Ausgabe 
21.8.1909
 
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samrtag den 2^. August

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Peter Nockler.

Die Geschichte eines Schneiders von Wilhelm Holz am er.

(Nachdruck verboten.) (Fertsepung.) .

Der Peter hatte ein paar Augenblicke stumm sinnend au dem kleinen Tischchen -gesessen. Ein paarechte" Mainzer machten dort ihre Witze/ und dort hinten in der Ecke saßen eilt, paar Landsleute. Er kannte sie nicht, aber -er hörte, das; es sein heimischer Dialekt war, wenn er auch ein wenigmeenzerisch" gefärbt war.

Er hörte hinüber. Er wollte gar nicht verstehen, was sie sagten. Er wollte nur diese Sprache hören. Sie tat ihm wohl. Sie machte ihn sogar ein wenig weich. ,

Er rieb sich die Stirn. Es war ihm so seltsam letzt. Es war ihm, als sei er in der Irre gelaufen, als müsse er einen -alten Weg wieder finden, von dem er abgekommen war.

Der Wirt kam jetzt zu ihm und begrüßte ihn in der derb-herzlichen Art des Rheinländers.

Ob er lange nicht ,drauß" gewesen wäre?

Rein, noch gar nicht!"

Da müsse er doch mal'naus" gehen. Der alt Michel Sieben sei. -auch schwer krank -gewesen. Ob er's noch sei, wisse er nicht. Und ob des Geschäft nix für ihn wär? Der Michel Sieben habe ja doch keinen Schneider.Der Bub soll jo Parre Wern, und die Tochter sollt den Hannadam heirate." 1

WaZ, den Hannadam?"

Na, des wär doch e gut Partie. Außer de.m Philipp Beit wär ja doch- kein Schreiner ebendraußen". Und der Hannadam wär en ordentlicher Kerl, fleißig und geschickt und vongute Leit".

So redeten sie miteinander.

Und der Peter trank ein Schöppchen ums andre. Und der Wirt gab auch einen Schoppen zum besten, und seine Frau mußte zwei Handkäse mit Butter bringen, einen für sich und einen für den Peter. Da trank der Peter anstands­halber noch einen.

Der Wirt trank mit dein Peter. Er erzählte ihm noch ein paar Neuigkeiten. Vom reichen Viktor, der sich die Pulsader ausgeschnitten habe. Und von der Schmitte-Lorche, die jetzt auch, bettelarm, gestorben sei. All den Reichtum, das schene -Geld", hält sie leichtsinnig hinausgeworf'en, schändlich vertan", nichts wär -genug gewesen fürsver­wöhnt Mäulche", und dann zuletzt,tm wär sie froh ge- wese für ein arm Stickelche Brot".

Ja, so geht's," schloß der Wirt.Na, jetzt auch ge- storwe. 's geht -alles den gleiche Gang. Den gehn wer all, -ob's jetz früh iS, ob's spät is. Jo, un 's is -alles ans."

Ja, ja, ja," sagte der Peter.

Trinke mer noch än?"

Ra, ja!"

Noch ein paar Schnurren erzählte der Wirt vom alten

Schuster Ambach,der doch als noch de lustigste Mann da drauß is," und ein paar tolle Stückchen vom Jean Baptist Dofflein, der jetzt -auch jbei's Hannes Beckersch Gretche" abgeblitzt war.

Der Peter lachte. Er ging leichter und.ruhiger heim. Was doch der Wein nicht tut! Und ein bißchen Zigarren­rauch dabei. Und auch ein gutes Wort von einem vernünf­tigen Menschen.

-Ganz lustig ging der Peter die Augustinerstraße hin. Aber auf einmal "fiel ihm die Elise ein. Er konnte es doch nicht los werden, was sie ihm angetan hatte.

Aber er knirschte nicht mehr. Sich und ihr machte er nicht mehr die harten Vorwürfe. Sie hatte am Ende doch nicht zu ihm gepaßt. Und wer weiß, w-ie's gut ist!

Freilich, das hält sie -ihm nicht antun sollen. So hinschmeißen hält sie sich nicht sollen.Putsch- närrischt" hatte der Bursche gesagt. Hatte sie so recht ge­wußt, was sie tat?

Ter aber schien ein Geriebener, der Rehers-Adam. Sie würde schon die Früchte davon kriegen. Es würd ihr noch gehen ... Er wollt ihr ja nichts Böses wünschen, aber sie würd schon dran zu lecken haben, 's fänd alles seine Strafe.

Und das war der rechte Kerl, der Rehers-Adam.

Es würd schon alles seinen Gang gehen. Die Elise tat ihm doch leid. Mehr leid tat sie ihm, als er sie haßte. Aber helfen konnte er ihr nicht! Nein, nicht! Es mochte jetzt seinen Gang gehen.

Und auch sich sagte er das. Zum Guten oder zum Schlechten, was könnt er jetzt dagegen tun? Was würd's all helfen! .

Er wollte warten, was ihm die nächsten Tage bringen würden. Jedenfalls wollte er nicht den Kopf hängen lassen. Seine Arbeit durfte er nicht vernachlässigen. Besonders auch seine paar Privatkunden nicht. Man könne nicht alles hinwerfen wegen so einem Pech. Das sei man doch anch sich schuldig.

Und hinaus zum alten Meister wolle er mal gehen. Das sei er doch dem auch schuldig.

Ein iwenig dachte er-auch an das Geschäft seines,Meisters. Es wär immerhin ein gemachtes Nest. Auch an die Fremde dachte er. Es wär immer noch nicht zu spät zum Wan­dern. Er wollte -aber -abwarten. Irgend etwas werde schon geschehen, daß er sich entschließen könnte.

Bis zum Morgen fast hatte er nachgesonnen. Alle Stunden hatte er in seinem Bette schlagen hören. Die Dom- uhr schlug so laut. Und endlich war er ohne böse Ge­danken eingeschlafen, da es schon stark gegen Morgen ging.

Er war ein guter Kerl, der Peter. Ein ganz Stiller, ohne viel Gerede, aber doch nicht ohne Mut und Lust und Stärke Er träumte jetzt einen guten Traum.

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