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einsam wiö der Dichter. Und hinter ihr ein schlampiger, Mer Münchener Maser und ein sinnender junger Poet. Und niedliche Backfische eben noch fröhlich schwitzend von zarten', kleinen, süßen Geheimnissen, unbekümmert darum, daß sie weilten auf heiligem! Land. Und sie alle, diese bunte Gesellschaft, schauen empor zu! Les Dichters Bild.
In weißem Marmor (seit acht Jahren erst, seit 1901, ward ihm eirt würdiges Mal) blickt von hohem Sockel die Büste des gealterten Dichters auf seine Gäste herab — mit diesen schwermütigen, tiefschmerzlichen, fast zynisch bitteren Zügen. Ein Krantz marmorner weißer Rosen unter dem Bild. Und dahinter eine Harfe. Unter der Büste aber in goldenen Lettern die Worte:
„Dem Andenken Heines das freisinnige Wien."
Die Wiener Juden also mußtens sein, die ihm 45 Jahre Nach seinem Tode ein Teilchen schuldigen Dankes zollten? Ihrer einsamen Kaiserin nachstrebend, der Mutter eines Rudolf, die fern im Mittelmeer, in Korfu', ihrem Dichter das Denkmal schuf, das ihm die Heimat engherzig versagte.
Unter der Widmung der Wiener Juden aber am Sockel die ergreifenden prophetischen Worte des Dichters:
„Wo wird einst des Wandermüden.
Letzte Ruhestätte fein?
Unter Palmen in dem Süden, Unter Linden an dem Rhein? Werd' ich wo in einer Wüste Gingescharrt von fremder Hand? Oder ruh' ich an der Küste Eines Meeres in dem Sand? Immerhin! Mich wird- umgeben Gottes Himmel, dort wie hier, Und als Totenlampen schweben Nachts die Sterne über mir."
An seinem Grabe aber gedenken die Jüngerinnen und Jünger des Dichters träumend seiner von ganzem Herzen! und von ganzer Seele.
Träumend an der Stätte seiner Leiden, seiner Verbannung, seiner „Matratzengrust" (wie er selber sein Schmerzenslager fünf Jahre vor seinem Tode in der Einleitung zum „Romanzero" Nennt) von Heinrich Heine, dem genialsten, dem zartsinnigsten! Barden deutscher Zunge, dem Juden, geboren am sonnigen Rhein, fm katholischen Düsseldorf, UM die Jahrhundertwende zur Zeit tiefer Schmach seines Vaterlandes, in der Aera des gewaltigen Korsen, und gestorben zu Paris nach langen Jahren schweren .Siechtums.
Er, der Sänger vom sonnigen Rhein. Unsterblichkeit verlieh er dem kahlen Fels mit seinem schwermütigen, schmiegsamen' Lurleh-Liede. Wer kanns je vergessen, dieses Singen! und Summen aus tausend sangesfreudigen rheinländischen Kehlen, der nür ein einziges Mal an schönem SomMerabend den Strom bei St. Goar hinuntersuhr? Salbst ein alter Bankee grunzte mit; er „sang" wohl znM erstdn Male im Leben. Millionen habens schon gesungen, das schlichte Lied mit der wundersamen Melodei, Und Millionen werden es noch singen. Was braucht ein solcher Dichter Noch ein kaltes Denkmal von Stein?
Der zarteste der deutschen Barden, der stolz bekennen durfte: „Mein Herz gleicht ganz dem Meere, Hat Ebb' und Sturm und Flut Und manche schöne Perle In seiner Tiefe ruht."
Und der innigste, wenn! er schwärmt:
„Andre beten zur Madonne, Andre auch zu Paul und Peter, Ich jedoch, ich will nur beten Nur zu dir, du schöne Sonne." Krank an der ewigen Sehnsucht, die das Weltall durchweht, wenn er beichtet:
„Ehemals glaubt ich, alle Küsse, Die ein Weib uns gibt und nimmt. Seien uns durch Schicksalsschlüsse Schon urzeitlich vorbestimmt. Küsse nahm ich, und ich küßte So mit Ernst in jener Zeit, Als ob ich erfüllen müßte Taten der Notwendigkeit.
Jetzo weiß ich: überflüssig. Wie so manches, ist der Kuß, Und mit leichternt Sinn« küß ich Glaubenslos im Ueberfluß."
1 Mn Mensch, ein heißer, leidenschaftlich empfindender Mensch. Nichts menschliches wär ihm fremd. Aber rin ehrlicher Mensch,
ehrlich wie Roüsseaü. Nur allzu offen hat er feine Sünden, bekannt, ein großer Tröster und ein mutiger Vorkämpfer freier Menschlichkeit.
Ein Jude. Als fein eigener, reichbemittelter Oheim Samuel Heine das stolze Krankenhaus stiftete, das noch heute den Ham- kürger Vorort St. Pauli ziert, schrieb der oft darbende Neffe, ein schlechter Kaufmann und ein noch schlechterer Jurist, zur Eröffnung die bitteren Worte:
„Ein Hospital für arm« kranke Juden,
Für Menschenkinder, welche dreifach elend, Behaftet mit den bösen drei Gebresten:
Mit Armut, Körperschmerz und Judentum."
Und die ganze Ahasver-Natur, die Verbitterung eines geknechteten,^ verachteten Volkes schrie aus diesen kürzen Zeilen.
Heinrich Heine, geboren int katholischen Düsseldorf. Die ganze sinnliche Pracht der römischen Kirche wirkte mächtig aus sein empfängliches Gemüt. Wohl spottet er in der ergreifenden „Wallfahrt von Kevlaar" über den blinden Wunderglauben der Wallfahrer. Und doch reißt er sich selber fort mit dem Aufschrei der treuen Mutter beim Tode des heißgeliebten' Sohnes:
„Gelobt seist du, Marie!"
Und wie des Glaubens, so spottet er auch der Liebe t— er, der ewig Liebende, der doch nicht atmen konnte ohne ihren Maienzauber:
„Königin Marie, die Vierte, Meines Herzens, höre jetzt: Manche, die vor dir regierte Wurde schmählich abgesetzt!"
Im „Asra" aber stirbt der fremde Sklave vor verzehrend«? Sehnsucht nach der schönen Sultanstochter. Und der Dichter schließt wuchtig:
„Und mein Stamm sind jene Asra, Welche sterben, wenn sie lieben!"
„Asra" aber ist persisch ünd bedeutet „Esel".
Oder er beschwert sich launig bei den Stadttoren der geheimnisvollen großen Stadt (Köln) über die ungenügende Verwahrung seines Liebchens und endet mit dem graziösen Wortspiel: „Die Tore jedoch, die ließen
Mein Liebchen entwichen gar still:
Ein Tor ist immer willig, Wenn eine Törin will!"
Heinrich Heine, geboren zu Zeiten tiefer Schmach seines Vaterlandes:
„Und als id)' auf dem Sankt Gotthard stand. Da hört' ich Deutschland schnarchen.
Es schlief da unten in sanfter Hut Von scchsünddreißig Monarchen."
Ja, di« Monarchen lagen ihm nun mal int Magen. Aber einer nicht, zu dem er schwärmerisch emporblickte: der groß« Korse. TaS imposanteste Denkmal, das wohl je einem Herrscher errichtet würde, ziert den Kaiser in seinem JnvalideN-Dom inmitten der Getreuen seiner alten Garde. Ein mächtiger Kuppelbau umkränzt dort in magisch-bläulichem Lichtschein einen gewaltigen Felsblock aus sibirischem Porphyr, weit über tausend Zentner! schwer. Und über der Pforte sind eingemeißelt die markigen Worte aus dem Testamente des großen Kaisers', als er auf St. Helena einsam in der Verbannung grollte:
„Fe befire que mes cendrcs reposent sur les bords de la Seine (zum Entsetzen der Schulmeister: wahrhaftig, Napoleon schrieb la Seine) au Milieu de ce peuble srancais que j'ai tanh atme". (Ich bestimme, daß meine Asche an den Ufern der Seine ruht, im Herzen dieses französischen Volkes, das ich so sehr geliebt habe).
Ein gewaltiger Felsblvck — welch ein sinniger Ausdruck für die gebrochene Größe des gewaltigen Eroberers!
Und doch: ein deutscher Dichter, unser Heine, hat seinem Abgott in aller Schlichtheit vielleicht noch ein packenderes Mal gesetzt mit seinem Lied von den beiden Grenadieren, die gebrochen aus russischer Oede heimkehren, todesmatt, denn ihr herrlicher! Kaiser ist besiegt und geschlagen. Und das ist das Ergreifende; wie diese beiden alten Haudegen um ihren Helden trauern.
Und wieder hat ein anderer schwermütiger Meister im musischen Reich so unvergleichlich überwältigend diesen Hymnus'vertont, indem er am Schluss« das alte hinreißende Revolutionslied die Marseillaise, hiueinwebte in die Worte des sterbenden Grenadiers:
„Sv will ich liegen und horchen still
Wie eine Schildwach' im Grabe, Ms daß ich, höre Kanonengebrüll Und wiehernder Rosfe Getrabe.


