Mit ziemlicher Sicherheit auf ein gutes, lückenloses Schneefeld rechnen kann, ist der sicherste Beweis für die Beliebt- heit und Zuträglichkeit dieses jüngsten und gesündesten Sportes. Leider liest und läßt es sich nicht vermeiden, daß gar viel Mitläufer aus Fexerei und Modenarrheit den Schneeschuh — oder den Rodelsport erwählt haben, um sich in der kleidsamen Tracht zu zeigen. Glücklicherweise ist aber das Schiläufen nicht so leicht und mühelos wie das Rodeln und oie Zahl der Sportgecken ist deshalb unter den Schiläufern ganz bedeutend niedriger als bei den Rodlern, oie sich fast ausschließlich aus blutigen Neulingen zusammensetzen. Wenn sich dann aus Unkenntnis Und Unachtsamkeit Unfälle ereignen, wenn irgend ein aufgeblasener Großhirns sich und andere in Gefahr bringt, dann wird leider in begreiflicher Kurzsichtigkeit der Sport verurteilt, der an sich völlig unschuldig ist. Mau sollte sich deshalb hüten, die Allgemeinheit für den Wintersport zu gewinnen, auzuregen und zu ermuntern, weil es meistens an der richtigen und sachkundigen Anleitung fehlt.' Es wird so viel gestümpert in der Welt und nirgends so viel als beim Sport, weil jeder ohne gehörige Hebung sich gleich an die schwierigsten Aufgaben macht und dadurch jede Feinheit, jeder: Stil einbüßt. Denn es kommt schließlich nicht bar tut f an, daß es gemacht wird, sondern wie es gemacht wird. Welch anderes Brld bietet ein geübter Schiläufer, der sich in langwieriger, mühsamer Schule zu Sicherheit und Eleganz durchgearbeitet hat und mit kühnem Blick und lässig vornehm er Haltung einen steilen Hang heruntersaust als der Anfänger, der mit Zittern und Zagen hinter ihm herläuft und alle Augenblicke im Schnee liegt.
Wer's nicht edel und nobel treibt, Lieber weit von den: Handwerk bleibt.
Und es ist etwas Edeles um den Schilauf. Wer noch Nicht auf bei: schmalen Brettern durch tief verschneiten Wald geglitten ist oder wie ein Blitz Über steile, wellige Hänge talnieder gesaust ist, der macht sich keinen Begriff von der Schönheit und der Lust des Schilaufes.
„Es ist eine großartige Ueberwältigung der Natur in der herbsten Jahreszeit", sagt A. Fendrich in seinem bekannter: Muhe „Der Schiläufer"; „ein kühnes Messen der menschlichen Kräfte mit den Gefahren und Tücken des Winters, ein Zeitvertreib vor: großzügiger Wucht und Eleganz und eine Höhenkunst des Wanderns, die uns aus der winterlichen Enge und Lichtarmut der,Städte hinauf hebt in ein reineres, freieres und kraftvolleres Dasein."
Herz und Lungen weiten sich in dem Genuß der weiter:, weißen, schimmernder: Flächen, über die der Schi leicht- fchwingig oahingeht und alle Sinne werden wach und klar bei dem Anblick der tiefverschneiten, winterstillen Forste, die früher kaum eines Menschen Fuß betrat. Das Märchen von den: Winter als dem „harten Mann" zerfließt in eitel nichts und man lernt ihn als einen guten, liebevolle,: Freund schätze:: und Hochhalte::. Frei und ledig ist man da auf seiner: glatten Brettern jeder hindernder: und hemmenden Er:ge, leichtfüßig fliegt man dahin durch die große, unendlich scheinende Einsamkeit der erhabenen Winterwelt.
Und all diese herrlichen Wunder des Winters kennen wir Deutsche erst seit zwanzig Jahren, dem: im Jahre 1889 machte der französische Konsulatsekretär Pilet aus Mannheim seine erste große Schifahrt und erstieg zu allgemeiner Verwunderung den Feldberg im Schwarzwald. Und just am selben Tage hatten zwei Freiburger Studenten auch den Aufstieg gewagt und waren mit Pilet zusammen- getroffen. Bon da an kam der Schisport in Deutschland zur allmählichen Ausbreitung und heute ist er zu einer wundervollen Blüte gediehen.
Der Schi ist aus Norwegen zu uns gekommen, wo er seit den ältesten Zeiten ein wichtiges Verkehrsmittel gewesen ist. Die erste geschichtliche Erwährnrng finden wir um 770 bei Paulus Diakonus, der die Finnen wegen ihrer Geschicklichkeit in: Schneeschuhlauf als Skrid-Finnen, d. ii. Geitfinnen, bezeichnet. Als reiner Sport ist der Schilauf aber auch in Norwegen noch verhältnismäßig jung, wo er hcurptsächlich durch die Bewohner von Telemarke:: in Aufnahme kam. Ende der 70er Jahre wurde der Chri- stiania-Ski-Clnb, der erste Schiklub in Norwegen, gegründet und im Jahre 1879 fand am Huseby-Hügel bei Christiania der erste Schiwettlauf statt, wobei die Telemarker den erstaunten Städtern den ersten richtigen Schilauf zeigten und durch die Länge und Whnheit ihrer Sprünge Be
wunderung erregten. Das gab einen mächtigen Anstoß- aber in Deutschland fand der Schi vorläufig noch feine Beachtung. Anfang der 80er Jahre machte Wilhelm Paulcke, der Verfasser des berühmter: Buches „Der Skilauf" in Graubürrden seinen ersten, wenig erfolgreichen Versuch auf norwegischen Schneeschuhen mit sehr unvollkom- mener Bindung, um sie erst zu Anfang der 90er Jahre in® Schwarzwald und in den Vogesen wieder aufzunehmen. Seitdem hat sich der Schilauf Derart entwickelt, daß er zu einen: Teile schor: Volkssport geworden ist. Um dieses Ziel zu erreiche::, habe:: sich in fast allen schneereichen Gegenden unseres Vaterlandes Bereinigungen gebildet, die die Hebung und Förderung des Schilaufes als obersten Grundsatz aufgestellt haben und ein erhebliches Teil an der Ausbreitung dieses Sportes beigetragen habe::.
Dieses Ziel wird vor allem und am beste:: durch Wettkämpfe erreicht, die, in vernünftigen Grenzen gehalten, ungemein nutzbringend sind. Diese Schaurennen ziehen meistens eine große Menge Zuschauer an und nur hrer, wo sich nicht jeder Stümper beteiligen kann, bekommt man ein richtiges Bild von der Leistungsfähigkeit eines tüchtigen Schiläufers. Erst seit der Einführung solcher Wettkampfe hat der Schisport die große Entwickelung genommen, die außer Nansen viele andere ihm vorausgesagt haben, und wenn heute in fast allen deutschen Mittelgebirgen besuchte Wintersportplätze entstanden sind, so ist das in: wesentlichen das Verdienst der Schivereinigunge::, die durch Anlegung von Rodelbahnen und durch Abhaltung von Schi- kursen und Schirennei: Sammelplätze geschaffen haben.
Wenn der durch Klima und Bodenbeschaffenheit für den Wintersport so vorzüglich geeignete Vogelsberg seither nahezu unbeachtet geblieben ist, so liegt das vor allen® daran, daß es früher au einem Vogelsberger Schiklub und mithin auch an einer tiefgreifenden Anregung zu seinem Besuche gefehlt hat. Wohl wurde er hin und wieder von einzelnen Schiläufern besucht und auch die Schiabteilung des Vogesenklubs erkor ihn zu ihrem Wanderfeld, aber niemand tat etwas zu einer sachgemäßen Herrichtung und zu einem planmäßigen Vorgehen, bei dem Schikurse und Wettkämpfe Anregung und Anleitung gegeben hätten.
Seit dem' letzten Muter hat sich nun in Gießen ein Schiklub gebildet, der es als seine hauptsächlichste Aufgabe betrachtet, den Vogelsberg für den Schisport zu erobern und durch Veranstaltung von Wanderfahrten, Schi- furfen und Wettläufen immer mehr für die Ausbreitung dieses nervenstärkenden Sportes zu sorge::. Ter für die Zeit zwischen Weihnächte:: und Neujahr vorgesehene Kursus hatte des ungünstigen Wetters wegen allerdings ausfallen müssen, und eine Verlegung ließ sich wegen Verhinderung des als Kursleiter gewonnenen Meisterspringers von 1908 I. C. Luthers aus München nicht ermöglichen. Trotzden: schlossen sich den von älteren Schiläufern geleiteten Hebungsfahrten sehr viele Herren und Tarnen an, und sie brachten es auch zu ganz ansehnlichen Leistungen, obgleich sich ein großes Wettlaufen als untunlich zeigte.
Vor allem ist dadurch aber ein beachtenswerter Stamm für die nächsten Jahre gewonnen, fo daß in Zukunft ein regeS wintersportliches Leben im Vogelsberg zu erwarten steht.
Ms günstigster Ansgangsort für Schifahrten empfiehlt sich das reizend gelegene Schotten, das in etwa einstündiger Fährt mit der Kleinbahn von Nidda ans zu erreichen ist. In Schotten ist überall leicht Quartier zu mäßigen Preisen zu finden und (in der Schottener Auskunftsstelle des! Schiklub Wintersport in Gießen, im Hotel zur Traube, wird jede gewünschte Auskunft gern
erteilt werden. Von Schotten aus kam: man
bei günstiger Witterung sofort mit den Schnees chnhen anf- brechei: und je nach Lust und Laune größere oder kleinere Fahrten unternehmen. Ein sehr günstiges Heburigsfeld bilden die Hänge nördlich von Rudingshain, das etwa eine Stunde von Schotten gelegen und auch zur Heber» nachtung geeignet ist. Eine sehr lohnende Fuhrt geht nach den: Ludwigsbrunnen, von wo sich eine herrliche Abfahrt nach Rudingshain bietet oder für geübte Läufer über die Petershainer Höhe nach Freie::seen oder in mehr südlicher Richtung nach dem schönen Städtchen Laubach, an der Bahn Hungen-Alsfeld.
Wer mit den Wegen bekannt ist, kann von Schotter: aus auch noch abends den zum Schilauf vorzüglich geeignete:: Hoherodskopf besteigen und in dem Klubhaus oes Vogels-


