Ausgabe 
22.11.1909
 
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Die Kriegsrechuutrg von Rödgen weist als Ausgabeposten für geleistete V v r s P a n n d i e n st e an die r n s s i s ch e n Truppen vom 7. November 1813 einen Gesamtbetrag von 19 3 f l. 17 Kr. ans. Die Beförderung der Bagagewagen nach Hachenburg nahm sieben- Tage in Anspruch. Für den Borspanndienst mit einem Stück Rindvieh wurde durchschnittlich 1 fl. 50 Kr. für den Tag von der Gemeindekasse vergütet, für die Vorspann mit zwei Stück Rindvieh 3 fl. 40 Kr. (etwa 6,30 Mark). Pferde scheint Rödgen danrals wenig gehabt .zu haben; baut die von den Truppen daselbst requirierten Pferde mußten von dem Guts- Pächter in Großeu-Buseck aus Kosten der Gemeinde gestellt werden. Für die Vorspann mrt zwei Pferden wurden für den Tag 6 ff. (10,20 Mark) vergütet. Nach derThälschen (für das Busecker Tal) Vergleichung" hatte die Gemeinde Rödgen allster ihren eigenen Einquartierungsiasten als Beitrag anMundPortions­geld" für Einguartierungen in dem ganzen Busecker Tal weiter 516 ff. 15 Kr. zu leisten, worauf vorläufig nur 200 fl. ab- schläglich gezahlt werden konnten.

Mit dem Wiedercrscheinen Napoleons m Frankreich am 1. Bllirz 1815 setzten sich preußische, bernburgische (anhaltinische) und sächsische Truppen hauptsächlich nach fcent Lahntal hin in Bewegung. Bei dieser Gelegenheit wurde auch Rödgen berührt. Am 12. und 13. April passierten dieses Dorf bernburgische Truppen mit dem Marschziel .Hausen bei Schiffenberg und Esch­bach bei Frankfurt. Am 18. April kam sächsische Kavallerie durch Rödgen, die auf Stafette bis Friedberg ritten. Am 15. April kam ein preußisches Ersatzbataillon durch, das als Marschroute: Ehringshausen bei Wetzlar hatte. Am 14. und 23. April passierten Rödgen preußische Truppen- auf dem Marsche nach Weilburg und Kirfck; ho seit. Die Gemeindekasse hatte für Vorspamidienste und das Fahren der Bagage wieder 215 fl. 22 Kr. zu verausgaben. Außerdem wurde die Gemeinde nach derThäl'schen Vergleichung" Mit 101 fl. 42 Kr. belastet, als Anteil an 1200 fl. zur Be­zahlung der bei den Kriegsfuhren verloren gegangenen Pferde.

Die Ausgabenan Erpressungen" (soll wohl heißen für Expreß- botcn) und Quartiermacher betragen 8 ff. 11 Kr. Für den Be­zug von Wein, der an die durchziehenden Offiziere geliefert werden mußte und von dem Inspektor Auber in Großeu-Buseck und dem Weinwirt Busch in Gießen bezogen wurde, hatte die GemÄndekasse 18 fl. 48 Kr. zu zahlen. Der Schoppen M Liter) wllrde zu dem verhältnismäßig billigen Preise von 50 Pfg. ge­liefert. An Diäten für den Bürgermeister und die Ortsvorstcher fürGänge in Kriegsaugelcgenheiten" tvnrden 31 fl. 2 Kr. ver­ausgabt. Ein Gang nach 'Gießen wurde mit 10 Kr. honoriert, beim Versäumnis eines ganzen Tages' mit 20 Kr. Ein Gang Nach 'Buseck wurde mit 6 Kr., nach Oppenrod mit 10 Kr. ver­gütet. An zwei Ortseingesessene wurde für das' Aufbetvahren der Fourage an Heu und Hafer in ihren Scheunett je 1 fl. jährlich bezahlt. Die Lieferung von Hafer und Heu durch 'die Gemeinde Rödgen, hauptsächlich in die Magazine nach 'Gießen, erforderte eine Ausgabe von 190 ff. 45 Kr. Für ein Achtel Hafer wurden durchschnittlich 6 fl., für ein Achtel Gerste 5 fl., für einen Beniner Heu 1 ff. 35 Kr. (2,75 Mark) bezahlt. Die Gesamtausgaben der Gemeinde Rödgen für Kriegszwecke wahrend der Jahre 1813 und 1815 betrugen 992 ff. 44 Kr.

Wenn schon die kleine Genreinde Rödgen während einer kurzen Zeit mit einer Kriegssteuer von rmnd 1000 ff. belastet wurde, init einem Betrage, der für die damaligen Verhältnisse viel bedeutete, wie viel mehr mögen wohl andere Orte, die direkt an der Berkehrsstraße lagen, wie Grünberg, zu den Kriegslasten in damaliger Zeit herangezogen worden sein. Die Gemeinden fÄbst konnten diese Beträge nicht aufbriugen und mußten Kapi­talien aufnehmen, an deren Abtragung noch Kind und Kindeskiud zu zaWm hatten. Erwägt man noch, daß das Jahr 1817 eine Mißernte brachte, bei der das Malter Korn 20 fl. (34 Mk.) und der Laib Brot 1 Mk. 40 Pfg. kosteten, so urüssen diese Lasten von hon Genwindsn doppelt schwer empfunden worden sei n. . -ch-

Ver»mrsehtes.

* Anekdoten von Mark Twain.Mark Twain ivie «v ist" will der Professor an der Universität von Nord- kawlina Dr. Archibald Henderson in einer Skizze nach dem Leben Wildern, die er in der Deutschen Revue veröffentlicht. Der Verfasser fuhr mit ihm auf demselben Dampfer nach Eng­land, als Mark Twain den ihm von der Universität Oxford verliehenen Grad eines Ehrendoktors beider Rechte entgegen!«1 nehmen wollte. Er trug, wie dies für seine Vorliebe für weiße Kleidung natürlich war, einen lichtgrauen Anzug: aber als er an Bord ging, schärfte ihm seine.Tochter in dringlichen Morten ein, daß er bei den konservativen Engländern ja nicht feinen weißen Anzug tragen sollte. Und er versprach es und tat eS gehorsam wie ein Kind. Ueberhanpt war er in feiner llebeuA- würdigen Güte unendlich geduldig und nachsichtig, ließ sich un­zählige Mal photographieren und tausendmal um ein Äutogroph bitten. Als er eines Tages gerade ein interessantes Erlebnis erzählte, ivnrbe er durch ein kleines Mädchen unterbrochen, das von ihnr etwas in seinGeburtstagsbuck" eingetragen haben

Wollte. Freundlich und willig fing et sofort im, in das Buch einen- Krantkopf zu zeichnen, der aber durchaus nicht diesem Gemüse, sondern denr Gesicht btt* kleinen Bittstellerin glich. Ta das Kind sehr enttäuscht dreinblickte, schrieb Mark Twain zur Beruhigung darunter:Das ist ein Krantkopf." Aber die Kleine war mch immer nicht befriedigt und der Dichter mußte noch einen Spruch hinein schreiben: er schrieb:Die Wahrheit ist unser kostbarstes Besitztum. Seien wir sparsam damit." Eines andere Prägung seiner Spruchweisheit faßte er in die Worte: Verschwende nietttafö eine Lüge. Tu weißt nicht, wann Du sie gebrauchen mußt." Als Henderson. sich einer chirurgischen Operation unterzog, gab er ihm den Freundesrat auf den Weg: Trösten Sie sich mit deut beruhigenden Gedanken, daß Sie deut Doktor eine Freute machen und er dafür bezahlt wird." Aus der gauzeri Welt erhält Mark Twain fortwähreird Photo- graphieu von Leuten zugcsaudt, die ihnr ähnlich feheir wollen: einem gab er darauf die klassische Antwort:Ihre Photographie sieht mir wirklich ähnlicher a(S ich mir selbst, und ich habe mit; sie deshalb einrahmen lassen, inu sie anstatt eines Spiegels beiist Raiiererr zu gebrauchen.^ Als in Loudon die Zeitungsverkäufep mit großen Plakaten henrmgiirgen, auf denen, als die zufällig itcbetteinanber stehenden beiden größten Nerrigkeiterr zu leierr.waren: Mark Twain angekomnren Ascot-Schals gestohlen" gestand der' Dichter bereitwillig die Schuld an dem ihm- hier ausgebürdetest Diebstahl ein. In feiner neuen schönen VillaSdormfi-eld" ver­bringt Mark Twain in beschaulicher Versenkung in die groß­artige Natur fein Alber. Er hat sein Haus nicht eher betretest^ als bis alles fertig Ivar; feine einzigen Forderungen waren; Ein Zinrmer für mich, das.ruhig fein muß, ein Billardzimmer, gwß genug, daß man mit den Qnenes keine Löcher in die Wände stößt, und em Wohnzimmer von vierzig zu zwanzig Fuß." Ms Bet ihm eingebwchen ivorben war, ließ Mark Twain auf deist Kamin im Billardzimmer folgends Notiz für die nächsten Ein- Brecher anbriugen:In bleiern Hause befindet sich fetzt Und für alle Zukunft nichts als versilbertes Tafelgeschirr:. Sie werdest cs in dem Messingbing des Eßzimmers in der Ecke neben dem) Korbe für die jungen Katzen finden. Wen» Sie den Korb brauchAst, werfen Sie die jungen Katzen nur in das Messingding. Machest Sie keinerr Lärm es stört die Familie. Sie werden Filz­schuhe in der Vorhalts neben dem Dinge finden, in dem die Regenschirme stehert, ich glaube, matt nennt es Chiffoiricr ober- Pergola ober ähnlich so. Bills, schließen Sie dir Türe, toatil Sie svrtgehen! Ihr ganz ergebener S. L. Eteuteus." Den größter^ Teil seines Lebens hak bekanntlich Mark Twain, int Bett vev- bracht. Plötzlich fühlt er das Bedürfnis, seine LieblingöWttci aufzusnchen. Ms sich in seinem Empfaugssalmr einmal etiü Schwarm der herdorragendsterl Besucher versammelt hatte, er- klärte der Dichter, nachdem er sich einige Minuten mit ihnest unterhalteit:Nun aber uniß ich zu Bett!" ES wat genau 12 Uhr mittags! In feiner großen geschnitzt«t Belljttlle, w er stets dis Füße am Kopfende behaglich ausstreckt, hat er in der letzten Zeit feine Autobiographie geschrieben, die aber «st eine ganze Reihe von Jahren itach serir-em Tode veröffenÄLam werden soll. Mark Twain liebt nichts so sehr wie Katzen, so daß schon feine kleine Tochter Sush ttt einer Charakteristik ihrer Eltern schrieb:Mutter liebt ein sittsames Betragen, Vater aber Kasten." Bon seinen Katzen um schnurrt, stets eingehüllt von dem Tabakranch 'feiner langen schwarzen Zigarre, mit dem geräuschlosen vorsichtigen Gang des alten Seemanns durch die Zimmer gleitend ober in teilten lustigen Sprüngen: hüpfend, so erscheint Mark Twain feinen Besuchern, wobei der creme- farbige Anzug und die durchwühlten schneeweißen Lockert phaup taftisch wunderlich gegen bett rötlichen Glanz des Gesichtes ab- stechen.

* Im Kaffee Harts.Die Buchstaben L und V. M Alphabet sind völlig überflüssig."Nehmrn's nit übel, meine Herren, es sind allerdings viele unnütze Buchstabe im ABC, aber der $ kann Halt gar nit wegbleibe: wie wollen's bttlttNegtch Mahlzeit" oberWundheit" schreiben?"

Geographisches Berfchiebriitses.

Ohio Genf Oybin Mainz Schweiz Prag Breslau Posen Bayern Danzig.

Vorstehende Namen solle» derart iinterelnanber geschoben werden, daß eine Vuchstabeureihe, von oben nach unten gelesen, den Namen eines viel besuchten Badeortes ergibt.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Kveuzvätsels in voriger Rummerl G G A Irra aas

G 1 a fl a tone Gras n e 1 k e Am st e r fl » m o l d n k ft e e m

Redaktion! K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brl'thl'schen Umversitcits-Vttch- und Steindrttckerei, R. Lange, Gteßeti-