Ausgabe 
24.5.1909
 
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kröpfen kommt und stickst dann die Nadel in das Holz des Kreuzes: nach dem Volksglauben geht der Schmerz dann in das Kreuz über. Dicht daneben steht ein zweites Kreuz, das gegen andere Kopf­krankheiten Hilfe verspricht; der Gläubige hängt seinen Hut oder seine Mütze auf einen Pflock hinter dem Kreuze und hofft nun auf die Fürsprache der heiligen Jungfrau. Junge Mädchen, die an Warzen leiden, verbinden sich die Augen und suchen tastend, 'eine Anzahl junger grüner Bohnen in der Hand, den Weg zum nächsten Brunnen, wo sie die Kerne Stück um Stück in die Flut werfen. Ist der Brunnenheilig", d. h. von einem Priester gesegnet, so werden die Warzen binnen 24 Stunden verschwinden. Ist er nicht gesegnet, so dauert die Kur länger und kann sich ans Wochen erstrecken. Der Bräutigam, der die Geliebte zum Altar führt, wird nie versäumen, dem Kirchendiener am Vorabend des Festes ein reichliches Trinkgeld zu spenden, damit er sich mit besonderer Sorgfalt um die Altarlichter kümmere. Denn es gilt als ein böses Omen, wenn eines der Lichter flackert und erlischt: das bedeutet den Tod eines der jungen Gatten. Erlischt das Licht zu ihrer Seite, so ist sie das Opfer, erlischt daS Licht auf der Seite des Bräutigams, so wird er sein erstes Ehejahr nicht überleben. Aber nicht alle abergläubischen Vorstellungen der Bretonen sind so düsteren Inhalts. Wie in den Wälder» Thü­ringens oder in den niederösterreichischen Dörfern haben die jungen Mädchen auch in der Bretagne allerlei geheime Mittel, um der Zukunft ihre Geheimnisse zu entlocken. Die Frage nach der Heirat steht auch hier im Vordergründe. Gruppenweise ziehen die Mädchen, eine kleine Statuette der hl. Katharina mit sich führend, zu einem stillen Gewässer, um dort ihreNadel» schwimmeu zu lassen". Bleiben zwei von drei Nadeln an der Oberfläche des Wassers, so ist das die fröhliche Botschaft baldiger Verheiratung; sinken alle in die Tiefe, so bedeutet das ewige Jungfernschaft, Aber es scheint, daß die kleinen Heiratslustigen der Bretagne die Aussprüche des Schicksals ganz im Geheimen ein wenig korrigieren: die ganz Klugen reiben ihre Radeln vorher sorg­lich mit Wachs und Fett ei», damit sie gewiß nicht untergehen können. _____________

vermischte».

' * Wer berühmteste transatlantische Fußbe^- kle i d u ngs nstl e r. Man schreibt der Voss.Ztg. aus New- Uvrk:Hans Sachs war ei» Schuh- Macher und ein Poet dazu." Der Italiener John Azzimouti, seit 25 Jahren in New York, Union Square Nr. 40, Schuhfabrikant für die höchste !und reichste amerikanische ^Gesellschaft und die erste» und größte» Bühnenkünstler internationalen Rufes, dessen Institut Sarah Bern­hardt, von der Ausführung ihrer Bestellung auf 244 Paar Schuhe, sauf einmäl, entzückt,das Atelier des größten Künstlers unter all seinen Kollegen" genannt, verdichtete feilte ganze glühende italienische Kunsteingebung und -begeisternng ausschließlich in die kostbare Handarbeit für die Miße seiner Zeitgenossen, die von Kennern und Kunden als wahrhaft poetische Schöpfung angesehen wurde. Tatsächlichblieb er bei seinem Leisten". Doch was |evschuf", wurde ihm wie ein Kunstwerk bezahlt. Er hat bis zu 350 Dollars oder 1500 Mark für ein Paar Staatsschuhe erhalten. Sein niedrigster Preis war 25 Dollars oder über 100 Mark. Als jev unlängst einer Millionärin für eine internationale Hochzeit int High Life ein Paar Schuhe in vergoldetem Leder herstellte, bedang er sich als Preis 150 Dollars im Falle des ersten Ge-> lingens, bei anfänglichem Mißlingen aber bis yit 500 Dollars ans. Er nahm aber schließlich bloß 100 Dollars, da es eine Schöpfung aus einem Gusse war, und ließ 50 Dollars 'für die Freude des Künstlers a'm Werke" nach. Azzimouti war als Schuhfabrikaut auch.Historiker uud Archäolog er vermochte Historische und antike Fußbekleidung irgend eines Landes, irgend einer Zeit, aus den: Kopfe sofort herzusteklen. Seine Shake- speareschuhe waren eine Aufeinanderfolge prächtiger Errungen­schaften, er Paßte den reizenden Füßchen einer Rosalinde, Beatrice an, was deren Reiz noch erhöhte, versorgte Kleopatra Mit verführerischen Sandalen, Käthchen mit kecken Pantoffeln, Petruchio mit trotzigen Stulpstiefeln, Sir Henry Irving mit dem Kothurn, auf bem er noch stattlicher einherschritt und für die Welt der Opernsänger, Helden,teiOre und Primadounenl, Jean de Reszkö, Schott, Calvs, Farrar, Sembrich usw., war seine Kunst ebenso unentbehrlich, wie für die Modeheroen und Welt­damen der amerikanischen Paläste. Man denke sich daher de» Schrecken der 5. Avenue, Broadway und der weltbedeutenden Bretter, als sich die Kunde verbreitete, Azzimonti würde sein Atelier schließen und habe mit seiner Vr Million Dollars Er­sparnisse eilte große Bostoner Verlagsbuchhandlung käuflich er­worben, um, anstatt für die Füße, nunmehr für die Köpfe der Mitmenschen literarische Dichterwerke in Leder und Goldschnitt herzustelten. In aller Eile Machten die Hauptkunden noch Massen­bestellungen für kunstvollendete Vorräte auf lange Zeit hinaus, wie z. B. der nicht mehr jugendliche Chicagoer Finan'zman»

Norman Ream für nicht weniger als 200 Paar z'ik je 25 Dollar), da er, bevor er die irdischen Pfade verläßt, noch, Mindestens diese Menge dauerhafterAzziutontis" abzutragen im stände zu sein glaubt. Uebrigens fügte sich der Autokrat der Leiste» nie den Wünschen oder Laune» seiner Auftraggeber.Es handelt sich nicht darum, ivas Sie verlangen, sondern ivas Ihre Füße ver­langen, und ivas ich für zweckentsprechend erachte", ivar oft die brüske Antwort Azziinontis, der die reichsten, angesehensten Kun­den, die zu anspruchsvoll austraten, ohne weiteres abivies. P. O, * Die Zählebigkeit bet Kröten. Die alte Sage, daß man in Steinen uud Baumstämmen Kröten gefitnbe» habe, die hier schon seit Jahrhunderte» oder gar Jahrtausenden einge­schlossen gewesen seien, aber bei ihrer Befreiung aus der Ge­fangenschaft noch lebten, kam! neuerdings in der Londoner Linneschen Gesellschaft aus Grund eines neuen Fundes dieser Art zu ein« gehender Besprechung. Man gelaugte zu der Ueberzeugung, daß die alte Volkssage doch ein gut Stück Wahrheit enthalte. Charles Dawsou legte eine hohle Feuersteinknolle im Umfange von 32 Zentimeter vor, die auf de» Saiidflächen bei Lewes aufgelesen worden war und beim Aufschlagen beit ausgetrockneteu Körper einer toten Kröte zeigte. Der Eingang zu der Höhlung, i» der die Mumie lag, war so winzig, daß das erwachsene Tier »»'mög­lich hineingekrochen sein konnte. Früher nahm man in solchen Füllen ohne weiteres an, das Tier müsse sich seit der Bildung des Steines in ihm befunden haben, und berief sich dabei auf die Zählebigkeit der Kröten. Zählebig sind diese nun allerdings in hohem Maße, aber es ist »achgewiese», daß sie überhaupt nicht älter als 50 Jahre werden, also auch in einer Steinhöhlung nicht viele Jahrhunderte leben können. Im 18. Jahrhundert führte der Naturforscher Harrison einen ebenso interessanten wie grausamen Versuch aus, indem er drei lebendige St täten i» ein Kästchen setzte, dies dann rings mit Gips ulmstoß und hierauf in der Erde vergrub. Drei Fahre später, am 8. April 1774, wurde eS wieder ausgegraben und zerschlagen, und dabei sollen von den drei Kröte» angeblich noch zwei am Lebe» gewesen feilt! Die in London versammelten Gelehrte» Ware» nun mit Dawson übet- einstimmend bet Meinung, baß solche Kröten als ganz junge Tiere durch einen' Spalt in den Feuerstein geschlüpft seien und sich darin von Kerbtieren ernährt hätten, die zufällig ebenfalls durch eine Oeffnung in' das Innere der Hohlkugel geraten waren. Die Kröte wuchs heran, und konnte schließlich aus ihrer Klause nicht mehr heraus. Endlich mußte sie verhuiigeru, wenn ihre Beute i» Gestalt einkriechender Kerfe zu lauge ansblieb. Aber nicht nur in Steinen, sondern anch tit Holzblöcken hat man lebendige oder tote Kröte» gesunde». Auch hier ist die Erklärung am Plaue, daß die Tiere in jugendlichstem! Alter und nnerwachseitem Zustaitde in bett Baum krochen und hier aufwitchsen. Ta eine Menge Käfer, Asseln, Ohrwürmer, Tausendfüßler u. a. eine lebhafte Neigung bekunden, in allerlei Fugen und Ritzen einznschlüpfen, so wird eine derart eingeschlossene Kröte gar nicht selten Beute machen kömmt, und im Notfälle vermag sie ja erstamtlich lange zu hungern. Ste muh jedoch verschmachten, wenn die kleine Eiiigangsöffnung zu rhrer Zelle int Verlaufe des Baumwachstums verschwindet, d. h. sich schließt. Einen solchen Fall hat man zweifellos vor sich, wen» man eilte tote Kröte in einem ringsum verschlossenen Holzklotze findet. Die Kröte ist so in eine natürliche Falle geraten und hat in ihr einen langsamen und qualvollen Tod gefunden.

* Ein Philosoph. Lehrer: Warum nennt man die, welche hingerichtet werden, arme Sünder? Schüler; Weil weil reiche Sünder niemals hingerichtet werden,.

Arithmogrrph.

1 2 4 6 südanierikauischer Freistaat.

2 9 3 2 ein Schwimmvogel.

3 5 4 5 kaufmännische Bezeichnung.

2 4 8 10 2 nahrhafte tzülsenfrucht.

4 6 8 2 7 fremdländische Münze.

1 5 6 7 männlicher Vorname.

5 6 10 3 2 4 etwas für Feinschmecker.

6 9 3 2 4 eine Kartenfigiir.

7 2 9 5 sibirischer Fluß.

4 5 3 3 2 ein Nagetier.

6 1 10 5 7 5 schwedische Stadt.

8 6 3 3 2 4 eilt Nahrungsmittel.

2 4 7 2 ein Baum.

9 5 3 5 7 britische Kolonie.

10 6 7 7 5 römischer Staatsmann.

Die Anfangsbuchstaben der gefimdenen Wörter sollen der Reihe nach von oben nach unten gelesen den Namen eines nieder- länbischen Alalers ergeben.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Rösselsprungs in voriger Nummert Nicht bloß int grünen Westenreiche Aus bet wogenden Meeresflut, Auch auf der Erde, jo fest sie ruht Auf den ewigen alte» Säulen, Wanket das Glück und will nicht weile». Schiller.

Redaktion: I. V.: E. Heß. Rotationsdruck und Nerlaa der Brübl'fchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, N. Lange, Gießew