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Auf Liebespfaden.
Roman von H. Ehrhardt«
Nachdruck verboten.
(Fortsetzung.)
Der junge Offizier blieb nicht ohne Anfechtung. Zu wieder-- ßotten Malen schmiegten tvetblichx Gewalten sich an seinen Arm, blitzende Augen lockten, und flüsternde Stimmen hatten schmeichelnde Liebesworte, fiir ihn.
Er wehrte ihnen kühl, zuweilen mit einem Anflug von Ber- legeuheit. Was sollte er mit all diesen Schönen? Er war eben nicht so leicht ätt haben.
Eine große blonde Maske im Kostüm! einer Winzerin ließ sich Nicht, wie die anderen« durch seine Gleichgültigkeit abschrecken, sie hatte sich's toohl in den Kopf gesetzt, mit diesem hübschen, schlanken Einsamen zu tanzen, gewaltsam umschlang sie ihn, zog ihn mit sich fort — er wehrte sich halb lachend, halb geärgert, aber die kräftigen Frauenarme faßten ihn nur fester, ba tauchte plötzlich eine meiste Gestalt neben ihnen auf.
„Läßt du ihn gleich los!" sagte eine in allerliebstem Zorn hebende Stimme. „Er darf nicht tanzen."
Die Winzerin hatte ihr Opfer unwillkürlich freigegeben.
In heraussordernder Haltung stand sie vor der kinderhast Wanken Gegnerin.
„Was geht dich das an?"
„Er ist mein Mann!" erklärte die kleine Frau ernsthaft. »,Jch crlaub's nicht, daß er tanzt."
Den vollen Mund der anderen umspielte der Hohn, hinter dein sich Enttäuschung barg.
„O du Armer!" spöttelte sie, zu Hassingen gewandt. „Stehst du so unter dein Pantoffel?"
Der glücklich Entwischte legte den Arm um die Taille seiner Befreierin.
„Allerdings'! Und gern!" bestätigte er sehr vergnügt. „Wenn der Pantoffel von solch einer süßen, kleineit Frau geschwungen wird —"
„Ein verliebter Ehemann! DaA ist einfach geschmacklos!"
Dainit verschwand die blonde Winzerin vom Schauplatz ihrer Niederlage.
„Tu, ich glaube gar, sie halt uns für ein richtiges Ehepaar!" amüsierte Hassingen sich, und dabei durchfuhr ihn auf einmal ytt Gedanke, daß die Frau an seiner Seite frei war für eine Neue Ehe und daß in ihr vielleicht seine Zukunft ruhe.
Sie blieb diesmal jedoch ganz unbefangen in ihrer Freude, für seine Fran gehalten zu werden. Sie fand des Lachens kein Ende.
Aber als in ihrer Nähe Meisenbergs hagerer Kopf auftauchte, NArde sie ernst und zog ihren Begleiter an der Hand rasch durch die Menschenmenge.
Zuerst setzten sie sich eine Weile auf die rote Plüschbank, die zum Teil von den „Mauerblümchen" bevorzugt wurde.
Neidisch blickte» die vorübergeheirden Herren auf die beiden, die sich auf dem kargen Platz eng aneinander geschuiiegt hatten und vertraulich zusammen flüsterten.
„Ich »rag nicht mehr tanzen," sagte der rote Frauenm-uiM sich etwas verächtlich zusammenziehend, als Hassingen eine bie$e bezügliche Bemerkung machte. „'Tein Freund gefällt mir nicht ich meine den großen, blasse»! — der „Kleine" hüt eine drolligtz Frechheit, die nicht verletzt, über die man lachen must, ob man wilL oder nicht — aber der andere, dessen Art ist beleidigend für ntidj — ich habe gewiß viel Temperament, ich kann's nicht leugnen^ es geht oftmals mit mir durch — aber in dem Moment, wo ehe Mann, den ich kaum kenne, so zügellos in feiner Leidenschaft wird, werde ich eiskalt, förnrlich hart innerlich — er stößt mich ab.^
Hassingcn, der ihr, leicht die Stirn runzelnd, zugehört hattH fühlte eine Art freudiger Genugtuung, die alle egoistischLU M« gungeu erstickte.
„Sic ist eine Dame!" dachte er, das leichte Mißtrauen, daA er wegen der ungewöhnlichen Art ihres Bekanniwerdens gehegt! hatte, endgültig begrabend, „es' wäre auch zu schade gewesen nutz das süße Geschöpf, wenn sie der Menschenklasse angehörte, die W »richt eigentlich verachte, aber vor der mir ekelt."
Und er war so glücklich, daß er wieder einmal der GefaW entronnen, in die Netze einer Dirne zu fallen, daß aus dentz bloßen Wohlgefallen ein zärtliches Gefühl sich einporrang W das zarte, junge Weib an seiner Seite.
Still saßen sic eine Weile nebeneinander. Sic xrwachtM beide wie aus einem Traume, als' der „Kleine" plötzlich vor ifoteg stand und mit wehleidigem Gesicht sagte:
„Komm, tanz wenigstens noch mal mit mir!"
Aber sie weigerte sich. Nein, ihr »var zu heiß, sie wollkZi nicht Mehr tanzen, ihr Mann könne bezeugen, daß sie's schwitz vor ein paar Minuten verschworen habe.
„Such dir eine andere. Kleiner, es gibt doch so viel niedliche! Mädchen hier, sich mal die zierliche Studentin dort - schnell'/ lauf ihr nach!" !
z „Wenn ich nur unter die Maske schauen könnte!"
Der kleine Leutnant kraute sich mit bedenklicher Miene hintÄ deut Ohr, aber er nahm doch die Fährte der Studentin auf.
*
Nachdem er verschwunden, machte Hassingen seiner Dame beit Vorschlag, ein Glas Wein mit ihm zu trinken. Ohne Prüderie erklärte sic sich damit einverstanden, sie stellte jedoch eine Bedingung : keinen Sekt, nur einen leichten Moselwein. Auf feine Frage, ob sie Sekt nicht gern tränke, erklärte sie offen, daß sie ihn sehr liebe, daß, sie jedoch keinesfalls ihren Begleiter zst einer so großen Geldausgabe verleiten wolle.
Ein anderer, hätte nun wahrscheinlich darauf bestanden, eins Flasche Sekt zu bestellen, um ihre Vermutung, cr habe nicht da- nötige Geld dazu, zu entkräften, aber Hans Hassingen war eilte viel zu ehrliche Natur und viel zu charaktervoll, um sich seiner Rrmüt zu schämen, und so saßen sic bald darauf vor einer Flasche Moselwein und hoben die grünlichen Glaskelche, in denen di«! goldklarc Flüssigkeit im Lichte elektrischer Flammen schimmerte und gleißte, einander entgegen. Sic saßen allein an entern Tische in einem der oberen Gescllschastsväume, überall um sic, ans« fallender noch als im Saale unten, verliebte Pärchen, immer möglichst abseits voneinander, damit sic die JAnsion Mtest,


