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Wie Matzt, KÄEns' Benehmen. Heß.nun nichts .mehr zu Müschen übrig, aber in musikalischer Hinsicht im* ex der alte geblieben. Es sah nicht ans, als wenn er jemals den „Jager' MS Kurplatz" .bclvältigcw würde. Die Geschichte ärgerte den Henner entsetzlich. Nicht allein, das; sein wohlbegruudeter Ruf ,rlS Lehrmeister! aus dem Spiele stand, nein, auch der Ausfall WW 15—20 Gulden, die er sonst wohl hätte echielcn können, schmeMe ihn «nrpfindlich, Dazu kam! noch/ daß BesenkoarG Fink so mn-erordeutliche Fortschritte. gemacht hatte, das; er demnächst! Has Reisczeugnes beanspruchen konnte.
Atlch mußte Henner viel Spott und Hohn erdulden wegen seines ungelehrigen Schülers. Im Wirtshaus und ans der Arbeitsstätte.
„Henner, ivoas macht bet Buhl?" — „Henner, is e noch Verhext?" — „Henner, eich gäwe dir noch feen schäle Heller dafür." |titi> so fort. Er hätte aus der Haut fahren mögen.
Im weiteren Verlauf des! Somnckrs hörten jedoch diese Scherze bald auf; denn die Wogen der Weltgeschichte gingen hoch. Zwar, tvatz da unten in Böhmen geschah, liess die Lixfelder ziemlich kalt, aber als das 8. Buudeslorps sich mit den Preußen am Main herumschlug, wollte der Gesprächsstoff von Krieg «ich Kriegs- Seschrci nicht adreisfen. Vollends der Builhenner war rein aus deut Häuschen, weil sein Schwager Christian ebenfalls mit ans- tzerückt ivar inch dann nnb wann einen Brief nach Hause sandte, mit dem titr Henner: dann hauesieren ging. Wends in der Kneipe hielt er konfuse strategische Vorträge, die dessenungeachtet ein dankbares Publiium fanden. Regelmäßig schloß, cd seine Ms- führungen üben Ne Kriegslage mit den Warten: „Se teäje ihr Schmiß, däi;Speckpreuße, su woahr eich Henner Ij'eeße/'
„Sn D reicht,, uff se, «aut wäi «ff se!" brüllte der Chdrus. Und dann sangen alle mit dröhnenden Stimme das von einem: Biendesfoldaten gedichtete Kampf- und Trutzlied, dessen Text Heu- nuers Schwager gesandt hatte:
„Ruf, lustig ihr Brüder, wir zich'u ins Preußeuland Und halten ihnen Mutig als tapf're Deutsche stand.
Aus Denischland jagen wir die Preußen all hinaus Und ilopsen ihnen tüchtig die blaue Jacke aus.
Das achte Bnndeskorps schlägt sich wie ein Mann, Der Prinz 'Alexander, er führt uns mutig: an. Er führt uns gleich nach Berlin hinein, Da fangen wir vor! allem beit Bismarck ein.
Da wollen, tote ihüll gerben sein dickes! Preußenfell, Must holt ihn der Teufel und schleift ihn in die Höll. Auf, lustig ihr .Bruder mit Kolben haut drein. Das soll ja das Beste, für Straßenräuber sein."
Allein eS Mim wesentlich anders. Che man sich dessen in Lixfeld versah, war das 8. Bnndeskorps geschlagen. Ich hatte dem General Vogel v. Falkeustein nicht raten mögen, sich damals! an der oberen Gansbach sehen zu lassen!
Bald Nachher iuurbe Christian, der sich beim Laufen den Fuß verrenkt hatte, einstweilen An die Heimat entlassen. Hier war er der Held des Tages. Sein Haus wurde nicht leer von Besuchern, und wo >est sich sehen ließ, stand ein Haufen Neugieriger, um ihn herum. E» legte aber auch nicht schlecht los. Bei ,Aschaffenburg hatte er auf eigene Faust ein halbes Dutzend feindlicher Infanteristen gefangen genommen, einem' Hauptmann mit dem Säbel das Ohr abgehaitesr und einem Husaren auf 300 Schritt durch und durch geschossen. Ja, wenn, cs lauter solche Kerls 'gewesen waren wie er, aber — — (Hier pflegte er eine Hand- bewrgnng zu machen, die alleP und nichts sagen könnte). „Ja, io, mir härrese jqa noch: gedämntt, ogwer ihr gläbt goar naut, Wäi hurtig däi Preiße geschieste ijtitnte, mit ihrmi Zindnohlgewahr: vis mir «mol geloare kunnte, harre bäi schnun fiufmol losge- geferickt. To woa.r »he Minchegeteehr lMiniügehr) goarnaut de» geje."
Dos sahen Äemr auch.seine Zuhörer ein: es war wirklich Nichts zu machen gewesen.
Im September dieses Jahres gabs einen großen Mufruhr im Hinterland und somit auch in Lixfeld. Wie ein SmrwwiiÄ verbreitete sich Ne Nachricht im Torf: „Mir sinn preißisch Wern, mir finu preißisch wem!"
Und so war cs in der Tat. In der Proklamation Ludwigs III. .stand c8 schwarz, auf weiß, zu lesen: „Einzelne Bundesteile mußten von mir abgegeben werden, mögen die Bewohner derselben meiner freundlich gedenken und ihrer neuen Regierung vertrauensboll mrtgege u tommrn.''
„Nee, He, sagten einige, „doat is alles Schwindel, mir sinn W uns bleibe Hesse. Doat miß de BorgerMcester no Doarm?- stadt schreibe." ' ' .>
lliiwe Leut," belehrte sie der Bürgermeister, „Doarm-- Wdttsch rinnt ihr gebleibe, oawev daun mißt ihr aus'm Birre- Upper Bezerk estans zäihe. Wenn ihr an auer Aecker nun Wisse uff de Buckel packe wullt und fortschleppe, su hunn aich staut vergebe und «rach de König von Preuße uit."
„Doat gießt doch baut?" entgegneten sie kleinmütig. „Ei, daun haalt auch euer Mäuler!! Punkt um."
Hin Und wieder aber gab's doch Intransigenten', so der Schutz- lvyrW aus Math, der unverzüglich seine sieben Sachen packte und nach Starkenburg auswanderte. Travailter pour rvi de Pruste? Nicht in die Hand!' Und wer weiß, ob's noch einmal so ’ne schöne Gelegenheit gibt, aus dem Hinterland .raus zu Tomtnen.
BuilWeNner nebst seinemi Mibe Koatcki und feiner Tochter: Grittche, die beim Jsaad itt Gladenbach diente, sparen unter denen, die es vorläufig mail mit den neuen Herrschaft versuchen rvollteu. Er vergaß seinen Preußenhaß, sogar so weit, daß er es übernahm? die Gemeiudewegtveiser statt der.' seitherigen Landesfarben mit einem schwarz-weißen Anstrich zu versehen. Was tut man nicht alles für Geld!
Und überhaupt, was geht einen« die höhe Politik au, wenn! mteiu sich innerhalb seinen vier Wände genug zu äryern hat? Gerade jetzt, wo der« BeseuWarl seinen BlutsinL — dieser hatte! das Wgangsexamen prit I a bestanden — itntl 20 Gulden nach Dillenburg verkauft 'hatte. Es fehlte nicht viel, so hätte, als HeNuer dos erfuhr, Häuschens letzte Stunde geschlagen gehabt.
Glücklicherweise gelang es Koarrei, die Untat zu verhindern. „Behaal ,eN doch noch « Weis, es sind sich immer noch e iTomwech oä, btr’n oab'kääft."
Sie sollte Recht behalten.
Tags darauf, sils man bei NackZnittagskasfee saß, rat sich die Tür innf und jnnr größten Erstaunen des Ehepaares erschienl der Beseukoarl. '
„Gonndag mitsammd!" grüßte er, wie wenn er hier der teilt, Pommenste Gast von der Welt wirre.
„Grünß dank!" nickte Koatrtzi, Henner tvarf ihm einen seiw stereu Blick izu und schwieg.
EI entstand eine schwüle Pause, die die Hausfrau mit deck üblichen Einladung auszufüllen suchte:. „Mlltstz e Schüälche Kaffs« mittrinke.?" >
„Mir hnstns schunn ^tenwicht," sprach der Besucher.
„Wvas bringste Neues?"
. „Ei," sagte BescmBoarl und sah den Hausherrn etwas miß? Iranisch am, „eich wißt en gpupe Ka.aftnönn für auer Hänschs, § hott doch ausgelernt?"
„Doat will äich ineeue," fuhr den Bnilshenner ans, „tvoas ' freegste deruoch?" Doch war seine Miene etwas freundliche« geworden.
Der Besemtoarl erKUte nun, daß der BergÄtzesM Wppek in Dillenburg seinen Mntfinken habe pfeifen IKren und infolge dessen wie 'versessen auf solch einen BogÄ wäre. Er habe futz bei ihm lauf deck Grube „Aiorgenstern" ausgedrückt, er müsse einen liedpfeifenden Dompfaffen ßaben, 'koste ess was es' wolle. Aus alle Fälle. Da habe er den schwerreichen Herrn anf HennerZ Häuschen aufmerksam' igeukacht, und wenn dev Msssist wieder .mal rauf i&nnm'eit, dann wolle eü hier vorsprechen. Henner möge ja, sticht dumstr sein und einen ordentlichen Batzen fordern.
„Dion hests joa uit nm maichi verdient," schloß ev seinen BSa richt, „oawev mir Want, doch inrm'cr gonre Kollege."
Henner kratzte sich verleg«», hinter den Ohren. „OawW weeßte — ----" 5
Kvatvei merkte sofort ihres Alteni Absicht, mit der Wahrheit! sterb Hänschens Fertigkeiten heraustznrücken. Der Tappes. Schnell! gefaßt, fiel sic ihm in die Rede, indem sie sich vielmals bei dein! liebenswürdigen Vermittler bedankte und ihn bat, den Vogel» liebhader nur getrost zu bringen. Id eher, desto besser. „Mir sein aanite Leut nun hunn Geld nteriig."
„Meinthalber," gab .auch Henneri mit einein1 leisen Seufzer feilte Zustimmung. 1
„Mensch, gliiäbste dann, fite fn'n Puschev giib eener GcW aus'?" wandte er sich nachher: an Koatrei.
„Laß maichi (mir mache/« tröstete diese ihn zuversichtlich. Kopfschüttelnd setzte er sich dann vor den Ungeratenen und pfiff ihm! vcist „Jäger aus Kürpsalz," vor, bis ihm das Maul weh tat.
„Die Masse uti'.st eä- bringen," dachte cs wohl, „und wer weist
• vielleicht geschehest noch Zeichen und Minder."
Mer die Hoffnung! war eitel. Hänschen war und blieb ein,' Stümper, BuilÄststners Laune fatrti wieder auf feen Gefrier-! punkt herab. „Mir ivnr’n de GoarschtvuK naut los."
Kvairei lachte MeKegchü
„Kääfste 'mir e nan SriimdsaMchoalkich', wenn aich et sitz die Reih wache?"
,,'Zwee für rest's," versprach ihr der Henner.
Darauf entwickelte sie ihm ihren Plan. ।
„Mvahrhafttg,"' Aatschte «> ver,rst.ügt in die Hände, als' fis gccstdet, „diou fasst naut sn. domiw wai bwu aussiehst, mit dir kamt inet de Denwel uffm flache Feld gefiMe, ja, ja, feite Rlinrr, fe&i himn ivoas ze bestelle."
Eine Wiche später hielt eine flotte Einspänner! Kutsche vorNtz Haus, der ein Herr von auffallend kleiner Statur entstieg'. Sich ist die Brust, werfend — msin.merkte ihm! deutlich das Bestreben taf, feen Mangel an leiblicher Größe durch ein forsches Austretstz auszugleichest — und den schwarzen Schnurrbart zur Seite strei-- ch.eud, schritt gravitätisch auf den Eingang zu, ängstlich bestrebt, fein mit dn-öglichst hohen Msätzcn versehenen blitzblanken Stiefel sticht wehr als unbedingt nötig, dem reichlich vorhandenen Straß,ey- tot auszusetzLU. . i
Die Henners hatten ihn wohl beobachtet, dessenungeachtet tatest sie wer weiß wie verwundert, als er jetzt nach starkem Rnklvpfen hererntviit.
„Apvopos," begann cv, nachdem er dis untertänigste! Begrüßung der guten Leute entgcgenMnvmmttt hatte, apropos, „ich bin der BergMessist Stöppel von: DillenbuW, Sie sind hoch der fogenanM . WgMhenne.r?“


