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Redaktion: I V.: E. Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brübl'Icken 7----—-----------——----
* |tijen »nwersitats-Bnch- und Steindruckerei. R. Lange, Giesrw
Zitate,r-Rätsel. .
Aus reden» der soigeuden Zitate ist ein Wort zu nehmen, sodch cm neues Zitat ergibt:
« $cx ^tie9 ist schrecklich Ivie des Hinunels Plagen.
2. Der Menschen Sunden leben fort in Erz:
„ Mr edles Wirken schreiben ivir in Wasser.
3. Dies Kind, kein Etigel ist so rein!
4. Seit außer Kurs die Tugend ist--.
5. Scheint die Sonne noch so schön,
<6111111(11 muß sie untergeh'n.
v. Gebraucht die Zeit, sie geht so schnell von hinnen, Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Scherzrätsels in voriger Nummert Helikon; Eli, Kohn.
artige Neigungen selten zu beobachten. Um so interessanter ist cä, daß im zoologischen Garten zu .Hannover Tag für Tag eine Eichkake erschien und an dem ausfließenden, in Gärung übergegangene» Safte einer Eiche leckte. Hatte sie das einige Zeit lang getast so fing sie an, mit den Ohren zu zucken, mit dem Schwänze z» schnellen, zu fauchen und zu schnalzen, so daß es augenscheinlich war, daß sie sich in angeheitertem Zustande befand. Achnliche! Beobachtungen wurde» auch in Münster und Wernigerode gemacht.
* Mutterliebe bei den Spinnen. Einen eigenartigen Anblick kann eine Wiese gewähren zur Zeit, da die Spinnen ihre Nester um die Halme weben. Aul manchen Vorübergehenden hängt sich dann solch ein weißliches, rundliches, hohles Gespinst an. Dringt man in dieses zarte, kugelige Machwerk ein, so findet man den-Raum zum größten Teile leer. Es befinden sich darin nur die in einen kleinen, seidigen Cocon eingesponnenen Eier und außerdem als Wächterin die mütterliche Spinne. Der französische Forscher Lecaillon hat nun hübsche, kleine Experimente an- aestellt, die uns verraten haben, wie es um die Mutterliebe bei den Spinnen steht. Er machte zunächst die Beobachtung, daß die Spinne, sobald man die Wandung ihres Hauses verletzt, sofort mutig herbeieilt, um nachzuschen, was vor sich geht. Um gewissenhaft zu untersuchen, verläßt sie sogar mitunter an der defekten Stelle das Nest, entfernt sich aber nie weit, sondern kehrt gleich zurück und begibt sich an die Ausbesserung des Schadens. Das eigentliche Experiment Lecaillons bestand nun darin, daß er aus jedem Nest die wirkliche Mutter herausnahm und durch! die bei dieser Ausquartierung entstandene Oefsnung eine „Stiefmutter" hineinmarschieren ließ. Einer der beobachteten Fälle, der für alle charakteristisch ist, sei hier beschrieben: Die Stiefmutter drang ohne Zaudern in die fremde Behausung ein und übernahm sofort in lobenswerter Weise die Pflichten der Hausfrau, indem sie daran ging, die Oefsnung zuzuspinnen. Darin ließ man sie aber nicht gewähren, sondern setzte ihr jetzt die wahre Mutter sozusagen vor die Türschwelle. Diese wollte augenblicklich eindringen, machte aber, als sie ihr Nest schon von einer Fremden besetzt fand. Halt und nahm eine überaus drohende Stellung ein. Zum Zeichen ihres höchsten Zornes wackelte sie von links nach rechts und von rechts nach links, und bald entspann sich zwischen den beiden ein Kampf, der mit den Vorderbeinen ausgefochten wurde. Die „Stiefmutter" benahm sich bei diesem in der Türöffnung geführte» Kampf mehr ängstlich und abwehrend als angr'iffslustig, Ihr Hauptstreben war nicht, bei den „Stief'eiern" zu bleiben, sondern in wilder Flucht das Weite zu suchen. Mitten im Kampfe kam der wirklichen Mutter anscheinend ins Bewußtsein, daß vielleicht noch eine andere als die von der Rivalin besetzte Tür ins Innere des Hanfes führen möchte. Zweimal wandte sie sich darum von der Oefsnung fort, uni die Umgebung daraufhin zu prüfen. Beide Male glaubte die Stiefmutter bei dieser Gelegenheit den Augenblick zur Flucht gekommen. Aber beide Male kehrte die wirkliche Mutter zurück und trieb sie wieder ins Haus hinein. Erst beim dritten Mal glückte der Belagerten der Ausfall und sie jagte davon. Eine volle Viertelstunde hatte der Kampf gewährt. Die Mutter begab sich mm m iho Nest, kam aber, von löblicher Vorsicht getrieben, noch zweimal hinaus und schaute nach der Feindin ans. Dann verharrte sie drinnen fünf Minuten lang in völliger Bewegungslosigkeit und begab sich darauf au das Zu- spmnen der Oefsnung. Die Stiefmutter, die man nach diesem Vorfall mehrere Male auf das Nest setzte, wollte von diesem nichts mehr wissen und floh davon herunter, so schnell sw konnte.
uns die de- und wehmütige Bitte zuflüstern, welche Dingelstedt so schön wiedergibt in der Strophe:
Flehend mit geb roch neu Blicken Sagen deine Kinder mir: Mann, du darfst uns ja nicht pflücken, Denn wir sind die letzten hier. Gr.
Vermischtes.
* Bev ö l ke rün g s zu n ah m« und Sterblichkeit. Soeben veröffentlicht das Statistische Amt der Stadt MünHeN eine Bearbeitung des von ihm gesammelten Materials über die Bevölkerungsbewegung der deutschen Groß- und Mittelstädte im Jahre 1907. Es handelt sich 'um 86 deutsche Städte, darunter auch Wien und Zürich mit einer Einwohnerzahl von 17,3 Millionen. Als Hauptresultat ergab sich, daß Geburtenziffer und Sterbefälle sich auch weiter in derselben absteigenden Richtimg bewegen, wie schon seit 10—15 Jahren. Das Jahr 1907 brachte für beide den tiefsten Punkt, der bisher beobachtet werden konnte. 1893 betrug die Geburtenziffer 33 (auf je 1000 Einwohner, 1906 war sie 29,6 und 1907 fiel sie auf 28,5. Ebenso sank die Anzahl der Sterbefälle von 23,5 des Jahres 1893 auf 16,5 im Jahr 1907. Den Rückgang der Sterblichkeit bewirkte vor allem die bessere Fürsorge für die Neugeborenen und die Bekämpftmg der Lungentuberkulose.
* Amputationen bei Naturvölkern. In der Acadsmie de msdeeinö zu Paris hat kürzlich ein französischer Arzt vier altperuanische Vasen vorgelegt, deren Darstellungen für die Geschichte der Medizin von großem Interesse sind und wieder einmal zeigen, wie Errungenschaften der Neuzeit in ihren Anfängen schon vor tausend und mehr Jahren bei sogenannten unkultivierten Völkern vorhanden waren. Die Vasen wurden in Gräbern gesunden, die der Periode vor der Zeit des Inka-Reiches entstammen, und sind demgemäß als Spuren eines peruanischen „Ilrvolkes" anzusehen. Auf der ersten Base ist eine einseitige, auf der zweiten eine beiderseitige Augenkrankheit dargestellt; dort ist 'ein Äuge, hier sind beide völlig erblindet. Eine Vase aus schwarzer Terrakotta zeigt einen Menschen, dem die Nasenspitze und die Beine abgeschnitten find; die Stümpfe stehen in Kübeln; Die vierte Vase gibt im Hochrelief die Darstellung einer Person, der die Oberlippe so weggcschuitten ist, daß die Zähne sichtbar sind und deren Hals einen großen Abszeß, eine Art Tumor aufweist. In einigen Museen Amerikas, ferner im Trocadero zu Paris und im Berliner Museum für Völkerkunde befinden sich seit einigen Jahren peruanische Vasen Mit ähnlichen, doch nicht so deutlichen Krankheitsdarstellungen. Mediziner und Archäologen haben bisher um die Bedeutung gestritten: diese neuen Funde lösen infolge der Klarheit und Prägnanz des Dargestellten die Streitfrage: Nach Ansicht der Pariser Professoren Lnndouzy, Ker- Morgant und Malasfer handelt es sich! hier nicht, wie angenommen wurde, um Bestrafungen durch Abschneiden von Körperteilen (wie das im benachbarten Kolumbien zur Rechtspflege gehörte), sondern um richtige Amputationen an LeprakraNken. Die Theorie, daß die Lepra erst von den Spaniern Nach Südamerika sei ein» geführt Worden, fiele damit zusammen und die genannten Professoren weisen sie auch als gänzliche unbegründet ab.
* Die dreizehn Treueide des Tallehrand. Ein französischer Geschichtsschreiber hat sich das Vergnügen gemacht, eine genaue Liste der verschiedenen Treueide aufzustellen, die Tallehrand in seiner langen Laufbahn geleistet hat. Den ersten Eid legte er Clemens XIII. als Priester, den zweiten demselben Pabst als Bischof von Autun ab. 1789 leistete Tallehrand Ludwig XVI. den Treueid bei der Einberufung der Generalstaaten, dann dem König Und der Konstitution, 1795 dem Direktorium, 1796 demselben Direktorium als Minister des Auswärtigen; dann den drei Konsuln Bonaparte, Sieyes und Duoos, dann Napoleon als einzigem Konsul, dann Napoleon Bonaparte als Kaiser- 1814 ging er zu Ludwig XVIII. über, dem er im folgenden Jahre noch einmal den Treueid schwur; 1824 leistete er Karl X. den Eid, um schließlich 1830 den dreizehnten und letzten Treueid in die Hände Louis Philippes abzulegen.
* Bezechte Eichhörnchen. Nicht nur der Mensch, sondern auch viele Tiere 'haben eine Vorliebe für starke Getränke. Wenn einte Eiche blutet und ihr Saft durch das Hinzutreten gewisser Pilze in alkoholische Gärung übergeht, so kommen die Hirschkäfer von weit und breit angeslogen Und feiern mit 'solcher Ausdauer ein Gelage, daß sie oft dutzendweise völlig beduselt am Fuße des Baumes herumliegen. An blutenden Birken mit gärendem Safte findet man stets ganze Mengen von Trauermänteln, Hornissen, Fliegen und anderen Insekten, die durch ihr wenig schönes Benehmen erkennen lassen, daß ihnen die gefährliche Flüssig- kert das Unterscheidungsvermögen geraubt hat. Pferde und Hunde tzewöhnen sich bekanntlich sehr schnell an Alkohol; in einer von Studenten besuchten Gastwirtschaft in Münster in W. iuar ein kleiner Hund, der jeden Abend feinen Schwipps und jeden Morgen feitifitt Jammer hatte. Bei freilebenden Säugetieren sind der


