Ausgabe 
24.3.1909
 
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trvllen doch lieber ein bi Men miteinander Plaudern, wir! haben Uns sicher eine Menge zu erzählen."

Beglückt schritt er mit ihr durch die int Saal promenierend« Gesellschaft, alles Bangen war vergessen, sobald er sie neben sich Whlte, ihre Stimme hörte. Trauhen entzog sie ihm ihren Arm.

Es ist zu heiß!" motivierte sie es lachend, als er ein be­trübtes Gesicht zog.

Eine Weile gingen sie plaudernd int Vestibül auf und ab.

Sie sprachen von Meusdorf, und Hassingen drückte seine Freude darüber aus, daß gerade die junge Frau Besitzerin des rnütter- liehen Stammgutes geworden.

Sie hatten es mir angetan mit Ihrer Schilderung!" er­klärte Lena von Rieding ihren Entschluß.Es- wehte HeimatK- luft aus jedem Ihrer Worte, die Luft, die ich in der Villa- in Wanusee vermisse - aber ich weiß nicht, ich bin wohl ein Zug­vogel oder schlimmeres - - Meusdorf hat mir sehr gefallen, es ist so altvaterisch gemütlich und so vornehm einfach aber es hat mich doch nicht halteit können."

Sie preßte die Lippen herbe zusammen, dann sprang sie jäh auf ein anderes Thema über mit gänzlich verändertem Ge- sichtsausdruck.

Wissen Sie, daß ich in Dresden Leutnant Keßler wieder- gesehen habe? Er war wieder sehr drollig. Er hatte noch Pest distance eine Auseinandersetzung mit der Exzellenz. Tie kleine Erika hatte ihm zum Abschied ihr Bild geschenkt, und eines Tages forderte die Mutter, die davon erfahren, es kategorisch zurück, drohte ein zweitesmal sogar mit deut Sohn, dem Fahnenjunker, nun wollte der Kleine das Bild weder hergeben, noch konnte er es einer Widmung wegen. Er also beim Photographen eine Kopie unfertigen lassen rind sie zerknirscht der Schlettau zurück­senden und sich ins Fäustchen lachen, war eins. Und wie drollig er das vvrbrachte, da hat man doch wieder mal herzlich lachen können."

Es klang, als habe der rote Frauenmund sonst nicht viel gelacht seit den Wiesbadener Karnevalstagen.

Trug sie noch immer so schwer an altem Leid?

Oder? Ihm schwindelte bei der Vorstellung, sie könne es um ihn gelitten haben. Wenn er nur hätte ungestört mit ihr sein, das Wort hätte sprechen können, das ihm als erlösendes Vom Herzen zu den Lippen drängte.

Wir wollen einen Atemzug frische Luft schöpfen!" schlug sie vor.Es regnete schon vorhin nicht mehr, als ich kam, und auf der Terrasse draußen ist es überdies geschützt. Ith hole mir nur eine Hülle."

Hans Hassingen jubelte innerlich aus, er würde sie allem haben, so allein wie einst in Wiesbaden vor der vornehmen kleinen Villa, aber diesmal wollte er sie festhalten, der Wagemut des Glückhofse-ndeir ließ alle Pulse an ihm höher schlagen und strahlte zuversichtlich aus seinem geröteten, hübschen Gesicht.

Dena von Rieding hätte einen weißflockigen Pelzkragen um die Schultern, als sie wieder auf den Wartenden zutrat, etwas Merkwürdig Starres und Entschlossenes lag als neues Rätsel in ihren Zügen.

Es dämpfte ein wenig seine Freude,

Werden Sie sich auch nicht erkälten, gnädige Frau?"

Nein, ich bin sehr abgehärtet!" sagte sie schon im Hinaus- Men.Ich habe einen ganz gesunden Körper, es sind nur die Nerven bei mir, besonders das nervöse Herz."

Sie waren bei diesen Worten auf der Terrasse angekommen, die sich fast die ganze Breite des Hotels entlang zog. Sie war N«r durch den Lichtschein, der aus den zum Teil unverhülltest Fenstern brach, erhellt, und erst allmählich gewöhnte das Ange sich an das Dämmerlicht.

Bor ihnen lag Schierke mit freundlich blinkenden Lichtern unter einem sternenbesäeten NachthimUiel, von dunklen Bergen umschlossen.

Hassingen wies mit der Hand Der das friedliche Bild, in dessen Stille nur die Töne der Tanzmusik drangen, und meinte, die kühle, würzige Bergluft tief einatmend:

. "Hier muß ja Ihr Herz gesunden, gnädige Frau, und wenn nicht hier, dann versuchen Sieg noch einmal, ob Sie nicht doch 'n Meusdorf Genesung und eine Heimat finden können."

Eine Weile herrschte Schweigen.

Dena von Rieding lehnte an einer der grünumspounenest Säulen, tue rechte Hand auf die steinerne Brüstung der Terrasse gestutzt und unter ihren raschen Atemzügen bewegte sich das lockige Pelzwerk an ihrer Brust.

Ihrem Anblick gegenüber fand der Mann kein, heißes, wer­bendes Lrebesivort, er wartete, bis sie sprach.

, dfts sie endlich die Lippen öffnete, irrten ihre dunklen Augen von ihm ab IN eine unbestimmte Ferne.

»Ich werde nie Mehr nach Mensdörf gehen!" Es klantz traurig und müde.Ich werde immer ruhelos wandern ich habe wohl kein Glück mit dem Heimatsuchen ich habe nur ein Glück," ihre Stimme wurde nun fester, ihre Augen belebtest sich,ich bin reich und wenn ich selbst nicht glücklich sein soll, will ich wenigstens mal andere durch mein Geld glücklich sehest und mich daran freuen -------," eine kleine atemlose Pause, baust

nehmen Sie Meusdorf von mir an, Hans, heiraten Sie das Mädchen Ihrer Liebe und werden Sie glücklich."

Einen Augenblick stand Hans von Hassingen wie erstarrst Helene Falks rührende Kindergestalt huschte an ihm vorüber, aber sie weckte kein Begehren mehr in ihm, sie Ivar eine Tote> der man noch mit Wehmut gedenkt, die man sich aber nicht mehr zurückwünscht, wenn ihr Platz von einer anderen eingenommen ist.

Und wie viel Seelengröße, wie viel weiblichen Opfermuk verriet diese andere ihm in dem Moment, in dem sie zugleich ihre Liebe zu ihm verriet. Trug Lena von Rieding nicht eine Mär-, tyrerkrone, drückender und größer als die der kleinen Helene?

Was war ein begrabener erster Liebestraum gegen all das bittere Leid, das diese Frau in einer entbehrungsreichen Jugend, einer glücklosen Ehe und dem Verrat einer reifen, großen Weibes­liebe aus^dem Born des Lebens geschöpft?

Ein Schauer tiefer Rührung überrieselte ihn, daneben atcist- beraubend, beseligend das Bewußtsein ihrer Liebe.

Näher an die regungslos mit gesenkten Lidern Dastehende herantretend, sagte er leise und bewegt:

Ich kann Ihr großmütiges Geschenk nicht annehmen, jetzt nicht mehr, Lena."

Sie fuhr auf.

Warum nicht?" fragte sie herrisch, mit gerunzelten Brauest. Können Hie für das Mädchen nicht das Opfer Ihres Stolzes bringen?"

Er nahm ihre Hand.

Doch, ic6> hätte es gekonnt, aber das Mädchen ist mir nur noch eilte Erinnerung, eine sehr liebe Erinnerung, das gestehe ich ehrlich zu. Ich muß auch gestehen, daß ich es einmal leiden-, schaftlich geliebt habe und daß es mir selber rätselhaft ist, wie ich nun eine andere noch viel stärker und heißer lieben kamst beim das tue ich, es wird Mir von Minute zu Minute klarer- Lena" '

Die schlanke Frauengestalt zitterte so, daß die Klematisrankest, gegen die sie lehnte, knisterten und raschelten. Aber es war cha­rakteristisch für ihr Wesen, daß sie ihn nicht weiterreden ließ, sondern, seine Hand umkrampfend, die wunderschönen leuchtenden Augen voll auf ihn gerichtet, flüsterte:

Bin ich's, Hans?"

Seine ehrlichen, warmen Augen senkten sich tief in die ihren.

Ja, du bist es, Lena! Ich sehe mein Glück jetzt nur ist dir und ich werde der seligste Mann fein, wenn du glaubst, au meinem Herzen endlich eine Heimat finden zu können, weilst du dich mir auvertrauen willst?"

Ta entzog sie ihm ihre Hand, aber nur, damit die Armes sich um feinen Nacken legen konnten. Und ihr Gesicht zu . ihm emporhebend, lächelte sie ihn an, nicht mehr mit dem mübest Lächeln, sondern mit dem bezaubernden gewährender Liebe.

Ich Habs ja schon in Wiesbaden gewollt, und es tat so weh, als ichs nicht durste. Ruheloser noch als früher hast du mich gemacht, aber nie hättest du'mich wiedergesehen, wenns der Zufall nicht gegeben, ich wollte dein ganzes Herz, mein Geliebter "

Es gehört dir, Lena!" sagte er und suchte die Lippest, von fieren Kuß er noch oft geträumt, die einst die ersten noch un­bewußten Fesseln um ihn gelegt hatten.

Dann standen sie eng umschlungen noch lange , und sprachest auch von Helene Falk, deren Schicksal der glücklichen Fran nahe ging.

Es bewegte ihr g'utes Herz, daß eine andere leiden mußte, damit sie den fömtigen Pfad des Glückes fand. Aber Hans Hassingen beruhigte sie darüber.

Sie wird vergessen und ein neues Glück findest, gleich mir, ein dauerndes, das auf festen Gründe gebaut ist. Ein anderes kann immer ntn, ein schöner Traum bleiben, dem man nicht lange nachtrauern darf, den man vergessen muß, auch wenn er einest häßlichen Abschluß fand. Nicht wahr, meine Lena?"

Sie wußte, worauf er hinzielte. Fester drückte sie sich ist seine Arme.

Tie Vergangenheit ist tot für mich!" sagte sie ernst, aber ohne den tragischen Ton von einst;bald soll auch der letzte Klang daraus, mein Name, entschwinden. Als Lena von Hassingen hab ich und halt ich dann das Glück."

Als gute Fee das der ganzen Familie Hassingen!" setzte der Mann bewegt hinzu.

Und sah int Geiste alle Sorgen versinken unb lichte, freund-