Ausgabe 
23.1.1909
 
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flfeüf) war mit der Straße. Es faub in dem> engen feinen Kaum mehr, es mochte sich wohl schon stauen, am Rhermis Widerstand gefunden haben.

Nrnr war alles vorbei alles. .

Nb denn nirgend woher Hilfe Sam, nirgends her? 2uvy, rs waren ja wohl kaum einige Minuten, daß sie da oben standen. So schnell konnte niemand kommen.

Ein geller Schrei drang seht durch das Krachetl und Knattern, schwach, aber deutlich. Erde siel auf Veerts Kopf. Und dann war eine Männerstimme dicht über ihnen:Holla! Ho -

war die Hilfe. Oben am Mauerrand erschien Hildegards Kops, leichenblaß mit wildzerzaiistem Haar.

,^ccit! er t \u

ihtb ein Mann lugte über die Mauer und schrie und winkte: Halt fest---halt nor noch fest!" . . , a

Ihtb dann dauerte es nur noch feAndenlang, daß em scfes Seil über die Mauer siel und eine Leiter heruntergelassen wurde. ES kletterte einer herunter und zu zweit scfeben sie iwd zagen die Hendrina hinauf, um dann selber nachzuklcttern. Als sw oben am Mauerrand saßen, zeigte der Mann hinunter: ,

Des wor awwer entöl hegschte Eiseünhn. To guckt, alleweil geht die ganze Proschtemahlzeib!" , ,

Beert sah zurück. Unten strömte wist das gelbe Wasser tosend gegen beit Eiswall. Und von oben kamen Schollen über den Weg, immer mehr. Und jetzt, jetzt kam ein riesiger Etsbkock, gehoben von der rasenden Strömung. Er stieß gegen die Mauer mtd gegen den Mock, er schob Uch hinauf, daß der ganze Eiswall erbebte, und mit einem gewaltigen Ruck keilte er sieg ein, genau «uf der Stelle wo Beert und Hendrina gestanden hatten.

Beert sah stumm hinab. Ter Helfer aber schlug ihm derb gus die Schulter.Des is twch emol gut gange, awwer hawwe ich's net gesagt, ei war die hegschte Eisebahn? Wenn Sie alleweil noch do timte gefeinte hätte, do wärs ze spät gewese!"

Er sah mißbilligend ans Hendrina, um die Hildegard sich

bemühte:

Weibslent! Die kenne sich aach net « bissche znsamme- reiße, waun's gilt. Utt nu komme Se emol do nunner. Aha," er lachte gutmütig,alleweil wolle die Bein nit mehr! Jo, das kenn ich aach. Ä halwe Stunn bin ich emvl im Rhein erumgeschwvmme for mei Lewe, ich Hütt aach noch ü halwe Stunn schwimme könne, lahvwer Win se mich maus geholt hawwe, do hawwe ichs Zittern kriegt tut bin s acht Dag net los morde. Jwrigcns, dem Amerikaner, dem is es schlechter gange wie Ihne. Grad hawwe mr'n in « Haus dransbordiert, wie die Hildegard Hilf gekrische hot. Den hot grad noch & geheerige Eisscholl gekriegt tot glatt an die Mauer geschmisse. Ich glaab, der Hot düchtig was mitkriegt."

Beert sah erschrocken aus Henrina. Sie schien aber nichts gehört zu haben. Apathisch saß sie aus einem Brett, daS auf dem schlammigen Boden lag. Ein halb Dutzend Menschen stand neu- gierig, ratlos um sie herum.

Hol doch einer emal & Schluck Wein'" rief Hildegard ärger- kich.Sie ist ja so kalt, als wär se selwer ä Stück Eis. Komm, Hendrina, steh usf, niet' wolle mache, daß wer aus der Räß erauskomme."

Sie versuchte Hendrina aufzuriHien. Aber es ging nicht. Schwer und unbehilflich sartk sie zur Seite. Jemand kam mit Wein, sie nahm nichts. Sie sckien noch wie geistesabwesend hinaus- guhorchen auf das Toben des Eisgangs, bei jedem stärkeren Krachen schrak sie heftig zusammen.

Mit schwerer Mühe brachten sie sie hinauf in einem Wagen, den jemand geholt hatte und dann nach dem Weingcirtnerfchew Hause.

Ta lag sie nun in Hildegards Bett, blaß!, immer nur mit entsetzten Äugen vor sich hinsehend. Der alte van Endert kam ganz grimmig und ärgerlich. Was das nun für Geschichten waren. Die Hildegard und der Georg Werner, die hätten auch was Besseres tmt können, als gerade an der Nahe herumzuvigilieren, ausge­rechnet, als das Eis aufging. Die kannten doch die Gefahr. Und das wär nun eine schöne Bescherung, daß sein Schwiegersohn sich auch noch was geholt hätte. Schlimm wär's ja nicht, er hab' .es schon gehört, nur den Arm hab' er sich angestoßen.

Sein Schwiegersohn?--Beert sah den Alten erschrocken

tot- Aber der grinste höhniich. Freilich!, sein Schwiegersohn. Ob er wohl denn warten solle, bis es Beert gefällig war, Ernst zu machen. M, so dumm war er nicht. Gerad' heute nachmittag, just vor einer Stunde, habe er alles mit dem Georg Werner fertig gemacht! Ter besann sich nicht lange, wenn man die Sache nur richtig airpaclte. Ter knickerte i»d knauserte nicht, der----

Mr alte van Eudert brach ab t!nd lachte listig., xr

war doch der Klügste gewesen. Nun blieb das Anteil Hendrinas fest und unkündbar auf der Maria Hendrina von Goch stehen und der Werner, der verliebte Narr, gab auch noch, so viel, daß er dertz Beert auskaufen konnte, wenn der muckte. Die Maria .Hendrina von Goch gehörte ihm, ihm ganz allein, wenn er wollte.

Er rieb sich die Hände. Wenn die Hendrina ausgeschlafen! und sich erholt hatte, dann konnte Verlobung gefeiert werden. Lange hielt doch das Rheineis nicht mehr, sie schleppen dann! nach Mannheim und es war gut, wenn bis dahin alles in Ordnung war.

Ganz versteinert sah Beert den! Alten an. Freilich, der wußte ja gar nicht, was geschehen war. Und wenn er's ihm! erzählte, was dann? Was focht das den Alten an. Und ob Hendrina überhaupt nicht wuUe, was vorgegangen war? Sie war ja kaum bei Bewußtsein gewesen während der Gefahr.

Und tunt fing der Alte an zu knurren. Er hatte sich von den Rettern den Hergang erzählen lassen. Na ja freilich, der Beert mit seiner Schwerfälligkeit und die Hendrina mit ihrer Frauleutsdummheit, die waren natürlich hinten geblieben, die mußten erst geholt werden wie die verlauscnen Kälber, die dann auch aus einem Platz dumm stehen und mäh machen. Die Hilde- gard und der Georg Werner, die waren ja noch glücklich aufs Trockene gekommen, warum denn Beert und Hendrina nicht? Nun konnte er auch noch sehen, wie er sich erkenntlich zeigte, er mußte bett Wagen bezahlen und einen Freitrunk und was sonst noch alles.

In Beert van Endert kochte es. Wie der Alte dtifend, dis Hände in den Hosentaschen vergraben, das Fuchsgesicht voll Aerger und Zorn, da wußte er, dem war es egal, daß der Georg Wenter seine Tochter so feig im Stich gelassen hatte. Der sah nur auf das eine- auf seinen Vorteil. Der lachte, ihn nur aus, wenn er ihm Kar machen wollte, was der Amerikaner für ein Lump, war. Und wenn er's Hendrina sagte? Sollte er ihr das Herz brechen, das dem forschen Nixnutz gehörte? Jeder andere hätte ihr das sagen können, ja, sagen müssen, aber er konnte nicht, durfte nicht. ,

Vielleicht hatte sie es ja doch gemerkt. Hatte sie nicht in in ihrer Todesnot geschrien:Geh auch!" Und wenn sie cs wußte, dann konnte sie den Menschen ja nicht mehr lieb haben. * (Fortsetzung folgt.)

Mine Züge WZ Mtömbruchs Leden.

Heber Wildenbruchs Geburt und feine ersten Kinder­jahre sind wir besonders gut und eingehend unterrrcytet durch hie Briefe seiner Mutter Ernestine von Wildenbruch, die A. v. Boguslawski in seinem WertAus der preußischen Hof- und diplomatischen Gesellschaft" veröffentlicht hat. Die Mutter des Dichters war ein geborenes Fräulein v. Langen, die Hofdame der Fürstin Radziwill geb. Prinzessin Luise voil Preußen tourbe, und in ihrem Hause den damaligen Premierleutnant im GardekürassierMegiment Louis von Wildenbruch, einen Sohn des Prinzen Louis Ferdinand, kennen lernte. 1837 erfolgte die Vermählung. Wildeubruch trat in den diplomatischen Dienst über und wurde 1842 zum preußischen Generalkonsul zu Betritt in Syrien ernannt. In den Briefen, die sie aus diesen fernen Gegenden nach Hause richtete, erscheint Frau von Wildeubruch als geistig! hochbedeilteude, lebhaft interessierte und leidenschaftlich an- teilnehmende Frau; der Gatte tritt in seinem selbständig energischen, ruhig tüchtigen Weseii mehr zurück. So mag denn auch bei Wildenbruch die wohlbekannt glückliche Mt- schuiig des Blutes geivaltet haben, daß er vom Vaterdes Lebens ernstes Führen", vomMütterchen die Frohnatur, die Lust zum Fabulieren" geerbt hat. Das exotische Milteu, in dem er geboren wurde, wird noch erhöht durch einen tragisch-dramatischen Vorfall, der sich kurz vorher ereignete und den Frau von Wildeubruch ausführlich erzählt. Ihre Kammerjungfer Maria hatte sich mit dem preußischen Kon­sul Schultz in Jerusalem verlobt und dadurch die Eifersucht des Jägers entfesselt, der rasend in sie verliebt war. x;it seiner Eifersucht erschoß er das Mädchen, als sie mit ihrem Verlobten in Frau von Wildeubruchs Zimmer saß.Es war der entsetzlichste Augenblick meines Lebens. Es find heute neun Tage, und ich sehe nichts als das sterbens Mädchen, höre nichts als ihr tiefes Stöhnen sie sprach kein Wort mehr. Die Augen waren gebrochen. Es war zu fürchterlich. Du kaunst Dirs nicht denken, ein Mord m meinem Haufe, verübt an einem mir anvertrauten Mäd­chen! Das Bild der Eltern verfolgt mich wie ein Gespenst. Am 3. Februar 1845 meldet dann Herr von Wildeuoruch den Fremchen die Geburt einesstarken Jungen", und des