Ausgabe 
24.6.1909
 
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da seins, das Geschäft geht nicht. Die leben von Hand zu Mund. Und das End' vom Lied ist, daß sie eines Tages alles zugemacht kriegen. Dann hat sie die Gemeinde zur

ein Träumer. ,

Ich glaube, wir hatten ja auch einmal M einander gesagt, wie wir ein Hänschen haben wollten und zusammen sein wie Tauben im Schlag.Ein glücklich liebend Paar. Alles Sonnenschein und Glanz, nichts hart und rauh, mcbis schwer. Alles ein Spiel.

iFortsetzung folgt.)

Last."

Ich war über und über rot geworden und im Tiefsten verletzt^ wie der Baier so schimpfte und jetzt auch das Luischen mit hineinzog. Ich hatte schon meine Bilder auftollen wollen und ein paar Rollen herausgenommen, nun ließ ich's.

Laß mir den Kram !veg," sagte der Vater.Das kann jeder Tüncher auch, ohne Gymnasium und Stipendium. Lernen sollst du was, was Rechts und Tüchtiges, das dir Ansehen gibt. Bub" er packte mich an der Schulter, verstehst du, begreifst dws denn nicht: schämen muß ich mich ja norm ganzen Dorf, vor jedem Bettelbüb, daß du so wenig gehalten hast?! Bub, ich hab's doch versprechen müssen, daß du was wirst, was Rechtes, und daß wir Ehre mit dir einlegen! Und du mußt, du mußt!"

Als der Water hinausgegangen war, fagt' ich zur Mutter: Ein Maler will ich werden, Mutter, oder nichts. Ich weiß, der Vater versteht das ja nicht. Aber ich kann s ihm nicht erklären, Mutter."

Dann zeigte ich ihr die Bilder. Da unser Häuschen mit dem Weinberg dahinter, da die hohe Pappel und das Wehr, da ein Frachtschiff ans dem Rhein die Brücke mit den

Taunusbergen dahinter, unb zuletzt einen Straßenwinkel aus der Universitätsstadt.

Hast das all aus dem Kopf gemacht, Lukas?" fragte die Mutter.

All aus dem Kopf, Mutter. Natürlich. Wie ich's in der Erinnerung behalten. Da die Rheinbrücke beim Sonnen­untergang, da unser .Häuschen, wie die Mittagssonne drauf scheint. Ta das Dorf, sieh, ganz im Regen und schwere Wolken drüber, Mutter."

Ei, du bist ja Maler, Lukas, du könn'st ja das so weiter machen und doch studieren dabei. Guck, wir müssen uns

7. Kapitel. |

W war ein altes Stipendium in unsernr Dorf,, das bekam ich, als ich auf die Universität ging. Ich hatte aber trotzdem wenig genug in dieser Zeit.

Anfangs suchte ich in allen Fakultäten herum, was mir zusage. Aber ich kam §11 keinem Resultate. Es bc- | friedigte mich nichts. Dazu kam auch, daß die Weite m der kleinen Universitätsstadt fehlte. Es war alles in so sicheren, festen Bahnen. Viel Gewißheit darin freilich, und hundert Krücken für die Kleinen. Aber in mir trieb ein anderes. Erst wollt' ich's nicht aufkommen lassen; aber es brach durch, stärker und stärker. Ich wollte ein Maler I werden. Ich kaufte mir Farben und Pinsel und bemalte-! eine Leinwand um die andere. Und ich ging hinaus ins Freie und zeichnete. Alles, was mir etwas sagte, alles, in das ich mich verlieren konnte. Denn das war das Merkwürdige in meiner Natur, ich mußte mich in den Dingen verlieren, damit sie ganz in mich kamen. Und ich wollte dann auch nie die Dinge geben, sondern das, was von itynen in mir war, von mir in ihnen.

Befriedigt war ich nie von meinen Malereien. Aber ich verlor den Mut nicht. Ich versuchte wieder und wieder, und zwischendurch gelang mir etwas, das mir wieder Mut machte. Dann und wann ging ich auch ins Kolleg. Aber es war nicht zum Aushalten für mich. Ich träumte. Ich träumte Bilder.

Seltsamerweise hatte ich auch hier keinen Freund ge­funden. Diesmal hatte ich sehr nach einem gesucht. Es lagen so viel Zweifel in mir, die nach Aussprache verlangten. Aber ich fand keinen. Ich war ein Sonderling für alle und wurde verlacht. Mehr und mehr zog ich mich zurück und bekleckste meine Leinwand. Dann und wann bemalte ich einen Papierfetzen für das Luischen. So ein kleines Bild gelang mir immer am besten. Ich meinte es wenigstens, denn ich hott' es mit den Augen der Liebe gemalt.

So verbracht' ich ein paar Semester. Drei oder vier, vier oder fünf, ich weiß nicht mehr. Und eines Tages 'hielt ich's in der kleinen Universitätsstadt nicht mehr aus. Ich wollte ein Maler werden, fertig. Das Semester war noch nicht herum, da reiste ich heim.

Der Vater machte große Augen, als ich kam. Die Mutter weinte.Was willst denn?" fuhr er mich an.

Ein Maler will ich werden; ich hab' das. Studieren

AffengeschWen.

Gräfin Elisabeth von M o n t g e l a s. deren 5 sreundlichkeit ziemlich bekannt ist, hat ihre teils recht luftigen Er- sahrungen mit allerlei Getier, Löwen, Leoparden, Affen, Meroen, Eseln, Hunden und "Katzen in einem sehr hübsch und ftuch *3^ schriebcnen BuchBon meiner Löwin und anderen Lieblingen für denVerein Zoologischer Garten" im Verlag der Münchener Graphischen Kunftanstalt '(Jg. Veliich) hcrausgcgeben. Ans mm interessanten, gut ansgcstattetcn Buch entnehmen wir einige wuw Affengeschichten:

Affen gehören entschieden zu den amüsantesten Tieren uu . waren von jeher meine speziellen Freunde. Mein erster .n> ein kleiner Munga, hießSchlisst" und war ein recht g - Kerlchen. Wie alle seine Artgenossen von grenzenloser <ncw1 dachte er den ganzen Tag nur über neuen Unfug nach. m ihm einige Kunststücke beigebracht, wie Salutieren, Gewehr \

satt," sagte ich kühn und stolz.

Was ist das wieder für eine verrückte Idee," schrie der Vater.Wer hat dir beim den Floh ins Ohr gesetzt? Ein Maler? Dafür hab' ich Gut und Blut an dich ge­hängt ! Dafür hat dir die Gemeinde das Stipendium gege­ben! Meinst du, daß ich das zugebe? Nein, da wird nichts draus! Auf die Hosen setzt du dich, lernst was, daß du was zu essen hast. So bummeln und Farben schmieren, ja das gefiele dir! Kommst mir aber grab recht! Dumm-3 köpf! Du gehst hin, wo- du hergekommen bist, und läßt dich vor keinem Menschen hier sehen. Auch vor dem Luischen nicht! Das Gehäng' bin ich übrigens auch müd'. Bübereien,

ja schämen."

Ein Maler bin ich noch lange nicht, Mutter. Da fehlte noch viel. Tas ist all erst Anfang. Viel lernen muß ich da noch, und viel Geld kostet's da noch. 9iadj| München will ich und nach Italien und lauter herrliche Bilder machen will ich, daß alles staunen soll, Mutter."

Die Mutter machte verwunderte Augen. Sie faltete die Hände im Schoß und blickte vor sich hin.

Der Vater wird's nicht tun, Lukas."

Ich beredete bann noch mit der Mutter, daß ich vorläufig zu Hause bleiben könne. Vor keinem Menschen wollt' ich mich sehen lassen, und auch dem Vater aus dem Wege gehen.

Nun lag ich den ganzen Tag draußen im Freien an heimlichen Plätzen und zeichnete unb malte. Alles wurde von den Erinnerungen meiner Kindheit verklärt. Und bann malte ich ein kleines Bild ein Mädchen in weißem Kleide, das über den Rasen ging und eine Kaiserkrone trug. Es war das Luischen. In unserem Garten blühten Kaiserkronen, vielleicht die einzigen damals im Dorfe. Ich betrachtete sie einmal mit dem Luischen, die Tränen in der Blüte, die läutenden Glocken, und ich schnitt ihr einen Stengel ab, und sie trug ihn dankbar feierlich. Dies Bild war mir ein­gefallen, und ich malte und verwahrte cs.

Im Torfe erfuhr man nichts. Mittlerweile waren auch die Universitätsferien angebrochen. Ich ging aber trotzdem nicht ins Dorf. Auch das Luischen sah ich nicht. Es war die ganze Zeit her nicht zur Mutter gekommen. Durch das Wort des Vaters ivar etwas Fremdes zwischen uns gestellt. Ich scheute mich, sie aufzusuchen. War's wegen des Schick­sals der Familie, das mir der Vater so brutal vorgehalten hatte, war's, weil dies scheue, heimliche Verhältnis,plötzlich aus seinem Verborgenen gerissen war ich weiß es welch Es lag etwas auf mir, das mich bedrückte, das mich dumpf machte. Schwer war mir und unbehaglich, und tu) hakte dem Luischen nicht unter die Augen treten mögen.

Ich war ja nicht Weltkind genug damals, Um MwstM- was es für sie bedeuten würde, arm zu sein, ohne Geschäft, ohne Vermögen unb Verdienst. Aber der Vater hatte mir die rauhe Wirklichkeit so grob in meinen Traum gestellt, so ernüchternd unb verletzend, daß ich Zeit haben mußte, mich W finden. Ich dachte gar nicht an mich. Es kann ja doch nichts daraus werden, hatte der Vater gesagt. Ich mußte erst überlegen, tvas das bedeuten sollte. Es war bis jetzt alles so unwirklich, geistig gewesen. Jugend alles und ......., ., . m .. ... Jugendglück. Ich hatte das Leben ja ganz vergessen, ferne dumme! Kann doch nichts draus werden. Vermögen ist I ftorberungen, seinen Kampf, seine Notwendigkeiteii. och e. k.. mu. 1 ho^e sie geliebt in Einfalt. Ein bißchen wie ein Tor,