Ausgabe 
24.3.1909
 
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Auf Liebespfaden,

dtvman von H. Ehrhardt.

Nachdruck verboten.

(Schluß.)

Als Lena von Rieding in der Tanzpanse am Eingang des Saales erschien, hatte sie in dieser Umgebung für Hassingen, der aufgesprungen war und ihr entgegenging, einen ganz beson­deren Reiz, und auch Leutnant Espach, der sie mit begreiflicher 'Spannung musterte, sagte sich, daß diese schlanke, biegsame Ge­stalt im weißen Spitzenkleide, dieses schmale Gesicht mit dem mattweißen Teint und den großen duuielleuchtenden Augen ein eigenartiger bestrickender Hauch umfloß, der die Frau im mm 'aus der Menge der anderen herausgeben würde. Sie kam allein, war noch immer ohne die Gardedame, deren Fehlen Frau von Schlettau ihr so verdacht hatte. Tie gemütliche Ecke fand ihren vollen Beifall und Leutnant Espachs Bekanntschaft schien sie ehrlich zu freuen. Sie schüttelte ihm freimütig die Hand und meinte lächelnd, daß sie sich wohl gegenseitig durch Hassingen schon vorher nicht fremd gewesen seien.

Dann hielt sie im Saale Umschau und auch ihr kamen Er innerungeu.

TieTräume aus dem Süden". Wie weich sie schmeichelten und lockten. Ihr Blick wurde träumerisch, aber der schmale Fuß im schwarzen Lackschuh zuckte vor Tanzlust.

Ta sprang der blonde Offizier neben ihr ans und verbeugte sich, die Absätze zusammenklappend.

,'Darf ich bitten, gnädige Frau?"

Sie neigte schweigend den Kops und nahm seinen Arm.

Er suhlte ein innerliches Erzittern und kam in dein Mo- Ueent eigentlich erst so. -recht zum Bewußtsein des Glückes, das ihm diese Frau ein zweites Mal in den Weg geführt hatte. Ehe sie den ersten Walzerschritt taten, sagte Lena von Rieding, schel­misch zu ihrem 'Tänzer emporlächelnd:

Endlich!"

Schon im Tanzen wiederholte er das Wort.Endlich!" Aber in dem Don des seinen lag ein solcher Klang erfüllter Sehnsucht, daß der Fran die Röte der Verlegenheit bis unter das krause Stirnhaar flog und die dunklen Wimpern sich in reizender Verwirrung senkten.

Er hatte seit langem keine Frau im Arme gehabt und fühlte den Zauber, der von der schmiegsamen Gestalt ausging, doppelt intensiv. Sie war eine vorzügliche Tänzerin und ließ sich so suühelos führen, daß er kaum eine Anstrengung empfand und sie nur ungern frei liest, als ein leichtes Zögern ihres Fußes ihn dazu mahnte.

Ihrem Platze zufchreitend, machte er ihr ein ehrliches .Kom­pliment über ihr Tanzen.

Sie scheinen tvirklich vollkommen zu sein in allem, gnädige Frau."

Oh, das scheint eben nur so, Herr von Hassingen, ich habe recht viele Fehler."

Ihr Lächeln war etwas matt. Sie sah überhaupt leidend aus, hatte noch schmälere Wangen bekommen und war von der 836* wegung des Tanzes blaß anstatt rot geworden.

Der junge Offizier hatte eine besorgte Frage aus den Lippen, unterdrückte sie aber Espachs wegen, der ihnen aus halbem Wege entgegenkam, um seinerseits die junge Frau zum Tanze zu führen.

Sie folgte ihm bereitwillig, und auf Hassingen zu stürzten mehrere seiner Kameraden mit neugierigen Fragen und der Bitte, sie derentzückenden Frau" vorzustellen.

So 'wenig ihm das auch paßte, er durfte sich natürlich nichts werken lassen, denn es regnete schon genug anzügliche, neckende, erstaunte und neidische Bemerkungen.

Zurückkehrend sah Lena von Rieding sich umringt von! Hassingens Kameraden, die alle einen Tanz von ihr begehrten! und sie mit bewundernden Blicken und schmeichelhaften Aeuße- rnngen überschütteten.

Eine lähmende Angst verdarb ihm die erst so zuversichtliche Stimmung, er mußte immerzu an den kleinen Dresdener Ar­tilleristen denken, der ihm einst bedauernd gesagt, daß er für diese Frau zu wenig Temperament habe. Sollte er tvirklich nicht fähig dazu fein, sich ihren Besitz zu erringen? Ungestüm genug klopfte und hämmerte ihm doch das Blut in den Schläfen und unter dem blauen Tuch des Rockes. Sie oder keine! Es war ihm ganz klar, daß, wenn er diese Frau nicht zu eigen bekam, sein Herz nie mehr mit der Stärke eines echten Gefühls für ein Weib schlagen würde.

Wußte sie eigentlich, tvas er litt, da er sie mit den änderest lachen und scherzen sah?

Kaum, daß sie flüchtig an den Tisch trat, einen Schluck Wein zu trinken» mit Espach, der ans seine Bräutigainswurde pochend, nur den Zuschauer spielte, einige Worte wechselte, gerade immer, wenn Hans Hassingen tanzte. Es war rein zum Verzweifeln.

Endlich hielt es ihn nicht länger. Er hörte ans zu tanzen, keinen Blick von der weißen Frauengestalt lassend, die sich so anmutig int Tanze wiegte.

Run eine Pause! Ihr Tänzer war ein Fähnrich von Has­singens Kompagnie. Als er den Offizier auf seine Tante zu- treten sah, gab er sie int Gefühl des Untergebenen gegen einen' Vorgesetzten, das oft bis in den Ballsaal hineinspielt, frei und verschwand zu Hassingens stiller Genugtuung. Ohne weiteres nahm er ihren Urm und zog ihn durch den seinen.

Wissen Sic, gnädige Frau, daß ich rasend bedauere, Mich heut nicht der Maskenfreiheit von einst zu erfreuen."

Ihr glühendes Gesicht zeigte ein Paar fragende Augensterne.

Wieso?"

Er drückte den weichen Arm an sich.

Dann würde ich mich heut revanchieren und dem nächsten Herrn, der Sie mir zn entreißen wagt, sagen:Sic darf nicht tanzen, sie ist meine Fran"."

Ihr Blick senkte sich, sie nestelte an den welkenden weißen Flicderdoldeit, die sie an der Brust trug, aber sie 'kämpfte ihre Verlegenheit rasch nieder und sagte ehrlich:

Sie Haben ganz recht, ich! la uze zu viel, mein Arzt dürste es gar nicht wissen, kommen Sie, führen Sic mich hinaus, wir