Ausgabe 
24.2.1909
 
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Nee, fit Heek «ich Hit, dvat iS n-or fmt UnWame.

,Ka. tut nickW S'ur Sache," stthv der hohe Besuch fort, indem er umständlich Platz auf deut Stuhl »ahm', den die Kvatrei in? «xn säuberlich mit Wer Schürze abgewischt hatte,kann nDompfiaffen mal sehen?"

Do hingt e," deutete der Hausheür mit dein Daunicn m die Ecke Hinterm Familienblatt. vz , n

So, so, ganz hübsches Tierchen, Sie wollen rhn verlaufen?

Berkänfe," wiederholte Henner gedehnt,verkääfe? Nee, do hunn aich noch nit drvau gedoicht."

Herrn Stöppels Antlitz, deut die abnorm hoch geschwungenen Augenbrauen schon im indifferenten! GemütÄznstande den Aus­druck permanenten Erstaunens gaben, wirkte in diesem Augen- b'lick derart komisch, hast die Koatrei von einem unlvidcrsteh- Kchom Lachreiz befallen wurde, den sie jedoch geschickt in einen gewaltigen Hustcnanfall hinüberznleiten wüßte.

Nicht daran gedacht?" meinte der Akzessist befremdet,Sie haben mir bc.it Bogel doch durch einen hiesigen Bergmann an-

bteten lassen!'

Aich weeß naut dervou, Herr Akzepist," beteuerte Henner kopfschüttelnd,vawcr mir Anne doch emol von dein Geschäft schwätze, woas tvullt Ihr dafür gewe?"

Im GotteSwille, Henner," inischte sich hier Koatrei in die Unterhaltung der Männer,diou willst doch vin Buhl nit ver­kääfe, den feine, läiwe, gioure Buhl, kinne mir oarme Leure nit nach on ebbes Spaß hunn? Nee. nee Nee, Herr

Ukezisk, doat gitt naut!"

Apropos," nahm Herr Stöppel würdevoll das Wort,ich bin gewiß der letzte, der einem armen Mann feiner einzigen Freude berauben will, aber fingen darf ich den Bogel doch mal hören?"

Jawohl, Herr Akzepist," beeilte sich Henner,n versichern, doat kunnt Ihr, doas do (fett joa goar naut zu melde." i

Sn, su, aich hunn naut ze melde? Aich sein die Fraa int Haus, aich will emol sehn, »ab diou »in Hänsche verhaanelst!" Und dabei fing sie an, taut aufzuheulen.

Mach, daß de nauskimmst," befahl Henner zornig,schaam haich vorm Herrn Akzepist!"

Worauf er sie beim Arm nahm und ohne weiteres vor die

Mx beförderte.

(Schluß folgt.)

VerrMchte».

C, K. Die Chirurgie der Derwische. Der soeben erschienene dritte Bericht der Welloome Research Laboratories des Gordon Memorial College enthält eine Fülle interessanter Tetail- ßorschungen, die fesselnde Aufschlüsse über die .Heilkunde in den Tropen geben. In den Kapiteln, die sich mit den Heilpraktiken, der Eingeborenen beschäftigen, untersucht das Mitglied des medi- tzinifchen Departements des Sudans El Bimbaschi Hassan Efsendi ?3eH auch die chirurgische Technik der Derwische und enthüllt babei Gebräuche, die geeignet sind, den europäischen Arzt mit einem gelinden Schauer zu erfüllen.Wenn bei Schußwunden die Kugel in unmittelbarer Nähe einer Ader stecken blieb, pflegte man Keine Bleistücke auf die Wunde zu legen, deren Zweck sein sollte, die im Körper befindliche Bleimasse zu zerfressen und lvegzubeizen. Bei Verletzungen, in denen die Kugel durchgeschlagen war, ohne im Körper sich festzufetzen, füllte man die Wunden Mt Honig, um sie so gegen die Lust abzuschließen." Aber noch wunderlicher ist das Verfahren, das bei Amputationen angewendet wurde, die nur von dem Basir, demweisen Arzte", ausgeführt werden.Das Glied, das aügeschnitten werden sollte, mürbe durch eine Oeffming in der Mauer aus dem Hanse herausgestreckt, bisweilen auch durch das Fenster. Draußen auf der Straße stand der Basir und wartete. Wenn der Assistent den Kranken so gelegt hatte, daß das betreffende Glied in die Straße hinaus- hing, so wurde ein Kissen untergeschoben, und mit einem scharfen Schwerte begann der Basir seine Arbeit. Sofort nachdem das Bem oder der Arm abgetrennt war, wurde der blutende Stumpf in heißes Oel getaucht. Auf diese Weise stillte Man die Blutung. Tann wurden Einreibungen mit Butter vorgenommen, bis die Wunde heilte oder der Patient starb : das letztere war bei dieser BehandlungSwci.sekein ungewöhnlicher Vorfall". Betäubungs­mittel und Narkotika kamen bei den Operationen nie zur An­wendung. Man erwartete von dem Patienten nicht nur, daß er als energischer Mensch der Schmerzen spotten würde, sondern auch noch Hilfeleistungen für den Basir, dem der Patient die einzelnen Instrumente reichen sollte, deren der Arzt bedurfte. Kopsweh pflegten die Heilkundigen der Derwische mit flüssigem Talg zu behandeln, der entweder getrunken oder durch Trichter in die Nasenlöcher gegossen wurde. Ein Patient, der an schwerem Fieber litt, wurde mit Massagen von Essig, Salz und Henna be-- haudelt. Bei Schlangenbissen pflegte man die gebissene Stelle zunächst auszuschnetden, worauf dann Schröpsköpse aufgesetzt wur- deu oder eine Ausbremuing stattsand: dabei versammelte sich das Bolt unk den Kranken, tanzte, sang und schlug die. Trommel, 24 tatS, nm zu verhindern, daß der Kranke in Schlaf falle. 2,er Aderlaß spielte bei den Derwischen eine große Rotte

Und miudesteuS alle sechs Wochen pflegte man den HLilkiinstker kommen zu lassen, nur sich desüberschüssigen Blutes" zu ent- ledigen, so daß die Chirttrgen über Mangel an Beschäftigung nicht zu klagen hatten. ,

* Das sind böhmische Dörfer, das kvmmt m ir spanisch v o r. Der Versuch, den Ausdruckböh­mische Dörfer", der bekanntlich Fremdes unb daher Un­bekanntes bezeichnet, auf die Tatsache Kurückzufiihren, daß im . Lause des Dreißigjährigen Krieges viele böhmische Dörfer verschwanden, so daß man häufig Surber ihre Stätte noch ihren Namen mehr kannte, wirb dadurch hin­fällig, daß uns die Redensart bereits lange vor dem un­heilvollen Kriege begegnet. Schon in Rollenhagens Frosch- mäuseler vom Jahre 1595 findet man die Worte:

Ich sagt ihm, das bei meinen ehren

Mir das b e h m ische D ö r f e r iveren.

Die einzig richtige Ableitung hat von der schweren Les- und Sprechbarkeit ber sfäivischen Ortsnamen Böhmens auszngehen, bie unseren Worfahreit als etwas durchaus Fremdes entgegenlraten. Danach bezeichneten sie dann im allgemeüten solche Dinge, die ihnen fremd und unver­ständlich waren, als böhmische Dörfer. Die ursprüngliche Beziehung des Ausdrucks auf die Sprache bezeugen beim auch in ber Tat zahlreiche Stellen, so in Simplizissimus: Es waren mir nur böhmische Dörfer, und alles eine 'ganz unverständliche Spracheso im Phi tauber von Sitte- walt:Die Sprache verstand ich nicht, es wären mir eitel böhmische Dörfer;" und bei Hönisch:Red, bas ich verstehe, ich kau nit böhmisch." Aehnliche Bedeutung hat du grec, das ist griechisch für mich, b. h. bas sind mir bas kommt mir spanisch vor" unb das französische c'est unbekannte Dinge. Bgl. I'. E. Wülfing, Was mancher nicht weiß, S. 2 f.

* Au ch ein Trost. Zofe:Nein, mit der Gnädigen ist'H nicht mehr ausznhallen, mich schon mit frühen Morgen dumme, Gans zit neunen!" Diener:Hm dumme könnt' sie schock weglasscn!" _______

Literarisches

* Wer sich au Bildern erfreut findet in beit jüngst erschienenen Ltcscrungeit der SammlungMeister der Farbe" (Verlag von E. A. Seemann in Leipzig) die wir hier schon östers gewürdigt haben, wieder eine bunte Mannigfaltigkeit in- und ausländischer Kunst. Bei der Auswahl und Ausführung der farbigen Gemäldereproduktionen, bereit jedes Heft sechs ent­hält, ist alles angetan, um den Gemtß einer Modernen Kunst­ausstellung zu verschaffen. Besondere Pslege findet die englisch«! und französische Kunst in unserer Ueberschau, und dem Nev- Jmpressiouismits, der seine Hmiptvertreter in Frankreich hat, ist sogar ein ganzes Heft gewidmet. Die Bedeutung dieser seineck und großen Kunst der sogenannteik Punktmaler geht dem Be­trachter sreilick erst bei längerer Vertiefung in das Gebotene, auf, da die Neuheit unb Eigenart dieser Malerei zunächst frappiert- Dem deutschen Kiinstschaffen ist, wie natürlich, der breiteste Rannt gewährt. Wie der Name Mozart auf musikalischem Gebiete, hat der Raine Schwind einen besonders trauten Klang, nudj Sonnen schein zieht in uns ein, wenn wir feinen Bildern begegnen. Dst Meister der Farbe bringen gleich zwei von ihnen, die bekannte Hochzeitsreise" aus der Schackgalerie und denAbschied iick Morgengrauen". Hans Thoma ist diesmal mit der fardenpräch- tigen LandschaftsstudieDer Rheinfall", aus der Bremer Kunst- Halte, vertreten, Fritz von Uhde mit der schon 1883 entstaiideneck, mit unübertrefflicher Naturwahrheit gemaltenHebung bayrischer. Trommler". __________

Bersieck-Rätfel.

Schmorbraten, Langensalza, Aestnug, Landhaus, Catgnt, Apolda, Schimmel, Bundesstaat.

Auflösung in

Aus jedem der u eben steh enden Wörter sind der Reihe nach drel zusammenhängende Buchstaben au entnehmen, so daß sich daran? ei» Sprichwort ergiebt.

nächster Nummer,:

Auflösung der Königsproinenade in voriger Nuiutner: Die Hälfte deines Leben? ist Erwerbe»;

Verlust, Enttäuschung, Trübsal Schlag auf Schlag,

Vertichien und Entsage» Tag ?ür Tag

Ersiillt beu andern Teil; der Rest ist Sterben.

Friedrich Halm,

Redaktion: K. Neurath, NotationsdruÄ und Verlag der Brühl'fchen Umversttäts-Buch- und Sieiiidruckereß N. Lange, Gießen.