Ausgabe 
22.2.1909
 
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wiege Umschatt Alt Halteis. Nachbar Buchsinks natürlich cs war überhaupt eine leichtfertige Gesellschaft hatten bereits ci.it Rest voll Junge ausgebracht.

Nach langem hin und her einigte matt sich ans ein stark verästeltes, dicht verzweigtes Tannenbaumchen, das inmitten einer Lichtung stand. In wenigen Tagen war die Arbeit getan. Ein Meisterstück der Nestbanknnst aus haarfeinen Würzelchen, gut sundamentiert mit kreuzweise übereinander gelegten Stäbchen ans .dürrem Reisig.

Nichts von alle dem Lumpen- und Federwerk, womit ple­bejische Vogelsleute ihr Nest ausznstatten pflegen, sondern stil­gerecht NUS gleichem Baumaterial und. wie aus einem Guß

geformt.

Kaum waren vier Wochen ins Land gezogen', da hatte sich die kleine Familie nm fünf Köpfe vermehrt. Nun gabs für die beglückten Eltern Arbeit in Hülle und Fülle. Bour frühest

Morgen bis-zum späten Abend mußten sie unterwegs sein, um ihren schier unersättlichen Sprösslingen die Schnäbel zu stopfen. Weit hinaus über die Berge flogen sie und scherten sich den Kuckuck was. um die rot-weißen Grenzpfähle der Hessen, noch um den Dvmäueugrabeu des Herzogs vou Nassau, sondern nahmen das .Gute, wo sie's fanden.

Als sie wieder einmal von einer solchen Auslandreise zurück­kehrten und sich unter gegenseitigem vertrauten Locken ihrem Heime näherten, spitzte derVuilshenucr" von Lixseld gewaltig die Ohren: Aha, da war er. ja endlich, der Ton, auf den er so lange schon gelauert, dem zuliebe er so manchen Souutag- morgen das Gehege durchstreift hatte, ohne, eine Spur von Blut­sinken zu entdecken!

Behsttsam kroch er aus dem Dickicht hepvor, um den Gegen­stand seiner heißen Wünsche zu erspähen. Aber auch die beiden Vögel hatten ihn. bemerkt und instinktiv ihren Feind. erkannt. Scheu und mißtrauisch umkreisten sic in weiten.Bogen den Ort, wo sie ihr Liebstes in Gefahr wußten, verschwanden daun auf kurze Zeit, nur sich wieder von anderer Seite her zu nähern.

Aber den Builshenncr führten sie damit nicht irre. ' Gleich- snütig zündete er sich eine Pfeife an.

Däi.Spliß kenne vier schuuu laug," murmelte er belustigt, indes er sich einstweilen behaglich uiederließ.

Der Builshenncr trug seinen Spitznamen nicht zu Unrecht. Seine Erfahrung lehrte ihn, daß nur Geduld und Ausdauer in meient Fall zum Ziele führen konnten. Und richtig, die Elternliebe 6ec, Dompfaffen trug auch diesmal wieder über ihre Vorsicht den Sieg davon. Die besorgte Mutter vermochte schließ­lich den Gedanken au die harrenden Sperrmäuler nicht langer zu ertragen, vou Baum zu Baum slatterud, kani sic allmählich .Näher, um zuletzt pfeilschnell dem Neste zuzueilen.

Hunu aich mer's doch cnke gedoicht, daß se do driust stecke stiisse," meinte der Henner befriedigt. Dann sah er sich ein paarmal scharf nach allen Seiten um der Teufel trau dem Triugensteiuer Förster und pürschte sich am Rand des Ge­holzes . vorsichtig heran. Mit geübter Hand teilte er die Aeste auseinander, ein wohlgefälliges Schmunzelst um' den listigeu Mund, da er fich in seinen Erwartungen nicht getauscht fand. Ob die Dinger auch schonsperrten"? Behutsam tupste er mit dem Zeigefinger auf eins der flaumigen Köpfchen, und sofort streckte sich mit. Geschrill eilt weitgeöffnetes Schnäbelchen in die Höhe.

Groad rankst sein se, ito daun kommt mal her!" Noch einmal vergewisserte er sich durch einen Rundblick, ob auch die Lust rein sei, daun verschwand das Rest samt Inhalt in seinem vuntkarrierten SchnupMch, das er sorgfältig unterm Kittel ver- pqrg. Daß die alten Vögel mit kläglichem Geschrei den Kindesraub Zn verhindern suchten, störte ihn wenig.

. Eine Stunde später trat er in seine Stube. Die Koatrei war eben dabei, ihre sonntägliche Toilette zu machen. Ohne den Ankommenden .eines. Blickes zn würdigen, fuhr sie fort, vor ddnt schmalen, zwischen zwei Fenstern aufgchäugten Spiegel sich den im Laufe der Jahre immer dürftiger gewordenenSchnatz" aufzusteckeu.

. "No diou aaler Faulenzer," maulte sie,diou mißt daich wirrer de ganze Sunndoagmorje in de Hecke rimtreiwe, wenn anueru Leure in de Kirche giehst, dann pritschst diou Büilsuefler, c .iss cs unw e Schänd für oin ganz Haus, diou Meckes!"

Diese lange Begrüßungsrede verfehlte ihren Eindruck auf .den Henner vollständig.

Gnck.mol bäi," sagte er, hanre hunu aich oawer Glick gehockt," Wobei er seine Beute aus dem Tuche wickelte.

Koatrei musterte sie mit -einem giftigen Blick:Wer hott f'f unn Aerwct Sonnt, stich miß se doch wirrer

Nadel eingesteckt, zupfte das Büschel Vaaie aus dem Faniilienkamm, wickelte es einige Mal ganger und schob es in den Ofest. Dann öffnete sic das Dorfstraße "hiuan»®°acn das Waschwasser ans die ött~, d^as zou, die Lenre brauche staut ze hurrn, wirsch mC1- 11 ll Spektakel Hai hunu," befahl der Heilster itn= lie zurück,lueenste dautt, de Leure wißte uauh gvoas dion' Nrn Vuilsuarr seist? Aich sah» der, mit'dir niimuks entöl kec giout End!" . - s"

Damit verschwand siö in der Küche, die Tür heftig hinter sich zuschlageud. -Als sie nach einer Weile wieder zum Vorschein kam, ivar ihr Zorn soweit verraucht.

No, daun weiß entöl, woas de gesunne hast," näherte sie sich neugierig dem Tische.

Ein derartiger Wetterumschläg war dem Vinlshenuer nichts Neues:Wann se naut mich geschelle kahn, läßt se naut mich," pflegte.-er gewöhnlich mit Hinweis auf diese Charaktereigcnschaftz seiner ehelichen Hälfte zu sagen.

Hurtig, Aalas, koch emot e haart Ei, se hunu Hunger."

Hai hunu nichs schuuu." antwortete sie.

,,-Oach su," meinte er erfreut,diou wee-ßt's noch vom vierigü Joahr, wäis gemoicht wird."

Vom vicrtgeu Joahr," ahmte sie ihm recht breit nach,vom vicrige Joahr, als wenn aich ee Joahr bei dir gelabt hett, toit de fee Bloutfunke hcemgebwicht he st! Aich will auch nogucke, oab noch Roibsoanie deheeine iss, e miß eit halwe Doag ent Wasser läje."

Vielgescl ästig rannte sie hin und her.

lluterdesscu saß dev Builshenncr, den'Kopf auf die Hände gestützt, und dachte angestrengt darüber nach, welches Lied er den jungen.Finken vorpfeifen solle. Denn der Unterricht imißte wenn er gute Früchte zeitigen sollte, vom ersten Tage an aus- geuommen werden. Zuerst tlassenweife für alle fünf. Später, weint mit -Sicherheit das Geschlecht unterschieden werden konnte, begannen die Einzellektionen für die ausgewählten Schüler. Die übrigen wurden an Liebhaber zur Aus'bildnug verkauft. Ein Hauptspaß für beit Heuuer, wenn er einen dummen fand, der ihm' für Mikes Geld- ein Weibchen abnahm! Entrüsteten Rekla­mationen begegnete er später achselzuckend mit den Worten:Ja- po, jlädöee Mann, do steckt liien naut kirnt, woarts noch antot oab, veleicht gitt's doch noch e Mäuuche."

Koatrei," sagte jetzt,woas meenste, woas aichm fier Liebste peife soll:Der Jäger aus Kurpfalz," oawerHeinrich schlief bei seiner Neuvermählten" oawerEs wollt ein Müller früh aufstehn"?

Mas sein deiner Sache," entgegnete sie bescheiden,ze huch . diirfs «ei sei unn stach tret ge däif, e kurz, lustig Stickelche, doas hurru se gern."

Darauf entschied er. sich für denJäger aus Kurpfalz."' Von mut ab bekamen die Tierchen jedesmal, wenn ihnen das Futter- gemeuge mit dem Federkiel verabreicht wurde, dieses schöne als Tafelmusik zu hören.

DaS ging so fort, bis sie anfingen, von selbst die verstreuten! Körnchen vom Boden aufzupicken und endlich so weit gefördert waren, daß nuu noch jeden Morgen der Futteruapf gestillt zn werden, brauchte. Und nun galt es,'sich'für einen der Zöglinge zu entscheiden. Dabei waren die Vüilshenitcrs aber beinahe! uneinig geworden.

Koatrei hatte sich füv den entschieden, dessen Brust das hellste Rot zeigte, während Henne» den mit dem dicken Kopf behalten wolltetdenn do zieht woas eitie."Aich kenne mich Leure mit dicke Köpp, wu naut vill driuu iS/' erlaubte sich Koatrei zu bemerken. Mit boshafter Anspielung auf ihres Mannes Hutnumitter, die niemals in einem Laden vorrätig war.

, Ruure sein auch iiit immer vom! beste," gab er prompt zurück.

Nach einem weiteren, mit großer Heftigkeit geführten Wort- wechset. machte Henner Schluß der Debatte zugunsteu des Dick­kopfs. Koatrei rächte fich durch ein im Hiuausgehen noch hin- . geworfenes:Glaich unn glaich gefüllt saich gern."

Der dlusmosthlte führte nach gutem alten Brauch den Namen Häuschen" und zeichmtc sich vorläufig durch einen «gesegneten Appetit aus. Mouu er sich so recht satt gefressen hatte, erklomm! er die höchste Sitzstmige seines Käfigs, entleerte sich auf äußerst Manierliche Art, spreizte wohlgefällig sein Gefieder, so daß er einem blaßroten Federball glich und sägte:Pinn, piuu, Pips! Ouastk, quick!"

Hurrste?" machte daun der Heuuer aufmerksam',Koatrei hurrste itit, er icbt schuuu!" ,

llnd zu Häuschen gewendet:Schön Männchen, sein Hüus- cft.eu!" mit dein Vogel sprach er hochdeutschei, ein braves Männchen, jetzt gib aber auch mal hübsch acht!"

Dann stellte er sich in Positur und flötete den sigualartigen! Borpfiff" allegro rvn brio:1. 3< 5.8 5 3 1 ö 5. 5!" Kunstpause:Der Jäger aus Knr- psalz----

Tas wiederholte sich alle Tage. Morgens, mittags und abends und dazwischen noch etlichemal. Wenn der Hausherr auf Arbeit war, mußte Koatrei Hilfslehrerin spielen. Pseifen konnte sie wie tiit Mannskerl. .Anfangs war! Häuschen auch ein gelehriger Schüler.

. Aber eines schönen Tages hatte eil den Lpaß. satt. Statt ausmerksam sitzen zu bleiben, hüpfte er! während des Vortrags nach dem Takte des Liedes lustig auf und ab und bei der Stelle:

iJu, ja ju, ja lustig ist die Jägerei 1

Allhier auf grüner Heid" :,:

steigerte sich seine fröhliche Stimmung bis «zur Ausgelassenheit Dazwischen stürzte er! sich mit solcher Vehemenz auf das Trink- gefäß, als ob er mindestens feit 8 Tagen kein Tröpfchen Wässer iihljc zu sehen, gekriegt Wte.