Ausgabe 
23.1.1909
 
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Braud. Nobilis sic orbis in orbe. Die Fassung des Pa- tents flammt aus der Feder des kurfürstlichen Geheimen Rates Georg von Bonin. Aber der Plan war nickt in Bran­denburg entstanden, sondern ein schwedischer Gelehrter und Staatsmann Freiherr Benedikt Skhtte ist sein geistiger Ur­heber. 1611 geboren, als Sohn des Erziehers Gustav Adolfs, wurde er 1633 Kammerherr der Königin Christine, darauf zu wichtigen diplomatischen Missionen benutzt, 1648 wurde er Senatsmitglied. Seine wissenschaftlichen Neigungen gehör­ten vor allem der vergleichenden Sprachforschung. Nach­dem er bei Christine in Ungnade gefallen war, und nach wechselvollen politischen Schicksalen in seiner Heimat, ent­schloß er sich, das Vaterland für immer zu verlassen. 1666 Am Juni war er in Hamburg, den Frühherbst verlebte er zum Teil in Zwingenberg bei Morheim an der Bergstraße, und aus jener Zeit stammt der Plan zur brandenburgischen internationalen Akademie. Sein Weg führte Skhtte zuerst nach Paris, vorher schon hatte er deut kurbrandenburgischen Leibarzte Nikolaus de Bonnet, den er auf seinen Reisen kennen gelernt hatte, von seinem Plaue. berichtet und nm Vermittlung bei dem Kurfürsten gebeten; zu ansang März 1667 traf er in Berlin ein. Die Erfolge seiner Verhand­lungen in Sachen der Gelehrtenstadt haben wir gesehen. Das Patent Ivar veröffentlicht worden, aber bis zur Verwirk­lichung des Planes war noch ein sehr weiter Schritt. Skhtte hatte un Mai 1667 seine Wanderfahrt angetreten, um Ge­lehrte in die zu begründende Gelehrtenstadt zu ziehen; allein die Prophezeiung seines Laudsmanues, des Ge­sandten Wolfradt, es würden wenig Leute sich auf solche General-Versicherung aus ihrem Vaterland? aufbringen lassen, ging in Erfüllung. Abgesandte der Londoner Kö­niglichen Sozwtät der Wissenschaften erhielten die Aus­kunft, dasvorgewisene desseing" sei inzwischen aufgege-' ben worden. Als interessante Tatsache bei dieser» ersten mißglückten Versuch, eine Akademie in der Mark zu schaffen, sei noch erwähnt, daß Skytle auch die Bekanntschaft eines ihm sehr sympathischen jungen Gelehrten, nainens Gott­fried Wilhelm Leibniz, machte, der seinen Erzählungen mit lebhaftem Interesse lauschte. Seinem Versuche, ihn nach Berlin zu ziehen, folgte Leibniz, die spätere Leuchte der Berliner Akademie, nicht, aber er verlor den Plan und dessen Urheber niemals völlig aus den Augen.

vermischtes.

* Der authentische Text. DieZeit" schildert folgende Szene aus dem Arbeitszimnrer des serbischen Mi­nisters des Aeußern Dr. Milowanowitsch: Der Minister ist allein. Plötzlich stürzt der Sekretär herein. Sekretär: Exzellenz! Er ist da! Milowanowitsch: Wer denn? S.: Der Graf Forgach, der österreichisch-ungari fche Ge­sandte. Er sieht sehr böse aus. M.: O Gott, v Gott! Ich hab's ja gleich gesagt. Diese Rede... Es muß etwas geschehen. Der Mann verlangt Aufklärungen. Was sag' ich nur schnell? S. (achselzuckend): Was soll man ihm sagen? M.: Bitte, lesen Sie mir rasch vor, !oas ich eigentlich in der Skupschtina gesagt habe. Sie wollen ja, den Satz mit denSklaven". S.: Ja, der böse Satz! (Liest:)Während Oesterreich-Ungarns erster Schritt am Balkan darin besteht, daß es das Volk zweier serbischer Länder zu Sklaven macht..." M. (kurz): Das hab' ick nicht gesagt! S. (schadenfroh): O doch, Exzellenz. Ich hab' es selbst gehört. M.: Das hab' ich gesagt? Schrecklich! Was sag' ich aber dem Gesandten? . . . War­ten Sie einmal. . . setzen wir einen authentischen Text fest. Vielleicht so: Während Oesterreich-Ungarns erster Schritt darin besteht, daß es das Volk zweier serbischer Länder lachen macht... S.: Um Himmelswillen! Der Vorwurf der Lächerlichkeit ist doch noch zehnmal ärger als der der Gewalttätigkeit! M.: Sie haben recht. Also sagen wir: Während Oesterreich-Ungarn das Volk zweier serbischer Länder in den Hafen gebracht... S.: Mer Exzellenz, das hat doch gar keinen Sinn. M.: Wer ich bitte Sie, hat denn das einen Sinn, was ich in der Skupsch­tina gesagt habe. Ich tveiß mir nicht mehr zu helfen. Denken Sie doch einmal nach! (Jammernd:) Was soll

ich ihm bett» saget: ? S.: Wie wäi? es, Exzellenz, tventk wir die Sache einfach umkehren. So: Während Oester­reich-Ungarns erster Schritt am Balkan darin besteht, daß es die Sklaven zweier Länder zu Serben macht. M.r Sind Sie verrückt? In der Skupschtina schlägt man mich tot. Oesterreich als Retter von Bosnien und der Her­zegowina aus der Sklaverei! Sehen Sie nicht ein, daß das ttnmöglich ist? S.: Aber der Gesandte wird un­geduldig, Exzellenz. Wir müssen ihm eine Antwort geben! M.: Himmel, Sie haben recht. Nur noch einen Augen­blick. (Murmelt:) Sklaven macht. . . Schlafen macht . Pfaffenmacht. . . Affen lacht. . . (Verzweifelt:) Es geht nicht, es ist unmöglich! S.: Was soll ich dem Grafen sagen? M. (voll Freude): Ich hab's! Ich hab's! Schrei­ben Sie den authentischen Text meiner Rede: Während Oesterreich-Ungarns erster Schritt am Balkan darin besteht/ daß es das Volk zweier serbischer Länder zu Sklaven macht... S.: Zit Sklaven? M-: Zu Slawen. Ver­stehen Sie nicht? Dagegen kaitn kein Mensch etwas ein- zuwenden haben. Slawen sind Böhmen, Ruthenen, Pole»/ alles mögliche Oesterreichische. Und Rußland wird sich auch ein bißchen ärgern, da es immer als die alleinige slawische Großmacht gelten will. AlsoSlawen macht". Haben Sie?, Und jetzt rufen Sie den Gesandten. (Sekretär ab., Der Gesandte tritt ein.) Milanowitsch (ihm entgegen): Ein Mißverständnis, Exzellenz, ein komisches Mißverständnis . . .

C.K. Blücher und Napoleon. Jik der Opinion gibt Arthur Chuquet, der französische Historiker, die Schilderung einer interessautcu Zusammenkunft, die im Juni 1807 zwischen Napo­leon und Blücher auf dem Schlosse Finkeustrin stattfand, w» Napoleon sich damals längere Zeil aiifhielt. Ter Kaiser besaß nur geringe Kenntnisse des Deutschen, und nicht viel besser erging es Blücher mit der französischen Sprache. Trotzdem unterhielkeir sich die beiden Männer eilte Viertelstunde laug und verständigten! sich ohne große Schwierigkeiten.Wir haben uns ganz gut ver­standen," erzählte Blücher nach dex Unterhaltung.Napoleon! sprach französisch und deutsch: ich. sprach französisch, deutsch und polnisch. Alles ging ganz gut. Aber dieser verteufelter Kerl! Er war so liebenswürdig, daß ich nicht einen Augenblick an beit Haß dachte, den ich ihm entgegenbrachte." Me Unterhaltung begann! mit Kvmplimenten.Ich freue mich," sagte Napoleon,den tapfersten General Preußens kennen zu lernen."Und ich hatte den lebhaften Wunsch," antwortete Blücher,wenigstens einmal! den großen Mann und den großen Kaiser zu sehen, und ich be­dauere, daß er mich nicht verstehen kann."Tas schadet nichts," meinte Napoleon,ich kann ein wenig deutsch sprechen." Und dann fügte er hinM:Warum haben die Preußen mir den Krieg erklärt? Gegen, Preußen zu kämpfen ist mir, als schlüge ein« meiner Hände die andere." Er stand aufrecht am Fenster, hatte Blücher familiär an einem Knopfe seines Rockes gefaßt und in seine Nähe gezogen. Es folgten dann einige freundliche Worte, der Kaiser beauftragte Blücher, sie dem König wörtlich zu wieder­holen, baitrt geleitete er den General bis zur Tür und drückte ihm bi? Hand. Blücher erzählte dann seinem Adjutanten Eisenhart den Verlauf der Unterredung. Eisenhart lachte:Der Kaiser war so freundlich zu Ihnen, daß Sie eine Bewegung vergesset« haben, eine einzige Bewegung, die der Weltgeschichte eine ebenso glückliche wie unerwartete Wendung hätte geben können!" Welche?"Nun, einen tüchtigen Rippenstoß: das Fenster war' offen, Sie hätten nur zu stoßen brauchen."Zum Teufel," rief der alte Haudegen nun in naiver Ueberraschung,ich habe gar nicht daran gedacht: und tveiß Gott, es wäre möglich gewesen. .

* Vom Kasernenhof. Erhobenen Hauptes reitet dep Herr Rittmeister über den Kasernenhof. Da erblickt er einen! Rekruten, dessen Name ihm augenblicklich entfallen ist. Er winkt den jungen Reitersmann zu sich heran und fragt den erschrockenen Krieger:Ulan, wie heißen Sie?" Prompt tönt es dem hohen Chef entgegen:Schimkat, Rittmeister."Mensch", schreit der Rittmeister wütend,habe ich dir nicht schon tausendmal gesagt, du sollstHerr"" sagen? Also, Rekrut, tote heißen Sie?" Oer Schimkat, Rittmeister."

Mähren^ Geographisches Verschieb rittsel.

®®r,t Nebeustebeude Namen sotten derart unter-

«atlcneu einander geschoben werden, daß eine Buchstabeu- reihe, von oben nach unten gelesen, den Namen

Donau eines- österreichischen fitonlanbeS ergiebt.

Auflösung in nächster Nummer.

Auslösung des Logogriphs in voriger Nummer: Kanon, Kanone.

Qieöaftton; E. Anderson. - Rotationsdruck und Verlag der Brüht'schm Uiüversitäts-Buch- und Slewdruckerei, N. Lange, Gieße».