Ausgabe 
21.10.1909
 
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hat tttitit am ausgesprochensten Bet den Insekten eilte bestimmte Fähigkeit des Nach-Hausefmbens beobachtet. ®te Ameiseriecht sich 'wahrscheinlich Nach ihrem Nest zurück", denn sie kann rings im Kreise herum weite Wanderungen nach "Nahrung unternehmen und wird hoch dann auf ungefähr demselben Wege stets wieder Nach Bent Nest zurückfinden. Bienen und Wespen können jedoch dis Spuren ihres Hinweges nicht verfolgen und kehren dennoch aus einer Entfernung von 36 englischen Meilen nach ihrem Stock zurück. Jedoch ist es wahrscheinlich, daß die Biene nur aus einer Richtung wieder Nach 'Haufe findet, in der zu fliegen sie sich bei ihrem täglichen Honigsamjmeln gewohnt hatte. Es besteht die Frage, ob auch der Mensch einen solchen Sinn besitzt oder be­sessen hat. Man weiß, daß besonders wilde und Primitive Menschen aus weiten Entfernungen z-u ihrem Lager zurückkehren können, durch ein Gebiet, das sie nur wenig kennen. Man muß an- nehmen, daß solche Menschen, deren Sinne durch den beständigen Verkehr mit der Natur geschärft sind, ganz geringfügige Merk­zeichen, wie z. B. das Moos an den Bäumen, als Führer be­nutzen. Mer daß der Mensch in unbekannter Gegend durch einen angeborenen Heimatssinn sich zurecht finde, ist nicht anzunehmen. Ein strikter Beweis für das Vorhandensein eines solchen Heim- iüstinktes ist auch bei den Brieftauben noch nicht erbracht worden; vielmehr 'werden diese Tiere durlch ein besonderes Training dazu ungehalten, sehr weite Luftgebiete kennen zu lernen, und in ihnen finden sie sich vermöge ihrer außerordentlichen Scharf- Und Weitsichtigkeit zurecht. Prof. Watson hat daher bei seinen Experimenten von Brieftauben völlig abgesehen und zwei Arten tropischer Vögel benutzt, um bei ihnen die Existenz eines be­sonderenHeimsinns" nachzuweisen. Auf einer kleinen Sand- utsel der Tortugas-Gruppe im Golf von Mexiko, Bird Key, haben zwei Mövenarteu, die dumme und die Ruß-Seeschwalbe, die in ihrer Größe von der Brieftaube nicht sehr verschieden sind, ihr Sommerheim aufgeschlagen. Während sie in den Herbst- "und Wintermonaten über den tropischen Gewässern des Karibischen Meeres schwärmen, erscheinen sie in den ersten Tagen des Mat hu 2530 000 auf Bird Key, bauen dort ihre Nester und legen thre Eier. Von hier aus gehen sie nicht weiter auf die Nah­rungssuche als höchstens 1518 engst Meilen nördlich, so daß das Land über diese Grenze hinaus den Vögeln völlig unbekanntes Gebiet ist. Nach dem Legen der Eier sind die Tiere sehr zu­traulich und lassen sich leicht fangen. Der Gelehrte bezeichnete tont solche gefangene Vögel mit breiten Strichen in verschiedenen Oelfarben, so daß er sie deutlich unterscheiden konnte. Am Nest wurde die Zeit, an der der Vogel weggeflogen, aufgezeichnet. VogÄpaare, bie in einer Entfernung von 20, 25, 66 und 180 dngl. Meilen ausgeschickt wurden, kehrten in bester Verfassung! zu ihren Nestern zurück. All diese Entfernungen lagen aber im Osten und Süden von Bird Key. Tann sandte aber Watson fünf bezeichnete Vögel nach Newhork, die dort am 16. Juni 1907 um 9 Uhr morgens abgelassen wurden. Am 21. Juni um halb 8 Uhr früh wurden zwei der bezeichneten Vögel in ihren Nestern Nefnnden. Die Insassen der anderen drei Nester hatten sich unterdessen neue Gefährten zugelegt und die zurückkehrenden Vögel fanden also ihr Heim besetzt. Zufällig konnte Watson wenige Tage später beobachten, daß auch ein dritter Bogel bei seinem' Nest erschienen war, aber sogleich darauf vertrieben wurde, und es W 'anzunehmen, daß auch die beiden andern Vögel zurüch- gekehrt sind. Die von ihnen zurückgelegte Entfernung beträgt in der Luftlinie 850 Meilen; doch werden die. Vögel wahrscheinlich den 1080 Meilen langen Weg an der Küste entlang genommen haben, da sie nachts nicht fliegen, nicht schwimmen, noch auf dem Wasser ruhen; zu dieser Strecke brauchten sie etwas weniger als sechs Tage. Zweifellos haben diese Tiere in einer völlig unbekannten Gegend ihren Weg nach Hause gefunden; bestimmte Sehzeichen" können ihnen also nicht als Wegweiser gedient haben. Es ist daher bei ihnen ein besonderer Heimsinn anzunehmeU, der vielleicht von einem sehr feinen Temperatur- und Tastgeftthl herrührt. _____

VeNttEehtes.

* Aus dem Lande des Alkohols. Heute ist Frank­reich das Land, in dem der Alkohol sein verderbliches Szepter mit der größten Gewalt führt. Tas zeigt das reiche statistische Material, das in einem Aufsatz derLectures pour Dons" zu- sammengestellt ist totb das lehrreiche Aufschlüsse gibt über die verderbliche Wirkung des zunehmenden Alkoholismus auf die nationale Wohlfahrt der französischen Nation. Vor kautn einem halben Jahrhundert zählte Frankreich Kn den Völkern, die durch ihre. Enthaltsamkeit vorbildlich waren: Während in den ger­manischen ^Ländern der Alkoholverbrauch pro Kopf der Bevöl- kerung zwischen 4 und 5 Litern schwankte und in 'Dänemark gar 6-8 Liter betrug, trank der Franzose int Jahr nicht mehr als 2 Liter. Heute hat sich Frankreich an die Spitze der Alkohol- trmker gestellt! Während in den skandinavischen Ländern die Ziffer des Alkoholverbrauches' auf 4 und 3 Liter zurückgegangen üK sw in Frankreich gestiegen, und wo der als fröhlicher Trmker berüchtigte Deutsche sich mit 10 Litern im Jahre be­gnügt, trmkt der Franzose jetzt 15. Noch vor 50 Jahren war in

Frankreich der Absinth' so gut wie unbekannt, bereits 1884 betrug der französischs Konsum 50 000 Hektoliter; 21 Jahre später, 1905, hat die Statistik bann: die beängstigende Feststellung Machen müssen, daß man jetzt in Frankreich jährlich rund 30 Millionen Liter Absinth verbraucht. Wo man noch 1875 auf 109 Einwohner einen Alkoholausschank zählte, verzeichnet inan heilte 34; den 5860 Ausschankstellen in London und 5740 in Chicago stellt Paris 30 000 Stellen entgegen, wo der Bevöl­kerung Alkohol verabreicht wird. Als Bertillon die Anzahl der größeren und kleineren Etablissements zusammenstellte, in denen in Frankreich Schnaps gebrannt und produziert wird, kant er auf die fast unglaublich klingende Zahl von 1 378 000. Inzwischen haben eifrige Statistiker neues Material gesammelt, das zeigt, wie in einzelnen Gegenden der.Alkoholverbrauch geradezu fabel­hafte Dimensionen angenommen hat. Der Deputierte Cazenenve hat kürzlich die mit Zahlen bewiesene .überraschende Mitteilung gemacht, daß in der kleinen Stadt Fougöres, die kaum 20 000 Einwohner zählt, im Jähre nicht weniger als 4240 Hektoliter! Branntwein verbraucht wurden, also mehr als 200 Liter Brannt­wein pro Kopf, Frauen und Kinder eingerechnet. Noch schlimmer aber sind die Enthüllungen, die eine Anzahl von Lehrern ge­macht haben. In einer Gemeindeschule von Paris, die vor- wiegenb von beit Kindern kleiner Angestellter und Arbeiter be­sucht wird, hielt der Lehrer eine Belehrung über Alkoholismus ab und fragte zum Schlüsse scherzend, ob einer seiner kleinen Zuhörer schon einmal wirklich Absinth " getrunken habe.Ja­wohl, Herr Lehrer," antwortete ein Knabe von weniger als zehn Jahren,bei meinem Onkel." Der Lehrer glaubte an eine Ausnahme, aber er wiederholt nun die Frage, und es stellt sich heraus, daß von beit 49 Schülern 30 mehrfach und oft Absinth getrunken hatten. Nicht viel günstiger war "das Resultat einer ähnlichen Nachfrage in Rouen, wo sich herausstellte, daß von 63 Schülern zwischen sechs und zehn Jähren nicht weniger als 24 täglich und regelmäßig Branntwein tranken. Das klassische! Land des Alkoholismus ist anscheinend die Normandie. Hier er­gaben die Recherchen, daß sogar die Jugend des zarten Geschlechtes mit fester Hand den Schnapsbecher schwingt. Bon hundert kleinen Mädchen pflegen 25 regelmäßig zu Hause mit den Eltern Brannt­wein und Likör zu trinken. Dr. Brunon hat auf seinen Studien­reisen beobachtet, wie ihn in vielen kleinen normannischen! Städten die Arbeiterfrauen ihren Kindern gewissermaßen als Beruhigung und Schlafmittel verabreichen; wenn die Frau mor­gens aU die Arbeit geht, gibt sie dem" in der Wiege liegenden! Kinde die Flasche in den Münd, in der ein Gemisch von Kaffee! und Branntwein enthalten ist. Unter der Einwirkung des Al­kohols fallen die kleinen Wesen alsbald in einen bleischweren! Schlaf, und die Mutter geht beruhigt an ihre Arbeit. Die Folgen dieser Kinderalkoholisierung haben sich bereits fühlbar gemacht; ehedem" stellte die Normandie dem französischen Heere die schönsten und größten Rekruten für die Kürassiere, jetzt hat man die Körpermaße für die Kürassiere aus Mangel art großen Leuten! herabgesetzt, und in normannischen Regimentern ist alkoholisches Zittern bei den jungen Leuten eilte nur allzu häufige Erschei­nung. Tie Wissenschaft hat die schwerwiegende Frage, wie weit der Alkoholismus in Krankheitsfällen die körperliche Widerstands­fähigkeit beeinträchtigt, mit besonderem Eifer untersucht: 'Dr. Tülamons Forschungen zeigen, daß die Sterbeziffer.bei Lungen- eützündnngen bei ben Nichtalkoholikern z. B. bis 5 Proz. beträgt, bei den Alkoholikern dagegen nicht weniger als 46 Proz. Und ähnlich, ja noch krasser liegen bie Verhältnisse bei der Tuber-i kn'lose, wo die Alkoholiker nicht weniger als 80 Proz. der Kranken­schar umfassen. Auch hier wird die Wechselwirkung zwischen dem § steigerten Alkoholkonsum und der Zahl der Opfer der Lungen-

wiudsucht offenbar: in der Tat fallen in Frankreich am meisten enschen durch Tuberkulose dem Tode anheim, jährlich zweimal- jmnderttausend .Menschen!

Geographisches Deltarätsel.

In bie Felder nebenstehender Figur sinb bie Buchstaben a a a a --------------aaaccdeeeefghhilll Imnnoörsssuuuw derart einzutragen, daß die erste senkrechte ________ ,___Reihe den Namen einer russischen Stadt bezeichnet und die wagerechte ---Reihen folgendes ergeben:

1. deutscher Fluß, --2. Insel,

3. dalmatische Stadt,

4. deutscher Fluß, __ 5. Stadt am Rhein,

6. bayerische Stadt,

7. Städtchen in der Nähe von

Landshut,

8. ein Vokal. "Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nuinmerk Sauerland Ceder Huelva Echternach Fichte Fenek Eisack Lanze. Scheffel, Ekkehard.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.