Samstag dm 23. Januar
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Maria Hendrina von Eoch.
Novelle von Luise Schulze-Brü ck.
(Nachdruck verboten.)
(Öortjcsiutg.)
Ettt brausender Strom gelben Wassers kam die Uferinauer hinan, hob gewaltige Blöcke auf, warf sie gegen die Mauer — brüllte hock — — immer höher.
Hildegard Weingartner hatte einen grellen Schrei austze- jto freit:
„Lauft--lauft" — —
Sie war schon fort, rannte die Strafre hinunter. Beert stand einen Augenblick wie festgebannt. Wo sie standen, machte der Flufr eine kleine Biegung, — aufwärts und abwärts sprang das Ufer ein wenig vor. Wenn das Eis sich staute, so trieb es auf den Borsprung abwärts, wurde dort hochgehoben, sperrte sie ein, bafr es kein Entkommen gab.
Die hohe Mauer neben ihnen war nicht zu erklimmen, es gab keinen Ausweg. Das ging ihm blitzschnell durch den Kopf. Er rüttelte den Amerikaner, der selber wie zerschmettert dastand:
„Fafr Hendrina an, es geht ums Lebe»."
Hinter ihnen kam schon das Eis. Um sie war ein Krachen sind Donnern und Toben, — der Eisstofr kam den Flufr hinunter mit strrchtbarer, alles zcrmalmeirder Gewalt. Er rifr das Eis vor sich auf, er warf hohe Wellen schmutzig gelben Wassers gegen die Ufermauern. Noch erreichten sie den Weg nicht, aber schon kanten sie näher, höher.
Hendrina fühlte sich gepackt, an den Händen gezogen, vorwärts gerissen. Lief sie oder wurde sie geschleift? Wie lauge? Augenblicke oder stundenlang? Sie totste es nicht, sie hörte Nur Beerts Stimme: „Halt aits, halt Dich fest!"
Aber schneller als sie um der Eisstofr.. Nun war er »eben ihnen — eine kolossale Masse von auseinandergetürmten Scholle». Mit rasender Schnelligkeit rifr er die Eisdecke auf, bohrte sich hinein, machte sich einen Weg hindurch. Und nun kam auch das gelbe Wasser die Ufernrauer hinan und warf mächtige Blöcke auf den Weg. Bor ihnen war jetzt der Ufervorsprung, aber er war ttidjt mehr frei. Die Eisschollen liefen hinaus, wie von Ntesenhänden tafuf den Tamm geworfen, und das gelbe Wasser gurgelte und schäumte über den Weg.
Hendrinas Füße wurden schwer wie Blei. Sie konnte nicht mehr. Sie schwankte und stolperte. Nur wie aus weiter Ferne horte sie Beerts Stimme:
„Halt dich fest! Um Gottes mitten halt fest!"
Schwer fiel sie gegen Beert. Der Amerikaner schwankte Mich, aber er stand schnell mietet auf den Beinen. Tod und Teufel, jetzt galt es. Noch kam er hinüber über die sich Kuftürmenden Schollen. Dicht an ter Mauer waren sie ganz sestgekeilt, da ging es noch. Noch ging es — über nur Augen- blicke lang. Aber nur für einen Menschen, ter all seiner Sinne Machttg war, ter all seine Körperkräfte anspannte. Ta galt es rem Besinnen.
Auch Beert hatte die Stelle erspäht. „Hilf," schrie er ivf< wild den anderen an. „Fafr an."
Und schon hatte er das fast bcwufrtlose Mädchen dicht nach der Mauer geschleppt.
Sie iimeit jetzt eine» Augenblick in Sicherheit. Nur das Wasser schofr. schäumend heran, itrt4> vorn krachte das Eis.
„Hilf," schrie Beert wieder.
Er war auf den Vortesten Block gesprungen und mühte sich, Hendrina hinaufzuziehen. Der andere staitd einen Augenblick und starrte mit wilden Augen auf das Eis. Und dann duckte er sich, sprang mit einem weiten Satze auf den Block wie ein wildes Tier. Und ehe Beert begriff, was geschah, nm er oben auf den! zusammengeschobenen Eisblöcken, warf die Arme hoch und sprang wieder — und war fort — auf ter anderen Seite — in Sicherheit.
Er war fort — er hatte sich gerettet.
„Gottverdammter Schift!"
Hatte er es gedacht oder geschrien, daß, Hendrina es hortch Sce hing schwer in seinem Aruk, aber sie öffnete die Augen und sah um sich — wendete den Kopf. Er rifr sie mit allen Kräften hoch.
„Kurasch! Da auf den Block!"
Er zog mit der Krafts der Todesairgst und es gelang. Sie standen auf dem Gisblock eng zusammen. Für den Augenblick waren sie gerettet. Aber kleine Eisschollen, abgerissene Brocken kollerten schon zu ihnen hinüber. Und ter ungeheuere Druck preßte die schweren Blöcke nach vor» nach der Maner. Das Wasser schäumte dichter heran, gierig an tem Eiswall hoch- fteigenb. Verzweifelt rang Beert nach oben. Aber Hendrina konnte nicht tnehr.
„Geh auch!" murmelte sie. Aber daun drängte sie sich er« an ihn. „Nein, — nein! Hilf! Hilf! Beert!"
Ein treues Krachen und Donnern, ein neues Schieben und Stofren. Nun war der Eiswall höher geworden, — nun war etz vorbei. Beert sah es wohl — es war zu spät. Und keine Hilft/ — keine.
Die Hildegard, ter Amerikaner mußten doch nun in der Stadt fein, mußten ihnen wenigstens Hilfe schicken! O, ter Schuft! Ter feige Hund! Seine Wüste ballten sich, er keuchte. Bis Hrlfe kant, waren sie längst erdrückt, zerschmettert von den Riesetw blocken.
Das Krachen und Tosen tourte twch stärker. Beert sah die Eismassen in dem engen Strombett wirbeln im wildeste» Durcheinander. Und immer mehr stauten sich an tem Vorsprung, kamen hoch und rannten wie gewaltige Prellböcke gegen die schon! aufgestaute Masse. Es konnte nur noch Attgenblicke dauern, — nur noch Bruchteile einer Minute.
Er stand jetzt gegen die Mauer gelehnt. Er hielt Hendrina, er druckte ihren Kopf fest gegen seine Brust. Sie sollte den Tod! nicht sehen. Nicht seine Schrecken. Sie mar wohl halb bewusstlos, wußte nichts mehr davon, daß ter andere fort mar? Daß er feige geflüchtet war, sie in ter Todesnot allein lassend!
Ein neues gewaltiges Krachen ließ ihn zusatumenfahren. Gegetk tee tsiermaner donnerte jetzt das Eis, so hoch kam es, tetfr eö fast


