Ausgabe 
21.8.1909
 
Einzelbild herunterladen

520

Dann reitet mein Kaiser Wohl über mein Grab, Viel Schwerter klirren und blitzen:

Dann steig' ich gewaffnet hervor aus dem Grab, Ten Kaiser, den Kaiser zu schützen!" . . .

Aus dem Cimetiere Mont Martre aber, draußen im Norden dicht unter Sacre Coeur, den weißgtänzendem Dom, der auf hoher Warte die gewaltige Weltstadt überragt, dicht bei Mouliu rouge, bei Mouliu de la Galetta, wo das galante Paris seine tollen, schönheitsdurstigen Sommernachtsfeste feiert, dicht bei Cigale, Ciel und l'Euser, der Urheimat übermütig geistsprudelnder Kabaretts da träumen die Jüngerinnen und Jünger des Dichters an seinem Grabe. Seiner gedenken sie von ganzem Herzen, tooit ganzer Seele und von ganzem Gemüte.

Und die blonde deutsche Baronin schluchzt. Und die schöne Mexikanerin und die glutäugige Italienerin neben ihr können sich auch kaum halten vor Tränen. Die niedlichen kleinen schmach­tenden deutschen Backfifchchen möchten seufzendfür ihr Leben gern sterben" für ihren Dichter. Und der sinnende junge Poet macht sich schon lange verdächtigerweise mit seinem Taschentuche zu schaffen. Der schlampige alte Münchener, Maler aber möchte so gerne spotten, kriegt es aber doch nicht übers Herz: lieber schämt er sich ein bißchen, daß er in gar so schäbigem Habit zu seinem Dichter kam. Nur die bleiche, greise hoheitsvolle Fürstin zuckt kaum mit den Wimpern; gefeit scheint sie von allem Leid.

Und sie alle schauen empor zu ihm, der so wundersame Macht hatte über den Spott und die Träne.

Und wenn er selber niedersehen könnte von da droben auf die Weinenden dort unten, wenn ers selber sähe, wie ein Kranz schöner Frauen und lieblicher Mädchen seiner gedenkt an seinem Grabe aus fremder Erde in weihvollemEcce quomode moritur" sicher, so würde er spotten, sicher bitter spotten und dann noch einmal beißend spotten. Aber damr käme ihm doch eine Träne. Und von seinen Lippen klänge es leise:

Ich hatte einst ein schönes Vaterland!" . . .

vermischtes.

* Eine Expedition längs der chinesischen Mauer. Der englische Geograph William Edgar Geil, der auf seiner langen Forschungsreise längs der Grenzen des chinesischen Reiches vor kurzem auch die aussehenerregende Entdeckung cineS der Forschung bislang unbekannten Zwergvolkes gemacht hat, gibt jetzt in Harpers Magazine eine fesselnde Schilderung seiner wichtigen Expedition. Als erster Europäer hat er sich das Ziel gesetzt, die berühmte große Mauer, die das chinesische Reich von der Welt abschließt, in ihrer ganzen Ausdehnung zu verfolgen. Dem kühnen Plane gingen mannigfache. Studien im Innern voraus, ehe der Forscher im Mai 1908 die Expedition endgültig antrat. Zwei englische Meilen abseits der kleinen Stadt Schanhaikwau steht, dicht am Meeresnfer, der uralte Denkstein, der den Beginn der gewaltigen Mauer markiert, mtb die Inschrift trägt:Der Himmel schuf das Meer und die Berge". Hier begann vor 2100 Jahren das gewaltige Werk, das unter der Regierung des Kaisers Tschiir,des einzig ersten", mit Hilfe einer Arbeiterarmee von mehr als 3 0 0 0 0 0 Menschen unter gewaltigen Anstrengungen zu Ende geführt wurde. Durch kahle Ebenen, über unwirtliche Hügelrücken und dann weit hinauf über die zackigen Firne fast unzugänglicher Bergriesen zieht sich die riesige Mauer in endlosen Windungen westwärts, durchschneidet Täler und Schluchten, wendet sich dann zum Süden, um schließlich nach Osten wieder dem Meere zuzustreben,' das sie bei Kiayükwan wieder erreicht, bei einem zweiten Denkstein, in dem die Worte eingegraben sind: Die kriegerische Schutzwehr Aller unter dein Himmel". Schon kurz nach dem Aufbruch von Schanhaikwau türmten sich der Ex­pedition die ersten Schwierigkeiten entgegen. Die große Mauer verliert sich in zerklüfteten Bergeshöhen, die mit dem Maulesel kaum zu erreichen sind: in unzugänglicher menschenleerer Gegend teilt sich der Wald in der Form eines großen Y; der eine Arm wendet sich in die Richtung nach Kalgan, der andere südwestlich auf Nanku. Es war unmöglich, von den Eingeborenen genaue Angaben darüber zu erlangen, wo diese Gabelung eintrat.Mehr als einmal wurden >vir irregeleitet; wir folgten eingeborenen! Führern, die die Stelle kennen wollten, unternahmen mühselige Aufstiege und genossen prachtvolle landschaftliche Fernblicke, aber alle Karten erwiesen sich als unzuverlässig und die Chinesen selbst wußten die Stelle nicht zu finden. Bei der Fortsetzung der Aufstiege stießen wir auf große Strecken der großen Mauer, die völlig intakt sind und in ihrer klassischen Formenreinheit an alt- griechische Bauten gemahnen." Eine Fülle interessanter Beobach­tungen ergaben sich für den Naturforscher und den Geologen. Die großen abgegrenzten Bezirke, die Grabstätten des herrschen­den Kaiserhauses liegen unmittelbar an der großen Mauer. Die Priester haben einen entzückenden Ort alsglückbringend" be­zeichnet, Trauertannen wachsen hier und jeden, der die heiligen Bäume berührt, trifft der Tod durch Erdrosselung.Hier tvird

auch in einem prachtvollen Grabpalast die verstorbene Kaiserin- Mutter beigesetzt. Wir beobachteten eine Fülle von wilden Tieren und zum erstenmal sahen wir in China auch Schlangen."Immer von neuem muß das Erstaunen erwachen, tvenn man sieht, zu welch schwindelnden unwirtlichen Bergeshöhcn die Arbeit längst verblichener Generationen den mächtigen Mauerzug emporführen konnte. Oft mußten wir uns an Seilen emporziehen oder zu Fuß, angeklammert an den Schwanz der Maultiere, uns empor- arbeiten, da es unmöglich war, int Sattel zu bleiben. Und hier haben früher die Arbeiter die gewaltigen Massen von Stein und Mörtel emporgeschleppt und das Bauwerk getürmt, das Jahr­tausenden getrotzt hat." Gegenden wurden durchzogen, die noch nie ein Europäer betreten hatte, wo die armen Landleute staunend herbeieilten, nm diese nie gesehenen fremden Menschen anzu- starren; Gebiete gekreuzt, wo abgeschlossene einsame Gebirgs­stämme Hausen.In einer Höhe von 3500 Fuß erreichten wir einen kleinen Bergweiler, der den NamenDistelschlucht" führt. Es waren harmlose, streng religiöse Leute, die uns gastlich aus- nahmcn und anstaunten; längs der Mauer sahen wir alte Türnie und Tempel. Hier sind es Vögel, die von den Bergbewohnern! als ihre Schützlinge betrachtet werden; nach dem Volksglauben Vögel, die einst an einem Morgen den Schlaf des Kaisers störten. Da verbannte der Kaiser alle Vögel auf eine Meile aus dem Umkreis von Peking. Die Vögel aber, so raunt noch heute das Volk, gehorchten dem Sohne des Himmels, und achten noch heute den Befehl. Die große Maner durchzieht Regionen, die heute nur spärlich bevölkert sind, aber einst die Wohnstätten mächtiger Stämme waren. Je nach Lage der Steinverhältnisse wechselt das Bau­material, aber durchschnittlich bleibt die Maner zwanzig Fuß hoch und breit genug, daß drei bis sechs Reiter ans ihr dahiu- traben können. Die gewaltige Menge gemauerter Massen, auf die wir herabblickteu, zieht sich endlos tveiter >vie der Körper einer märchenhaften Schlange, die einst durch einen riesigen Feind gefällt wurde. Und doch, trotz des kriegerischen Aussehens und der wnchtigen Machtfülle, die aus ihren Formen spricht, ward sie einstmals errichtet, nicht mit die Kriegswut zu fördern, sondern um sie zu brechen. Sie wurde aufgeführt, nm den Frieden zu erhalten, nm das reiche Südland gegen die räuberischen Mongolen zu schütze», und als ein Friedenswerk ragt sic hinüber in die modernen Zeiten."

* Amerikanischer KleiderluxuS". In dem be­kannten Ehescheidungsprozeß des Multimillionärs Gould erhielt Europa einen Begriff von der Verschwendung in Kleidern, die man in Amerika treibt. Die Kleiderrechnungen Miß Moulds stellten alles in Schatten, was von de» Schönen in Paris oder London auf diesem Gebiete geleistet wird. Cleveland Moffett, ein eifriger Apostel der einfachen Lebensweise, was drüben so viel heißt, wie eine Lebensweise.ohne allzu große Verschwendung, hat auf Grund von Rechnungen und Geschäftsbüchern, die ihm von den bedeutendsten Modehäusern' Newports jedenfalls int Interesse einer billigen Reklame vorgelegt worden sind, in­teressante Resultate ausgerechnet. Nach Moffett gaben 6000 Damen der Newyorker Gesellschaft und der Newporter Halbwelt jährlich mehr als 150 Millionen Mark für Garderobe aus. Der Spitzen- schmuck der Gattin des bekannten Milliardärs Mackatz kostete an­nähernd 100 000 Mark, der Wert der fertigen Kostüme belief sich auf 200 000 Mark. Ebensoviel kostete die Wäscheausstattung von Miß Louise Morgan. Wie amerikanische Zeitungen nieteten, soll ihr Hochzeitskleid das hübsche. .Sümmchen von 20 000 Mark gekostet haben. Dollarprinzessinnen der 5. Avenue Newyörksl tragen Pelzmäntel im Werte bis zu 25 000 Mark und die Schueider- rechnung, die nach Jahresschluß eine der ersten Firmen einer guten Kundin übersandte, wies als Gesamtsumme 140 000 Mark auf, bestehend aus sotgendcn Einzelheiten: Pelzwerk 18 000 Mark, Besuchstoiletten 18090 Mark, große Ball- und Opern-Toilctten 28 000 Mark, Abendmäntel 1000 Mark, Spezialklcider 11000 Mark, Automobilkostüme 7000 Mark der Rest der «Summe ging für Hüte, Handschuhe usw. auf.

* Der Unteroffizier.Wann ich sag': Beine weg!" müssen die Beine schon weg sein, ehe ich noch das k ausgesprochen hab'."

* 'Ent rüst et. Gast:Hören Sie mal, Kellner, das Beef­steak hier ist mindestens vier Wochen alt!" Kellner:Ich bitte recht sehr noch keine acht Tage!"

Ergättzuttgsrätsel.

D.. W..r..i. z. i.. ..i.l;

D.. W.. r.. i. . r.. n. ei.. v. e.;

D.. W..r..i. z. .a.e., i.. ...w.r;

D.. W..r..i. .r..a.e., i.. .e.r! Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung des magischen Dreiecks in voriger Nummer: BEGAS E S A U GAS A U 8

Redaktion: I. V.: E. Heß. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Biich- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.