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sich ganz Mer sie, und küßte sie — und als ob er sich auf einem Verbrechen ertappt, wollte er zurück;, da tat sie die Augen auf unb sah ihn an — mild, freundlich, hold, und richtet« sich auf dem Arm aus. — „Was willst du?" fragte sie schlafbefangen: da lag er vor ihr auf den Knien: „Julie, Julie, sei mir nicht böse, ich wollte es nicht —« Mer es war stärker als ich — ich habe deine Lippen geküßt —"
„Du hast mich geküßt?" fragte sie, nach immer !vie im Traum. „Komm her!" Und sie schlang einen Arn: um ihn, und heiß vrannten ihre Lippen auf seinen. „So, Geliebter, nun hab' ich dasselbe liebet getan! — Nun geh — und komm nicht wieder!" Er senkte das Haupt aus ihre Schulter; noch lag ihre Hand um seinen .Hals —< „ja, komm wieder; aber morgen erst, wenn wir üsim- sahren sollen —"
„lind dann bleiben wir immer, immer zusammen?" fliisterte er.
„Immer!"
„Und du wirst meine Frau, Julie?"
„Ich werde es. — 9?iut geh! Rein, noch einmal küsse Mich —, Oskar, Oskar!"
Er kniete noch vor ihr.
„Julie, ich hab dir nichts zu Weihnachten geschenkt ■— hier nimm dies; gib mir die Hand, die liebe, liebe Hand — hier an den Finger; nein, der Ring ist zu groß ; trag ihn an deinem Herzen —"
„Tu wolltest ja gehen, Oskar —"
„Julie ,6it hältst mich ja fest —"
„Sonst glaube ich, daß ich noch träume — brich mir ein Reis von dem Tannenbaum, wenn's Wahrheit ist —"
„Hier!" Flüsternd ging die Rede zwischen ihnen.
„Jetzt geh —•!"
„Warum?" — Der Kuckuck trat aus seinem Hans.
„Ein Uhr!"
„Die Lerche war's, und nicht die Nachtigall —"
„Darum heißest du auch Julie und Romeo war ein Waisenknabe gegen den Mann, der dich küßt —
„Und die Moutecchi und Cap ule Ui sollen versöhnt sein I" Er ging. Er wachte, bis der Weihuachtsmorgen anbrach.
Uno als sie ibabon fuhren int lichten Sonnenglanz, und von fern die Glocken über das Schueegefild herklangen, da lagen ihre Hände warm ineinander: zwei selige Leute fuhren sie dahin, ins sonnige Leben hinein.
'Fritz knallte vergnügt im mächtigen Schwung über seine Rosse hin, daß es schallte in der klaren Frostluft, und wandte sich im Sattel, wie's gerade im Schritt ging: „Ra, Herr Seutnant, nun wird Herr und Frau Pastor wohl getröstet werden. Es war doch gut, daß wir den Mein holten!"
Wieder knallte die Peitsche, und die Pferde griffen münler trabend aus. Hell und lustig klangen die Glocken in die klare, kalte Lust des Weihuachtsmorgens hinein. Mer auch im Sturm kommt das Glück geflogen.
Vevrn» Achtes.
G. Die f chwa rze Nies tou rz, Weih nach t sr ose oder Christrose (Helleborus niger). Wenn in der kalten Jahreszeit des Winters alles Pflanzen leben im Garten erstorben ist und nur die Nadelhölzer und der immergrüne Efeu noch von der Sommerpracht der Gewächse erzählen, wenn Mutter Natur im tiefen Winterschlummer unter der weißen Schutzdecke ruht und alles ringsum in tiefster Stille des winterlichen Schweigens verharrt, dann blüht, wenn die Stätte nicht gar zu streng ist, häufig um die Weihnachtszeit die Christrose, Weihnachtsrose ober die schwarze Ntes- wuvz, eine Zierde des Gartens und der Gräber des einsamen Friedhofes, eine herrliche Erscheinung auf der weizen Schneedecke der winterlichen Erde. Ihre schönen fünfblät- terigeit Blüten stehen einzeln ober zu zweien au den festen, widerstandsfähigen, grünen Stengeln: durch ihre zarte, milchweiße ober rötliche Farbe unb durch die zahlreichen, schön geordneten Staubgefäße bietet die Blüte zwischen den aus mehreren dicken, leberartigen Blättchen zusammengesetzten Blättern der Pflanze einen hübschen Anblick und erinnert in hoffnungsfreudtger Zuversicht an das Wieder- erwacheu all der liebltchen Kinder Floras im kommenden Frühling, wenn sie der allbelebende Hauch, der warmen Sonne von neuem wieder hervorzaubert. Die Pflanze, die
zur Familie der Ranunculaceen gehört, wächst in Oesterreich itnd Steiermark, in der Schweiz und auf den Gebirgen des südöstlichen Europa wild; in der Gegend am Rhein trifft man sie häufig im Garten und auf dem Friedhöfe als Grabesschmuck im Winter. Die Benenimng Weihnachtsund Christrose stammt von der außergewöhnlichen Zeit der Blüte bet merkwürdigen Pflanze, die häufig im Dezember, gerade Um die Weihnachtszeit, im Freien blüht und uns durch die ausnahmsweise Seltenheit des Blütenschmuckes einer Pflanze um diese Zeit besonders auffällt und erfreut. Die schwarze, nußgroße Wurzel, welche kurze, gegliederte, Seiten- wurzeln mit vielen Wurzelfasern treibt, hat einen scharfen, bitteren, unangenehm brennenden Geschmack, so daß die Zunge gleichsam davon erstarrt; darum wird die Nieswurz zu den Giftpflanzen gezählt. Die getrocknete und pulverisierte Wurzel erregt, in die Nase gebracht, heftiges Niesen, woher auch der Name Niestmirz kommt. In frü- heren Zeiten, besonders bei den alten Griechen, wurde sie vielfach als Heilmittel gegen Wahnsinn benutzt; besonders gute Nieswurz wurde auf den Gebirgen Thessaliens gesammelt, wo der Ort Anthichra wegen seines .Handels mit oieser Pflanze berühmt war. Spott- und scherzweise gab man daher den Leuten, die recht ungereimte Dinge vorbrachten, den Rat, nach Anthichra zu reifen und dort durch beit Gebrauch der Nieswurz ihre Verstandeskräfte zu stärken. Eine gute Verwendung findet übrigens die Wurzel noch heutigen Tages in der Medizin zu arzneilichen Zwecken. Da jeder Garten- und Blumenfreund an dieser Pflanze feine besondere Freude haben muß. so dürste die Nieswurz bald eine weitere Verbreitung finden, zumal sie fast gar keine Pflege und Aufmerksamkeit erfordert. In neuester Zeit ist die Christrose durch die Kultur der Blumengärtner recht vervollkommnet worden, so daß sie zur Weihnachtszeit einen hübschen Schmuck des Blumenfensters bildet und dem Wech- nachtstisch unter dem Christvaum zur besonderen Zierde gereicht.
*. Bei der Fe labten st ü dun g. Major (in fortwährendem Zank mit einem! Kvmpagmeführer, zum Adjutanten) i „Melden Sie, bitte, dem Schneidewitz, ich sei gefallen, er solle selbständig ms Gefecht eingreisen." (Major für sich: „Greist er gleich ein, io sag« ich ba;itn bei der Kritik, es sei zu früh, tut er's erst später, sage ich, es sei zu spät gewesen.") Der Adjutant kommt also im Galopp zum Leutnant mit dem Auftrag: „Herr Major läßt sagen, eil fei gefallen, Sie sollen selbständig handeln." — Oberleutnant (bestehlt darauf): „Erste Gruppe Spaten los', nm den Herrn Major zu begraben!"
Weihnachts-RWelfprimg.
Auslösung in nächster Nummer.
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Austösmtg bet Dechiffrier-Aufgabe in vor. Nr. r (Schlüssel: Der im ABC folgende Buchstabe gilt, alio: Z — A, A = B usw.)
Arbeitstage
Voll rüstiger Plage
Sind die besten
Von allen Festen. Frida Schanz.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universüäts-Bttch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


