrzeug der alten Germanen

Aus frühester Piahlbaute>izeit, Das wurde wer konnte es ahnen! Ein Liebling der Christenheit.

Erstanden aus fumpfigeii Pfaden, Erfreut es die Herzen, indeß Heut hat man darein geladen Ein W und ein h unb ein s.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung der Charade in voriger Nummer: H o n i g k ii ch e n.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gieße».