Ausgabe 
21.7.1909
 
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Ms unscheinbaren und doch reichlich t>im Insekten besuchten! Blüten diese Jnsektenaulockung hauptsächlich durch den Duft be- wirkerl, während andererseits häufig sehr in die Augen fallende Wüten duftlos sind oder doch zu sein scheinen. Daß, dies aber nicht immer der Fall ist, beweisen z. B. die Rosen. Werden große in die Augen fallende Blüten nicht von gewissen Jn- sektenarten besucht, so istz allerdings anzuuehmetr, daß ihnen der von der Blüte ausgeatinete Duft unsympathisch ist, oder daß ihnen Erfahrung oder Instinkt sagt, daß diese Blüten für sie keine Nahrung bieten. Denn sie fliegen oft so nahe an ihnen vorbei, daß eine Wahrnehmung durch den Gesichtssinn zweifellos erfolgen mußte.

Dazu kommt allerdings auch noch eine Erscheinung, hie wenigstens in einzelnen Fällen zur Erklärung der Tatsache herait- züzieheu ist, daß manche Blüten nur von bestimmten Insekten besucht werden. Ganz abgesehen davon, daß manche Blüten sich nur zu bestimmten Tageszeiten offnen, in denen wieder bestimmte Insekten fliegen, oder sich so aufrichten, daß sie augenfällig iverden, gibt es auch Blüten, die nur oder doch vorwiegend zu ganz bestimmten Tageszeiten duften. Am auffälligsten ist dies unter Unfern einheimischen Pflanzen beim Geißblatt der Fall; in der glühenden Sonnenhitze merkt man kaNm etwas von Duft, und Uran muß schon sehr nahe an die Wüten Herangehen, um ihni wahrzrmehmen; in der Dämmerung dagegen, namentlich an schwülen Abenden, können !vir auf sehr große Entfernungen hirr dm Dnft einer blühenden Geißblattlaube wahrnehmcn, namentlich, wenn ein 'leiser Luftzug ihn zu uns herträgt. Deshalb wird auch die Blüte des Geißblattes hauptsächlich nur von Schwärmern besucht, die in der Abenddämmerung fliegen. Ebenso gibt es zahlreiche von Nachtschmetterlingen besuchte Blüten, die nur nach Eintritt der Dämmerung duften, wie die Nachtviole und be­sonders die bei uns verbreitete Nachtlichtnelke (Silene nutans).

Neue Erinnerungen an Mpslesn nnd Syron.

Die Erinnerungen eines vielgereisten und vielerfahrenen Man­nes, des britischen Politikers John Cam Hobhoufe, des späteren Lord Broughton, sind soeben in London von Lady Dorchester ver­öffentlicht worden, Hobhause hatte in den sechziger Jahren die Eindrücke seines reich bewegten Lebens aufzuzeichnen begonnen Und fünf Bände vollgeschrieben, die aber unveröffentlicht blieben; ans diesem westschichtigen Material und aus Tagebuchnotizen ist nun ein glänzendes .Milturbild entstände'!, in deni fast alte be­rühmten Männer und Frauen des napoleonischen Zeüalters au dem Leser vorüberziehen. Unter dieser großen Zahl bedeutender Persönlichkeiten, mit denen Hobhouse zusammengekommeu ist, be­herrschen aber ztoei fein ganzes Fühlen und Denken: Napoleon Und Byron. Sie sind die beiden Sonnen, um die sich in der leuchtenden Sternenwelt des Buches alle anderen Gestirne drehen, Hobhouse war einer der Intimen Byrons; ihm ist der vierte Gesang vonChilde Harold" gewidmet. 1809 unternahm er mit demseltsamen jungen Menschen", der ihn schon während der Studienjahre in Cambridge interessiert hatte, jene berühmte Pilger­fahrt nach dem Orient, die Byrons wundervolles Erstlingswerk unsterblich gemacht hat. Tie Widmung an Hobhouse war für Byron ein Ausdruck der gemeinsamen Erlebnisse, die sie immer enger mit einander verbanden. Nach dieser Reife ging Hobhouse Nach Deutschland, traf hier mit Stein, Stadion und dem Prinzen von Ligne zusammen und geriet in Dresden zum ersten Mal in die verführerische Sphäre Napoleons, die ihn daNn berauschen sollte. Napoleons Kammerdiener, der den Kaiser während der Flucht aus Rußland in Dresden erwartete, erzählte ihm:Napoleon kam etwa zwei Uhr nachts an; Coulaincourt war mit ihm im Wagen; sein Gesicht war tief in einen Pelzkragen eingesunken, es war schwarz von Kälte und Schmutz und einem stoppeligen Bart. Ich hatte die Ehre, seine Füße mit Eau de Cologne zu waschen, Tic Diener, die auf dem Hintersitz des Wagens ungeschützt in der freien Luft gesessen hatten, waren in furchtbarer Verfassung: der eine, ein Pole, hatte den Gebrauch seiner beiden Beine bis über die Knie verloren und vier Unger von jeder Hand waren ihm er­froren und abgeschnitten worden. Ter andere hatte alle Zehen seines rechten Fußes verloren. "Nach Napoleons Fall eilt Hobhouse nach Paris; hier entwirft er farbige Bilder von dem Leben unter den Bourbonen, von Wellington, den er bei einer Truppenschau sah, und von Blücher, derdurchaus kein intelligentes Gesicht hatte". Biel hört er hier wieder von Napoleon; als sein Haupt- fcharakterzug wird ihm Abscheu und Verachtung des Menschen­geschlechtes angegeben. Zn einem Kardinal sagt er, während der König von Rom auf dem Boden des Gemaches spielte:Könnest Sie glauben, Kardinal, daß dies Wesen da eine Seele hat?" Während der hundert Tage sieht er zum ersten Mal,feinen Helden. Sein Gesicht ist totenblaß", so schildert er ihn,seine Kinnbacken siird vorstehend, aber nicht so sehr, wie ich hörte. Sein Haar ist kurz, von einem dunklen, düsteren Braun. Man erzählte mir, daß ihn seine.Soldaten wegen dieserTonsur" ^unseren kleinert Mönch" nennen. Er stand zumeist mit auf den Rücken gelegten oder vorn gefalteten Händen; drei oder viermal nahin er eine Prise aus einer flachen braunen Tose. Seine Zähne schienen regel­mäßig, aber nicht sauber; er sprach selten, aber wenn er es tat, ging

ein recht angenehmes Lächeln über seine Züge. Er sah um sich mit zusammengezogenen, aber nicht gerunzelten Augenbrauen. Nie­mals sah ich jemanden mit solch einem Gesicht:" Bon Stendhal mit dem Hobhouse später zusammentraf, hörte er, daß Napoleon während der schlimmsten russischen Unglückstage ganz die Be­sinnung verloren hatte. Er imterzeichnete damals acht oder zehn Erlasse mit dem NamenPompejus". Die Geftihllosigkeit Na­poleons erklärt er durch ein Wprtz das er von .Wellington hörten als ihm der Tod eines jungen -Offiziers gemeldet wurde.Ich weiß nrcht, woyer es kommt , sagte der englische Feldherr,aber ich fühle nichts bei so einer Nachricht. Bor ein paar Jahren noch würde solch ein Unglück mich haben aufschreien lassen, aber jetzt! habe ich keine solche Neigung mehr." Durch das ganze Buch hin ziehen sich interessante Mitteilungen über Byron, mit dem Hobhouse immer wieder zusammenkommt, obgleich er meint,es sei sehr schwierig, mit ihnl zu leben." Wir ersahreii Genaues über die traurige Geschichte seiner Ehe und hören von seinen ewigen Geld­verlegenheiten. 1816 unternahmen beide eine Reise nach dem Kontinent, loo sie u. a. Silvio Pellico, Mine, de Stadl und August Wilhelm Schlegel,einen kleinen dünnen Mann mit langem scharfen Gesicht, spärlichem grauen Haar und klugem Blick", kennen lernten.

Vermlschtesr

* Wie der 7jährige Krieg anfing. In Oschatz in Sachsen wirkte im Anfang des vorigen Jahrhunderts der Rektor H-, der, so oft er die Geschichte des 7jährigen Krieges feinen Schülern bortrug, regelmäßig mit folgender Einleitung begann: Kinder, Ihr wißt doch alle, daß ich aus Nossen stamme. Dort war mein Vater Torschreiber und Akziseneinnehmer. Nun denkt euch einmal, an einem schönen Augustmorgen des Jahres 1756 war derselbe nach seiner Gewohnheit früh aufgestanden und ging eben mit der Pfeife im Munde vor das Haus, uni die Fensterläden zu öffnen, da kant plötzlich ein preußischer Husar herangesprengt. Fast wäre meinem Vater vor Schreck die Pfeife aus der« Munde gefallen, doch faßte er sich und fragte:Um Vergebung, ist Er ein preußi­scher Husar?"Jawohl," antwortete der Manu. Aber, um des Hinimcls willen," rief mein Vater,was hat er denn hier bei uns in Sachsen zu suchen?"Wißt Jhr's denn noch nicht, daß heute der siebenjährige Krieg begonnen hat?" Hier schwieg der alte Rektor einen Augen­blick und schaute auf seine Schülerzahl. Ein Freudenstrahl zog dann über sein Gesicht, wenn sich endlich einer der Knaben zu der Frage meldete:Aber, Herr Rektor, woher konnte der Husar denn wissen, daß der Krieg sieben Jahre dauern würde?"

* A m Stammtisch.Trinken Sie doch noch ein Gläschen, Herr Stadtrat!"Nein, ich Muß jetzt in die Stadtratsitzuug! Na, da schlafen Sie wohl!" .

* Bor Gericht. Richter:Sie können bestätigen, daß der Angeklagte feinen Nachbar einen Esel und später ein Rindvieh geheißen hat?" Zeuge:Ja der ändert überhaupt ost semS Ansicht!"

* Billiges Versprechen. Holzdiebin:Ach, laße« S' mich diesmal noch laufen, Herr Fürstest, ich werd gewiß net wiederkommen!" Förster:Ist das auch Euer Ernst?" Holzdiebin:Na, gewiß; ich Hab beut schon meinem Bub ü g'sagt, er soll statt meiner gehn!"

Diamauträtsel.

In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben aaaabeeee fiikllnnnpp rssst derart einzutragen, daß die wagerechten Reihen folgendes bedeuten:

1. Einen Buchstaben.

2. Französische Stadt.

3. Englischen Seehetden.

4. Ein Land.

5. TuchartigeS Gewebe.

6. Biblischen Frauennamen.

7. Einen Buchstaben.

Die seirkrechte und wagereclM Mittelreihe ergeben das Gleiche.

Auflösung in nächster Nummer.

Lösung der Dechiffrier-Aufgabe in voriger Rununer: Was treffen nicht die Krähen I Was sehen nicht Poeten!

Was schwatzen nicht Betrunk'ne!

Was tim nicht mütz'ge Weiber! Indisch-

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Veilag der Brühl'scheu Universitäts-Buch- und Stcindruckerei, R. Lange, Gießeiv