Reihenfolge wieder aus, die Opuntien von 4000 Meter abwärts', weiter unten Agaven, imb man gelangt ans der Zone ohne allen Ackerbau über, die der Kartoffeln! und der Oca langsam in diejenige der Gerste, dann des Weizens intb des Maises. Geschlossene Dörfer gibt cs auch hier nicht, sondern nur zerstreute Hänser- gruppen mit ziemlich starker Einwohnerzahl.
Auf einer guten, vor kurzem verbreiterten Brücke überschreitet dnan den in Felsen cingeschnittenen wasserreichen Fluß Santa Und tritt in die Stadt Huaräz ein. Sie liegt auf dem rechten Ufer desselben in einem ziemlich Weiten Tala überaus malerisch zwischen der Cordillera Blanca und- Cordtllera Negra. Huaräz Ivar schon zur Jncazeit einer der Mittelpunkte des Reiches dieser merkwürdigen Herrscher, aber die damalige Stadt lag etwas oberhalb der jetzigen. Ein anscheinend in Stufenform angelegtes Gebäude auf dem Hügel Puma Callän, eine große Menge jetzt in dem Pflaster der Stadt Und au der Mauer des alten Kirchhofs verwendeter, wohl behauener Steine und ein seinem Zweck nach unsicheres Gebäude nahe der neuen Brücke über dem Nebenfluß des Santa, Quileay, beweisen das; zudem wurde vor einigen Jahren' eine alte Tcmpcl- stätte gesunden, die reiche Ausbeute an goldenen Gegenständen lieferte. Wahrscheinlich war Huaräz eine wichtige Station zur Verbindung von Cuzeo mit Cajamarca, wenn auch die alte Hauptstraße östlich von der Stadt lief.
Die Spanier haben dann eine neue Stadt gebaut, deren Straßen aber ganz besonders schmal ausgefallen sind. Man behauptet, die Stadt sei deshalb Tb eng gebaut worden, weil der kalte, am Nachmittag von den Schneebergen hcrabkomtnende Wind möglichst abgehälten werden sollte. In der Tat aber bläst er durch die engen Gassen, deren Breite nur 4 Meter beträgt, mit schneidender Kälte und großer Gewalt, und auch über den geräumigen Haupt- Platz der Stadt fegt er zuweilen in äußerst' lästiger Weise. Ta Huaräz unter 91/»0 der Breite liegt, so ist die Sonne am Tage sehr warm, aber früh und abends tritt, besonders in den Monaten der Trockenzeit, Mai bis Oktober, starke Abkühlung ein, da sich dann die erhebliche Höhe von 3000 Meter geltend macht. Tas 'Klima von Huaräz ist daher extrem, würde aber, wie das der Sierra überhaupt, gesund sein, wenn größere Reinlichkeit herrschte. Leider ist das nicht der Fall. Während der Regenzeit, November bis April, spülen freilich die starken Regengüsse der Nachmittage und Abende den Schmutz rasch abwärts zum Flusse, aber in der Trockenzeit geschieht zur Reinigung der Stadt so gut wie nichts Und es ist daher nicht zu verwundern, daß Typhusfälle häufig sind. Außerdem grassieren Lungenentzündungen und Katarrhe, des Mends und früh bedient man sich des Mantels, da die Temperatur Ende Juni und Anfang Juli auf 3 Grad sinkt, ja man will sogar gelegentlich auf den Pfützen .Eisbildung beobachtet haben und vor etwa 30 Jähren soll es sogar einmal geichncit haben.
Ocsfentliche Gebäude von einiger Ansehnlichkeit fehlen völlig. Wie im allgemeinen seitens der Regierung der Republik für die Sierra wenig geschieht, so hat auch Huaräz unter dieser Vernachlässigung zu leiden und überdies tut die Stadtverwaltung^ so gut wie nichts zur Verbesserung der herrschenden Zustände. Die Hauptkirche ist äußerlich eine Ruine, nur halb mit «tuck beworfen und nur mit einem halben Turm ausgestattet, auf den: Hanptplätz liegt ein großer Schutthaufen, von dem ein geringer Teil schon genügen würde, ein großes Loch auszusüllen, in das neu Angekommcne leicht versinken können. Die an der Nordsette des Platzes früher stehende Kaserne ist halb abgebrochen und in diesem Zustand belassen worden, weil es an Geld fehlt, an ihrer Stelle das Regiernngsgebäude zu erbauen. Dieses befindet sich setzt auf der Plaza de Beten, die zugleich auch die Wanze und das .Hospital enthält. Dieses ist gut eingerichtet, von französischen Schwestern geleitet, denen auch eine deutsche Schwester aus Offenburg in Baden in der Bedienung der Apotheke zur Seite steht. Außer dieser privaten gibt es nicht weniger als vier öffentliche Apotheken in Huaräz. Im übrigen sind erwähnenswert das Gerichtsgebäude, ein kleines, von einem' Privatmann gestiftetes Theater von sehr primitiven Räumen,, in denen gelegentlich eine italienische Truppe spielt, eure zweite Kirche, der neue Kkrchhof südlich der Stadt, der alte Kirchhof nahe dem Finne und die sehr hübsch gebaute Schule, eine Art Seminar, das beste Gebäude der Stadt an der Alameda. Diese ist eine vierfache Bnnmreihe, die ganz um die Stadt geführt werden soll, und eine höchst großartige Aussicht aus die Schneeberge bietet.
Die Häuser sind int allgemeinen sehr schlecht gehalten; an der Plaza und in einigen Straßen sind sie zweistöckig, un übrigen fast überall einstöckig. Während aber in anderen suLamerikanischeN Städten das Innere! mit seinen hübschen offenen Höfen, auf welche die Zimmer sich öffnen', für den geringen Schmuck der Außenseiten entschädigt, ist das in Huaräz nicht der Fall; nur zehr wenige Häuser haben schöne Höfe. Meist finden sich in den Hnnpt- straßcN in den unteren Stockwerken Läden, in den oberen Wohnungen, und die Läden sind zumteil nicht übel ausgestattet. Vorteilhaft ist gegenüber anderen Orten der Sierra, daß alle Häuser mit Ziegeln gedeckt sind, Strohdächer fast ganz fehlen.
Tie Bevölkerung besteht zum' größten Teil aus den genannten Mischlingen, Chölos, und das Straßenbild wird durch sie beherrscht Sonntag vormittags strömen ferner die auswärts wohnenden Cholos massenweise in die Stadt, uM zur Kirche zu gehen und einzukausen; am Nachmittag Pflegen sie dann nach reichlichem Genuß des aus dem Mais bereiteten berauschenden Chicha hctm-
669 —
wärts zu stolpern, wobei das weibliche Geschlecht dem männlichen häufig wenig nachgibt. Tie Tracht ist die oben beschriebene, aber wegen der verschiedenen Farben der Kleider der weiblichen Bevölkerung doch mannigfaltiger als man denken sollte. Ferner sieht man Maultiertreiber mit ihren langen Warenzügen, gelegentlich auch reine Indianer, dagegen so gut wie keine Neger; cs gibt nur ganz wenige Exemplare dieser Rasse in der Stadt. Dia besseren Klassen sind Peruaner spanischer Herkunft, Äauf- keuts und Beamte, Handwerker, Gastivirte; die Zahl der kleinen SchnaPÄädeu ist sehr groß, auch bestehen zwei Gasthöfe, das anscheinend »zurückgehende Hotel de cl Comereio mit geräumigen Zimmern, aber schlechter Bedienung und schmutzigem Restaurant, und das anftömmende Hotel Italia mit kleineren Zimmern, aber besserem! Restaurant und besserer Bedienung.
Unter den Fremden sind die Chinesen am zahlreichsten, Inschriften über den Läden, wie Tac Bcng und Weng Chang nicht selten; sie sind aber, wie überall, äußerst unbeliebt. Italiener! und Dalmatiner mit Namensendungen auf i, o, ie finden sich ebenfalls reichlich, neuerdings aber hat das deutsche Element zugenommen. Vor l'/z Jahren gab es nur einen Teutschen, den Pächter der an 25 000 Schafe und viele Rinder zählenden größten Vieh-Hacienda lltcuhacu, Felix Pohl ans Königsberg, der jetzt auch eine Sodawasserfabrik errichtet hat. Aber seit Anfang 1908 besteht ein deutsches Geschäftshaus, Lodtmann u. Weißflog, mit vier Deutschen, seit Mitte 19Ö9 ein zweites, E. Goedeke. Dazu kommen jetzt zwei zugereiste Deutsche niederen Standes, vorübergehend Meine Person und endlich zwei Lehrer des Seminars, Schweizer, darunter der neu angelangte Direktor, Greulich, beides Deutsch- Schweizer. Infolgedessen hat der deutsche Einfluß sehr znge- uommen und es wird an die Errichtung eines deutschen Konsulats gedacht. Tie Firma Lodtmann u. Weißflog hat eine Niederlage von Dynamit außerhalb der Stadt in ihrer Chacra, d. h. Landgut und Garten, einem reizenden Plätzchen, in dem gleichzeitig ganze Hecken weißer und roter Rosen, ferner GcranicN, Pfirsiche, Apfelbäume, Zitronen und Kakteen in Blüte stehen. Daneben ist eine Cuknlyptus-Pfianzung angelegt worden und hohe Erlen und Capnli, die wilden Kirschbäume beschatten Weizen-- und Lnzcrncfeldcr. Angepflanzt finden sich ferner in Huaräz Araucarien und Tannen, wenn auch nur vereinzelt.
Neberhauvt ist die Vegetation nm die Stadt ziemlich frisch, wo Wasser fließt, und dieses kommt reichlich von der Cordillera Blanca herab, besonders durch den Fluß Quileay, über den drei Brücken führen. So ist der Blick von den Bergen ans die Stadt recht lieblich. Bor allem aber bieten die hohen' Schnee- berge immer wieder von neuem den größten Reiz dar: sie sind von der Plaza, von der Alameda, ton den oberen Stockwerken der Häuser der Stadt überall sichtbar und gewähren dem Tal einen äußerst imposanten Hintergrund. Man kann den Fuß dieser Kette über Geröllfelder, die den alten Gletschern entstammen, in etwa drei Stunden erreichen, braucht aber daim noch mindestens vier, um an den Schnee zu gelangen. Tarübcr eist andermal. ____________
Wie die Ciere nach hause finden.
Seit langem beschäftigt die Naturgeschichte die Frage, ob die Tiere einen besonderen Sinn haben, der sie befähigt, ihren! Weg nach Hanse zu finden. Tie Tatsache, das; Tiere aus weiten Entfernungen nackt ihrem Ausgangspunkt zurückkehren, ist ja durch viele Beispiele erwiesen; aber das wissenschaftliche Problem liegt darin, ob der Weg, den sie zurücklegen-, ihnen vorher bekannt seist muß. Zu diesem Thema nimmt der Professor für vergleichende! und experimentelle Psychologie an der Johns Hopkins-Universität, John B. Watson, in einem Aufsatz von Harpers Magazine! Stellung und teilt dabei überraschende Resultate mit, die er bei seinen aanz neuartigen Experimenten gewonnen hat. Unter den Tieren-, denen ein besonderer Heimatssinn zngeschrieben wird, zeichnen sich vor allem die Vögel aus, die in einem glücklichen Heim leben und daher ängstlich darauf bedacht sind, zu ihrem! Nest, ihren Jungen oder ihren Eiern zurückzukehren. Alle Wandervögel, wie die Wanderdrossel, die Wildgänse, Blan- kehlchcn usw. müssen einen solchen Instinkt besitzen. Doch sind bis jetzt die hauptsächlichsten Experimente mit Brieftauben gemacht worden, die int Krieg, im Sport und in der Wissen,chaft vielfach Berwendung gesunden haben. Ein anderer Vogel, der einen solch ausgeprägten Heimatinstinkt besitzt, ist der groye Fregattvogel, der wahrscheinlich von gewissen ozeannchen Stämmen jahrhundertelang zum Ucberbringen von Botschaften benutzt wurde. Dieser sehr starke und hochfliegcnde Vogel, der zudem tagelang ohne Nahrung bleiben kann, ist fähig, die weitesten strecken über den Ozean zurückzulegen. Bei den Säugetieren gibt es einige gutbeglaubigte Fälle, in denen Hunde und Katzen ans Entfernungen von 3—50 englischen Meilen nach Hause zurückgekehrt find. Ter große französische Naturforscher Fabre erzählt von zwei erwachsenen männlichen Katzen, die nach einem drei Meilen entferntest Haus in einer ihnen völlig fremden Nachbarschaft gebracht wurden, und. Nachdem fie zwei Wochen.auf das Beste verpflegt worden waren, doch unverzüglich und in möglichst grader Lime nach ihrem srühereN Heim zurüchkehrteN, als man sie Tret ließ. , Tas eine Tier durchschwamm einen Fluh, obwohl es bei einem geringen Umweg eine Brücke hätte benutzen können. NaM den Vögeln


