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Montag den 22. November 7

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(Nachdruck verboten.)

t riß sie bett Umschlag ab, sie hielt die Äugen. War es das Halb-

eiue Weile; sei

Rheinlandstöchter Roman Von Clara Kiebig.

Mit zitternden Fingern r sich den Bogen dicht vor i' dunkel der Totenkcumner? Nein, "es waren die stürzenden Tränen, die die Buchstaben schwach und undeutlich machten.

gereichen wird. Noch verstehst Du da»s nicht, aber Du wirst cs verstehen lernen. Mir ist, als wanderte ich schon nicht mehr aus dieser Erde, ich sehe aues in einem andern Licht.

Ich lege meine Hand aus Dein liebes Haupt klage nicht, sei stark! Du bist meines Lebens Wonne gewesen das sei Dein Trost.

Dein Vater."

DaS Papier raschelte und flatterte nieder zur Diele. Dallmer hob es aus und warf einen Blick hinein, dann sah er verstohlen die Nichte an. Ne stand aufrecht aM Sarg, ihre Hand ans die .han.de des Toten gelegt, das tränenüberströmte Gesicht nnbeivegltch emporgehoben. Er schlich sich leise hinaus.

In seines Bruders Studierzimmer ging er rastlos auf und nieder, immer iiber den kleinen Teppich mit den karnwisinroten Rosen, den blauvioletten Veilchen und der giftiggrünen Füllung; der dämpfte feine Schritte. Nach einer halben Stunde trieb ihn die Sorge um Nelda wieder hin­über. Sie kam ihm schon an der Tür entgegen. Sie sah tieftraurig aus, aber der starre Ausdruck in ihren Zügen war gewichen, sie versuchte ein schwaches Lächeln; es war herzzerreißend, wie die herabgezogenen Mundwinkel zuckten.

Mein gesiebtes Kind!

Wenn Du diese Zeilen liest, werde ich tot sein; wer weiß, ob wir uns »roch Wiedersehen! Ich will Dich nicht zurückrufcn von Onkel Konraa, hole Dir in der freien Ratter die Kraft, deren Du bedürfen wirst. Mle Nacht träume ich von Dir. Ich weiß nicht, warum ich so für Dich zittere, es macht ivohl meine Schwäche und der Schmerz, von Dir scheiden zu müssen. Gott segne Dich, »nein Kind, und behüte Dicht Du hast ein heißes Herz, rerkämpse Dir auch ein starkes Herz!

Hilf Deiner Mutter und sei nicht ungeduldig mit ihr; sie ist schwach und bedarf der Stütze. Vergiß nie, daß Dein Vater sie einstmals in der Fugend geliebt hat. Ich hatte Dich gern an der Seite eines guten Mannes ver­sorgt gesehen, oder Dir Deut Leben "mehr geebnet. Ich kann Dir nicht viel hinterlassen; ich habe gespart und gespart, aber 7000 Taler sind alles, was euch bleibt, außer der Witwenpension. Halte Dich an Onkel Konrad! Mr ist Wer als ich. aber seine Kraft ist noch ungebrochen; er wird Dir beistehen.

Und nun lebwvhl, mein Kind! Ich wünsche nicht, daß Du viel weinst. Dir bist Deines Vaters größte Freude geivesen, vergiß das nicht! Du hast mir nie Kummer gemacht, auch im letzten Fahr nicht hörst Du, Nelda, auch im letzten Fahr nicht! Es war ein Geschick, das Unverschuldet Wer Dich kant, das Deutern inneren Menschen, wenn er sich hurchgerungen hat, zum Heil

hinüber.Er

Der Bürgermeister besorgte alles Geschäftliche, er hatte vieles zu belaufen und zu "erledigen. Solch- ein stiller Schläfer macht unendliche Wirtschaft und Mühe, bis man ihn glücklich unter der Erde hat. Dallmer kramte auch in des Bruders Papieren; zwischendurch kam er zu Nelda herein, ftanb eine Weile still, in Gedanken verloren, am Sarg, räusperte sich, und als das nichts half, die Richte sich noch immer nicht rührte, strich er ihr sauft über den tiefgebeugten Scheitel.

Mrct, Kind, Met!"

Sie zuckte zusamnren, und schüttelte abwehrend den Kopf. Er fuhr fort:Dein Vater hat dich sehr geliebt, ihm zu Liebe sei stark! Sieh mal her, Nelda, das lag bei seinen Papieren obenauf! Willst du es nicht lesen?" Er legte ihr ein Briefkuvert in den Schoß. Sie fuhr auf, als das Papier ihre krampfhaft verschlungenen Hände streifte.

An meine Tochter Nelda".

Onkel Konrad," sagte sie, während ein Zittern ihre Gestalt überlief,ich hatte meinen Vater vergessen, aber nur ' :tzt nicht mehr." Sie nickte zu dem Toten hat zu mir gesprochen. Ich will stark fein; er wünscht es. Komm, laß zu Mama gehen!"

Unten in der Küche rasselte Laura mit bett Herdringen/ ein Geruch von gelochten Schinkett und grünen Bohnert zog durch dis angelehnte Mr; es ioar Mittagszeit. Jetzt streckte sie den Kopf mit den glühenden Backen heraus; die schwarze Schürze und das schwarze Halstuch hätte sie abgelegt, es war setzt kein Besuch mehr zu erwarten, uml zwei Uhr aßen die meisten in Koblenz.Gehn Se reich be Madam hat als den Tisch gedeckt! Wat Hilst et, Essen und Trinken hält Leich und Seel zusaminen."

Es würgte Nelda tu der Kehle nur einen Schritt herunter getan von da oben und wieder mitten drin in der trivialen Alltäglichkeit! Nur die Tür des stillen ver­dunkelten .Heiligtums hinter sich zugemacht, und matt setzt sich wieder an den gedeckten Tisch und läßt dein Leib sein Recht angedeihen, als ob nicht durch's Haus ein Schatten striche, ein Geist, der da spricht:Ich bin nicht von diese« Welt!" .

In der Wohnstube kam ihnen Frau Rätitt taut iv-eincnb entgegen.Denkt euch nur, eben jetzt war die Zünglein hier ich bin ganz außer mir! Ich hatte doch bestimmt erwartet, ihr Mann mürbe eine schöne Rede am Grabe halten, statt dessen sagt sie mir, er wird nur hier int Haus den Sarg einsegnen und dann gleich tvieder fortgehen. Und sie hat noch das Herz, mir ins Gesicht zu sagen, das! geschehe ans besondrer Freundschaft. Diese kalte, egoistische.

88t

AMIE

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